CO­AST TO CO­AST IN FLO­RI­DA

Flo­ri­da vom At­lan­tik zum Golf von Me­xi­ko – mit der un­ver­meid­li­chen Sack­gas­se hin­un­ter nach Key West. Ei­ne Rou­te für Ge­nie­ßer, die den Ame­ri­can Way of Li­fe (und Dri­ve) schät­zen – und für sol­che, die ihn in ei­ner sei­ner ent­spann­tes­ten For­men ken­nen­ler­nen wo

KURIER_ROUTEN FUR GENIESSER - - INHALT - HORST BAU­ER

In­sel­hüp­fen mit dem Au­to. Ganz oh­ne War­te­rei in Hä­fen und schau­keln­den Über­fahr­ten auf öli­gen Fähr­schif­fen. Wo geht das schon? Na­tür­lich im Land der un­be­grenz­ten Mög­lich­kei­ten – und da­mit auch auf ei­ner der be­rühm­tes­ten Stra­ßen der Welt von Mia­mi hin­un­ter in den Sü­den bis nach Key West. Zahl­lo­se klei­ne In­seln (Keys) im Meer ver­bun­den durch eben­so zahl­lo­se Brü­cken, die sich zwi­schen den Punk­ten, an de­nen sie wie­der auf Land tref­fen, hoch auf­schwin­gen, um den Schif­fen Platz zu ma­chen und dem­ent­spre­chend wei­te Aus­bli­cke auf den At­lan­tik auf der ei­nen und den Golf von Me­xi­ko auf der an­de­ren Sei­te bie­ten. So­weit die Theo­rie. In der Pra­xis soll­te man sich nicht zu viel er­war­ten, was den Meer­blick an­geht. Meis­tens ver­läuft der High­way 1 näm­lich genau in der Mit­te der je­wei­li­gen Keys und ist ent­we­der von Häu­sern, Ge­wer­be­be- trie­ben oder Bü­schen ge­säumt. Von Mia­mi kom­mend merkt man erst bei Key Lar­go lang­sam, dass es jetzt tat­säch­lich auf die­sem schma­len Strei­fen hin­aus aufs Meer geht. Von den hoch­ge­zo­ge­nen Brü­cken hat man zwar im­mer wie­der gu­ten Fern­blick, aber rechts ran­fah­ren und für ein paar Fo­tos aus­stei­gen spielt es nicht. Un­über­seh­ba­re Ver­kehrs­zei­chen („Do not stop at the bridge“) las­sen da kei­nen Spiel­raum für In­ter­pre­ta­tio­nen. Und be­wuss­tes Lang­sam­fah­ren ist auch aus­ge­schlos­sen („Ma­xi­mum Speed 55, Mi­ni­mum Speed 40“– aber eben Mei­len pro St­un­de, nicht km/h). Au­ßer­dem ist recht viel Ver­kehr auf dem High­way 1, der hier dann meis­tens nur mehr ei­ne Spur pro Rich­tung hat – Idyl­le auf ei­ner der be­rühm­tes­ten Stra­ßen der Welt sieht al­so an­ders aus. Aber da­von soll­te man sich nicht ab­schre­cken las­sen. Auch wenn in der Pra­xis hier doch nicht der Weg selbst

so ganz das Ziel sein mag, er soll­te den­noch auf kei­ner Flo­ri­da-Run­de mit dem Au­to feh­len. Und auf der ers­ten schon gar nicht. Hat man näm­lich die zu Hau­se auf­ge­bau­ten Bil­der vor dem geis­ti­gen Au­ge ein­mal mit der Rea­li­tät in Ein­klang ge­bracht, kommt die Lo­cker­heit zu­rück, die spä­tes­tens un­ten in den Bars von Key West ent­spannt ge­pflegt wer­den kann. Aber da­zu spä­ter.

Zu­nächst steht na­tür­lich Mia­mi als Start­punkt der Flo­ri­da-Run­de auf dem Pro­gramm. Nicht zu­letzt, weil es ja in­zwi­schen ei­ne be­que­me Di­rekt­ver­bin­dung mit Aus­tri­an von Wi­en aus gibt. Auch weil sich die Stadt am Meer ge­ra­de wie­der ein­mal neu er­fin­det. Und das vor al­lem ab­seits des über­lau­fe­nen South Beach mit sei­nem Art-De­co-Vier­tel. Des­sen Haupt-Fla­nier- und Lo­kal­mei­le, den Oce­an Dri­ve, soll­te man trotz­dem nicht aus­las­sen. Dort herrscht am Abend das üb­li­che Ge­wim­mel, aber Stop-and-go-Ver­kehr stört hier nie­man­den, weil ei­gent­lich geht es ja dar­um, gut zu se­hen und ge­se­hen zu wer­den. Vor al­lem, wenn man sich et­wa ei­nes der all­ge­gen­wär­ti­gen Ford Mustang Ca­bri­os als Leih­wa­gen ge­leis­tet hat. So ein Abend­bum­mel mit dem Au­to wie frü­her ein­mal (in wel­cher eu­ro­päi­schen In­nen­stadt geht das noch?) passt ganz gut zum Ein­ge­wöh­nen in die neue Um­ge­bung nach der An­kunft am Nach­mit­tag. Zu lan­ge wird man oh­ne­hin nicht aus­hal­ten, weil das Schlaf­de­fi­zit aus dem über­lan­gen Tag im Flie­ger Tri­but for­dert. Als Un­ter­kunft für die Zeit der Ein­ge­wöh­nung in der neu­en Um­ge­bung (und Zeit) bie­ten sich aus dem über­bor­den­den Ho­tel-An­ge­bot von Mia­mi und Mia­mi Beach zwei vom Ös­ter­rei­cher Ha­rald Bin­de­us ge­ma­nag­te Strand­ho­tels an, die kei­ner der welt- weit ope­rie­ren­den Ket­ten an­ge­hö­ren. Das Grand Beach Ho­tel an der Col­lins Ave­nue am North Beach sei all je­nen emp­foh­len, die in der Nä­he der Par­ty­Zo­ne von South Beach blei­ben wol­len, oh­ne sich dem dor­ti­gen Wir­bel aus­zu­set­zen. Wen ein paar Ki­lo­me­ter mehr ent­lang der Strand­stra­ße in Rich­tung Nor­den nicht stö­ren, wird im Grand Beach Surfs­ide mit ei­nem brei­te­ren Strand, Meer­blick schon aus der groß­zü­gi­gen Lob­by und ei­ner Um­ge­bung be­lohnt, de­ren Ge­schäf­ten und Lo­ka­len man er­freu­li­cher­wei­se an­merkt, dass sie haupt­säch­lich mit Stamm­kun­den aus dem Vier­tel zu tun ha­ben – und nicht vom in­ter­na­tio­na­len Tou­ris­ten-Mix le­ben, der wei­ter un­ten in South Beach das Tem­po vor­gibt.

Als Schnup­per­run­de vor dem Start zur gro­ßen Rund­fahrt bie­tet sich für den ers­ten vol­len Tag nach der An­kunft ei­ne Tour hin­un­ter nach Key Bisca­ne an.

Die Stra­ße hin­aus aus der Stadt nach Bisca­ne ist ge­büh­ren­pflich­tig, be­zahlt wird via Num­mern­ta­fel­er­ken­nung (mehr da­zu im In­fo-Kas­ten zum The­ma Au­to­fah­ren in Flo­ri­da). Wei­ter un­ten zahlt man dann für die Ein­fahrt in den Park selbst noch ein­mal (8 $, ganz kon­ven­tio­nell mit Bar­geld am Schal­ter). Aber wenn man et­was Ru­he vom Chaos in Mia­mi sucht, sind sie gut in­ves­tiert. Hier im Beach-Park läuft das Ge­gen­pro­gramm. Be­schau­lich­keit und je­de Men­ge Tie­re ver­schie­dens­ter Ar­ten am We­ges­rand – von Pe­li­ka­nen und Vö­geln al­ler Art über Wasch­bä­ren bis zu den Le­gua­nen, die hier die Ufer­fel­sen be­le­ben. Auf dem Rück­weg kann man dann noch im Mia­mi Seaqua­ri­um ei­nen Stopp ein­pla­nen, um ne­ben den im Halb­stun­den­takt lau­fen­den Shows mit di­ver­sem Mee­res­ge­tier auch je­nen Ort ein­mal live ge­se­hen zu ha­ben, wo sei­ner­zeit die TV-Se­rie Flip­per ge­dreht wur­de. Da al­lei­ne der Park­platz vor dem Seaqua­ri­um 10 Dol­lar kos­tet, zahlt es sich aus, für den Be­such et­was mehr Zeit ein­zu­pla­nen und die di­ver­sen Shows mit Del­fin, Kil­ler­wal & Co. auch zu be­su­chen.

Zu­rück in Mia­mi, zeigt ein abend­li­cher Aus­flug ins ge­ra­de auf­stre­ben­de Hips­ter-Vier­tel Wyn­wood mit sei­nen bun­ten Graf­fi­ti-Wän­den, an­ge­sag­ten Lo­ka­len und Bou­ti­quen, dass auch ab­seits des Oce­an Dri­ve in South Beach et­was los ist in der Stadt. Und wer et­wa in der Wyn­wood Kit­chen ein­fällt, um den tags­über auf­ge­bau­ten Hun­ger mit Ta­pas der spe­zi­el­le­ren Art zu stil­len, läuft oh­ne­hin nicht Ge­fahr, dem auf­kei­men­den Schlaf zu er­lie­gen – da­vor schützt die Be­schal­lung durch den lo­ka­len DJ zu­ver­läs­sig. Am nächs­ten Tag geht es dann aber los mit der Tour und nach­dem man die ers­te Er­nüch­te­rung über den zu­nächst über­schau­ba­ren Fahr­ge­nuss auf dem High­way 1 hin­un­ter in die Keys ver­daut hat, wird die Rou­te doch noch zum Er­leb­nis. Spä­tes­tens, wenn man den „Bahia Hon­da Sta­te Park“er­reicht hat. Der liegt 12 Mei­len süd­lich von Ma­ra­thon und bie­tet die längs­ten Sand­strän­de in den Keys. Fla­ches Was­ser auf bei­den Sei­ten der schma­len In­sel mit ka­ri­bi­schem Flair, fei­ne Sand­strän­de und gu­te In­fra­struk­tur – vom Ha­fen als Aus­gangs­punkt für Schnor­chel­tou­ren über ausreichend Park­plät­ze bis zu Bar und Shop ist al­les da. Und ein Zu­gang zu ei­nem Teil der al­ten Ei­sen­bahn­brü­cke oben­drein, die par­al­lel zu der heu­ti­gen Stra­ßen­brü­cke ver­lau­fen ist und jetzt ma­le­risch ver­fällt.

Ei­ne hal­be Au­to­stun­de wei­ter ist dann das En­de der lan­gen Sack­gas­se ins Meer er­reicht. Als ab­so­lut stim­mi­ge Blei­be in Key West sei das Ibis Bay Ho­tel emp­foh­len. Er­rich­tet in den 50erJah­ren als ers­tes Ho­tel in Key West (da­mals hieß es Beach Ho­tel) und er­baut mit dem Aus­hub des Koral­len­bruchs, der beim Bau der Brü­cken zu den Keys an­ge­fal­len ist, er­weckt es

heu­te eher den Ein­druck ei­nes Mo­tels (die Au­tos par­ken im Hof di­rekt vor der je­wei­li­gen Zim­mer­tür). Vor ei­ni­ger Zeit von ei­nem aus­tra­li­schen Fo­to­gra­fen und Künst­ler und sei­nem ku­ba­nisch-stäm­mi­gen Freund ge­kauft und wie­der her­ge­rich­tet, ist heu­te kein Zim­mer gleich wie das an­de­re. In al­len wer­den Fund­stü­cke als Ob­jek­te in­sze­niert und die gan­ze An­la­ge lebt von der In­di­vi­dua­li­tät als Ge­gen­ent­wurf zu den ge­norm­ten Ho­tels der gro­ßen Ket­ten. Zu­sätz­li­ches Ar­gu­ment für Ge­nie­ßer ist das an­ge­schlos­se­ne Re­stau­rant. „The Sto­ned Cr­ab“pro­fi­tiert von ei­ner Initia­ti­ve der Be­sit­zer, die an­gren­zend ei­nen lo­ka­len Fisch-Markt er­öff­net ha­ben, der aus­schließ­lich den Fang lo­ka­ler Fi­scher an­bie­tet und die­sen auch an an­de­re Lo­ka­le und Pri­va­te wei­ter­ver­kauft – aber die ers­te Wahl hat na­tür­lich der ei­ge­ne Koch. Die Fi­scher­boo­te kön­nen di­rekt vor dem Lo­kal an­le­gen und ab­la­den, die Mit­glie­der der Initia­ti­ve wer­den dann via eMail oder Pos­ting ver­stän­digt, dass fri­sche Wa­re ein­ge­trof­fen ist. Der Markt wur­de in­iti­iert, um den im­mer stär­ker zu­neh­men­den Im­por­ten von Mee­res­früch­ten und Fi­schen aus Asi­en ein lo­ka­les Ge­gen­ge­wicht ent­ge­gen­set­zen zu kön­nen und die Fi­scher im Ort im Ge­schäft zu hal­ten. Spe­zia­li­tät des Hau­ses sind na­tür­lich die Sto­ne Crabs, die als die „ein­zi­gen nach­hal­ti­gen Mee­res­früch­te“an­ge­bo­ten wer­den, weil den Tie­ren beim Fang nur die Sche­ren ab­ge­nom­men wer­den und sie dann wie­der zu­rück ins Meer kom­men, wo die Sche­ren mit der Zeit („ab dem nächs­ten Voll­mond“, so die Le­gen­de) wie­der nach­zu­wach­sen be­gin­nen. Ser­viert wer­den sie kalt oder warm, in ver­schie­de­nen Kom­bi­na­tio­nen (au­ßer­halb der Schon­zeit auch mit lo­ka­lem Lobs­ter) und be­reits vor­ge­knackt. Prag­ma­ti­scher­wei­se (wir sind in den USA) be­kommt man als Gast blaue Ein­weg­hand­schu­he mit den Kr­ab­ben­sche­ren mit­ser­viert, mit de-

nen man sich be­ru­higt ans Werk ma­chen kann, oh­ne da­nach grö­ße­re Säu­be­rungs­ak­tio­nen star­ten zu müs­sen. Wei­te­rer Plus­punkt des Ibis Bay ist der Gra­tis-Shut­tle­bus, mit dem man in die na­he Alt­stadt von Key West fah­ren kann. Was nicht nur Park­platz­tech­nisch ein Vor­teil ist, son­dern auch kei­ne Pro­ble­me bringt, wenn man an den un­zäh­li­gen Bars im Zen­trum nicht nur vor­bei­ge­hen will. Schließ­lich kommt man um Herrn He­ming­way hier nicht her­um und der hat sei­ne Spu­ren ja auch in di­ver­sen Bars hin­ter­las­sen. Beim Be­such sei­ner zum Mu­se­um mu­tier­ten Vil­la zahlt es sich üb­ri­gens aus, ei­ne der al­le hal­ben St­un­den star­ten­den ge­führ­ten Tou­ren ab­zu­war­ten, weil man so am kom­pak­tes­ten die wich­tigs­ten Fak­ten mit­be­kommt – und bei den im ers­ten Stock aus­ge­stell­ten Fo­tos des Meis­ters am Ski­hang mit der Weis­heit glän­zen kann, dass die in Schruns in den „Aus­tri­an Moun­ta­ins“ent­stan­den sind.

Nächs­ter Fix­punkt des erst­ma­li­gen Be­su­chers von Key West ist ei­ne Tour mit dem Hop-onHop-off-Trol­ley-Bus samt lau­ni­ger Füh­rung durch den Fah­rer. Wer nicht aus­steigt, son­dern die gan­ze Tour durch­fährt, hat in 90 Mi­nu­ten die wich­tigs­ten Fak­ten zu Key West ein­mal ge­hört, die wich­tigs­ten Se­hens­wür­dig­kei­ten ge­se­hen und weiß auch, wo He­ming­way ge­wohnt hat, als er die Vil­la noch nicht hat­te und wo sei­ne be­vor­zug­te Trän­ke Slop­py Joe da­mals wirk­lich war (näm­lich nicht am heu­ti­gen Stand­ort). Da­nach kann man im­mer noch ent­schei­den, wo man dann selbst län­ger auf Er­kun­dungs­tour ge­hen will – oder auch nur, wo die ers­te Mar­ga­ri­ta fäl­lig wird.

Ist Key West ein­mal er­kun­det (und hat das ers­te über­mäch­ti­ge Kreuz­fahrt­schiff sei­ne Tou­ris­ten-La­dung vor­über­ge­hend ge­löscht), geht es be­ru­higt wie­der zu­rück hin­auf in Rich­tung Mia­mi, um dort noch ein­mal zu über­nach­ten, oder gleich knapp da­vor auf den Ta­mia­mi Trail in Rich­tung Wes­ten ein­zu­schwen­ken. Der führt quer durch die Sumpf­land­schaft der Ever­gla­des und spä­tes­tens wenn statt des ge­wohn­ten Warn­schil­des vor Al­li­ga­to­ren das ers­te mit dem Text „Pan­thers Cros­sing“auf­taucht, weiß man, dass hier die Na­tur re­giert. Er­kun­det wer­den kann sie mit ei­nem der am Stra­ßen­rand an­ge­bo­te­nen und sehr po­pu­lä­ren „Air­boat Ri­des“(die ra­san­te­re, aber we­sent­lich lau­te­re Va­ri­an­te auf Ka­ta­ma­ra­nen mit Pro­pel­ler-An­trieb), oder in der be­schau­li­che­ren, und Flo­ra wie Fau­na des Sump­fes buch­stäb­lich zum Grei­fen na­he brin­gen­den Ver­si­on mit dem Sto­cherKahn.

Wer zu­nächst durch­fährt und sich die Sumpf-Er­kun­dung für spä­ter auf­hebt, rollt nach rund drei St­un­den auf dem Ta­mia­mi-Trail in Na­p­les am Golf von Me­xi­ko ein. Man merkt so­fort, dass es sich um ei­ne Ge­gend mit wohl­ha­ben­den Be­woh­nern han­delt. Al­les ist sehr

weit­läu­fig an­ge­legt und gut ge­pflegt, mit viel Grün zwi­schen den be­bau­ten Flä­chen, und Golf­plät­ze wech­seln sich mit brei­ten Ka­nä­len mit Ma­ri­nas ab. Am bes­ten merkt man, wo man hier ge­lan­det ist, wenn man gleich ein­mal bei ei­ner Sun­set-Crui­se ein­checkt. Die star­tet (je nach Jah­res­zeit und Son­nen­stand) ge­gen 18.45 und führt den Gor­don Ri­ver hin­aus vor­bei an ei­ner un­ge­mei­nen Dich­te an ent­lang des Ufers auf­ge­fä­del­ten Mil­lio­närs-Vil­len hin­aus bis aufs Meer. Dort wird der Son­nen­un­ter­gang ze­le­briert, be­vor es zu­rück geht. Im­mer wie­der be­glei­ten da­bei Ru­del von Del­fi­nen das Schiff und ha­ben of­fen­sicht­lich sehr viel Spaß mit den Wel­len des Aus­flugs­boo­tes.

Die Din­ner-Crui­se-Va­ri­an­te der Boots­tour kann man sich üb­ri­gens spa­ren, legt man doch am En­de di­rekt bei „Pin­chers Cr­ab-Shack“in der Tin-Ci­ty an, ei­ner rus­ti­ka­len, aber gut aus­ge­las­te­ten Hüt­te, in der un­kom­pli­zier­tes, aber herz­haf­tes Es­sen ze­le­briert wird (und wo man für den hier halb ge­fro­ren ser­vier­ten Key Li­me Pie Platz las­sen soll­te). Die ge­die­ge­ne­re Al­ter­na­ti­ve ist es, sich ei­nen Tisch im „1500 West“, dem neu er­öff­ne­ten Re­stau­rant von Pro­mi-Koch Art Smith (hat 10 Jah­re für die USTalk­show-Queen Oprah Win­frey ge­kocht) im Na­p­les Bay Re­sort re­ser­vie­ren zu las­sen. Die Kar­te bie­tet in­ter­na- tio­na­le Küche mit lo­ka­len Pro­duk­ten und leicht ita­lie­ni­schem Ein­schlag in ei­ner für lo­ka­le Ver­hält­nis­se eher mitt­le­ren Preis­la­ge (Vor­spei­sen um 11, Haupt­gang von un­ter bis gut über 30 Dol­lar, al­les na­tür­lich oh­ne Steu­ern und Trink­geld) und ei­ne recht aus­führ­li­che Wein­kar­te (je rund 4 bis 5 Wei­ne auch glas­wei­se). Spe­zi­el­ler Tipp: Es gibt Plät­ze im Frei­en und drin­nen im cool ein­ge­rich­te­ten Lo­kal – wo­bei es selbst an win­di­gen Aben­den drin­nen (Ach­tung: Kli­ma­an­la­ge) mehr zieht als drau­ßen. Hat man im eben­falls ganz neu er­öff­ne­ten Hyatt-Hou­se di­rekt ge­gen­über am Gor­don Ri­ver ein­ge­checkt, muss man des­sen Gra­tis-Shut­tle­ser­vice gar nicht be­nut­zen, son­dern geht ein­fach

zu Fuß nach Hau­se. Dort – noch ein Spe­zi­al-Tipp – soll­te man ver­su­chen, das Zim­mer 345 im 3. Stock zu ver­mei­den, das genau un­ter ei­nem der am Dach an­ge­brach­ten Kom­pres­so­ren der Haus­kli­ma­an­la­gen liegt und ei­nen dem­ent­spre­chen­den Brumm-Fak­tor auf­weist.

Na­p­les selbst hat ne­ben Mil­lio­närs­vil­len am Fluss, ge­die­ge­nen Ge­schäf­ten an der Fifth Ave­nue und rund um die Thir­dSt­re et South ein Ju­wel für Au­to­In­ter­es­sier­te zu bie­ten: das pri­va­te Col­lier-Au­to-Mu­se­um, das in ei­nem im­po­san­ten Ge­bäu­de die Samm­lung der Col­lier-Fa­mi­lie zeigt, die Na­p­les einst durch den Bau des Ta­mia­miTrails erst rich­tig auf die Land­kar­te ge­setzt hat. Die auch für eu­ro­päi­sche Ver­hält­nis­se be­ein­dru­cken­de Aus­stel­lung reicht von Au­tos aus den An­fän- gen der Mo­to­ri­sie­rung (Sim­plex etc.) bis her­auf zum McLa­ren M1 und hat au­ßer­dem ei­nen spe­zi­el­len Ös­ter­reich­be­zug zu bie­ten. Gleich beim Ein­gang hängt ein Bild von Jo­chen Rindt (mit Mas­ten Gre­go­ry in Le Mans) und wei­ter hin­ten steht das ori­gi­na­le LeMan­sSie­ger­au­to von Mar­ko/van Len­nep mit ei­ner aus­führ­li­chen Wür­di­gung der Por­sche-Salz­burg-Ge­schich­te des da­ma­li­gen LeMans-Ein­sat­zes ne­ben den Werks­teams. Es zahlt sich je­den­falls aus, durch Vor­an­mel­dung die Mög­lich­keit zu be­kom­men, die nicht durch­ge­hend für Pu­bli­kum ge­öff­ne­te Samm­lung se­hen zu kön­nen.

Wer über den Ta­mia­mi Trail ge­kom­men ist, kann für die Rück­fahrt hin­über an die At­lan­tik­küs­te ge­trost die Au­to­bahn (sprich In­ter­sta­te I75) neh­men. Das geht dann in der hal­ben Zeit und die end­lo­se Ebe­ne der Ever­gla­des-Sümp­fe sieht von hier auch nicht we­sent­lich an­ders aus. Die ge­won­ne­ne Zeit ist für Ge­nie­ßer we­sent­lich bes­ser in­ves­tiert, wenn sie, an der Küs­te bei Mia­mi an­ge­kom­men, kurz in Rich­tung Nor­den schwen­ken und den letz­ten Stopp der Rou­te in Fort Lau­der­da­le ein­le­gen. Hier gibt es das „Mil­lio­närs­vil­len-am-Was­ser“-Spek­ta­kel von Na­p­les noch ein­mal in der at­lan­ti­schen Va­ri­an­te. Und bei Be­darf auch et­was mehr Par­ty­le­ben als im eher ver­schla­fe­nen Na­p­les. In dem von un­zäh­li­gen Was­ser­ka­nä­len durch­zo­ge­nen Zen­trum rund um die Las Olas Street wech­seln sich ge­pfleg­te Ge­schäf­te mit eben­sol­chen Re­stau­rants und Bars ab (ne­ben den un­ver­meid­li­chen Im­mo­bi­li­en-Mak­lern). Vor­ne an der Küs­ten­stra­ße beim Strand geht’s eher lau­ter und lus­ti­ger zu, wo­zu ne­ben meh­re­ren Live-Bands in ver­schie­de­nen Lo­ka­len wohl auch die Cock­tail-Be­cher im For­mat von Kin­derb­ade­wan­nen ih­ren Bei­trag leis­ten.

Ge­nuss-Rei­sen­den mit In­ter­es­se an lo­ka­len Spe­zia­li­tä­ten sei je­doch emp­foh­len, ein paar Mei­len ent­lang des par­al­lel zur Küs­te ver­lau­fen­den und schiff­ba­ren In­land-Ka­nals wei­ter nach Nor­den zu rol­len, um in Pom­panoBeach die „Lo­cal-Food-Tours“mit­zu­ma­chen. Der Treff­punkt mit Chris­ti­ne (merk­bar ita­lie­ni­scher Ab­stam­mung, wenn auch schon in der zwei­ten Ge­ne- ra­ti­on Ame­ri­ka­ne­rin), die sol­che Lo­kal-Füh­run­gen aus pri­va­tem In­ter­es­se vor Kur­zem er­fun­den und da­für ih­ren ei­gent­li­chen Job auf­ge­ge­ben hat, ist in ei­nem der we­ni­gen Ho­tels in der Ge­gend (sonst wird die Sky­line von Hoch­haus-Blö­cken mit Time­sha­reApart­ments ge­prägt).

Hier, auf der Ter­ras­se des Bay Sands Ho­tels, be­ginnt die Tour nach ei­ner kur­zen Ein­füh­rung gleich ein­mal mit ei­nem Cock­tail (nennt sich „Pain in the Ass“, ist ei­ne Kreu­zung von Pi­na Co­la­da und ei­nem Rum-Cock­tail und bei der Mit­tags­tour ei­ne ge­wis­se Her­aus­for­de­rung), noch be­vor die ers­ten Conch-Frit­ters (frit­tier­te Mu­schel­fleisch-Bäll­chen) mit zwei­er­lei Dips für et­was Un­ter­la­ge sor­gen kön­nen. Dann geht’s wei­ter zu den nächs­ten Lo­ka­len, die al­le in der At­lan­tic Ave­nue lie­gen und sich da­durch aus­zeich­nen, dass sie zu kei­nen Fran­chiseKet­ten ge­hö­ren, von Orts­an­säs­si­gen be­trie­ben wer­den, nur lo­ka­le Pro­duk­te ver­wen­den – und in die man sonst nie hin­ein­ge­gan­gen wä­re. Was man an­ge­sichts der Qua­li­tät des Ge­bo­te­nen – vom Spe­zi­al-Sand­wich über ei­ne kra­chen­de New-Yor­kS­tyle-Piz­za bis zum haus­ge­mach­ten Eis – als Feh­ler ver­bu­chen hät­te müs­sen. Die Kost­pro­ben rei­chen nicht nur für ei­nen so­li­den Sät­ti­gungs­ef­fekt, sie ge­ben auch ei­ne gu­te Ent­schei­dungs­grund­la­ge da­für, wel­ches der Lo­ka­le man dann selbst ein­mal mit ei­nem ei­gen­stän­di­gen Be­such be­eh­ren will.

Und wer am En­de der Ge­nuss­rou­te durch den Sü­den Flo­ri­das doch schon vom ku­li­na­ri­schen Heim­weh ge­packt sein soll­te, weiß we­nigs­tens, dass es im Che­cker’s Old Mun­chen (ge­grün­det von ei­nem aus­ge­wan­der­ten deut­schen Koch und jetzt von sei­nem En­kel mit den Ori­gi­nal­re­zep­ten am­bi­tio­niert wei­ter­ge­führt) nicht nur die Wahl zwi­schen Pils und Wei­zen­bier gibt, son­dern – nach all den Kr­ab­ben, Mu­scheln und Lobs­ter-Schwän­zen der letz­ten Ta­ge – auch ei­ne ori­gi­na­le Rinds­rou­la­de wie von Mut­tern.

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Na­p­les

Golf von Me xi­ko

Okeech­obee­see

Fort La Lau­der­dal­eu­der da­le

Mia­mi Beach

Key West

Flo­ri­da Bay

Stim­mi­ge Un­ter­kunft in Key West: Die Wän­de des heu­ti­gen Ibis Bay Ho­tels be­ste­hen aus Koral­len­bruch

Blick über den Ho­tel-Pool auf den Gor­don Ri­ver, in dem oft Del­fi­ne zu se­hen sind: das Hyatt Hou­se in Na­p­les

Kon­tras­te ent­lang der Rou­te : Das no­ble Na­p­les, Wer­bung

in den Ever­gla­des und ein Sumpf-Be­woh­ner

Fort Lau­der­da­le nennt sich ger­ne das Ve­ne­dig Flo­ri­das. Aber nicht nur die Gon­deln ha­ben an­de­re Di­men­sio­nen

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