Der Staub­sau­ger ist ein Mes­sie

Qua­li­ty­Land. Ei­ne Sa­ti­re mit „ma­schi­ni­gen“Men­schen und ge­fühl­vol­len Ma­schi­nen

Kurier (Samstag) - - KULTUR - – PETER PISA

Viel Ver­gnü­gen. Viel erns­tes Ver­gnü­gen. Dass in der neu­en Welt, „Qua­li­ty­Land“, das Lauf­band im Fit­ness­stu­dio kann spre­chen – na gut.

Aber dass es dich be­mit­lei­den, wenn sich die Freun­din vert­schüsst hat, ist un­an­ge­nehm; und wenn man dann zum Lauf­band „Leck mich doch“sagt, re­det es zu­rück: „Bit­te ach­te auf dei­ne Spra­che!“

Die Men­schen sind ma­schi­ni­ger ge­wor­den – nichts brau­chen sie mehr zu ent­schei­den: Im Ohr hat je­der ei­nen di­gi­ta­len Wurm, der ma­nagt al­les. Ist man auf dem Heim­weg, kann sein, dass er warnt: Bei der über­nächs­ten Kreu­zung lun­gern Bur­schen her­um, die ha­ben zu­sam­men sie­ben Vor­stra­fen – man soll­te ih­nen über die X-Stra­ße aus­wei­chen ...

Und die Ma­schi­nen wer­den im­mer mensch­li­cher. Die Be­kannt­schaft mit ei­ner Droh­ne, die Flug­angst hat, ist z. B. ei­ne Freu­de. Der Staub­sau­ger ist ein Mes­sie. Er soll ver­schrot­tet wer­den.

Ge­nug. Vor­freu­de ist an­ge­bracht.

Je­mand wird in Qua­li­ty­Land auf­be­geh­ren. Nicht ein­mal Sex macht mehr Spaß. Ei­nen Ver­trag soll man je­des Mal un­ter­schrei­ben: „Die Ver­trags­part­ner über­tra­gen sich ge­gen­sei­tig für 2 St­un­den das aus­schließ­li­che Recht, mit­ein­an­der zu ko­pu­lie­ren.“

Die Ide­en sind so gut, dass man „süch­telt“und im­mer mehr will. Der Ro­man ist des­halb schnell ge­le­sen. Man muss wäh­len: Er exis­tiert – mit klei­nen Un­ter­schie­den – in dunk­ler Ver­si­on für Apo­ka­lyp­ti­ker bzw. mit hel­lem Um­schlag für Op­ti­mis­ten.

Er ist – auch – Ka­ba­rett und eig­net sich zum Vor­trag wie sel­ten ein Ro­man. Was Au­tor Marc-Uwe Kling z. B. am 21. No­vem­ber im Wie­ner Gar­ten- bau­ki­no macht (Kar­ten über den „Stadt­saal“er­hält­lich).

PS: Ei­ne po­li­ti­sche Par­tei wirbt im Buch da­mit, dass die Kran­ken­kas­sen die Kos­ten für Pe­nis­ver­grö­ße­run­gen über­neh­men sol­len.

Ein paar Ta­ge ha­ben s’ in Ös­ter­reich noch Zeit für gu­te Ide­en.

Vor­freu­de ist an­ge­bracht: Marc-Uwe Kling aus Berlin

Marc-Uwe Kling: „Qua­li­ty­Land“Ull­stein Ver­lag. 384 Sei­ten. 18,50 Eu­ro.

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