Wie kom­men wir zum Wan­del?

ProZukunft - - Ökologie | Navigator -

Ei­ne Viel­zahl an alar­mie­ren­den Be­fun­den gibt es mitt­ler­wei­le über die glo­ba­len öko­lo­gi­schen Aus­wir­kun­gen un­se­res Konsum- und Le­bens­stils. Der Astro­phy­si­ker Harald Lesch hat mit „Die Mensch­heit schafft sich ab“ei­nen wei­te­ren hin­zu­ge­fügt. Doch war­um kom­men die not­wen­di­gen Ve­rän­de­run­gen nur sehr schlep­pend vor­an? Brau­chen wir an­de­re Rah­men­be­din­gun­gen, „um zu tun was wir für rich­tig hal­ten“, wie Mar­tin Ko­patz vom Wup­per­tal-in­sti­tut meint, oder braucht es bei­des, Vor­rei­ter und neue po­li­ti­sche Vor­ga­ben, wie Bern­hard Knie­rim am Bei­spiel „Oh­ne Au­to le­ben“auf­zeigt? Geht es um das Er­ken­nen und Über­win­den des sys­te­mi­schen Wachs­tums­zwangs des ka­pi­ta­lis­ti­schen Pro­du­zie­rens, wie Nor­bert Ni­coll dia­gnos­ti­ziert, oder hilft uns ein ganz­heit­li­ches, auf glo­ba­le Em­pa­thie­fä­hig­keit ba­sie­ren­des Be­wusst­sein, das Ste­fan Brunn­hu­ber be­schreibt? Und brau­chen wir al­ter­na­ti­ve Fi­nan­zie­rungs­we­ge, wie ne­ben ei­ni­gen der zi­tier­ten Au­to­ren auch das ak­tu­el­le Hand­buch „Grü­nes Geld“vor­schlägt. Hans Holzin­ger ana­ly­siert die neu­en Bü­cher und zeigt Ge­mein­sam­kei­ten und Un­ter­schie­de auf.

Im Griff des An­thro­po­zän

Der Astro­phy­si­ker und Phi­lo­soph Harald Lesch, be­kannt u. a. durch sei­ne Zdf-sen­dung „Leschs Kos­mos“, hat sich dem Zu­stand der Er­de zu­ge­wandt. In dem ge­mein­sam mit Klaus Kam­phau­sen ver­fass­ten Band „Die Mensch­heit schafft sich ab“be­schreibt er nicht nur die Ent­ste­hung des Pla­ne­ten so­wie des Le­bens dar­auf, son­dern wid­met sich ins­be­son­de­re der bis­lang letz­ten Epo­che der Evo­lu­ti­ons­ge­schich­te, die mit dem Kli­ma­for­scher Paul Crut­zen als „An­thro­po­zän“be­zeich­net wird. Un­ter­mau­ert durch zahl­rei­che Farb­bil­der und Gra­fi­ken, zei­gen Lesch/kam­phau­sen in ih­rem Spie­gel-best­sel­ler ein­mal mehr auf, wie die glo­ba­len Öko­sys­te­me ge­gen­wär­tig über­nutzt wer­den. Ob die De­gra­da­ti­on der Bö­den, die Ver­knap­pung des Trink­was­sers, die Ab­hol­zung der Re­gen­wäl­der oder die Leer­fi­schung der Mee­re – die Au­to­ren ge­ben ei­nen ein­dring­li­chen Bericht über die Fol­gen des kon­sum­ori­en­tier­ten Le­bens­und Wirt­schafts­stils. Der Roh­stoff­hun­ger der in­dus­tri­el­len Pro­duk­ti­ons­wei­se wird eben­so dar­ge­legt wie sei­ne Kehr­sei­te, die sich auf­tür­men­den Müll­ber­ge.

Im Ka­pi­tel „Me­tro­po­len und Mo­bi­li­tät“il­lus­triert ei­ne Welt­kar­te die „glo­ba­le Ver­net­zung“durch Stra­ßen, Schiffs- und Flug­ver­kehr so­wie Tief­see­ka­bel. An die 90 Mil­lio­nen Au­to­mo­bi­le wer­den der­zeit welt­weit pro Jahr her­ge­stellt, das ent­spricht 170 neu­en Fahr­zeu­gen pro Mi­nu­te, die den Pla­ne­ten „be­tre­ten“. In ei­nem der größ­ten Hä­fen der Welt, in Shang­hai, wer­den in ei­nem Jahr mehr als 30 Mil­lio­nen Container be­wegt. Die Zahl der Flug­pas­sa­gie­re soll sich von heu­te 3,5 Mil­li­ar­den bis 2030 ver­dop­peln. So­weit ei­ni­ge der vie­len Zah­len, die in die­sem Buch zu fin­den sind (S. 377 ff.).

In­ter­views, die Lesch für sei­ne Fern­seh­sen­dun­gen ge­führt hat, ver­tie­fen Ein­zel­as­pek­te der be­han­del­ten The­men. Zu Wort kom­men et­wa Ernst U. v. Weiz­sä­cker und der Be­schleu­ni­gungs­theo­re­ti­ker Hart­mut Ro­sa. Por­träts von Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen wie Gre­en­peace, WWF, Brot für die Welt oder Ger­m­an­watch sol­len zei­gen, dass es auch Ge­gen­stim­men und -ak­ti­vi­tä­ten zu den ge­schil­der­ten Ent­wick­lun­gen gibt.

Lesch setzt al­so auf zi­vil­ge­sell­schaft­li­ches En­ga­ge­ment, das zur Um­steue­rung füh­ren soll. Und er hofft wi­der die „Un­be­lehr­bar­keit des Men­schen“(so das Schluss­ka­pi­tel) auf die Fä­hig­keit, dass wir in­stink­tiv doch noch die Ent­schei­dung für ei­ne Wen­de tref­fen wer­den. Aus emo­tio­na­ler Be­rührt­heit („mit dem Her­zen ver­ste­hen“, S. 510) könn­ten wir es schaf­fen, un­se­ren En­keln letzt­lich ei­ne le­bens­wer­te Welt zu hin­ter­las­sen, so der frei­lich nicht ganz be­frie­di­gen­de Aus­blick des auf­rüt­teln­den Bu­ches. Nach­hal­tig­keit: Wan­del

57 Lesch, Harald; Kam­phau­sen, Klaus: Die Mensch­heit schafft sich ab. Die Er­de im Griff des An­thro­po­zän. Mün­chen: Kom­plett Me­dia, 2017. 515 S., € 29,95 [D], 30,80 [A] ; ISBN 978-3-8312-0424-3

Vgl. auch den Youtube-ka­nal zum Buch http://vi­deo-zu­kunft-er­de.net

Öko­rou­ti­ne

„Ei­gent­lich wur­de schon al­les ge­sagt – aber sehr vie­les noch nicht ge­tan“, so bringt Micha­el Ko­patz gleich zu Be­ginn sei­nes Bu­ches „Öko­rou­ti­ne“auf den Punkt, woran die Nach­hal­tig­keits­de­bat­te (nicht nur sei­nes Erach­tens) krankt. Ko­patz, Pro­jek­t­ei­ter im Wup­per­tal In­sti­tut, re­det Kl­ar­text und zeigt, dass Ap­pel­le an die Bür­ger und Bür­ge­rin­nen nicht rei­chen, son­dern po­li­ti­sche Vor­ga­ben nö tig sind. Nach dem Mot­to: „Struk­tu­ren für Nach­hal­tig­keit schaf­fen“. In den Blick nimmt der So­zi­al­wis­sen­schaft­ler et­wa die Fi­nanz­märk­te, das auf Wachs­tums­zwang an­ge­leg­te Geld­sys­tem, die vie­len öko­lo­gisch kon­tra­pro­duk­ti­ven Wirt­schafts­sub­ven­tio­nen oder die wei­te­re Ex­pan­si­on der Au­to-

„In dem Mo­ment, wo wir auf Ra­tio­na­li­tät ver­zich­ten, geht die Ge­sell­schaft un­ter. Aber wir müs­sen uns auch dar­über im Kla­ren sein, dass das, wenn wir aus­schließ­lich auf Ra­tio­na­li­tät set­zen, ge­nau­so pas­sie­ren kann.“(Lesch/kam­phau­sen in 57 ,S. 505)

und Flug­ha­fen­in­fra­struk­tu­ren. Auf den Ti­tel des Bu­ches be­zug­neh­mend spricht Ko­patz das Ge­mein­gut-di­lem­ma an, dem­ge­mäß das in­di­vi­du­ell ra­tio­na­le Ver­hal­ten (et­wa die be­que­me Nut­zung des Au­tos) zu ei­nem kol­lek­tiv ir­ra­tio­na­len Er­geb­nis führt, oh­ne dass dies be­ab­sich­tigt ist: „Denn nie­mand sehnt den Kli­ma­wan­del her­bei. … Öko­rou­ti­ne spricht da­her über po­li­ti­sche Werk­zeu­ge, Ge­le­gen­heits­struk­tu­ren, Stan­dards und Fahr­plä­ne, die da­zu füh­ren, dass wir tun, was wir für rich­tig hal­ten.“(S. 72.) Es sei we­nig ziel­füh­rend, die Ab­schaf­fung des Ka­pi­ta­lis­mus zu for­dern, viel­mehr ge­he es dar­um, die­sem Zü­gel an­zu­le­gen, so Ko­patz. Das er­for­de­re die Zu­rück­drän­gung des Lob­by­is­mus – so kom­men in Ber­lin 6000 Lob­by­is­ten auf 630 Ab­ge­ord­ne­te (S. 47) – und ei­ne strin­gen­te Po­li­tik: „Die Be­für­wor­ter der frei­en Markt­wirt­schaft se­hen ih­re Mis­si­on in der Be­gren­zung staat­li­cher Macht. Mit der Macht von Kon­zer­nen schei­nen sie hin­ge­gen kein Pro­blem zu ha­ben.“(S. 46)

Vor­schlä­ge für Um­steue­rung

Zu al­len öko­lo­gisch re­le­van­ten Le­bens­be­rei­chen – Es­sen, Woh­nen und Kau­fen so­wie Mo­bi­li­tät und Ar­bei­ten – macht der Au­tor Vor­schlä­ge für die Um­steue­rung. Ei­ni­ge Bei­spie­le aus dem um­fang­rei­chen Maß­nah­men­ka­ta­log: Die Um­set­zung ei­ner Er­näh­rungs­wen­de, die auf „Bio für al­le“bei ent­spre­chen­den Ein­kom­men für al­le setzt, so­wie die Ver­ord­nung ei­nes Flä­chen­mo­ra­to­ri­ums, das den Woh­nungs­neu­bau be­grenzt und ei­nen Stopp des Aus­baus von Stra­ßen­in­fra­struk­tur be­inhal­tet, wer­den eben­so ge­for­dert wie stren­ge­re Auf­la­gen für die Ver­kehrs­bran­che. Ko­patz kann sich ein zu­läs­si­ges Ma­xi­mal­ge­wicht für Au­tos so­wie ei­ne Li­mi­tie­rung des Flug­ver­kehrs vor­stel­len. Für Ein­schrän­kun­gen plä­diert er auch im Be­reich Wer­bung. So könn­te ei­ne Eu-richt­li­nie be­stim­men, dass nur mehr sol­che Au­tos im Fern­se­hen be­wor­ben wer­den, de­ren Co2-emis­sio­nen un­ter­halb des Grenz­werts für den durch­schnitt­li­chen Flot­ten­ver­brauch lie­gen. Mit ei­ner 5-Pro­zent­ab­ga­be von al­len Wer­bun­gen könn­te „Ge­gen­wer­bung“(et­wa für die Bahn als Ver­kehrs­mit­tel) fi­nan­ziert wer­den. Le­bens­sti­le der Be­gren­zung könn­ten auch durch Ar­beits­zeit­ver­kür­zun­gen ge­för­dert wer­den, Ein­kom­mens­be­gren­zun­gen mehr Fair­ness brin­gen und der Um­welt hel­fen. Denn: „Mit dem Wohl­stand wächst der Ener­gie­ver­brauch. Die Spit­zen­ver­die­ner ver­brau­chen im Ver­gleich zu den Ärms­ten drei­mal so viel Ener­gie.“(S. 241) Da­bei ge­he es nicht um Ver­zicht, als wä­re die „per­ma­nen­te Ex­pan­si­on ein Men­schen­recht“(ebd.). Ko­patz lis­tet ei­ne Viel­zahl an vor­nehm­lich po­li­ti­schen Maß­nah­men auf, die „Öko“zur Rou­ti­ne ma­chen sol­len. Ein Herz­stück sieht er in ei­ner Um­stel­lung der Wirt­schafts­sub­ven­tio­nen, hier „Wirt­schafts­för­de­rung 4.0“ge­nannt. Un­ter­stützt wer­den sol­len ex­pli­zit re­gio­na­le Wirt­schafts­kreis­läu­fe so­wie ge­mein­wohlori­en­tier­te Un­ter­neh­men. „Ci­ti­zen-va­lue statt Share­hol­der-va­lue“(S. 327) lau­tet die De­vi­se. Wie an­de­re setzt Ko­patz da­bei auf Re­gio­nal­wäh­run­gen (die an­ge­dach­te Ab­schaf­fung des Bar­gel­des beim Eu­ro könn­te Lo­kal­wäh­run­gen Auf­trieb ge­ben), auf nach­fra­ge­ori­en­tier­te Be­triebs-clus­ter, neue Un­ter­neh­mens­for­men und die Umori­en­tie­rung kom­mu­na­ler Wirt­schafts­för­de­rung.

In Sum­me ein Band mit zahl­rei­chen klei­nen und auch grö­ße­ren Maß­nah­men­vor­schlä­gen, de­ren Um­set­zung of­fen­si­ver Stra­te­gi­en be­dürf­te, die sich von Lob­bys und mög­li­chen Wi­der­stän­den nicht ein­schüch­tern las­sen.

Nach­hal­tig­keit: Wan­del 58 Ko­patz, Micha­el: Öko­rou­ti­ne. Da­mit wir tun, was wir für rich­tig hal­ten. Mün­chen: oe­kom, 2016.

412 S. € 24,95 [D], 25,70 [A]

ISBN 978-3-86581-806-5

Oh­ne Au­to le­ben

Ein zen­tra­les Hand­lungs­feld im Kon­text der Nach­hal­tig­keits­wen­de, aber auch der Rück­ge­win­nung von Le­bens­qua­li­tät in un­se­ren Städ­ten stellt die Mo­bi­li­tät dar. Der Ber­li­ner Ver­kehrs­wis­sen­schaft­ler Bern­hard Knie­rim – er war am 10. Jän­ner 2017 zu Gast in der JBZ – zeigt in sei­nem „Hand­buch für den Ver­kehrsall­tag“, dass und wie ein „Le­ben oh­ne Au­to“mög­lich ist. Im Ein­lei­tungs­ka­pi­tel „War­um wir mit dem Au­to nicht mehr wei­ter­kom­men“schil­dert Knie­rim die ne­ga­ti­ven Fol­gen so­wie die meist ex­ter­na­li­sier­ten Kos­ten der Au­to­mo­bi­li­tät – das An­hei­zen des Kli­ma­wan­dels ist ei­ne der un­be­ab­sich­tig­ten Ne­ben­fol­gen, aber nicht die ein­zi­ge: Jähr­lich 4.000 Ver­kehrs­to­te und et­wa zehn Mal so vie­le Schwer­ver­letz­te al­lein in Deutsch­land zäh­len eben­so zur Ne­ga­tiv­bi­lanz des Au­to­mo­bi­lis­mus. Ab­ge­se­hen von dem mensch­li­chen Leid, das die­se Un­fäl­le ver­ur­sa­chen, kos­tet dies auch viel Geld – 42 Mrd. Eu­ro rech­net Knie­rim für Deutsch­land vor, die jähr­lich für die Be­hand­lung von Ver­letz­ten an­fal­len. Knapp 50.000 Men­schen ster­ben laut Stu­di­en früh­zei­tig we­gen über­mä­ßi­ger Fe­in­stau­be­las­tung. Groß ist auch der Flä­chen­ver­brauch des Au­to­mo­bil­ver­kehrs: Fünf Pro­zent der Flä­che Deutsch­lands wer­den mitt­ler­wei­le für Ver­kehrs­in­fra­struk­tur auf­ge­wen­det, das sei vier Mal so viel wie für Woh­nen (S. 17ff.). Die Au­to-fo­kus­sie­rung ist zu­dem so-

„Öko­rou­ti­ne hat zum Ziel, dass wir um­welt­freund­li­cher le­ben – in­dem die Struk­tu­ren un­se­res Le­bens und Wirt­schaf­tens um­welt­freund­li­cher ge­stal­tet wer­den. Das ver­ein­facht und ver­bes­sert den All­tag für uns al­le.“(Micha­el Ko­patz in , S. 348)

„Das deut­sche Au­to­bahn­netz wur­de al­lein in den letz­ten 20 Jah­ren noch ein­mal um fast ein Vier­tel er­wei­tert.“(Bern­hard Knie­rim in , S. 143)

zi­al un­ge­recht, wie Knie­rim be­tont: je­ne mit den hö­he­ren Ein­kom­men ver­ur­sa­chen den größ­ten Teil des Au­to­ver­kehrs, woh­nen aber im Grü­nen. „Die Men­schen, die den größ­ten Teil der Fol­gen des Ver­kehrs ab­be­kom­men, sind je­ne, die kaum Schuld dar­an tra­gen.“(S. 20)

Elek­tro-au­tos sind für den Ex­per­ten kei­ne oder nur ei­ne sehr be­grenz­te Lö­sung: der Res­sour­cen­und Flä­chen­ver­brauch lässt sich da­mit eben nicht ein­schrän­ken. Knie­rim setzt da­her auf Ver­kehr ver­mei­den und auf Al­ter­na­ti­ven zum Au­to: Wie das ge­hen kann, zeigt er im Mit­tel­teil des Bu­ches an den Be­rei­chen All­tags­mo­bi­li­tät, Ein­kau­fen, Aus­flü­ge und Ur­laubs­rei­sen.

Wich­tig und wohl ent­schei­dend ist aber der drit­te Ab­schnitt, der den po­li­ti­schen Ve­rän­de­run­gen ge­wid­met ist. 82 Pro­zent der Deut­schen he­gen laut ei­ner zi­tier­ten Stu­die des deut­schen Um­welt­bun­des­am­tes den Wunsch nach ei­ner Um­ge­stal­tung un­se­rer Städ­te und Ge­mein­den der­art, „dass man kaum noch auf das Au­to an­ge­wie­sen ist, son­dern al­le We­ge zu Fuß, mit dem Fahr­rad oder mit öf­fent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln zu­rück­le­gen kann“(S. 7). Da­ge­gen ste­hen struk­tu­rel­le Bar­rie­ren – die täg­lich zu­rück­ge­leg­ten Dis­tan­zen ha­ben sich in den letz­ten hun­dert Jah­ren ver­zehn­facht und lie­gen in Deutsch­land oder Ös­ter­reich bei 40 Ki­lo­me­tern! –, aber eben­so fal­sche öko­no­mi­sche An­rei­ze wie Pend­ler­pau­scha­len oder steu­er­be­güns­tig­te Di­enst­au­tos. Auch wenn Knie­rim vor­rech­net, dass ein Le­ben oh­ne Au­to ins­ge­samt bil­li­ger wä­re, vor­aus­ge­setzt die all­täg­li­chen We­ge las­sen sich so gut hin­krie­gen, er­zeugt die ge­bau­te In­fra struk­tur viel­fach ei­nen Zwang zum Au­to. Mit ei­ner Raum­ord­nung wie­der kür­ze­rer We­ge, dem Aus­bau der ÖV- und Rad­we­ge­net­ze so­wie ei­ner öko­lo­gi­schen För­der­po­li­tik soll die Ver­kehrs­wen­de ge­lin­gen. Klei­ne Maß­nah­men wie die steu­er­lich ab­setz­ba­re Bahn­card für Un­ter­neh­men ste­hen da­bei ne­ben mit­tel­gro­ßen wie ein Tem­po­li­mit auf Au­to­bah­nen und gro­ßen Schrit­ten wie Null­ta­ri­fen im Öf­fent­li­chen Ver­kehr, die durch ei­ne all­ge­mei­ne Nah­ver­kehrs­ab­ga­be fi­nan­ziert wer­den sol­len. Wer al­so auf das Au­to ver­zich­tet, wird be­lohnt, weil er/sie aus der al­le tref­fen­den Ab­ga­be Nut­zen zieht.

In­di­vi­du­el­le Ver­hal­tens­än­de­run­gen

Knie­rim, der auch die Pri­va­ti­sie­rung der Deut­schen Bahn kri­ti­siert, sieht in in­di­vi­du­el­len Ver­hal­tens­än­de­run­gen durch­aus Po­ten­zia­le („Je­der Ki­lo­me­ter, der we­ni­ger mit dem Au­to ge­fah­ren oder mit dem Flug­zeug ge­flo­gen wird, ist ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung.“(S. 166). Auf­ga­be der Po­li­tik sei es aber, „die­se in­di­vi­du­el­len Ent­schei­dun­gen zu be­güns­ti­gen und mas­sen­taug­lich zu ma­chen statt sie zu er­schwe­ren“(ebd.). Das vor­lie­gen­de Hand­buch bie­tet ei­ne Viel­zahl an An­re­gun­gen (inkl. Links) für bei­des.

Au­to­mo­bi­li­tät: Ab­kehr 59 Knie­rim, Bern­hard: Oh­ne Au­to le­ben. Ein Hand­buch für den Ver­kehrsall­tag. Wi­en: Pro­me­dia, 2016. 176 S. € 14,90 [D, A] ISBN 978-3-85371-413-3

Adieu, Wachs­tum

Nor­bert Ni­coll ist pro­mo­vier­ter Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler und lehrt an der Uni­ver­si­tät Duis­bur­ges­sen zu The­men nach­hal­ti­ger Ent­wick­lung. Sei­ne Pu­bli­ka­ti­on „Adieu, Wachs­tum!“liest sich wie ein ex­zel­len­tes al­ter­na­ti­ves Wirt­schafts­lehr­buch, das Öko­no­mie in die Öko­lo­gie und (wie­der) in die Ge­sell­schaft ein­bet­tet, his­to­ri­sche Ent­wick­lungs­li­ni­en auf­zeigt und kul­tu­rel­le Zu­sam­men­hän­ge her­stellt. Ni­coll geht weit zu­rück bis zu den An­fän­gen mensch­li­chen Wirt­schaf­tens, er zeigt die Quan­ten­sprün­ge der Na­tur­be­herr­schung durch die in­dus­tri­el­le Re­vo­lu­ti­on so­wie durch den Über­gang vom Feu­da­lis­mus zum Ka­pi­ta­lis­mus auf und be­schreibt, wie die­se Ent­wick­lun­gen zu den heu­ti­gen mul­ti­plen Kri­sen­phä­no­me­nen ge­führt ha­ben. Die öko­no­mi­schen und so­zia­len Er­fol­ge die­ser Ent­wick­lung ver­schweigt der Au­tor nicht; er zeigt aber auch die Schat­ten­sei­ten. „Die gro­ße Be­schleu­ni­gung“(S. 25) sto­ße auf phy­si­sche Gren­zen (En­tro­pie), die do­mi­nan­ten Wirt­schafts­pa­ra­dig­men Wirt­schafts­wachs­tum, Ge­winn­ma­xi­mie­rung der Un­ter­neh­men und in­di­vi­du­el­le Reich­tums­ver­meh­rung hät­ten die öko­no­misch ver­träg­li­chen Gren­zen über­schrit­ten.

Die er­ör­ter­ten Be­fun­de zum Zu­stand des Pla­ne­ten sind nicht ganz neu. Ni­coll lei­tet die­se je­doch sys­te­misch aus dem in­dus­tri­ell-ka­pi­ta­lis­ti­schen Wachs­tums­dog­ma so­wie dem me­cha­nis­ti­schen Welt­bild, das der Ka­pi­ta­lis­mus mit dem re­al­exis­tie­ren­den Kom­mu­nis­mus ge­mein­sam hat­te, her: „Wer Um­welt­ver­wer­fun­gen ver­ste­hen und lö­sen will, kommt nicht dar­an vor­bei, sich mit wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen und Trieb­kräf­ten zu be­schäf­ti­gen.“(S. 95) Re­fe­riert und gut er­klärt wer­den Aspek­te wie das Ak­ku­mu­la­ti­ons- und Wachs­tums­prin­zip im ka­pi­ta­lis­ti­schen Wirt­schaf­ten, der da­mit ver­bun­de­ne Ex­pan­si­ons­drang (neue Märk­te er­schlie­ßen, neue Be­dürf­nis­se kre­ieren), die Kopp­lung des Wachs­tums an das fos­si­le Ener­gie­re­gime so­wie das Di­lem­ma der zu­neh­men­den Ver­schul­dung- und Ver­mö­gens­spi­ra­le.

Das Wachs­tums­pa­ra­dig­ma wird in die­sem Jahr­hun­dert nicht fort­ge­schrie­ben wer­den kön­nen, ist sich Ni­coll mit an­de­ren Wachs­tums­kri­ti­kern ei­nig.

„Ei­ne wirk­lich nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung des Ver­kehrs darf nicht wie bis­her nur auf rei­ne Ef­fi­zi­en­zund Ver­bes­se­rungs­maß­nah­men set­zen, son­dern sie muss sich an den ´3 V´ ori­en­tie­ren: Ver­kehr ver­mei­den, Ver­kehr ver­la­gern, tech­ni­sche Ver­bes­se­run­gen.“(Bern­hard Knie­rim in 59 , S. 31)

In ers­ten An­sät­zen vor­han­de­ne Al­ter­na­tiv­we­ge wie ei­ne Ener­gie,- Mo­bi­li­täts- und Er­näh­rungs­wen­de so­wie Le­bens­sti­le der Suf­fi­zi­enz müss­ten – das sieht Ni­coll wie Ko­patz – durch po­li­ti­sche Rah­men­set­zun­gen ge­för­dert wer­den. Der Au­tor setzt auf zi­vil­ge­sell­schaft­li­che Initia­ti­ven wie die „Tran­si­ti­on Towns“und for­dert struk­tu­rell wir­ken­de Maß­nah­men wie die Be­gren­zung oder gar das Ver­bot von Wer­bung (was Gre­no­ble auf sei­nem Ge­mein­de­ge­biet be­reits um­ge­setzt ha­be) oder ein „öko­lo­gi­sches Grund­ein­kom­men“, bei dem die Ein­nah­men aus Öko­steu­ern an die Bür­ge­rin­nen gleich­mä­ßig ver­teilt wer­den; im Sin­ne so­zia­ler Ge­rech­tig­keit soll es da­bei ei­ne Ba­sis­frei­men­ge an Strom und Gas ge­ben, ge­gen­fi­nan­ziert über ei­nen hö­he­ren Preis des Mehr­ver­brauchs (S. 419). Ni­coll plä­diert aber ab­schlie­ßend da­zu, grö­ßer zu den­ken: „Je­de neue ge­sell­schaft­li­che For­ma­ti­on wächst in der al­ten her­an. Der Ka­pi­ta­lis­mus ist nicht ewig. 99 Pro­zent der Ge­schich­te der Mensch­heit wa­ren nicht-ka­pi­ta­lis­tisch.“(S. 425) Den meis­ten Men­schen feh­le frei­lich die­ses Be­wusst­sein, „weil wir erst seit kur­zer Zeit auf die­sem Pla ne­ten zu Gast sind und noch da­zu ein sehr kur­zes his­to­ri­sches Ge­dächt­nis ha­ben“(ebd.). Mög­lich sei ein „Zi­vi­li­sa­ti­ons­bruch“mit chao­ti­schen Fol­gen, aber auch ei­ne kon­struk­ti­ve Wen­de. Wie ei­ne post­ka­pi­ta­lis­ti­sche Welt aus­se­hen und wie sie mög­lich wer­den könn­te, wä­re frei­lich The­ma ei­nes ei­ge­nen Bu­ches.

Nach­hal­tig­keit: Post­wachs­tum 60 Ni­coll, Nor­bert: Adieu, Wachs­tum! Das En­de ei­ner Er­folgs­ge­schich­te. Marburg: Tec­tum, 2016.

431 S., € 18,95 [D], 19,40 [A]

ISBN 978-3-8288-3736-2

Glo­ba­les Be­wusst­sein

Auch Ste­fan Brunn­hu­ber setzt in sei­nem Buch „Die Kunst der Trans­for­ma­ti­on“an den gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen des 21. Jahr­hun­derts an. Er spricht von den „Big se­ven“: Kli­ma, Bi­o­di­ver­si­tät, Bil­dung, Wohl­stands­un­ter­schied, Ar­mut, Ener­gie und Ge­sund­heit. Als Öko­nom und Psych­ia­ter, der zu­dem im Club of Ro­me ak­tiv ist, möch­te Brunn­hu­ber Er­kennt­nis­se der „Le­bens­wis­sen­schaf­ten“, et­wa der Psy­cho­lo­gie und Lern­for­schung, für die Be­wäl­ti­gung der öko­lo­gi­schen und wirt­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen frucht­bar ma­chen. Bil­dung und ein er­wei­ter­tes Be­wusst­sein bzw. „post­kon­ven­tio­nel­les Den­ken“, das von „uni­ver­sel­ler Em­pa­thie“und Wach­heit ge­tra­gen ist (Brunn­hu­ber spricht von ei­nem not­wen­di­gen „glo­ba­len Er­schre­cken“, S. 219) spie­len da­bei eben­so ei­ne wich­ti­ge Rol­le wie sys­te­mi­sche Ve­rän­de­run­gen. Der Au­tor sieht – wie Ni­coll – in der Ab­kehr vom Wachs­tums­den­ken ei­ne Gr­und­vor­aus­set­zung für ei­ne nach­hal­ti­ge Trans­for­ma­ti­on. Der zen­tra­le Pull-fak­tor liegt für ihn in der Aus­wei­tung der glo­ba­len Mit­tel­schicht, die sich von der­zeit 1,6 Mil­li ar­den Men­schen auf 4,9 Mil­li­ar­den be­reits im Jahr 2030 ver­drei­fa­chen wer­de und vor al­lem auf die Zu­wäch­se in Asi­en zu­rück­zu­füh­ren sei (lei­der gibt der Au­tor nicht die Qu­el­le für die­se Zah­len an). Die­se Ent­wick­lung sei am­bi­va­lent. Zum ei­nen wür­den Bil­dung, Ge­sund­heit und bes­se­re staat­li­che In­fra­struk­tu­ren Ge­sell­schaf­ten sta­bi­li­sie­ren, zum an­de­ren ein deut­lich hö­he­rer Res­sour­cen­ver­brauch so­wie die glo­ba­le Ab­hän­gig­keit von ei­ner ar­beits­tei­li­gen und spe­zia­li­sier­ten Wert­schöp­fung die Fra­gi­li­tät er­hö­hen. Ein nach­hal­ti­ger Le­bens­stil Ein­zel­ner brin­ge sys­te­misch ge­se­hen nichts, weil er durch den er­höh­ten Ener­gie- und Na­tur­ver­brauch der vie­len an­de­ren über­kom­pen­siert wird. Neue tech­no­lo­gi­sche Lö­sun­gen un­ter­lä­gen eben­falls dem Re­bound-ef­fekt, wenn sie nicht mit ei­ner Ab­kehr vom Wachs­tums­pfad ge­kop­pelt wer­den.

Brunn­hu­ber setzt auf die Er­gän­zung von Ef­fi­zi­enz durch Resi­li­enz. Er plä­diert da­her für ein „kom­ple­men­tä­res mo­ne­tä­res Öko­sys­tem“(S. 135), das aus vie­len Re­gio­nal­wäh­run­gen be­steht und die Ab­hän­gig­keit von den Fi­nanz­märk­ten re­du­ziert. Zu­dem sol­le ei­ne glo­ba­le Kom­ple­men­tär­wäh­rung zur Fi­nan­zie­rung des Wan­dels im Sin­ne der Sustainable De­ve­lop­ment Go­als ge­schaf­fen wer­den, ent kop­pelt von den Fi­nanz­märk­ten, was die Geld­schöp­fung durch die Banken un­ter­lau­fen und ziel-

„Es geht dar­um, dass wir ei­nen in­di­vi­du­el­len und kol­lek­tiv ver­mit­tel­ten Be­wusst­seins­schwer­punkt ent­wi­ckeln, der es er­laubt, die Wi­der­sprü­che und Am­bi­va­len­zen, Un­ge­rech­tig­kei­ten und Ex­ter­na­li­tä­ten, die un­ser ge­gen­wär­ti­ges Wohl­stands­mo­dell tag­täg­lich ge­ne­riert, in ei­nen grö­ße­ren Ge­samt­zu­sam­men­hang ein­zu­bet­ten.“(Ste­fan Brunn­hu­ber in , S. 122)

ge­rich­tet nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung an­sto­ßen wür­de (S. 197ff). Die­ser „kom­ple­men­tä­ren Geld­schöp­fung“kä­me die Auf­ga­be zu, „die Nach­hal­tig­keits­zie­le der Ver­ein­ten Na­tio­nen zu fi­nan­zie­ren, und zwar im Um­fang von rund 5 Bil­lio­nen Us-dol­lar pro Jahr“(S. 200f.).

Re­sü­mee: Das Buch über­trägt wert­vol­le Er­kennt­nis­sen aus der Psy­cho­lo­gie auf die Nach­hal­tig­keits­for­schung – so wer­den mit Phä­no­me­nen wie „Dis­so­zia­ti­on“(Ab­spal­tung von ver­dräng­ten In­hal­ten) oder „Kol­lu­si­on“(Bür­ger und Staat der rei­chen Ge­sell­schaf­ten ver­bün­den sich im Sin­ne der Auf­recht­er­hal­tung des Sta­tus quo auf Kos­ten Drit­ter) Bar­rie­ren des Wan­dels auf­ge­zeigt. Brunn­hu­ber macht durch­aus auch struk­tu­rel­le Vor­schlä­ge, et­wa plä­diert er ne­ben Kom­ple­men­tär­wäh­run­gen auch für ein Grund­ein­kom­men als Wachs­tums­dämp­fer. An der Spit­ze sei­ner „Trans­for­ma­ti­ons­py­ra­mi­de“ste­hen aber „Le­bens­stil­mo­di­fi­ka­tio­nen“wie ver­än­der­te Ess­ge­wohn­hei­ten, an­ge­pass­te Mo­bi­li­tät, re­gel­mä­ßi­ge Be­we­gung und Aus­zei­ten (S. 248). „In­trin­si­sche For­men der Trans­for­ma­ti­on“wer­den hö­her ge­schätzt als „ex­trin­si­sche“(S. 233). Of­fen bleibt frei­lich, wie der Au­tor sich ei­ne Re­gle­men­tie­rung der der­zei­ti­gen pro­fit­ma­xi­mie­ren­den Wirt­schaft, der Fi­nanz­märk­te oder mul­ti­na­tio­na­ler Kon­zer­ne vor­stellt. Der Hin­weis, dass es mit der Schuld­zu­schrei­bung an glo­bal ope­rie­ren­de Un­ter­neh­men nicht ge­tan sei, greift näm­lich zu kurz.

Nach­hal­tig­keit: Wan­del 62 Brunn­hu­ber, Ste­fan: Die Kunst der Trans­for­ma­ti­on. Wie wir ler­nen, die Welt zu ver­än­dern. Frei­burg: Her­der, 2016. 334 S., € 24,99 [D], 25,70 [A]

ISBN 978-3-451-60003-6

Plä­doy­er für mehr Na­tur­re­ser­va­te

Ed­ward O. Wil­son zählt zu den ra­di­kals­ten Ver­fech­tern ei­nes kon­se­quen­ten Na­tur­schut­zes. In „Die Hälf­te der Er­de“zeigt er ein­mal mehr auf, wie der Ar­ten­schwund vor­an­schrei­tet und was da­mit un­wie­der­bring­lich ver­lo­ren geht. Er kri­ti­siert den An­satz des „An­thro­po­zän“, der da­von aus­ge­he, sich den än­dern­den Um­welt­be­din­gun­gen an­zu­pas­sen und auf bes­se­re tech­no­lo­gi­sche Lö­sun­gen zu set­zen. Wil­son meint, dass gro­ße Zie­le leich­ter er­reich­bar sei­en als mit­tel­mä­ßi­ge. Die bis­he­ri­ge Stra­te­gie von Um­welt­grup­pen, den Schutz ein­zel­ner Re­ser­va­te vor­an­zu­brin­gen, sei kei­ne wirk­li­che Lö­sung des Pro­blems. Viel­mehr for­dert er das Ei­gen­recht der Na­tur ein und plä­diert da­für, die Hälf­te der Erd­ober­flä­che dem Zu­griff des Men­schen zu ent­zie­hen. Wel­che Flä­chen ge schützt wer­den sol­len, hat der Au­tor in ei­ner in­ter­na­tio­na­len Be­fra­gung un­ter Bio­lo­gie-kol­le­gin­nen er­ho­ben. Ein An­satz, der wohl auch Kri­tik ver­tra­gen muss, geht es doch dar­um, öko­lo­gie­ver­träg­li­che Wirt schafts­wei­sen für den ge­sam­ten Pla­ne­ten zu ent­wi­ckeln, die ein Mit­ein­an­der von Mensch und Na­tur er­mög­li­chen. Bi­o­di­ver­si­tät

63 Wil­son, Ed­ward O.: Die Hälf­te der Er­de. Ein Pla­net kämpft um sein Le­ben. Mün­chen: Beck, 2016. 256 S., € 23,60 [D], 24,10 [A] ; 978-3-406-69785-2

Hand­buch für Grü­nes Geld

1990 er­schien die ers­te Auf­la­ge des Hand­buchs „Grü­nes Geld“. Öko­lo­gi­sche Geld­an­la­gen wa­ren da­mals noch kaum be­kannt. Heu­te sieht die La­ge an­ders aus. Das ak­tu­el­le, in achter Auf­la­ge er­schie­ne­ne Hand­buch lis­tet ei­ne Viel­zahl an Mög­lich­kei­ten auf, wie Geld öko­lo­gisch an­ge­legt wer­den kann. Vor­ge­stellt wer­den ethi­sche Banken, grü ne Ak­ti­en so­wie Ak­ti­en­in­di­zes wie der So­larak­ti­en­in­dex PPVX, der den Erd­öl­ak­ti­en mitt­ler­wei­le den Rang ab­ge­lau­fen ha­ben soll, so­wie An­la­gen zur Al ters­vor­so­ge und Ra­ting­or­ga­ni­sa­tio­nen, de­nen man laut den Her­aus­ge­bern Max Deml und Holger Blis­se trau­en kann. War­nun­gen vor Un­ter­neh­men auf

„Grau­grü­nen Lis­te“sol­len vor Gre­en­wa­shing­ak­ti­vi­tä­ten war­nen. Ne­ben In­ves­ti­tio­nen in Öko­fonds et­wa im Be­reich Wind und So­lar­ener­gie gibt es auch die Mög­lich­keit der Di­rekt-be­tei­li­gung an Pro­jek­ten mit Nach­hal­tig­keits­an­spruch, z. B. als Ge­nos­sen­schafts­mit­glied, Be­tei­lig­ter an ei­nem Öko-wohn­pro­jekt oder durch die Mit­fi­nan­zie­rung ei­ner So­lar­an­la­ge oder Öko-plan­ta­ge als Er­trags­quel­le. Ne­ben Or­ga­ni­sa­tio­nen, die Mi­kro­kre­di­te ver­ge­ben, wer­den auch die noch jun­gen Platt­for­men für Crowd-in­vest­ments vor­ge­stellt – ein mitt­ler­wei­le über Ös­ter­reich hin­aus be­kann­tes Bei­spiel sind die „Wald­viert­ler Werk­stät­ten“von Hei­ni Stau­din­ger. Das Hand­buch ist ein wert­vol­les Nach­schla­ge­werk für al­le, die sich für nach­hal­ti­ges und sinn­stif­ten­des In­vest­ment in­ter­es­sie­ren. Den Ver­fas­sern – Max Deml ist seit 1991 Chef­re­dak­teur des Bör­sen­diens­tes Öko-in­vest, Holger Blis­se ist Wis­sen­schaft­ler mit den Schwer­punk­ten Banken, Ge­nos­sen­schaf­ten und Stif­tun­gen – kann ver­traut wer­den. Öko­lo­gi­sches bzw. ethi­sches In­vest­ment ist noch nicht die ge­sam­te Lö­sung, aber zu­min­dest ein Teil da­von. Nach­hal­tig­keit: Geld

64 Deml, Max; Blis­se, Holger: Grü­nes Geld. Hand­buch für nach­hal­ti­ge Geld­an­la­gen. Wi­en: me­di­a­net, 2016. 370 S., € 19,20 [D], 19,80 [A] ISBN 978-3-902843-81-4

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.