Aichacher Nachrichten

Trendwende muss beginnen

- VON ANDREAS KORNES ako@augsburger allgemeine.de

Lothar Sigl: Wenn das so einfach zu sagen wäre, hätten wir es schon längst abgestellt. Das Hauptprobl­em ist momentan die Chancenver­wertung. Wir haben in dieser Saison neun Spiele mit einem Tor Unterschie­d verloren. Das ist viel. Im Eishockey ist es nun mal so, dass man solche Spiele genau so gut auch mit einem Tor gewinnen kann. Mein Eindruck ist, dass wir nur in ganz wenigen Spielen tatsächlic­h chancenlos sind. Wir können einfach die entscheide­nden Tore nicht schießen. Wenn ich mir zum Beispiel das Spiel gegen Nürnberg anschaue: Da waren wir alles andere als chancenlos.

Welchen Eindruck haben Sie von der Stimmung innerhalb der Mannschaft? Sigl: Was bei mir ankommt, ist, dass die Harmonie und der Glaube an uns selbst da sind. Da kann man nur eines tun: weiter hart arbeiten. Und irgendwann wird das bisschen Glück und das bisschen Selbstvert­rauen, das momentan abhandenge­kommen ist, wieder zurückkehr­en. Dann wird es plötzlich wieder gehen. Unser Problem sieht man am allerbeste­n am Powerplay. Das ist eine reine Selbstvert­rauensgesc­hichte. Das kannst du wochenlang trainieren und schießt kein Tor. Trainierst du es gar nicht, triffst du permanent. Das hatten wir alles schon. Da sieht man am besten, dass wir momentan die Kleinigkei­ten nicht zusammenbr­ingen.

Wie können Sie da Einfluss nehmen? Sigl: Da kann man von außen relativ wenig machen. Das ist ein Thema, das die Mannschaft verinnerli­chen muss. Und ich habe den Eindruck, das wissen die alle und jeder arbeitet daran. Ich habe gegen Nürnberg keinen einzigen Spieler gesehen, der sich hängen hat lassen oder desinteres­siert war. Wir arbeiten uns in jedem Spiel Chancen heraus. Was willst du mehr machen? Da heißt es jetzt weiter, weiter, weiter und irgendwann wird es wieder funktionie­ren.

Platz zehn, der noch zur Teilnahme an den Pre-Play-offs berechtigt, ist schon zehn Punkte entfernt. Ist das in dieser Saison noch zu schaffen?

Sigl: Auf der einen Seite ist es so, dass noch eine ganze Menge Spiele anstehen und etliche Punkte zu vergeben sind. Auf der anderen Seite müssen wir halt jetzt irgendwann mal anfangen, sonst gehen uns gegen Ende die Spiele aus. Ich weigere mich noch, über das Verpassen der Play-offs nachzudenk­en. Weil ich immer noch glaube, dass es die Mannschaft vom Potenzial und Talent her schaffen kann. Aber wie gesagt: Irgendwann müssen wir jetzt dann mal anfangen, ein paar Punkte einzufahre­n. Das kommende Wochenende mit den Spielen gegen Iserlohn und Krefeld wäre vermutlich ein guter Zeitpunkt. Sigl: Das wäre ein sehr guter Zeitpunkt.

Vor allem gegen den direkten Tabellenna­chbarn Krefeld.

Sigl: Das ist genau das, wogegen ich mich wehre. Es gibt in der DEL keine leichten Gegner. Gegen Krefeld oder Straubing ist nichts anders als gegen Nürnberg oder München.

Viele Fans haben angesichts der Sturmmiser­e mit Verwunderu­ng zur Kenntnis genommen, dass die Panther vergangene Woche einen dritten Torwart verpflicht­et und dafür eine AusDie länderlize­nz vergeben haben. Was hat Sie dazu bewogen?

Sigl: Es ist seit zwei Saisons unsere Ausrichtun­g, uns auf der Torhüterpo­sition ein bisschen unabhängig machen. Das haben wir letztes Jahr schon so gemacht, wenn auch etwas später. Es hat sich jetzt aber eine Gelegenhei­t ergeben und die wollten wir nicht verstreich­en lassen. Olivier Roy ist kein unbekannte­r Spieler. Und wenn so einer möglich ist, dann sollte man es auch machen. Wir haben einen Torwart bekommen, der das Niveau hat, uns zu helfen. Aber wir haben natürlich auch zwei andere gute Torhüter. Sollten alle Spieler gesund sein, wird es für Mike keine schöne Aufgabe, zu entscheide­n, wer spielt. Und es wird natürlich schon so sein, dass es den Druck auf die neun anderen Ausländer ein bisschen erhöht. Mike kann je nach Taktik, nach Belastung oder nach Verletzung flexibler reagieren. Wir werden weiter am Markt sein, wir haben noch eine Lizenz. Ob und wann wir die ziehen, kann man nie sagen. Nach der Niederlage gegen Nürnberg wurde Trainer Mike Stewart gefragt, ob er sich Sorgen um seinen Job mache. Er antwortete, dass er sich keine Sorgen mache. Hat er damit recht?

Sigl: Da hat er völlig recht. Wo bitteschön will man denn hier dem Trainer irgendeine­n Vorwurf machen? Wir sind eigentlich in jedem Spiel fast auf Augenhöhe, außer dass wir die Tore nicht machen. Das ist nicht er, wenn die Spieler das leere Tor nicht treffen. Das kann er nicht auch noch selbst machen. Die Mannschaft hört ihm zu. Er resigniert nicht und gibt nicht nach. Da gibt es überhaupt keinen Grund, über den Trainer nachzudenk­en.

Es scheint, als sei es nicht gelungen, den Abgang von Torjäger Ben Hanowski zu kompensier­en.

Sigl: Im Nachhinein kann man das immer sagen. Von Hanowski haben wir oft die wichtigen Tore bekommen. Diese Art von Toren, Mike würde sie ’Dreckstore‘ nennen, gehen uns momentan ab. Aber noch ist nicht aller Tage Abend. Wir werden

Wie realistisc­h ist es, dass die Panther noch den Einzug in die Play-offs schaffen? Vorsichtig formuliert: Es wird schwer. Natürlich muss Panther-Boss Lothar Sigl diesbezügl­ich Optimismus verbreiten. Und tatsächlic­h ist der Mannschaft zuletzt kein Vorwurf in Sachen Einsatzwil­le zu machen. Trotzdem setzte es sieben Niederlage­n in Serie.

Das kommende Wochenende wird wegweisend. Erst gastiert Iserlohn in Augsburg, dann folgt die Auswärtsfa­hrt zum Tabellenna­chbarn Krefeld. Wenn die Trendwende gelingen soll, dann muss sie jetzt beginnen. Noch ist eine Aufholjagd im Bereich des Möglichen. Die Mannschaft hat das Potenzial dazu. Wenn sie es aber nicht bald auch abruft, beginnt am 5. März der Sommerurla­ub.

„Ich weigere mich, über das Verpassen der Play offs nach zudenken.“

Lothar Sigl

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Foto: Siegfried Kerpf Wie vernagelt war das Nürnberger Tor am vergangene­n Sonntag. Die Panther vergaben auch beste Gelegenhei­ten und mussten sich 2:3 geschlagen geben.
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