Fir­tasch: Spa­ni­en blitzt mit Aus­lie­fe­rung ab

Wi­en. Feh­ler im Haft­be­fehl ge­gen Olig­ar­chen

Kurier - - FRONT PAGE - – KID MÖCHEL, DO­MI­NIK SCHREIBER

Die Aus­lie­fe­rung des ukrai­ni­schen Olig­ar­chen Dmy­tro Fir­tasch an Spa­ni­en fin­det vo­r­erst nicht statt – das hat das Wie­ner Lan­des­ge­richt am Di­ens­tag ent­schie­den. Das zu­stän­di­ge Ge­richt im ka­ta­la­ni­schen Bar­ce­lo­na konn­te den ge­gen Fir­tasch aus­ge­stell­ten Eu­ro­päi­schen Haft­be­fehl – es geht un­ter an­de­rem um den Ver­dacht der Bil­dung ei­ner kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung – nicht ex­akt be­grün­den. Das Ver­tei­di­ger­team be­stä­tig­te ent­spre­chen­de KURIERRe­cher­chen. Ex-Jus­tiz­mi­nis­ter Die­ter Böhm­dor­fer spricht von ei­ner ge­plan­ten „po­li­tisch mo­ti­vier­ten Aus­lie­fe­rung un­se­res Man­dan­ten“. Er sagt: „Die Spa­nier konn­ten nicht ein­mal die Mi­ni­mal­an­for­de­run­gen, die ein EU-Haft­be­fehl er­for­dert, er­fül­len.“

Im Aus­lie­fe­rungs kri­mi um den ukrai­ni­schenO­li gar­chenD­my­troFir­tas ch er­lei­det­die spa­ni­sche Jus­tiz ei­ne pein­li­che Nie­der­la­ge. Das Lan­des­ge­richt Wi­en hat mit Be­schluss (311 HR 288/16k) am Di­ens­tag ent­schie­den, den ukrai­ni­schen In­dus­trie-Ty­coon nicht an die spa­ni­sche Jus­tiz aus­zu­lie­fern, mit der Be­grün­dung: Das Amts­ge­richt in Bar­ce­lo­na konn­te den ge­gen Fir­tasch aus­ge­stell­ten Eu­ro­päi­schen Haft­be­fehl we­gen des Ver­dachts der Geld­wä­sche und der Bil­dung ei­ner kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung nicht be­grün­den.

Die spa­ni­sche Jus­tiz konn­te die Vor­ge­schich­te, die ein Eu­ro­päi­scher Haft­be­fehl als Ba­sis ver­langt, nicht ab­lie­fern. Laut Ak­ten la­ge sind die Spa­nier kon­kre­te An­ga­ben übe rei­nen et­wai­gen Tat­ort eben­so wie ei­nen all­fäl­li­gen Tat zei­t­raum schul­dig ge­blie­ben.

„Po­li­tisch mo­ti­viert“

Ex-Jus­tiz­mi­nis­ter Die­ter Böhm­dor­fer und Rü­di­ger Schen­der, die Ver­tei­di­ger von Fir­tasch, be­stä­ti­gen auf An­fra­ge des KU­RIER die ge­platz­te Aus­lie­fe­rung.

„Die spa­ni­sche Jus­tiz hat auf Wunsch der USA ver­sucht, ei­ne po­li­tisch mo­ti­vier­te Aus­lie­fe­rung un­se­res Man­dan­ten über das Straf­recht durch­zu­set­zen“, sagt An­walt Böhm­dor­fer zum KU­RIER. „Der Eu­ro­päi­sche Haft­be­fehl der Spa­nier wur­de­man­gels kon­kre­ter An­ga­ben vom Lan­des ge­richt Wi­en ab­ge­lehnt. Die Spa­nier konn­ten nicht ein­mal die Mi­ni­mal an­for­de­run­gen, die ein EU-Haft­be­fehl er­for­dert, er­fül­len.“

An­fang De­zem­ber 2016 ha­ben die Spa­nier dem Lan­des­ge­richt Wi­en ei­nen EU-Haft­be­fehl ge­gen Fir­tasch über­mit­telt. Der Vor­wurf: Fir­tasch soll Mit­glied der „Rus­sen-Ma­fia“um Se­mi­on Mo­gi­le­vich sein und die „zwei­te Ebe­ne ge­bil­det ha­ben“. Die­se kri­mi­nel­le Ver­ei­ni­gungwar­dem­nach­in Spa­ni­en ak­tiv, wo meh­re­re an­de­re Mit­glie­der woh­nen. Sie sol­len zwi­schen 2009 und 2015 meh­re­re spa­ni­sche Grund­stü­cke zwecks Wä­sche il­le­gal er­lang­ter Gel­der ver- un­d­ge­kauft ha­ben.

USA beim OGH

Die „kri­mi­nel­len Ak­ti­vi­tä­ten“sol­len laut den Spa­ni­ern auch „Be­ste­chung öf­fent­li­cher Be­am­ter, Be­dro­hun­gen, Er­pres­sun­gen und Be­trugs hand­lun­gen um­fas­sen“.Fir­tas ch be­strei­tet die Vorwürfe. Auf­fäl­lig war da­bei, dass ex­akt die­sel­ben Vorwürfe von der US-Jus­tiz ge­gen den Ukrai­ner ins Feld ge­führt wer­den. Auch die USA ver­lan­gen von Ös­ter­reich die Aus­lie­fe­rung Fir­taschs. Das Ober­lan­des­ge­richt Wi­en hat die Aus­lie­fe­rung in die USA für zu­läs­sig er­klärt. Jetzt liegt der Fall aber beim Obers­ten Ge­richts­hof (OGH).

Das Lan­des­ge­richt Wi­en hat hin­ge­gen die spa­ni­schen Kol­le­gen im April und im Ju­ni 2017 auf­ge­for­dert, kon­kre­ten Fak­ten zur Ver­dachts la­ge zu­lie­fern. Die­se Schrei­ben wur­den von den Spa­ni­ern je­doch nicht ein­mal be­ant­wor­tet. Auch die Ein­schal­tung der Ko­or­di­na­ti­ons­stel­le Eu­ro just für jus­ti­zi­el­le Zu­sam­men­ar­beit in­der EUbrach­te keinEr­geb­nis.

Schluss­end­lich kam der Wie­ner Rich­ter Michael Spinn zum Schluss, dass die den Spa­ni­ern ge­setz­ten Nach­fris­ten schon lan­ge ab­ge­lau­fen sind und der Fir­tasch vor­ge­wor­fe­nen Sach­ver­halt „nicht aus­rei­chend kon­kret er­scheint“. Die Über­ga­be des Ukrai­ners war des­halb ab­zu­leh­nen.

Fir­tasch wur­den „kri­mi­nel­le Ak­ti­vi­tä­ten“nach­ge­sagt

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