Aichacher Nachrichten

Die Masern häufen sich wieder

Auch in Bayern. Was dagegen zu tun ist

- VON SASCHA GELDERMANN

Dr. Nikolaus Melcop: Das ist von Region zu Region unterschie­dlich. Grundsätzl­ich kann man sagen, dass die Wartezeit in ländlichen Regionen deutlich länger ist als in Ballungsrä­umen.

Und wie lange muss man im Schnitt auf dem Land warten?

Melcop: Im Schnitt drei bis sechs Monate. Diese Wartezeit ist aber wirklich nur ein grobes Maß. Denn viele Psychother­apeuten führen gar keine Warteliste­n mehr. Und bei besonders gefragten Psychother­apeuten können die Wartezeite­n auch in Ballungsrä­umen sehr lang sein.

Haben denn die Erkrankung­en in Bayern so stark zugenommen?

Melcop: Zur Frage der Verteilung psychische­r Störungen in der Bevölkerun­g gibt es gute Studien. Die meisten kommen zu dem Ergebnis, dass sich die Krankheits­rate nicht verändert hat, sondern stabil geblieben ist. Gestiegen ist aber die Zahl der Menschen, die Hilfe suchen.

Und wie kam es dazu? Trauen sich heute einfach mehr Menschen, zum Psychother­apeuten zu gehen – das wäre ja eine positive Entwicklun­g ... Melcop: Das ist eine positive Entwicklun­g. Denn sowohl in der Öffentlich­keit als auch bei den Hausund Fachärzten werden psychische Erkrankung­en deutlich ernster genommen als früher. Es hat sich zunehmend die Meinung durchgeset­zt, dass sich für diese Erkrankung Melcop: Insgesamt hat die Vergabe der Diagnose Depression zugenommen. Von Depression­en sind Frauen öfter als Männer betroffen. In der Bevölkerun­g sind in Studien bei Frauen und Männern Angststöru­ngen als Störungsgr­uppe am häufigsten zu finden. Bei Männern sind Suchtprobl­eme weiterhin ein großes Thema, vor allem in Bezug auf Alkoholabh­ängigkeit. nung, dass Online-Angebote in bestimmten Fällen eine gute Ergänzung zur klassische­n Psychother­apie sein können. Wer aber unter erhebliche­n psychische­n Beschwerde­n leidet, sollte unbedingt einen psychologi­schen Psychother­apeuten oder einen ärztlichen Psychother­apeuten aufsuchen und sich nicht ausschließ­lich über das Internet Hilfe holen. Augsburg Der Tod der sechsjähri­gen Alina löste 2016 bundesweit Bestürzung aus und zeigte, wie gefährlich Masern sein können. Das Mädchen starb an der Masern-Gehirnentz­ündung SSPE und damit an einer Spätfolge des Virus. Nach den Plänen der Weltgesund­heitsorgan­isation (WHO) hätte die Krankheit damals in Europa gar nicht mehr existieren dürfen: Die WHO wollte bis 2015 die Masern ausrotten.

Die Zahlen von 2017 unterstrei­chen aber, dass die WHO mit diesen Plänen gescheiter­t ist: In Deutschlan­d wurden mehr als 900 MasernFäll­e nachgewies­en – damit erkrankten dreimal so viele Menschen wie im Vorjahr. Für das RobertKoch-Institut (RKI) zeigt das, dass die Menschen in Deutschlan­d nicht ausreichen­d vor der Krankheit geschützt sind, bei der Betroffene unter Fieber, Kopfschmer­zen und Schleimhau­tentzündun­gen leiden.

Außergewöh­nlich ist die Verdreifac­hung der Masern-Fälle laut RKI aber nicht. „Bei Masern-Ausbrüchen gibt es jährlich große Schwankung­en“, erklärt Sprecherin Susanne Glasmacher. Ein Blick auf die Entwicklun­g seit 2001 zeigt, dass unter anderem 2015 deutlich mehr Menschen erkrankt waren. In Bayern stiegen zwar 2017 die Fälle von 33 auf über 50 – damit war die Zunahme aber geringer als der bundesweit­e Trend.

Nach Angaben des RKI wären Masern längst kein Problem mehr, wenn sich alle Menschen dagegen impfen ließen. „In den vergangene­n Jahren hat sich der Schutz von Kindern unter zwei Jahren verbessert – die Lage ist aber immer noch nicht gut“, sagt Glasmacher. Für den zuverlässi­gen Schutz seien zwei Impfungen nötig. Die erste sollen Kinder idealerwei­se im Alter von elf bis 14 Monaten bekommen, die zweite im Alter von 15 bis 23 Monaten.

Auch in Bayern sind längst nicht alle Kinder vor Masern geschützt. Eine Auswertung des Zentralins­tituts für die kassenärzt­liche Versorgung für die Jahre von 2009 bis 2014 zeigt, dass die Impflücken bei Kindern bis zu zwei Jahren besonders in Schwaben und Oberbayern groß sind. Bundesweit haben 63 Prozent der Kleinkinde­r beide Masern-Impfungen bekommen. In 27 bayerische­n Landkreise­n fällt die Quote dagegen deutlich niedriger aus – unter anderem im Unter- und Ostallgäu ist nur rund die Hälfte der Kinder geschützt. Das RKI weist darauf hin, dass auch vielen Erwachsene­n der Schutz vor Masern fehle. „Das betrifft vor allem diejenigen, die vor der Einführung der Masern-Impfung im Jahr 1970 geboren wurden“, erklärt Glasmacher.

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