Mönch hat­te Sex mit Bu­ben

We­gen se­xu­el­len Miss­brauchs kommt ein Be­ne­dik­ti­ner­pa­ter vor Ge­richt. Der Abt des Stif­tes Lam­bach er­zählt, wie die Or­dens­ge­mein­schaft da­mit um­geht.

Salzburger Nachrichten - - ÖSTERREICH - pef

Die Staats­an­walt­schaft Linz er­hebt ge­gen ei­nen Pa­ter des Stif­tes Lam­bach (Be­zirk Wels-Land) An­kla­ge we­gen schwe­ren se­xu­el­len Miss­brauchs. Der 72-Jäh­ri­ge soll am 11. Mai im Lin­zer Stri­cher­mi­lieu in be­trun­ke­nem Zu­stand ge­gen Geld Sex mit ei­nem Zwölf­jäh­ri­gen und ei­nem be­reits Voll­jäh­ri­gen ge­habt ha­ben.

Der Geist­li­che war nach dem Auf­flie­gen der Af­fä­re zu­nächst in Un­ter­su­chungs­haft ge­nom­men wor­den. Spä­ter wur­de er un­ter der Auf­la­ge ei­ner The­ra­pie und des ab­so­lu­ten Al­ko­hol­ver­zichts ent­las­sen. Der­zeit be­fin­det er sich in ei­ner Art Haus­ar­rest im Klos­ter und war­tet auf sein Straf­ver­fah­ren. Ma­xi­mi­li­an Neu­lin­ger, Abt des Be­ne­dik­ti­ner­stif­tes, spricht von ei­ner er­schüt­tern­den Tat. „Wir sind scho­ckiert. Das ist ei­ne gro­ße Be­las­tung für die Ge­mein­schaft.“Es sei sehr span­nend, mit Schuld und Ver­ge­hen um­zu­ge­hen. Der Abt be­zeich­net es als Her­aus­for­de­rung und Lern­pro­zess für die 14 Mit­brü­der.

„Wir ha­ben ihn bei Tisch, in den Ge­bets­zei­ten und er nimmt Ar­bei­ten wahr. Er lebt in der Ge­mein­schaft mit, was ihm mög­lich ist“, be­schreibt Abt Ma­xi­mi­li­an den All­tag mit dem Be­schul­dig­ten. Mit Be­su­chern kom­me der 72-Jäh­ri­ge nicht in Kon­takt. In die Öf­fent­lich­keit ge­lan­ge der Pa­ter nur in Be­glei­tung, wenn er zur The­ra­pie ge­bracht wer­de. Als Seel­sor­ger wur­de der Geist­li­che so­fort sus­pen­diert.

Abt Ma­xi­mi­li­an be­zeich­net den Or­dens­bru­der als Spät­be­ru­fe­nen, er sei erst als 49-Jäh­ri­ger ins Klos­ter ein­ge­tre­ten. „Es war nicht im­mer so ein­fach. Er hat Pro­ble­me mit sei­ner se­xu­el­len Ori­en­tie­rung ge­habt, die er si­cher­lich ver­drängt hat“, schil­dert das Or­dens­ober­haupt. Er meint da­mit, dass der An­ge­klag­te sei­nen frei­en Tag öf­ter ge­nutzt ha­be, um aus­wärts die Ge­sell­schaft von Gleich­ge­sinn­ten zu su­chen und in Kom­bi­na­ti­on mit reich­lich Al­ko- hol sei­ne ho­mo­se­xu­el­le aus­zu­le­ben.

„Wir ha­ben ihn ak­tiv dar­auf an­ge­spro­chen, aber wir ha­ben nie et­was nach­wei­sen kön­nen“, sagt Abt Ma­xi­mi­li­an. Auf se­xu­el­le Über­grif­fe auf Ju­gend­li­che, al­so auf Pä­do­phi­lie, ha­be es aber kei­ner­lei Hin­wei­se ge­ge­ben.

Abt Ma­xi­mi­li­an geht da­von aus, dass sich das Le­ben für den Pa­ter nach den Ur­tei­len mas­siv än­dern wer­de. Zu­nächst sei ei­ne Haft­stra­fe durch das welt­li­che Ge­richt wahr­schein­lich. Im an­schlie­ßen­den kirch­li­chen Ver­fah­ren dro­he die Ent­las­sung aus dem Kle­ri­ker­stand oder le­bens­lan­ges Be­rufs­ver­bot. „Vor Ort zu le­ben wird nicht mög­lich sein. Das wä­re für al­le Be­tei­lig­ten nicht zu­mut­bar.“

Nei­gung

„Wir ha­ben ihn bei Tisch, in den Ge­bets­zei­ten und er nimmt Ar­bei­ten wahr.“

Ma­xi­mi­li­an Neu­lin­ger, Abt

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