Lin­zer Ak­ten­skan­dal: 2,75 Mil­lio­nen Eu­ro Stra­fen „stor­niert“

Ver­wal­tung. Der Ma­gis­trat soll Stra­fen, die auf An­trag von Bund, Land, WKÖ oder AMS ver­hängt wur­den, la­scher ein­ge­trie­ben ha­ben als je­ne, die ins Stadt­bud­get flos­sen. Die Vorwürfe wer­den mas­siv be­strit­ten.

Kurier - - CHRONIK - VON KID MÖCHEL

Für den Linz er Bür­ger­meis­ter Klaus Lug er­geht es am 7. Sep­tem­ber2017 ans Ein­ge­mach­te. An dem Tag wol­len­dieOp­po­si­ti­ons par­tei­en( Grü­ne, Ne­os, ÖVP) den Stadt­chef in ei­ner Son­der­sit­zung des Kon­troll­aus­schus­ses zur bri­san­ten Ak­ten af­fä­re be­fra­gen.

Wie­der KU­RIER auf­deck­te, wur­den von der Straf ab­tei­lung des Ma­gis­trats Linz seit 2010 jähr­lich Hun­der­te An­zei­gen, die von der Fi­nanz­po­li­zei, oder der Wirt schafts kam­mer un­ter an­de­rem we­gen il­le­ga­ler Aus­län­der be­schäf­ti­gung oder Ver­stö­ßen ge­gen die Ge­wer­be­ord­nung er­stat­tet wur­den, nicht be­ar­bei­tet. Auch An­zei­gen­der Le­bens­mit­tel auf­sicht sol­len lie­gen ge­blie­ben sein.

Folg­lich ver­jähr­ten Hun­der­te V er wal tungs­strafv er­fah­ren, die be­trof­fe­nen Un­ter­neh­men lach­ten sich ins Fäust­chen. Sie blie­ben„ un­be­schol­ten “. Das heißt: Sie be­kom­men im Wie­der­ho­lungs­fall nicht die vol­le Här­te des Ge­set­zes zu spü­ren, denn sie ha­ben of­fi­zi­ell (noch im­mer) ei­ne wei­ße Wes­te. An­geb­lich lös­ten Über­for­de­rung und Per­so­nal­man­gel die­se Ak­ten-Mi­se­re aus.

Ge­gen­den Bür­ger­meis­terLu­ge rund fünf hoch­ran­gi­ge Ma­gis­trats-Mit­ar­bei­ter wird weg en­des Ver­dachts des Amts­miss­brauchs er­mit­telt. Die Vorwürfe wer­den be­strit­ten. Stadt­chef Lu­ger sag­te vol­le Auf­klä­rung zu.

Jetzt mach­te in neu­er Vor­wurf die Run­de: Der Ma­gis­tra­tLinz ha­be nur je­ne V er wal tungs stra­fen, die ins ei­ge­ne Bud­get flie­ßen, mit Nach­druck ein­ge­trie­ben; aber Stra­fen, die Linz als Durch­lauf pos­ten für die Wirt­schafts­ka mm er(WKÖ ), den Bund, das Land, die Lan­des­po­li­zei, die As­fi­nag und das AMS ein­hebt, sol­len we­ni­ger in­ten­siv be­trie­ben wor­den sein. Dem Ver­neh­men nach wird die­ser Vor­wurf mas­siv be­strit­ten. Er ge­he völ­lig ins Lee­re, be­haup­tet ein In­si­der.

Bri­san­te Zah­len

So sol­len die Stra­fen nach dem Aus­län­der be­schäf­ti­gungs ge­setz( A MS) in fünf Jah­ren um fast 90 Pro­zent ge­schrumpft sein, ob­wohl die Ge­set­zes la­ge ver­schärft wur­de. Hät­te das der Stadt füh­rung auf­fal­len müs­sen? Wur­den Stra­fen, die an­de­ren Ge­biets kör­per­schaf­ten zu­flie­ßen soll­ten, be­wusst la­scher ein­ge­ho­ben? Das muss die Wirt schafts-und Kor­rupt ions staats­an­walt klä­ren.

Das Zah­len­ma­te­ri­al der Lin­zer wirft neue Fra­gen auf. So hat Linz (20102016) rund 2,184 Mil­lio­nen Eu­ro Stra­fen für an­de­re Ge­biets kör­per­schaf­ten ein­ge­nom­men und da­von 1,614 Mil­lio­nen Eu­ro an WKÖ, Bund, Land, Po­li­zei, Ge mein den,As­fi­nag,un dA MS wei­ter­ge­lei­tet. Die un­ter­schied­li­chen Be­trä­ge er­ge­bens ich da­durch, dass sie zu ver­schie­de­nenS­tich­ta­gen er­rech­net wur­den. Zu­gleich muss­ten 340.000 Eu­ro Stra­fen an Be­trof­fe­ne zu­rück­ge­zahlt wer­den, weil die Straf­hö­he re­du­ziert oder im Be­schwer­de­weg auf­ge­ho­ben wur­de.

Ur­sprüng­lich soll­ten ins­ge­samt 3,88 Mil­lio­nen Eu­ro Stra­fen ein­ge­trie­ben wer­den. In die­sem Be­trag sind al­le Al­tFäl­le aus den Jah­ren 2010 bis En­de 2016 er­fasst, die nicht ab­ge­schlos­sen und als of­fen fort­ge­schrie­ben wur­den. Dar­un­ter fal­len an­geb­lich auch die ver­jähr­ten V er wal tungs straf­ver­fah­ren.

Auf­fäl­lig ist, dass Stra­fen im Um­fang von 2,75 Mil­lio­nen Eu­ro„ stor­niert“wur­den. Da­bei han­delt es sich um Fäl­le, bei de­nen die „Tä­ter“an­geb­lich nicht auf­find­bar wa­ren, heim­lich ih­ren Wohn­sitz ver­legt oder sich ins Aus­land ab­ge­setzt ha­ben. Die Ein­trei­bung der Stra­fen wird bei die­sen Fäl­len nach ei­ner ge­wis­sen Zeit ein­ge­stellt. Es kommt auch vor, dass bei den Übel­tä­tern nichts zu ho- len ist, weil sie Kon­kurs an­ge­mel­detha­ben. Auch­die­seFäl­le wer­den „stor­niert“.

Schwan­kun­gen

Auf­fäl­lig ist auch ein wei­te­resFak­tum: Wur­den­imJahr 2011 noch 152.000 Eu­ro an Stra­fen nach­dem Aus­län­der be­schäf­ti­gungs ge­setz an das A MS wei­ter­ge­lei­tet, so san­ken­die­se Stra­fen mit den Jah­ren deut­lich .2015 wa­ren es nur rund 14.000 Eu­ro, im Vor­jahr 27.600 Eu­ro.

Auch bei an­de­ren Stra­fen (Ar­beits­kräf­te über­las­sung, Miss­brauch der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung) gibt es in ein­zel­nen Jah­ren be­trächt­li­che Ein­nah­men schwan­kun­gen: Wur­den 2010 noch 153.000 Eu­ro Stra­fen wei­ter­ge­lei­tet, so wa­ren es 2016 nur mehr 41.200 Eu­ro.

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