Stadt neu den­ken

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Stadt macht Zu­kunft

„In Zei­ten des Um­bruchs wie den un­se­ren“, so die ein­lei­ten­de The­se von Klaus Bur­meis­ter und Ben Ro­den­häu­ser in „Die Stadt als Sys­tem“, „ist die Stadt auch des­halb als Ge­gen­stand in­ter­es­sant, weil sie der na­tür­li­che Ort ist, an dem neue Lö­sun­gen zur ge­leb­ten Pra­xis wer­den müs­sen. Die Stadt ist das ‚Re­alla­bor‘ par ex­cel­lence, in­dem neue Mo­del­le für das Le ben und Wirt­schaf­ten nicht nur als Ver­suchs­an­ord­nung, son­dern un­ter rea­len Pro­duk­ti­ons­be­din­gun­gen er­probt wer­den. Die Stadt ist des­halb ein Ort des Ler­nens, der neu­en Ge­schäfts­mo­del­le und der (so­zia­len) In­ter­ven­ti­on und In­no­va­ti­on” (S. 7).

An­hand von vier The­men­schwer­punk­ten (Um­welt/nach­hal­tig­keit, Tech­nik/ver­net­zung, Stadt­kul­tur/teil­ha­be und So­zia­les/un­gleich­heit) be­nen­nen Bur­meis­ter/ro­den­häu­ser zehn Hand­lungs­fel­der, de­ren Po­ten­zia­le, aber auch Ri­si­ken für die Ent­wick­lung ur­ba­ner Räu­me aus­ge­lo­tet wer­den. Die­se sei­en im Fol­gen­den kurz skiz­ziert: 1.) Die Di­gi­ta­li­sie­rung – zu­sam­men­ge­fasst mit dem Be­griff „Smart Ci­ty“– lässt die „dy­na­mi­sche Steue­rung auf der Ba­sis von Echt­zeit­in­for­ma­tio­nen“mehr als nur mög­lich er­schei­nen: in­tel­li­gen­te Mo­bi­li­tät, Ener­gie­nut­zung, Ab­fall­ent­sor­gung, res­sour­cen­scho­nen­de Ge­bäu­de und ei­ne mit der brei­ten Ba­sis der Be­völ­ke­rung ab­ge­stimm­te po­li­ti­sche Steue­rung sind kei­ne fer­ne Uto­pie, son­dern zeit­nah rea­li­sier­ba­re Stra­te­gi­en. Die ent­spre­chen­den Struk­tu­ren soll­ten auf „Open-da­ta-ba­sis“ent­wi­ckelt wer­den, emp­feh­len die Au­to­ren, da­mit sie tat­säch­lich den Bür­ge­rin­nen zu­gu­te­kom­men (S. 23). 2.) Nach­hal­tig­keit/öko­lo­gie: Ei­ne „Nach­hal­tig­keits­wen­de“wird nicht nur auf die Be­rei­che Ener­gie und Ver­kehr ab­zie­len, son­dern auch ei­nen an­de­ren Um­gang mit Werk- und Wert­stof­fen im Blick ha­ben müs­sen. Auch auf der Pro­zes­s­ebe­ne, zum Bei­spiel beim Ab­riss von Ge­bäu­den, wird es zum Ein­satz neu­er Tech­no­lo­gi­en kom­men [so ent­wi­ckeln in Ja­pan pro­du­zier­te Krä­ne beim Ab­tra­gen von Las­ten schon heu­te selbst Ener­gie] (vgl. S. 33). 3.) Ar­beit und Pro­duk­ti­on: Krea­ti­ve Mi­lieus – „der Bei­trag der Kul­tur-und Krea­tiv­wirt­schaft zum Brut­to­in­lands­pro­dukt ist mit 2,6 Pro­zent in Deutsch­land fast so hoch wie der der Au­to­mo­bil­in­dus­trie“(S. 37) –, ei­ne Re­nais­sance der ur­ba­nen Pro­duk­ti­on auf hand­werk­li­cher Ba­sis und „Ur­ban Far­ming“wer­den hier als trei­ben­de Fak­to­ren be­nannt. 4.) Han­del und Lo gis­tik: Der On­line­han­del wird vor al­lem in ur­ba­nen Räu­men wei­ter zu­neh­men; die Zahl der sta­tio­nä­ren Ge­schäf­te bis zum Jahr 2020 um ca. 25 Pro­zent ab­neh­men (vgl. S. 44). Neue Shop­kon­zep­te (et­wa Ho­in­ter-je­ans) ver­bin­den die Vor­zü­ge des On­li­ne-kaufs mit dem hap­ti­schen Er­le­ben. Emis­si­ons­freie Zu­brin­ger be­schleu­ni­gen die Lie­fe­rung auf den letz­ten Me­tern vi­el­leicht auch rund um die Uhr. 5.) Mo­bi­li­tät: Der au­to­zen­trier­te In­di­vi­du­al­ver­kehr wird in Stadt­re­gio­nen zum Aus­lauf­mo­dell. Die Kon­zep­te der Zu­kunft hei­ßen „Sha­red Mo­bi­li­ty“(bis 2020), um 2025 soll­ten „in­tel­li­gen­te Ver­kehrs­flüs­se“– der Aus­tausch „Car2­car“und „Car2in­fra­struc­tu­re“– Rea­li­tät sein; für die De­ka­de 2030/2040 wer­den „au­to­no­me Fahr­zeu­ge“für wahr­schein­lich er­ach­tet. Zu­min­dest eben­so wich­tig wie die tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lung er­scheint die men­ta­le Be­reit­schaft zur In­no­va­ti­on. Denn erst wenn „die Fahr­zeug­nut­zung und der Fahr­zeug­be­sit­zer von­ein­an­der ge­trennt sind, ist der Weg frei für ei­ne hö­he­re Aus­las­tung der ein­zel­nen ‚Fah­rein­hei­ten‘ und da­mit für ei­ne Re­duk­ti­on des Park­platz­pro­blems“(S. 61).

Stadt als So­zi­al­raum

Die wei­te­ren­hand­lungs­fel­der be­zie­hen sich auf so zia­le und po­li­ti­sche Aspek­te. 6) Stadt­po­li­tik: Kom­mu­na­le Po­li­tik, so die kom­pak­te, tref­fen­de Analyse, ha­be es mit ei­ner drei­fa­chen Her­aus­for­de­rung zu tun. Es gel­te, die fis­ka­li­sche, die de­mo­gra­fi­sche und auch die Go­ver­nan­ce-di­men­si­on im Blick zu ha­ben. Letz te­re be­tref­fend sei zu be­ob­ach­ten, dass im­mer mehr kom­mu­nal­po­li­ti­sche Auf­ga­ben von zi­vil­ge­sell­schaft­li­chen Ak­teu­ren wahr­ge­nom­men wer­den. Auch wenn fest­zu­hal­ten ist, dass sich die fi­nan­zi­el­le Si­tua­ti­on von Kom­mu­nen höchst un­ter­schied­lich dar­stellt, sei zu­neh­mend auch ein Trend zur Re­kom­mu­na­li­sie­rung zu be­ob­ach­ten, der dar­auf ab­zielt, „wie­der ‚Herr im ei­ge­nen Haus‘ zu wer­den“(S. 69). 7.) Teil­ha­be: Ei­ne Kul­tur der Par­ti­zi­pa­ti­on ver­fes­tigt sich auch in den Städ­ten. Oh­ne An­spruch auf Voll­stän­dig­keit un­ter­schei­den die Au­to­ren hier vier For­men: a.) die Teil­ha­be auf Ein­la­dung, b.) die Teil­ha­be durch Pro­test, c.) die Teil­ha­be durch Eh­ren­amt so­wie d.) die Teil­ha­be als Pro­jekt­ent­wick­ler. In die­sem Fall wer-

In den Städ­ten wird die Zu­kunft des Pla­ne­ten ent­schie­den. Denn im­mer mehr Men­schen le­ben in ur­ba­nen Re­gio­nen. Schon zu Mit­te des Jahr­hun­derts wer­den es zwei Drit­tel der Welt­be­völ­ke­rung sein. Wie Städ­te heu­te ge­plant und ent­wi­ckelt wer­den, wird dar­über ent­schei­den, ob und wie ei­ne trag­fä­hi­ge Ent­wick­lung auf die­sem Pla­ne­ten mög­lich ist. Es lohnt da­her, sich Ge­dan­ken über die Zu­kunft der Städ­te zu ma­chen. Wal­ter Spiel­mann re­fe­riert ak­tu­el­le Be­fun­de und Emp­feh­lun­gen.

„Im 21. Jahr­hun­dert meh­ren sich die An­zei­chen für ei­ne Re­nais­sance ur­ba­ner Pro­duk­ti­on. Die Vi­si­on ei­ner klein­tei­li­gen, in­di­vi­dua­li­sier­ten Pro­duk­ti­on in Kun­den­nä­he mit ei­ner Fer­ti­gung in klei­ne­ren Lo­sen, mit op­ti­mier­ten Dis­tri­bu­ti­ons­we­gen und auf Ba­sis neu­er Tech­no­lo­gi­en (vom 3-Ddruck bis hin zu ei­ner smar­ten Au­to­ma­ti­sie­rung à la In­dus­trie 4.0) rückt in greif­ba­re Nä­he.“(Klaus Bur­meis­ter/ Ben Ro­den­häu­ser in , S. 38)

den Bür­ge­rin­nen zu ‚ Rau­mun­ter­neh­mern‘, vor al­lem dort, „wo klas­si­sche Pro­jekt­ent­wick­lung-und Ver­mark­tungs­stra­te­gi­en nicht grei­fen; aber auch dort, wo jen­seits von mo­n­o­funk­tio­nal aus­ge­rich­te­ten Bü­round Wohn­quar­tie­ren ur­ba­ne Or­te mit of­fe­nen Ent­wick­lungs­spiel­räu­men, ge­misch­ten Nut­zun­gen und un­ter­schied­li­chen Wert­schöp­fungs­mo­del­len ent­ste­hen sol­len“(S. 76). 8.) Sied­lungs­struk­tur: „Ur­ba­ne Zen­tren, ver­städ­ter­te Land­schaft“ist die­ses Ka­pi­tel tref­fend be­ti­telt. Be­schrie­ben wird ei­ne un­ein­heit­li­che Ent­wick­lung. Fest­zu­stel­len ist die „Re­nais­sance der Groß­städ­te“: Mün­chen, Dres­den, Mainz, aber auch Wi­en zäh­len zu den Ge­win­nern, mitt­le­re und klei­ne Städ­te (vor al­lem im Os­ten Deutsch­lands) zu den Ver­lie­rern. Un­ver­min­dert hoch ist der Flä­chen­ver­brauch [der Städ­te]: Täg­lich wer­den in Deutsch­land 74 Hekt­ar als Bau­land aus­ge­wie­sen. Bis 2020, so die Ab­sicht der Bun­des­re­gie­rung, soll der Zu­wachs auf 30 Hekt­ar ge­senkt wer­den (vgl. S. 85 f.). 9.) Zu­sam­men­le­ben: In die­sem Ab­schnitt wer­den (deut­li­cher als bei den an­de­ren The­men) die Her­aus­for­de­run­gen der ge­gen­wär­ti­gen Ent­wick­lun­gen be­nannt: Vor al­lem in den Städ­ten ver­fes­ti­gen sich die so­zia­len Mi­lieus, wird Un­gleich­heit ze­men­tiert. Ein­kom­men und Ver­mö­gen drif­ten aus­ein­an­der, im­mer ge­rin­ger wird der An­teil der­je­ni­gen, die sich der Mit­tel­schicht zu­ge­hö­rig füh­len, und nicht zu­letzt ge­ra­ten auch die Pro­gram­me der so­zia­len Stadt­ent­wick­lung zu­neh­mend in die Kri­tik, da durch sie die Ar­mut eher ver­fes­tigt denn ge­min­dert wird (S. 88 ff.). 10.) Woh­nen und Quar­tier: Ver­söhn­lich, ja durch­aus op­ti­mis­tisch ge­tönt nimmt sich das letz­te Hand­lungs­feld aus. Er­war­tet bzw. emp­foh­len wird ei­ne „neue, pro­duk­ti­ve Aus­ein­an­der­set­zung mit der Viel­falt der Wohn­be­dürf­nis­se“(S. 98): ge­mein­sam Bau­en und Woh­nen, nut­zungs­va­ria­ble Wohn­for­men, ser­vice­ori­en­tier­te Wohn­an­ge­bo­te und be­zahl­ba­rer Wohn­raum wer­den als Op­tio­nen bzw. For­de­run­gen an­ge­führt und mit gu­ten Ar­gu­men­ten be­wor­ben.

Schlüs­sel­stra­te­gie Resi­li­enz

Mit ei­nem Bei­trag von Klaus Tho­ma, der die zu­vor skiz­zier­ten Hand­lungs­fel­der aus ganz­heit­li­cher Per­spek­ti­ve in den Blick nimmt, wird der Band be­schlos­sen. Städ­te sei­en, so Tho­mas Zu­gang, als „dy­na­mi­sche Sys­te­me“vor al­lem dann gut für die Her­aus­for­de­run­gen der Zu­kunft ge­rüs­tet, wenn sie die Ent­wick­lung von Resi­li­enz in den Fo­kus rück­ten: die För­de­rung von „de­zen­tra­ler Viel­falt“, von Aut­ar­kie (z. B. in der Si­cher­stel­lung von Ener­gie­sou­ve­rä­ni­tät) so­wie der Stär­kung der Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on und Lern­fä­hig­keit auf brei­ter Ba­sis wer­den als we­sent­li­che Stra­te­gi­en be­nannt.

Mit die­sem Band le­gen Klaus Bur­meis­ter und Ben Ro­den­häu­ser ein eben­so fak­ten­rei­ches wie an­re­gen­des Bre­vier zu Stra­te­gi­en ei­ner zu­kunfts­taug­li­chen Stadt­ent­wick­lung vor. Auch wenn mög­li­che und wahr­schein­li­che Ein­wän­de und Wi­der­stän­de hier weit­ge­hend aus­ge­blen­det wur­den, so über­zeugt doch der po­si­ti­ve und er­mu­ti­gen­de Im­pe­tus. Auf­grund des kom­pak­ten ge­halt­vol­len For­mats ist die­ser Band vor al­lem Ent­schei­dungs­trä­ge­rin­nen in kom­mu­na­len Pla­nungs­pro­zes­sen be­son­ders zu emp­feh­len.

Ur­ba­ni­tät: Zu­kunft 88 Bur­meis­ter, Klaus; Ro­den­häu­ser, Ben: Stadt als Sys­tem. Trends und Her­aus­for­de­run­gen für die Zu­kunft ur­ba­ner Räu­me. Mün­chen: ökom-verl, 2016. 136 S., € 14,95 [D], 15,40 [A] ; ISBN 978-3-86581-1807-1

Wohn­for­men mit Zu­kunft

Wir al­le wol­len äl­ter wer­den, alt sein will hin­ge­gen kaum je­mand. Fakt ist, dass das durch­schnitt­li­che Al­ter der Men­schen in un­se­ren Wohl stands­ge­sell­schaf­ten deut­lich zu­nimmt. Bis zum Jahr 2040 wird sich der An­teil der mehr als 80Jäh­ri­gen ver­dop­peln, so der Be­fund ei­ner Pu­bli­ka­ti­on über „Ge­ne­ra­tio­nen-woh­nen“(S. 19). Die da­mit ver­bun­de­nen Her­aus­for­de­run­gen sind für Po­li­tik, Stadt­ent­wick­lung und all je­ne, die sich über ent­spre­chen­de (und auch leist­ba­re) Lö­sun­gen Ge­dan­ken ma­chen, groß und es­sen­zi­ell. Denn sie be­tref­fen uns al­le.

Die Au­to­rin­nen die­ses – es sei vor­weg­ge­nom­men – kennt­nis- und de­tail­rei­chen Ban­des sind bei­de in Wi­en als Ar­chi­tek­tin­nen im Be­reich der Stadt­ent­wick­lung und Quar­tiers­pla­nung tä­tig. Mit die­sem Buch bie­ten sie ei­nen her­vor­ra­gen­den Über­blick über ak­tu­el­le Her­aus­for­de­run­gen und ge­lun­ge­ne Bei­spie­le al­terns­ge­rech­ten Woh­nens. Aus­ge­hend von ei­nem his­to­ri­schen Ab­riss über so­zia­le Wohn­for­men in ur­ba­nen Zen­tren wird dar­ge­legt, wie sich Wohn- und Haus­halts­for­men seit Mit­te des 18. Jahr­hun­derts ver­än­dert ha­ben, aber auch ge­zeigt, vor wel­chen Her­aus­for­de­run­gen die Stadt­pla­nung ge­gen­wär­tig steht: Von bei­na­he 40 Mil­lio­nen pri­va­ten Haus­hal­ten in Deutsch­land sind 40 Pro­zent Ein-per­so­nen-haus­hal­te; de­ren An­teil ist al­lein zwi­schen 1991 und 2011 um 7 Pro­zent ge­stie­gen. In Me­tro­po­len wie Ber­lin, Ham­burg oder Bre­men ist je­der zwei­te Haus­halt nur von ei­ner Per­son be­wohnt (S. 12).

Wie viel­fäl­tig und in­no­va­tiv Pro­jek­te ge­mein­schaft­li­chen und be­treu­ten Woh­nens ge­stal­tet wer­den kön­nen, ver­deut­li­chen die hier ver­sam­mel­ten Bei­spie­le aus Deutsch­land, der Schweiz und Ös­ter­reich eben­so wie In­ter­views mit aus­ge­wie­se­nen Fach­leu­ten zu The­men wie Bar­rie­re­frei­heit, den Vor­aus­set­zun­gen ge­lin­gen­der Nach­bar­schaf ten oder auch zur Gestal­tung al­terns­ge­rech­ter

„Auch in der al­ters­ge­rech­ten Stadt sind in­te­grier­te Her­an­ge­hens­wei­sen auf al­len Ebe­nen, lokal spe­zi­fi­sche Lö­sun­gen er­mög­li­chen­de Re­gu­la ri­en, die Ein­bin­dung al­ler re­le­van­ten Ak­teu­re, ins­be­son de­re der Bür­ger­schaft, so­wie Of­fen­heit ge­gen­über neu­en An­sät­zen wich­ti­ge Vor­aus­set­zun­gen für den Er­folg.“

(Mar­tin zur Ned­den in , S. 24)

Struk­tu­ren von der ei­ge­nen Woh­nung bis hin zum öf­fent­li­chen Raum. Als we­sent­lich für das Ge­lin­gen ge­mein­schaft­li­chen Woh­nens wird ins­be­son de­re die Schaf­fung von „Op­ti­ons­räu­men“an­ge­se­hen, die die Au­to­no­mie der Le­bens­füh­rung äl­te­rer Men­schen mög­lichst lan­ge ge­währ­leis­ten. Weit­ge­hen­de Bar­rie­re­frei­heit und fuß­läu­fig er­reich­ba­re Nah­ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen spie­len da­bei ei­ne we­sent­li­che Rol­le (S. 38ff.).

Bei­spie­le selbst­ver­wal­te­ten Woh­nens und von Haus­ge­mein­schaf­ten für ge­sell­schaft­li­che Sub­grup­pen (wie et­wa Schwu­le), für Men­schen im Al­ter von 55+, aber auch der ge­lun­ge­nen Ver­bin­dung von Wohn- und Ge­wer­be­funk­tio­nen wer­den aus­führ­lich be­schrie­ben und an­hand von aus­sa­ge­kräf­ti­gen Plä­nen und groß­for­ma­ti­gen Fo­tos de­tail­reich ver­mit­telt. Ein wei­te­rer Ab­schnitt zeigt auf, wie ge­ne­ra­tio­nen­ge­rech­te Sied­lun­gen und Quar­tie­re ei­ner­seits durch Um­bau be­ste­hen­der Ein­hei­ten oder auch durch Neu­bau ge­stal­tet wer­den kön­nen. Vor­ge­stellt wer­den aber auch Grund sät­ze ge­lin­gen­der Pla­nung wie et­wa die 1997 an der Sta­te Uni­ver­si­ty von New York for­mu­lier­ten Prin­zi­pi­en des „Uni­ver­sal De­sign“(sie­he Kas­ten).

Auf die Zu­sam­men­schau kommt es an

Zu den be­son­de­ren Vor­zü­gen die­ses Ban­des ist zu zäh­len, dass nicht nur Vor­aus­set­zun­gen al­terns­ge­rech­ten Woh­nens, son­dern auch die ad­äqua­te Gestal­tung von öf­fent­li­chen Räu­men und Mo­bi­li­täts­be­dürf­nis­sen mit re­flek­tiert wer­den. So wird ver­deut­licht, dass ver­ant­wor­tungs­vol­les und zu­kunfts­ori­en­tier­tes Pla­nen und Bau­en ei­nen in­ter­dis­zi- pli­nä­ren Zu­gang er­for­dert, wo­bei vor al­lem auch die früh­zei­ti­ge Mit­wir­kung der spä­te­ren Nut­ze­rin­nen ent­schei­dend zum Er­folg bei­trägt. Im An­hang des groß­for­ma­ti­gen Ban­des sind die Kom­po­nen­ten ge­ne­ra­tio­nen­ge­rech­ter Wohn­kon­zep­te, ge­glie­dert nach den Teil­be­rei­chen Woh­nung, Ge­bäu­de, Wohn­um­feld und Quar­tie­re, öf­fent­li­cher Raum und Frei­flä­chen­ge­stal­tung so­wie Mo­bi­li­tät und Nah­ver­sor­gung über­sicht­lich und kompakt zu­sam­men­ge­fasst. Aus­führ­li­che Li­te­ra­tur­an­ga­ben, Nor­men, Richt­li­ni­en und Bild­nach­wei­se be­schlie­ßen die Pu­bli­ka­ti­on. Sie ist nicht nur Fach­leu­ten mit ein­schlä­gi­gen be­ruf­li­chen Er­fah­run­gen, son­dern auch un­mit­tel­bar Be­trof­fe­nen und In­ter­es­sier­ten zu emp­feh­len.

Ge­ne­ra­tio­nen­woh­nen 89 Feu­er­stein, Chris­tia­ne; Leeb, Franziska: Ge­ne­ra­tio­nen­woh­nen. Neue Kon­zep­te für Ar­chi­tek­tur und so­zia­le In­ter­ak­ti­on. Elt­vil­le: Ed. De­tail, 2015.

135 S., € 55,- [D], 56,65 [A] ; ISBN 978-3-95553-261-1

Vom Land­frust zur Stadt­lust

Zur Mit­te die­ses Jahr­hun­derts wer­den zwei Drit­tel der dann mehr als 9 Mil­li­ar­den Men­schen in Städ­ten woh­nen. Die Zu­kunft der Er­de wird al­so vor al­lem in ur­ba­nen Bal­lungs­räu­men ge­stal­tet und ent­schie­den. Mit den öko­lo­gi­schen, so­zia­len und kul­tu­rel­len und auch wirt­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen und Chan­cen, die mit die­ser Ent­wick­lung ver­bun­den sind, be­schäf­ti­gen sich die Au­to­rin­nen des Ban­des „Stadt­lust“. Den An­fang macht die Ber­li­ner Städ­te­pla­ne­rin Sal­ly Bel­low, die vor al­lem für Men­schen mit gu­ter Bil­dung, Krea­ti­vi­tät und Ka­pi­tal ei­ne Fül­le von Mög­lich­kei­ten sieht, sich im städ­ti­schen Um­feld neu zu er­fin­den, und ge­mein­sam „neue Bünd­nis­se ge­gen Schrump­fung und Un­ter­gang“zu schlie­ßen. Ne­ben dem Trend zum Sel­ber­ma­chen und zum (kol­lek­tiv ge­nutz­ten) Klein­gar­ten ge­be es aber auch vie­le, die im im­mer lau­te­ren und hek­ti­sche­ren Trei­ben der Me­tro­po­len un­ter die Rä­der kom­men. Vor al­lem hier hät­ten Kom­mu­nen so­zia­le Auf­ga­ben wahr­zu­neh­men, be­tont Bel­low.

Das ein­lei­ten­de Ka­pi­tel „Um­bau-kul­tur“er­öff­nen Klaus Bur­meis­ter und Ben Ro­den­häu­ser , in­dem sie, bei­de in­ter­dis­zi­pli­när ver­sier­te Zu­kunfts­for­scher (s. o.), Her­aus­for­de­run­gen und Lö­sungs­an­sät­ze der Stadt­ent­wick­lung in glo­ba­ler Per­spek­ti­ve the­ma­ti­sie­ren. Der Flä­chen­ver­brauch ur­ba­ner Re­gio­nen, so die ab­seh­ba­re Ent­wick­lung, nimmt dra­ma­tisch zu; 80 Pro­zent der glo­ba­len Wirt­schafts­leis­tung wird schon jetzt in Stadt­re­gio­nen er­wirt­schaf­tet. Um die ser Ent­wick­lung an­ge­mes­sen zu be­geg­nen, müs­se vor al­lem der In­fra­struk­tur­aus­bau for­ciert wer­den. Not­wen­dig sei zu­dem die Ent­wick­lung ei­ner „Ur­ban

„Die in den letz­ten Jah­ren ent­stan­den For­schungs- und Pi­lot­pro­jek­te be­trach­ten ei­ne ge­sund­heits­för­der­li­che Um­welt­ge­stal­tung als ei­ne Qu­er­schnitts­auf­ga­be, die weit über den Ge­sund­heits­be­reich hin­aus­geht und an­de­re Res­sorts wie Stadt­pla­nung, Ver­kehr und Frei­raum­pla­nung mit ein­be­zieht.“(Feu­er­stein/leeb in , S. 12)

Go­ver­nan­ce“, aber auch die Schaf­fung „Din-frei­er Räu­me“. Mit Blick auf die de­mo­gra­phi­sche Ent­wick­lung Deutsch­lands emp­fiehlt im Fol­gen­den Pe­tra Klug ei­ne dif­fe­ren­zie­ren­de Sicht­wei­se. Mit in­no­va­ti­ven so­zia­len An­ge­bo­ten (rol­len­de Su­per­märk­te, Tele­me­di­zin) wä­re, wie sie be­tont, der zu­neh­men­den Al­te­rung ein Stück be­geg­net. Stef­fen Braun wirbt lei­den­schaft­lich für „Mor­gen­stadt“, die „Vi­si­on der voll­kom­men kli­ma­ver­träg­li­chen, lie­bens­wer­ten und hand­lungs­fä­hi­gen Stadt im 21. Jahr­hun­dert“(S. 44). Wür­de es bei­spiels­wei­se ge­lin­gen, die Mo­bi­li­täts­be­dürf­nis­se der Be­woh­ne­rin­nen ei­ner Stadt wie Mün­chen durch „Ro­bo­ta­xis“zu be­die­nen, lie­ße sich das Pkw-auf­kom­men auf et­wa 15 Pro­zent [!, W. Sp.] des heu­ti­gen Vo­lu­mens re­du­zie­ren (vgl. S. 43). Jo­han­nes No­vy plä­diert in sei­nem Bei­trag über das vor al­lem in Ber­lin for­cier­te Kon­zept ei­ner ‚Smart Ci­ty‘ für „ei­ne of­fe­ne De­bat­te, die auch die Per­spek­ti­ven und Po­si­ti­on de­rer be­rück­sich­tigt, für die die di­gi­ta­le Ver­hei­ßung der Smart Ci­ty bis­lang eher Alb­traum als Wunsch­traum ist“(S. 52).

Neue An­sät­ze wa­gen

Im fol­gen­den Ab­schnitt, „Haus-auf­ga­ben“über­schrie­ben, wirbt Har­ris C. M. Tid­dens da­für, Stadt­tei­le mit au­to­no­men Bud­gets aus­zu­stat­ten, um ih­nen zu er­mög­li­chen sich an ein­an­der zu mes­sen und ver­stärkt zu­sam­men­zu­ar­bei­ten (S. 54ff.). Die Ver­kehrs­ex­per­ten Weert Canz­ler und Andre­as Knie he­ben ein­mal mehr die Vor­zü­ge ei­ner nach­hal­ti­gen Ver­kehrs­kul­tur, die das Dog­ma des pri­va­ten Pkws hin­ter sich lässt, her­vor, und Su­san­ne Bier­ker­macht sich für den „se­mi­zen­tra­len Struk­tur­an­satz“stark, durch den Was­ser, Ab­was­ser und Ener­gie syn­er­ge­tisch und ef­fi­zi­ent ge­nützt wer­den kann. [Ein deutsch-chi­ne­si­sches Pi­lot­pro­jekt für et­wa 12.000 Ein­woh­ne­rin­nen lässt u. a. ei­ne Was­ser­re­cy­cling­quo­te von bis zu 100 Pro­zent er­war­ten (vgl. 69).] Auf „Au­ßen­ent­wick­lung statt In­nen­ver­dich­tung“setzt der Geo­öko­lo­ge Ste­fan Nor­ra. Ihm geht es vor al­lem dar­um, „in Hin­blick auf die Kli­ma­er­wär­mung Grün­flä­chen in ent­spre­chen­der Grö­ße, An­zahl und Ver­tei­lung“in den Städ­ten zu eta­blie­ren, um un­ter an­de­rem „Ge­sund­heit und Wohl­be­fin­den der städ­ti­schen Be­völ­ke­rung si­cher­zu­stel­len“(S. 72). „Wir-ur­ba­nis­mus“, das drit­te Ka­pi­tel, schließ­lich greift be­währ­te Kon­zep­te der um sich grei­fen­den „Stadt­lust“auf: Aus­ge­hend von der De­vi­se „An Le­bens­qua­li­tät ge­winnt, wer teil­hat, ge­stal­tet, mit­be­stimmt“, wer­den Kon­zep­te – für man­che sind es vi­el­leicht ur­ba­ne Le­bens­phi­lo­so­phi­en – wie „Ur­ban Gar­de­ning“, „Suf­fi­zi­en­tes Woh­nen in der Stadt“(un­ter Be­rück­sich­ti­gung der am­bi­tio­nier­ten Zie­le der ‚2000-Watt-ge­sell­schaft‘) und Al­ter­na­ti­ven zum Neu­bau (vgl. Nr. ) vor- und mit gu­ten Ar­gu­men­ten zur Dis­kus­si­on ge­stellt. Mit Bei­trä­gen über Öko­dör­fer und Wohn­pro­jek­te so­wie über bis­her eher nur am Ran­de be­ach­te­te Fa­cet­ten ei­ner „Wirt­schafts­för­de­rung 4.0“– Tausch­rin­ge, Re­gio­nal­wäh run­gen und Ener­gie­ge­nos­sen­schaf­ten wer­den un­ter die­sem zu­kunfts­wei­sen­den, in­no­va­ti­ven „La­bel“be worben –, schließt der Haupt­teil die­ses rund­um emp­feh­lens­wer­ten Ban­des.

Im An­hang fin­den sich 15 „Im­pul­se“: kurz und kompakt be­schrie­be­ne in­no­va­ti­ve Pro­jekt­bei­spie­le, die je­weils mit Links ver­se­hen, zu wei­ter­ge­hen­der Er­kun­dung und vor al­lem zur Nach­ah­mung und Wei­ter­ent­wick­lung ein­la­den. Le­bens­qua­li­tät: ur­ba­ne

„Wir brau­chen Mut zur Nä­he! Es gibt vie­le Bei­spie­le für Zu­sam­men­le­ben: Wohn­ge­mein­schaf­ten, Wohn­pro­jek­te, Mehr-ge­ne­ra­tio­nen­woh­nen - und im Ge­gen­satz zu den Acht­und­sech­zi­ger ist da­mit nicht gleicht der An­spruch ver­bun­den, die

Welt zu ret­ten.“(Da­ni­el Fuhrhop in , S. 95)

90 Stadt­lust. Die Qu­el­len ur­ba­ner Le­bens­qua­li­tät. Po­li­ti­sche Öko­lo­gie, Sep­tem­ber 2015 (33. Jg.). 143 S. 17,95 [D], 18,40 [A] ; ISBN 978-3-86581-755-6

Plä­doy­er wi­der die Bau­wut

Da­ni­el Fuhrhop hält nichts von vor­neh­mer Zu­rück­hal­tung. Un­mit­tel­bar kommt er zur Sa­che: die Bau­ge­schich­te und mehr noch die hor­ren­den Kos­ten der Elb­phil­har­mo­nie oder die nicht en­den wol len­de Mi­se­re um den Flug­ha­fen Ber­lin-bran­den­burg sind für ihn in­des kaum mehr als die Spit­ze des sprich­wört­li­chen Eis­bergs. Dass al­lein in den letz­ten 20 Jah­ren die Zahl der Woh­nun­gen in Deutsch­land von 35 auf 41 Mil­lio­nen ge­stie­gen ist, ob­wohl da­mals wie heu­te 80 Mil­lio­nen Men­schen in die­sem Land le­ben, und dass da­mit zu­sätz­li­cher Wohn­raum ge­baut wur­de, in wel­chem al­le Nie­der­län­der gut un­ter­zu­brin­gen wä­ren, gibt ihm wohl noch mehr An­lass, die gän­gi­ge Pra­xis des Bau[un]we­sens scho­nungs­los und ra­di­kal zu hin­ter­fra­gen. Fuhrhop ist in sei­ner Ve­he­menz zwar Au­ßen­sei­ter, aber, wie sich her­aus­stellt, auf­grund sei­ner Aus­bil­dung und be­ruf­li­chen Er­fah­rung als Ver­le­ger ein­schlä­gi­ger Li­te­ra­tur durch­aus be­ru­fen, sich zum The­ma zu Wort zu mel­den. Das tut er ve­he­ment. Den Traum vom Ei­gen­heim hin­ter­fragt Fuhrhop grund­le­gend, deu­tet ihn als Il­lu­si­on und My­thos; er kri­ti­siert den Flä­chen­fraß, der durch un­ge­zü­gel­ten Neu­bau wert­vol­le Res­sour­cen un­wie­der­bring­lich zer­stört und zu­neh­mend dras­ti­sche Fol­gen mit sich bringt; er ent­larvt den An­satz des öko­lo­gi­schen Bau ens auf­grund ei­ner en­er­ge­tisch ne­ga­ti­ven Ge­samt­bi­lanz als mehr als frag­wür­dig und hält den un­ge­bro­che­nen Trend zum Neu­bau nicht nur für un­so­zi­al [neue Woh­nun­gen kön­nen sich im­mer we­ni­ger Men­schen, und meist nur auf der Ba­sis lang­fris­ti­ger Ver­schul­dung leis­ten], son­dern vor al­lem für ent­behr­lich [der an­geb­li­che Be­darf nach im­mer Neu­em wer­de vor al­lem von den Wohn­bau­trä­gern sti­mu­liert].

„Egal ob die Prei­se die Wahr­heit sa­gen: Neu­bau war schon im­mer be­son­ders teu­er, das gilt auch und aus­ge­rech­net für den so ge­nann­ten so­zia­len Wohn­bau.“

(Da­ni­el Fuhrhop in , S. 50)

Wi­der­stand macht sich breit

Ge­gen den zu­neh­men­den Aus­ver­kauf der Städ­te, die fort­schrei­ten­de Pri­va­ti­sie­rung und die Ver­stär­kung der Woh­nungs­not regt sich, wie sie der Au­tor an­hand meh­re­rer deut­li­cher Bei­spie­le zeigt, zu­neh­mend Wi­der­stand. In Ber­lin et­wa ver­hin­der­te die Initia­ti­ve “100 % Tem­pel­ho­fer Feld“per Volks­ent­scheid im Mai 2014 al­le Neu­bau­am­bi­tio­nen; in Bre­men „for­der­te ein Bünd­nis von Bür­ger­initia­ti­ven da­zu auf, 99 Frei­flä­chen auf Dau­er nicht zu be­bau­en“(s. 59). Zu­neh­mend, so der Au­tor, ma­chen Bür­ge­rin­nen auch ge­gen den Ein­satz der Ab­riss­bir­ne mo­bil. Mit gu­ten Ar­gu­men­ten und – zu­min­dest auf den ers­ten Blick – auch über­zeu­gen­den Kal­ku­la­tio­nen macht Da­ni­el Fuhr­hob deut­lich, dass es sich aus vie ler­lei Grün­den lohnt und rech­net, Bau­sub­stan­zen zu er­hal­ten und zu sa­nie­ren. Leer­stän­de (Ge­wer­be­ge­bäu­de, Ka­ser­nen, Schu­len, Ver­wal­tungs­ge­bäu­de etc.) könn­ten, ad­ap­tiert und um­ge­baut, neu­en Be­stim­mun­gen zu­ge­führt wer­den. Ein die­ser Auf­ga­be ei­gens ge­wid­me­tes „Leer­stands­ma­nage­ment“bö­te ein rei­ches Be­tä­ti­gungs­feld (vgl. S. 99 ff.). Ve­rän­de­run­gen, wie der Au­tor an­regt, kön­nen frei­lich nicht nur von au­ßen kom­men. Sie be­dür­fen der Re­fle­xi­on je­des ein­zel­nen, der Be­reit­schaft, den ei­ge­nen Le­bens­stil und tra­dier­te Ver­hal­tens­mus­ter zu hin­ter­fra­gen. Wir müss­ten ler­nen, uns ei­ner­seits von Un­nö­ti­gem zu tren­nen und an­de­rer­seits Be­ste­hen­des zu be­wah­ren, es neu und an­ders zu nut­zen.

Un­ter an­de­rem for­dert Fuhr­hob den „Mut zur Nä­he“, aber auch die Be­reit­schaft, „ge­mein­sam zu nut­zen an­statt zu be­sit­zen“. Aber auch mit un­ge­wöhn­li­chen Ide­en wie et­wa der Neu-be­nen­nung von we­nig at­trak­ti­ven Wohn­ge­bie­ten (aus Duis­burg wird Düs­sel­dorf-nord) oder Initia­ti­ven zur Be­le­bung der In­nen­städ­te wirbt der Au­tor für sein An­lie­gen.

Ein im bes­ten Sin­ne des Wor­tes ra­di­ka­les, mu­ti­ges Buch, des­sen An­lie­gen brei­te Auf­merk­sam­keit und wei­ter­füh­ren­de, durch­aus auch kon­tro­ver­se Dis­kus­si­on ver­dient. Bau­ver­bot

91 Fuhrhop, Da­ni­el: Ver­bie­tet das Bau­en! Ei­ne Streit­schrift. Mün­chen: oe­kom-verl., 2015. 189 S., € 17,95 [D], 18,40 [A] ; ISBN 978-3-881-733-4

Zu­kunft der Mo­bi­li­tät

Wie die Zu­kunft ei­ner öko­lo­gi­schen Mo­bi­li­tät aus­se­hen kann, be­schreibt Ste­fan Ramm­ler ge­mein­sam mit ei­nem Au­to­rin­nen-team in „Schub­um­kehr“, ei nem wei­te­ren Band der Rei­he „Fo­rum für Ver­ant­wor­tung“. Der Pro­fes­sor für Trans­por­ta­ti­on De­sign & So­ci­al Sci­en­ces an der Hoch­schu­le für Bil­den­de Küns­te in Braun­schweig hofft auf neue tech­no­lo­gi­sche Lö­sun­gen wie so­lar­ge­trie­be­ne Fahr­zeu­ge eben so wie auf so­zia­le In­no­va­tio­nen in ei­ner so­ge­nann­ten „kol­la­bo­ra­ti­ven Mo­bi­li­tät“. Ne­ben Zu­kunfts­lö­sun­gen für die Städ­te wer­den auch An­sät­ze für das Gü­ter-trans­port­we­sen so­wie den Tou­ris­mus („Fu­tou­ris­mus 2043“) an­ge­dacht. Ver­kehrs­po­li­tik

„Auch schö­ne Ar­chi­tek­tur, ge­lun­ge­ne Im­mo­bi­li­en und die ei­ge­ne Woh­nung sind vor der Fra­ge zu prü­fen, ob sie in Zei­ten des Kli­ma­wan­dels be­ste­hen. Ein ra­di­ka­ler Schritt ist nö­tig: ver­bie­tet das Bau­en!“(Da­ni­el Fuhrhop in 90 , S. 162)

92 Ramm­ler, Ste­phan: Schub­um­kehr. Die Zu­kunft der Mo­bi­li­tät. Frank­furt: Fi­scher, 2014. 336 S.,

€ 12,90 [D], 13,40 [A] ; ISBN 978-3-596-03079-8

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