IN RAVENNA LIEGT EIN SCHATZKÄSTCHEN VER­BOR­GEN, DIE CLASSENSE BIBLIOTHEK

All About Italy (Germany) - - Photoreportage - Ilo­na Ca­ta­ni Scar­lett

Die Bi­b­lio­te­ca Co­mu­na­le Classense ist die größ­te und be­deu­tends­te städ­ti­sche Bibliothek von Ravenna. Ihr Na­me geht auf die Ha­fen­stadt Clas­se zu­rück (Clas­sis Ra­ven­nas, ur­sprüng­lich der rö­mi­sche Ha­fen), wo sich das Klos­ter des Ka­mal­du­len­ser-or­dens be­fand, das zu Be­ginn des 16. Jahr­hun­derts nach Ravenna ver­legt wur­de, nur we­ni­ge Geh­mi­nu­ten von Dan­tes Gr­ab­stät­te ent­fernt. Tat­säch­lich ging die heu­te so im­po­san­te Bibliothek zu­nächst aus den klei­nen Be­stän­den der Bü­cher­samm­lung des Ka­mal­du­len­ser­or­dens her­vor und ver­grö­ßer­te sich im Lau­fe der Zeit, dank der un­er­schöpf­li­chen Ar­beit vie­ler Äb­te und Mön­che; un­ter die­sen be­fand sich auch Abt Pie­tro Can­ne­ti, der zu Be­ginn des 18. Jahr­hun­derts die Klos­ter­bi­blio­thek ei­ner tief­grei­fen­den Um­ge­stal­tung un­ter­zog, die Samm­lung er­wei­ter­te und neu or­ga­ni­sier­te, der aber auch die be­ein­dru­cken­den Holz­ar­bei­ten und Fres­ken in Auf­trag gab, die heu­te noch die Classense zu ei­ner un­ver­gess­li­chen Bibliothek ma­chen.

Die Wand­ver­zie­run­gen er­zäh­len die Ge­schich­te der Ka­mal­du­len­ser, ih­re re­li­giö­sen so­wie auch kul­tu­rel­len Be­zie­hun­gen zu der Stadt und eh­ren, ne­ben­ein­an­der, Schutz­hei­li­ge und Ge­lehr­te aus Ravenna. Can­ne­ti gab auch die gro­ße Hal­le Au­la Ma­gna in Auf­trag, mit ih­rer stuck­ver­zier­ten ge­wölb­ten De­cke, die die Holz­ar­beit der ge­schnitz­ten Re­ga­le und Kon­so­len auf­nimmt, und die ei­ne Art Denk­mal für das Wis­sen und die Ar­chi­tek­tur des 18. Jahr­hun­derts ist. Als ur­sprüng­li­ches Klos­ter win­det sich das Ge­bäu­de ent­lang der Klos­ter­gän­ge, die von dem gras­be­wach­se­nen Bo­den und Bäu­men ge­kühlt wer­den, bis hin zu den Klos­ter­stäl­len, die vor kur­zem von dem Ar­chi­tek­ten Mar­co Dez­zi Bar­de­schi in ei­nen be­ein­dru­cken­den Aus­stel­lungs­raum um­ge­wan­delt wur­den. Nach den von Na­po­le­on durch­ge­führ­ten Re­for­men, wel­che die Auf­lö­sung re­li­giö­ser Or­den be­inhal­te­te, wur­de die Klos­ter­bi­blio­thek in ei­ne Stadt­bi­blio­thek um­ge­wan­delt, zu der ei­ne gro­ße An­zahl wei­te­rer Bü­cher­samm­lun­gen von Klös­tern und Or­den hin­zu­ka­men. Heu­te be­fin­den sich in der Classense Bibliothek 650.000 Bü­cher, da­von 800 an­ti­ke In­ku­na­beln, 8.000 Wer­ke aus dem 16. Jahr­hun­dert, 750 Ma­nu­skrip­te und 12.000 Stü­cke der Col­le­zio­ne Dan­te­sca. Die Bibliothek be­sitzt auch ei­ne Samm­lung von Brie­fen und an­de­rer per­sön­li­cher Er­in­ne­rungs­stü­cke des bri­ti­schen Dich­ters Lord By­ron, die an Te­re­sa Gam­ba, der in Ravenna ge­bo­re­nen Ge­lieb­ten des Dich­ters, ver­macht wur­den. In der so le­ben­di­gen Bibliothek fin­det man auch ei­ne gro­ße An­zahl zeit­ge­nös­si­scher Li­te­ra­tur, gan­ze Ab­schnit­te nur für Kin­der so­wie 700 ak­tu­el­le Ma­ga­zi­ne und 3.000 von frü­her.

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