Ver­ant­wor­tungs­vol­les Un­ter­neh­mer­tum?

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Selbst­bild deut­scher Wirt­schafts­eli­ten

Gal­ten Un­ter­neh­mens­füh­rer 2001 noch für 60 Pro­zent der Be­frag­ten als Hoff­nungs­trä­ger, so sa­hen dies zehn Jah­re spä­ter nur mehr 20 Pro­zent so. Ban­ker ran­gie­ren mitt­ler­wei­le laut Al­len­s­pa­cher Be­rufs­pres­ti­ge­ska­la an letz­ter Stel­le, nur mehr 3 Pro­zent schrei­ben ih­nen die Qua­li­tät von Zu­kunfts­ge­stal­tern zu. Grund ge­nug für das Göt­tin­ger In­sti­tut für De­mo­kra­tie­for­schung, dem Selbst­bild der Wirt­schafts­eli­ten auf den Zahn zu füh­len. In rund 160 Ein­zel­in­ter­views wur­den die Ein­stel­lun­gen deut­scher Füh­rungs­kräf­te zu Ge­sell­schaft, Po­li­tik, Leis­tung, Ge­rech­tig­keit oder Ge­schlech­ter­rol­len er­ho­ben. Selbst­ver­ständ­lich han­delt es sich bei den Er­geb­nis­sen um sub­jek­ti­ve Ein­schät­zun­gen, um Selbst­aus­künf­te oder teil­wei­se gar – wie Mat­thi­as Mi­cus als ei­ner der Stu­di­en­au­to­ren ein­mal meint – mit­un­ter gar um „phan­tas­ti­sche Selbst­sug­ges­tio­nen” (S. 264). Ins­be­son­de­re se­hen sich die Be­frag­ten als zen­tra­le Leis­tungs­trä­ger der Ge­sell­schaft mit ho­her Ver­ant­wor­tung vor al­lem ge­gen­über ih­ren Be­leg­schaf­ten. Ein­kom­men für die Mit­ar­bei­te­rin­nen und de­ren Fa­mi­li­en zu si­chern, wird als ho­her Wert her­aus­ge­stellt. Da­von ab­ge­lei­tet wird ein Ge­rech­tig­keits­ver­ständ­nis, wel­ches eben auf Leis­tung ba­siert. Pflicht und Ver­ant­wor­tung al­ler wird ein­ge­for­dert, der Be­griff der So­li­da­ri­tät je­doch skep­tisch be­ur­teilt, eben­so ei­ne zu star­ke Ein­mi­schung des Staa­tes. Wäh­rend Un­ter­neh­mer per­ma­nent Ver­ant­wor­tung tra­gen, könn­ten Po­li­ti­ke­rin­nen die­se auf die nach ih­nen Kom­men­den oder gar auf nächs­te Ge­ne­ra­tio­nen ab­schie­ben, so ein wei­te­res In­diz der po­si­ti­ven Selbst­ein­schät­zung der Wirt­schafts­eli­ten.

Ne­ben Pau­schal­ur­tei­len wie der „Um­ver­tei­lungs­sucht der Po­li­ti­ker” (S. 311) oder der Af­fi­ni­tät zum Neid­dis­kurs wer­den aber auch dif­fe­ren­zie­ren­de Be­fun­de sicht­bar: zen­tral er­scheint die Ga­ran­tie von Rechts­staat­lich­keit, Ge­werk­schaf­ten und Ta­rif­po­li­tik wer­den von In­dus­trie­füh­rern als Be­stand­teil ei­nes ko­ope­ra­ti­ven Sys­tems ak­zep­tiert und eher von Fa­mi­li­en­be­trie­ben ab­ge­lehnt. Das po­li­ti­sche En­ga­ge­ment der Wirt­schaf­se­li­ten neh­me ab und die po­li­ti­sche Zu­ge­hö­rig­keit ver­lie­re an Ein­deu­tig­keit, so ein wei­te­rer Be­fund. Ge­spro­chen wird eher von„ po­li­ti­scher Hei­mat­lo­sig­keit” (S. 333). Der So­zi­al­de­mo­krat Ger­hard Schrö­der wird von vie­len als Po­li­ti­ker mit Wirt­schafts­ver­stand ge­lobt, An­ge­la Mer­kel auch kri­ti­siert. Be­merk­bar sei ein Fai­b­le für das „ chi­ne­si­sche Mo­dell”, wel­ches dem Tem­po des glo ba­len Wett­be­werbs mög­li­cher­wei­se bes­ser ent­sp­re che als lang­wie­ri­ge de­mo­kra­ti­sche Aus­hand­lungs­pro­zes­se. Kei­ne Sym­pa­thi­en er­fah­ren di­rekt­de­mo­kra­ti­sche An­sät­ze; und als größ­ter Feind wer­den – das mag über­ra­schen – mitt­ler­wei­le die Me­di­en aus­ge­macht, die „skan­da­li­sie­ren”, „ La­wi­nen los­tre­ten”, “Hetz­ja­gen­den” be­trei­ben. Da­hin­ter ste­he frei­lich, so die Au­to­ren, auch der Ver­lust an Macht durch mehr Öf­fent­lich­keit und Trans­pa­renz.

Leis­tung für das Ge­mein­wohl?

Bei al­ler ver­ba­len Be­to­nung ethi­scher Hand­lungs­grund­la­gen zei­ge sich, so ei­ne In­ter­pre­ta­ti­on der Stu­di­en­au­to­ren, ei­ne Ten­denz zur wirt­schaft­li­chen Eng­füh­rung von so­zia­len Wer­ten:„ Im Ge­rech­tig­keits­bild deut­scher Un­ter­neh­mer sind ih­re Mit­ar­bei­ter – eben­so wie sie selbst – Hu­man­ka­pi­ta­lis­ten. Je­der ist sein ei­ge­ner Un­ter­neh­mer. Wis­sen, Leis­tungs­fä­hig­keit, Ar­beits­kraft und Ge­sund­heit sind Res­sour­cen, die in di­vi­du­ell auf­ge­baut, ge­mehrt, er­hal­ten wer­den müs­sen.” (S. 271) Dass wirt­schaft­li­che Chan­cen und Mög­lich­kei­ten (noch im­mer) häu­fig ver­erbt wer­den, blei­be da­bei eben­so au­ßen vor, wie die mitt­ler­wei­le ja be­kann­ten ekla­tan­ten Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­un­ter­schie­de. Wo­mög­lich in­sis­tie­ren die Fir­men­len­ker auch des­we­gen so stark auf so­zia­le Wer­te, so ei­ne In­ter­pre­ta­ti­on der Au­to­rin­nen, weil ih­nen die neo­li­be­ra­le Schlag­sei­te ih­res Frei­heits­ver­ständ­nis­ses durch­aus be­wusst sei und sie “ih­re Ent­bü­ro­kra­ti­sie­rungs­for­de­run­gen und Steu­er­sen­kungs­be­geh­ren durch den Ver­weis auf das Ge­mein­wohl zu le­gi­ti­mie­ren su­chen” (S. 273). Auch die vor­ge­ge­be­ne “rast­lo­se Be­trieb­sam­keit” und das Ba­lan­cie­ren zwi­schen “Flow und Er­schöp­fung” (S. 321) ent­spricht dem Selbst­bild des Leis­tungs­trä­gers. Über Über­for­de­rung oder gar Bur­nout wer­de aber un­gern ge­spro­chen, was der Selbst­zu­schrei­bung vom er­folg­rei­chen Gestal­ter wi­der­spre­che. “Leis­tung” ha­be an de­re so­zia­le Mo­ti­va­tio­nen, et­wa re­li­giö­se Über­zeu­gun­gen, ab­ge­löst. Be­reits 40 Pro­zent der Be­frag­ten be­zeich­ne­ten sich als kon­fes­si­ons­los. Das Un­ter­neh­men gut zu füh­ren, nach Mög­lich­keit Um­sät­ze und Ge­win­ne zu ver­grö­ßern und da­mit zum „Ge-

Ne­ben den po­li­ti­schen Eli­ten ha­ben an­ge­sichts der sich meh­ren­den Kri­sen auch die wirt­schaft­li­chen Eli­ten mit zu­neh­men­dem Ver­trau­ens­schwund zu kämp­fen. An­de­rer­seits stei­gen die Er­war­tun­gen hin­sicht­lich so­zia­ler wie öko­lo­gi­scher Her­aus­for­de­run­gen. Und mit ih­nen Pu­bli­ka­tio­nen über ein an­de­res, ein nach­hal­ti­ges Un­ter­neh­mer­tum.hans Holzin­ger ana­ly­siert ein­schlä­gi­ge Pu­bli­ka­tio­nen so­wie ei­ne um­fang­rei­che Stu­die über das Selbst­bild deut­scher Un­ter­neh­mens­füh­re­rin­nen.

„Un­ter­neh­mer lie­ben die Selbst­zu­schrei­bung, 24 St­un­den am Tag al­les für die Fir­ma zu ge­ben. Auch das Wo­che­n­en­de ist für ge­werb­li­chen Fleiß na­tür­lich nicht ta­bu.“(Wal­ter/marg in , S. 323)

mein­wohl“bei­zu­tra­gen, wird als ei­ne Art „sä­ku­la­ri­sier­te Mis­si­on“(S. 329) be­zeich­net. Auf­schluss­reich er­scheint auch die Dif­fe­ren­zie­rung in­ner­halb der Un­ter­neh­mer­schaft so­wie die Ab­gren­zung ge­gen­über Ima­ge­schä­di­gern: “Die Fa­mi­li­en­un­ter­neh­mer gren­zen sich ge­gen­über Groß­un­ter­neh­mern und Ma­na­gern, al­so im Prin­zip ge­gen­über al­len an­de­ren ab, die Groß­un­ter­neh­mer ge­gen­über den Ma­na­gern und die Ma­na­ger ge­gen­über den schwar­zen Scha­fen aus der ei­ge­nen Grup­pe.” (S. 262) Re­sü­mee: Ei­ne Un­ter­su­chung, die Auf­schluss gibt über das Selbst­bild deut­scher Wirt­schafts­eli­ten und die ih­ren Wert aus den so­zi­al­wis­sen­schaft­li­chen In­ter­pre­ta­tio­nen der Be­fun­de so­wie dem Ver­gleich der Er­geb­nis­se mit an­de­ren so­zio­lo­gi­schen Be­fun­den be­zieht. Auf­ge­räumt wird da­bei auch mit Kli­schees et­wa der not­wen­di­gen In­ter­na­tio­na­li­tät von Wirt­schafts­eli­ten – zwei Drit­tel der Be­frag­ten ver­füg­ten über kei­ner­lei Aus­lands­er­fah­run­gen – oder dem Un­ter­neh­mens­pa­tri­ar­chen, der ein­sam sei­ne Ent­schei­dun­gen tref­fe. Un­ter­neh­men bräuch­ten heu­te ei­ne ko­ope­ra­ti­ve Füh­rung, um der Kom­ple­xi­tät der An­for­de­run­gen ge­recht zu wer­den. Die Au­to­ren nen­nen das „post­he­roi­sches Ver­hal­ten“.

Un­ter­neh­men: Selbst­bild 84 Sprach­lo­se Eli­te? Wie Un­ter­neh­mer Po­li­tik und Ge­sell­schaft se­hen. Hrsg. v. Fritz Wal­ter u. Sti­ne Marg. Rein­bek bei Ham­burg: Ro­wohlt, 2015. 350 S.,

€ 16,95 [D], 17,50 [A] ; ISBN978-3-498-04213-4

Post­wachs­tums­un­ter­neh­men?

Zu kurz kom­men in der von BP Eu­ro­pa ge­för­der­ten Stu­die über die Wirt­schafts­eli­ten Deutsch­lands Um­welt­und Nach­hal­tig­keits­the­men (Wirt­schafts­wachs­tum wird durch die Bank als Not­wen­dig­keit an­ge­se­hen) so­wie mög­li­che Dis­si­den­ten, die aus dem Main­stream-un­ter­neh­mens­selbst­bild aus­sche­ren. Ei­ne auf­schluss­rei­che Un­ter­su­chung da­zu hat das Deut­sche In­sti­tut für öko­lo­gi­sche Wirt­schafts­for­schung (IÖW) vor­ge­legt.

Die Hälf­te der 700 be­frag­ten Klein- und Mit­tel­un­ter­neh­men (KMU) ge­ben da­bei an, dass sie für sich kei­ne ge­sell­schaft­li­chen Wachs­tums­er­war­tun­gen und kei­nen öko­no­mi­schen Wachs­tums­druck wahr­neh­men be­zie­hungs­wei­se dass die­se für ihr Han­deln nicht re­le­vant sind. Die an­de­re Hälf­te der KMU nimmt durch­aus ex­ter­ne Wachs­tums­er­war­tun­gen oder Wachs­tums­druck wahr, sel­ten je­doch in solch ho­hem Ma­ße, dass sie ih­re Un­ter­neh­mens­wer­te ge­fähr­det se­hen. Je­des zwei­te die­ser Un­ter­neh­men ver­sucht viel­mehr, die Wachs­tums­er­war­tun­gen nur be­grenzt zu be­die­nen und sich dem (öko­no­mi­schen) Druck zu ent­zie­hen, um Ziel- und Wert­kon­flik­te mög­lichst zu ver­mei­den. Bei Un­ter­neh­men mit Wachs­tums­druck wirkt mit, dass Wachs­tum teil­wei­se als Er­folgs- und Leis­tungs­nach­weis wahr­ge­nom­men wird, den man ge­gen­über den in­ter­nen und ex­ter­nen Sta­ke­hol­dern er­brin­gen muss (und möch­te). Die zen­tra­len Ur­sa­chen für Wachs­tums­druck wer­den je­doch im Kos­ten­und In­ves­ti­ti­ons­druck ge­se­hen – rund 60 Pro­zent al ler Nen­nun­gen ent­fal­len hier­auf. Un­ter­neh­men oh­ne Wachs­tums­druck nen­nen als Stra­te­gi­en: Po­si­tio­nie­rung in Markt­ni­schen, nach­hal­tig­keits­ori­en­tier­te Qua­li­täts­füh­rer­schaft, re­gio­na­le Ein­bet­tung, Ver­mei­dung von Ab­hän­gig­kei­ten, Ent­schleu­ni­gung, Kos­ten­re­duk­ti­on. Un­ter­neh­men: Wachs­tum

85 Ge­bau­er, Ja­na; Sa­ge­biel, Ju­li­an: Wie wich­tig ist Wachs­tum für KMU? Er­geb­nis­se ei­ner Be­fra­gung von klei­nen und mitt­le­ren Un­ter­neh­men. Schrif­ten­rei­he des IÖW 208/2015 www.io­ew.de/pu­bli­ka­ti­on/wie_wich­ti­g_ is­t_wachs­tum_­fu­er_k­mu/

Sustainable Com­pa­nies

Das 2009 von Eve­lyn Ober­lei­ter und Gün­ther Rei­fer in Bo­zen ge­grün­de­te Ter­ra-in­sti­tut ar­bei­tet mit Un­ter­neh­men, die sich an Nach­hal­tig­keit aus­rich­ten wol­len. In „Sustainable Com­pa­nies“ha­ben die bei­den ge­mein­sam mit dem Kol­le­gen Hans-ul­rich Streit nun ei­nen „Leit­fa­den“her­aus­ge­ge­ben, der ih­ren ganz­heit­li­chen An­satz dar­stellt, wie „Un­ter­neh­men zum Teil der Lö­sung von Pro­ble­men“(S. 14) wer­den kön­nen. „Je­de Rei­se be­ginnt mit ei­ner ak­ku­ra­ten Stand­ort­be­stim­mung“(S 21), so das Be­ra­ter­team, das mit Pe­ter Sen­ge vom Bild ei­ner die Wirk­lich­keit ver­zer­ren­den Bla­sen­bil­dung des in­dus­tri­el­len Zeit­al­ters aus­geht: „Um­so grö­ßer die schein­ba­re Welt in­ner­halb der Bla­se wird, um­so wei­ter ent­fernt sie sich von der ´wirk­li­chen´ Wirk­lich­keit“. (S. 33) Ei­ne Bla­se sei da­her ge­kenn­zeich­net durch zu­neh­men­de Fehl­wahr­neh­mun­gen: „Die Kri­se, in der wir uns heu­te be­fin­den, könn­te man dem­nach als un­be­ab­sich­tig­tes Er­geb­nis von un­ge­prüf­ten An­nah­men be­trach­ten, die dem Den­ken der mo­der­nen In­dus­trie­ge­sell­schaft zu­grun­de lie­gen.“(ebd.)

Mit Ot­to Schar­mer wer­den acht sol­cher Bla­sen aus­ge­macht: die Fi­nanz­bla­se (Ab­kopp­lung der Fi­nanz­von der Re­al­wirt­schaft), die Unend­lich­keits­bla­se (Wachs­tums­lo­gik), die Ver­tei­lungs- und Be­sitz­bla­se (zu­neh­men­de Un­gleich­ver­tei­lung), die Füh­rungs­bla­se (zu­neh­men­de Steue­rungs­de­fi­zi­te), die Kon­sum­bla­se (Ab­kopp­lung des Kon­sums vom Wohl­be­fin­den), die De­mo­kra­tiebla­se (Ver­lust an Selbst­wirk­sam­keit), die Ei­gen­tums­bla­se (Über­nut­zung von Ge­mein­gü­tern) so­wie die Tech­no­lo­giebla­se (Ent­kopp­lung der Tech­nik von so­zia­len Be­dürf­nis­sen). Das Er­ken­nen die­ser Bla­sen ehe sie plat -

„Nicht Ge­werk­schaf­ten, nicht so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Par­tei­en, nicht ein­mal die Lin­ke oder un­er­bitt­lich quen­geln­de NGOS sind die Haupt­fein­de der Wirt­schafts­eli­te, son­dern ´die Me­di­en´.“(Wal­ter/marg in 84 , S. 315)

zen sei da­her, so die Au­to­rin­nen, grund­le­gend für ei­nen Wan­del in Rich­tung Nach­hal­tig­keit und müs­se auch am An­fang je­des Nach­hal­tig­keits­pro­zes­ses in ei­nem Un­ter­neh­men ste­hen. Denn es ge­he nicht nur dar­um, die Din­ge rich­tig, son­dern die rich­ti­gen Din­ge zu tun. Das Leit­ziel, Markt­füh­rer in ei­ner Re­gi­on oder Bran­che zu wer­den, wür­de dann bei­spiels­wei­se ab­ge­löst von der Fra­ge, wie wir als Un­ter­neh­men am bes­ten zum Ge­mein­wohl ei­ner Re­gi­on bei­tra­gen kön­nen.

In ei­nem sie­ben­stu­fi­gen Pro­zess – von den Au­to­rin­nen in der „Ter­ra-blu­me“il­lus­triert – wird der „Mis­si­on“bzw. „Vi­si­on“so­wie der „sys­te­mi­schen Zu­ge­hö­rig­keit“da­her ein zen­tra­ler Stel­len­wert bei­ge­mes­sen, der der Su­che nach den ge­eig­ne­ten Pro­duk­ten so­wie der „ope­ra­ti­ven Ex­zel­lenz“vor­ge- la­gert sein müs­se. Ne­ben den Kun­den, Be­leg­schaf­ten, Part­ner­un­ter­neh­men (Zu­lie­fe­rer) spie­le die Ein­bet­tung des Un­ter­neh­mens in die Re­gi­on bzw. das „über­ge­ord­ne­te Sys­tem“ei­ne wich­ti­ge Rol­le bei der Aus­rich­tung als „Sustainable Com­pa­nies“. Ge­setzt wird selbst­ver­ständ­lich auf nach­hal­ti­ge Pro­duk­te und Di­enst­leis­tun­gen („Cir­cu­lar Eco­no­my“), aber auch auf ein „Wert­an­ge­bot“durch Un­ter­neh­men, ei­ne „Aus­rich­tung am Sinn“, die auch zu ei­ner neu­en Be­zie­hungs­kul­tur füh­re, so­wie auf neue Un­ter­neh­mens­netz­wer­ke, die Ver­ant­wor­tung („ad­vo­ca­cy“) über­neh­men und zu Ve­rän­de­rungs­kno­ten („Tran­si­ti­on Cells“) wer­den. Mit Jor­gen Ran­ders ge­hen die Au­to­rin­nen aber da­von aus, dass frei­wil­li­ge Maß­nah­men nicht rei­chen wer­den. Po­li­ti­sche Re­gu­lie­run­gen sei­en not­wen­dig, um si­cher zu stel­len, „dass wir die not­wen­di­gen Ve­rän­de­run­gen un­ter­neh­men“; be­glei­tet sein müss­te die­ser Pro­zess von dem Pa­ra­dig­men­wech­sel weg von dem, „was am Pro­fi­ta­bels­ten ist, hin zu dem, was ge­sell­schaft­lich be­trach­tet am Not­wen­digs­ten ist“(S. 240).

Das Buch zeigt We­ge auf, wie Un­ter­neh­men Teil ei­ner Be­we­gung für den Wan­del hin zu Nach­hal­tig­keit wer­den kön­nen, oh­ne der Ge­fahr des Gre­en­wa­shing bzw. le­dig­lich kos­me­ti­scher Öko­maß­nah­men zu un­ter­lie­gen.

Un­ter­neh­men: Nach­hal­tig­keit Ober­lei­ter, Eve­ly­ne; Rei­fer, Gün­ther; Streit, Han­sul­rich: Sustainable Com­pa­nies. Wie Sie den Auf­bruch zum Un­ter­neh­men der Zu­kunft wirk­sam gestal­ten – ein Leit­fa­den. Mün­chen: oe­kom, 2016. 243 S., € 19,95 [D], 20,60 [A] ; ISBN 978—3-86582-795-2

Mit­ge­fühl in der Wirt­schaft

Ei­ne Be­geg­nung von Wirt­schaft, Wis­sen­schaft und bud­dhis­ti­schen Den­ke­rin­nen un­ter Vor­sitz des Da­lai La­ma er­mög­lich­te ei­ne Ta­gung des in Zü­rich an­säs­si­gen „Mind and Life In­sti­tu­te“. Die Vor­trä­ge und Ge­sprä­che sind nach­zu­le­sen in dem Band „Mit­ge­fühl in der Wirt­schaft“. The­ma­ti­siert wer­den Er­geb­nis­se der Neu­ro­wis­sen­schaf­ten ( Ta­nia Sin­ger, Di­rek­to­rin am Max-planck-in­sti­tut für Ko­gni­ti­ons- und Neu­ro­wis­sen­schaf­ten in Leip­zig, re­fe­riert Er­geb­nis­se ei­nes For­schungs­pro­gramms an der Uni­ver­si­tät Zü­rich über ko­ope­ra­ti­ves Ver­hal­ten), der Mi­kro­öko­no­mie (Ernst Fehr schil­dert Ex­pe­ri­men­te, die zei­gen, dass Men­schen bei ge­sell­schaft­li­chen In­ter­ak­tio­nen nicht nur auf Ei­gen­nutz, son­dern auch auf Fair­ness ach­ten) oder der Glücks­for­schung, de­ren Be­fun­de der bri­ti­sche Öko­nom Richard La­yard er­läu­tert. Die Aus­füh­run­gen sol­len zei­gen, dass Al­tru­is­mus im Men­schen an­ge­legt sei und dass Me­di­ta­ti­on da­bei hel­fen kön­ne, ei­ne of­fe­ne Hal­tung ge­gen über der Mit­welt zu ent­wi­ckeln. Ei­ne „bud­dhis­ti­sche Öko­no­mie“ba­siert auf Groß­zü­gig­keit und Schen­ken, so der Phi­lo­soph John Dun­ne, die­se gä be es frei­lich nur mehr bei ei­ni­gen, ein­fach le­ben­den bud­dhis­ti­schen Dorf­ge­mein­schaf­ten in In­di­en. Die An­häu­fung von Be­sitz füh­re zu Gier und Ego­is­mus, auch in „bud­dhis­ti­schen“Län­dern. Die im Schluss­ka­pi­tel „Ein­füh­rung des Pro­so­zia­len in Wirt schafts­sys­te­me“ge­schil­der­ten Bei­spie­le be­zie­hen sich da­her auch über­wie­gend auf Ent­wick­lungs­pro­jek­te in nicht­ka­pi­ta­lis­ti­schen Struk­tu­ren, et­wa das Bar­foot Col­le­ge in In­di­en, das Dör­fer im Auf­bau von So­lar­sys­te­men un­ter­stützt, oder die Mi­kro­kre­dit­be­we­gung (im Buch ge­schil­dert von­ar­thur Vay­loyan vom Un­ter­neh­men Cre­dit Suis­se, das in die­sen Be­reich ein­ge­stie­gen ist). Mehr­fach wird die be­rech­tig­te Fra­ge auf­ge­wor­fen, wie ein an­de­res Wirt­schaf­ten auf grö­ße­rer Ebe­ne um­ge­setzt wer­den kön­ne. Der Da­lai La­ma hofft auf Bil­dung und ei­nen Be­wusst­seins­wan­del hin zu im­ma­te­ri­el­len Wer­ten, der seit der Jahr­tau­send­wen­de im­mer mehr Men­schen in den Kon­sum­län­dern er­fas­se. Wil­li­am Ge­or­ge von der Ha­vard Bu­si­ness School plä­diert für neue Füh­rungs­per­sön­lich­kei­ten in Un­ter­neh­men, die sinn­vol­les Tun vor al­lei­ni­ges Schie­len auf Pro­fit stel­len. Auch er setzt auf die jun­ge Ge­ne­ra­ti­on, nach­dem die al­te Ma­na­ger­rie­ge weit­ge­hend ver­sagt ha­be. Va­ge blei­ben (lei­der) die Ant­wor­ten auf neue po­li­ti­sche Re­geln, die et­wa der Öko­nom Ernst Fehr in ei­ner der Dis­kus­sio­nen ein­ge­for­dert. Ins­ge­samt je­doch stellt der Band ei­ne Be­rei­che­rung für die Su­che nach neu­en Wirt­schafts­ethi­ken und –mo­del­len dar, wie sie et­wa die an an­de­rer Stel­le dar­ge­leg­te Be­we­gung der Ge­mein­woh­löko­no­mie ver­sucht.

Wirt­schaft: Mit­ge­fühl Sin­ger, Ta­nia; Ri­card, Mat­t­hieu: Mit­ge­fühl in der Wirt­schaft. Ein bahn­bre­chen­der For­schungs­be­richt.

Mit Bei­trä­gen v. Da­lai La­ma u.a.m.. Mün­chen: Kn­aus, 2015. 256 S., € 16,99 [D], 17,50 [A]

ISBN 978-3-8135-0657-0

„Die ge­sam­te Mensch­heit braucht Al­tru­is­mus und Em­pa­thie, nicht un­be­dingt als Be­stand­teil ei­nes re­li­giö­sen Glau­bens, son­dern um Pro­ble­me zu lö­sen, vor de­nen wir heu­te ste­hen, weil es an Al­tru­is­mus und Em­pa­thie man­gelt.“(Da­lai La­ma in , S. 224)

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