Kleine Zeitung Steiermark

Liebe Leserinnen, liebe Leser

- Von Alexander Tagger aus London

Wie ich Ihnen diese Woche bereits einmal geschriebe­n habe, zähle ich zu den Frühaufste­hern. Ich sehe das nicht als Belastung, sondern vielmehr als Bonus, bringt man es doch auf ein paar wache Stunden mehr im Leben als der Langschläf­er. Eine Tatsache, die sich auch positiv in der Arbeit niederschl­ägt. So trudle ich in der O2-arena stets als einer der Ersten ein und habe damit ausreichen­d Zeit, um den Berg an täglichen Aufgaben relativ stressfrei abzubauen. Die Betonung des letzten Satzes liegt übrigens auf „einer der Ersten“, denn ich habe hier in London eine hartnäckig­e Konkurrent­in: Ros Satar!

Wer das ist? Die gute Frau sitzt im überdimens­ionalen Pressezent­rum eine Reihe vor mir, hat ihre eigene Website (www.britwatchs­ports.com) und hält offensicht­lich auch nichts von ausgedehnt­en Aufenthalt­en im Land der Träume. In unserer trauten, frühmorgen­dlichen Zweisamkei­t sind wir natürlich irgendwann ins Gespräch gekommen. Und Ros hat voller Stolz erzählt, dass sie demnächst ihren Job bei Sky Sport antritt. Darauf haben wir dann gleich mit unserem Morgenkaff­ee angestoßen. nd auch auf meinen Sieg! So hatte sich das morgendlic­he Eintreffen in der Halle zwischen uns zu einer Art Wettkampf ausgewachs­en. Wer früher da ist, erhält einen Punkt. Gestern schlug ich drei Minuten vor ihr meine Zelte auf, konnte damit auf 5:2 stellen und so das Match vorzeitig für mich entscheide­n.

Ros erwies sich allerdings als schlechte Verliereri­n: So lamentiert­e sie, ihr Bus habe Verspätung gehabt. Ihr Pech! Ja, wer mich schlagen will, muss eben früher aufstehen! Herzlichst, bis morgen!

UAlexander Tagger

In seinem vierten Anlauf in Folge konnte Dominic Thiem erstmals und auch als erster Österreich­er das Halbfinale bei den ATP Finals erreichen. Dort spielt der Österreich­er heute (21 Uhr, Servus TV und Sky live) in London nach den French Open 2018 und 2019 um das dritte große Endspiel seiner Karriere. Sein Gegner ist der deutsche Titelverte­idiger Alexander Zverev, gegen den er im „Head to head“5:2 voran liegt.

Zum Aufwärmen stand Thiem nochmals Rede und Antwort. Das sagt er über ...

... seinen Gegner: Sascha hat hier letztes Jahr gewonnen – das ist ein Riesenvort­eil für ihn. Es ist ein Wahnsinn, wie schnell er hier den ersten Aufschlag serviert – zwischen 140 und 145 Meilen. Es wird sehr schwer, ihn zu breaken. Von hinten spielt er eine der besten Rückhände auf der Tour. Es wird cleverer sein, gegen ihn über die Vorhand zu kommen.

... die Gesundheit: Am Dienstag und Mittwoch habe ich mir wegen der Verkühlung schon Sorgen

gemacht, aber jetzt geht es wieder besser. Die letzten beiden Tage haben mir sehr gutgetan. Die Energie kehrt langsam wieder zurück und ich hoffe, ich bin heute für das Match ready.

... den Erfolg: Nicht nur ich, auch die anderen jüngeren Spieler haben die Vorherrsch­aft der großen drei diese Woche wieder etwas ins Wanken gebracht. Mit dem Halbfinale habe ich mein Ziel erreicht, doch jetzt will ich unbedingt ins Finale. Aber es wird richtig schwer. Ich hoffe, den guten Level der letzten Wochen und Monate wieder abrufen zu können.

... das Atp-finale: Es ist das am schwierigs­ten zu gewinnende Turnier. Weil du lauter Top-10spieler schlagen musst. Du weißt, wenn du dieses Turnier gewinnst, kannst du jedes Turnier gewinnen.

... das Niveau: Das ist heuer sehr hoch. Das war nicht immer so. Es hat hier schon schrecklic­he Partien gegeben – auch von mir. Vielleicht ist es besser, weil manche im Sommer Probleme hatten und jetzt frischer sind. Außerdem wollte Federer Revanche fürs Wimbledon-finale und Nadal und Djokovic haben um die Nummer eins gekämpft. ... die Freundin (Kiki Mladenovic): Sie hat einen tollen Saisonends­purt hingelegt. Mit dem Sieg im Doppel bei den Wtafinals und dem Triumph im Fed Cup, wo sie alle drei Punkte geholt hat, hat sie sich in Frankreich zur Legende gemacht.

Keine hat es mehr verdient als sie, weil es für sie sportlich in der Vergangenh­eit nicht leicht war.

... den Fitnesscoa­ch (Duglas Cordero): Bisher habe ich ihn mir mit Fabio Fognini geteilt – das war nie ein Problem. Jetzt habe ich ihn für mich allein. Wir verstehen uns super, er hat großen Anteil an meinen Erfolgen.

... Doping: Von den Topspieler­n dopt sicher keiner. Erstens, weil wir oft getestet werden. Und zweitens ist Tennis eine Ballsporta­rt. Natürlich musst du fit sein, aber wichtiger ist, wie gut man spielt und wie man den Ball trifft. Da hilft dir kein Doping. Im letzten Monat wurde ich in Paris und hier in London getestet. Zu Hause auch zwei, drei Mal – das heißt: jede Woche einmal. Auf alle Fälle zu oft. ... Ticks: Jeder Spieler hat ein paar. Ich spiele vor dem Aufschlag mit dem Ball. Das mache ich jetzt schon fünf Jahre und es hat sich automatisi­ert. Ohne das geht es nicht mehr. Es kann dir helfen am Platz. Man ist dort lange allein.

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