WENN DAS OBJEKT ZUM MY­THOS WIRD

All About Italy (Germany) - - Editorial -

Die mo­der­ne Ge­sell­schaft drückt sich auch über den Er­folg ih­rer Fe­ti­sche aus: die Ge­gen­stän­de wer­den in der Post­mo­der­ne zu Sin­nes­ma­ni­fes­ta­tio­nen, die den Geist und Ge­schmack ei­ner Ära aus­drü­cken und sich in wahr­haft re­prä­sen­ta­ti­ve Iko­nen ei­nes be­stimm­ten Ge­fühls ver­wan­deln, die da­zu be­stimmt sind, ein Zei­chen zu set­zen und über ih­re Ma­te­rie hin­aus­zu­wach­sen, um zu ei­nem Sym­bol, zu ei­nem Em­blem zu wer­den. Vor al­lem das ita­lie­ni­sche De­sign hat uns ei­ne Un­men­ge von un­ter­schied­lichs­ten Ge­brauchs­ge­gen­stän­den be­schert, die als kon­kre­ter Aus­druck für ei­nen Ver­hal­ten­s­trend, für ei­nen Le­bens­stil, für ei­nen ganz prä­zi­sen Er­kennt­nis­stand in das kol­lek­ti­ve Be­wusst­sein ein­ge­drun­gen sind. Wenn Men­schen, die sich ken­nen­ler­nen wol­len, von sich er­zäh­len und sich dar­stel­len müs­sen, so sind ei­ni­ge der Ge­gen­stän­de, die man mehr oder we­ni­ger für den All­tag braucht und die das Er­geb­nis der Krea­ti­vi­tät der ita­lie­ni­schen Pro­duk­ti­on sind, si­cher­lich die Satz­zei­chen in ei­ner Re­de, die uns de­fi­niert und all­ge­mei­ne Wer­te und ei­ne ge­wis­se Wel­t­an­schau­ung ver­mit­telt. Das ita­lie­ni­sche De­sign konn­te in den letz­ten Jah­ren auf­grund sei­ner krea­ti­ven Kraft und ei­nes be­nei­dens­wer­ten und be­nei­de­ten Ge­schmacks die glo­ba­le Kul­tur fär­ben und be­ein­flus­sen: Schön­heit und Funk­tio­na­li­tät zu ver­bin­den ist das an­ge­streb­te Ziel, um ei­ne Viel­zahl von Lö­sun­gen an­zu­bie­ten, die ver­blüf­fen, ins Au­ge ste­chen, un­se­re Woh­nun­gen be­rei­chern und un­ser Le­ben ver­ein­fa­chen. Aus­ge­hend von ei­nem Ge­gen­stand ent­stan­den völ­lig neue For­men, Aus­drü­cke und Ge­wohn­hei­ten, die schließ­lich auf ein­zig­ar­ti­ge Wei­se ei­nen be­stimm­ten Teil der Welt um­schrie­ben und iden­ti­fi­ziert ha­ben. Das Zau­ber­werk ist voll­bracht: ent­de­cken wir zu­sam­men die Ge­gen­stän­de des ita­lie­ni­schen De­signs, die da­zu bei­ge­tra­gen ha­ben, un­ser Le­ben rei­cher, fas­zi­nie­ren­der und schö­ner zu ma­chen.

LC4, NEH­MEN SIE PLATZ

Die 1965 von der ita­lie­ni­schen Fir­ma Cas­si­na her­aus­ge­brach­te und be­rühmt ge­wor­de­ne LC4 ist ei­ne Chai­se­longue par ex­cel­lence, die le­gen­därs­te von al­len. Sie wur­de 1928 von drei un­glaub­li­chen De­si­gnern ent­wi­ckelt: Le Cor­bu­si­er, Pier­re Jean­ne­ret und Char­lot­te Per­ri­and, die ein au­ßer­ge­wöhn­li­ches Sitz­mö­bel er­fun­den ha­ben, das den Men­schen in den Mit­tel­punkt stellt. Die ver­stell­ba­ren Nei­gungs­win­kel der Sitz- bzw. Lie­ge­flä­che aus glän­zen­dem, tri­va­len­tem ver­chrom­tem Stahl und das schwarz la­ckier­te Un­ter­ge­stell aus Stahl ma­chen es zu ei­nem raf­fi­nier­ten und ein­zig­ar­ti­gen Mö­bel­stück. Die LC4 stellt dank ih­rer Kom­bi­na­ti­on aus Form und Ru­hefunk­ti­on ein idea­les Gleich­ge­wicht zwi­schen geo­me­tri­scher Rein­heit und ma­te­ri­el­ler Sub­stanz her. Die stu­fen­los ver­stell­ba­re Lie­ge­flä­che ver­mit­telt durch ih­re au­ßer­ge­wöhn­li­che Sta­bi­li­tät Si­cher­heit und emp­fängt ei­nen mit ei­ner sanf­ten Umar­mung aus ele­gan­tem und hoch­wer­ti­gem Le­der. MOKA EX­PRESS, DIE ESPRESSOKANNE PAR EX­CEL­LENCE

Die Moka Ex­press von Bi­alet­ti ge­hört zur stän­di­gen Samm­lung des Triennale De­sign Mu­se­ums von Mai­land und des MOMA in New York. Sie wur­de 1933 von Al­fon­so Bi­alet­ti ent­wor­fen und an­schlie­ßend mit ei­ner Auf­la­ge von mehr als 105 Mil­lio­nen Stück pro­du­ziert: zwei­fel­los ge­hört sie zu den be­rühm­tes­ten Pro­duk­ten des ita­lie­ni­schen In­dus­trie­de­signs der Ge­schich­te. Aus der In­tui­ti­on Al­fon­sos ent­stand die Ge­schich­te von Bi­alet­ti, ei­nem Markenzeichen, das die Kunst des Kaf­fee­zu­be­rei­tens in ei­ne so na­tür­li­che und spon­ta­ne Ges­te ver­wan­delt hat, dass sie zu ei­nem un­ver­zicht­ba­ren Ri­tu­al ge­wor­den ist. Seit fast hun­dert Jah­ren er­zählt Bi­alet­ti mit­tels Aro­men, Far­ben und Ge­schmack von den Wer­ten der ita­lie­ni­schen Tra­di­tio­nen, die Zu­hau­se und Zu­sam­men­sein be­deu­ten. Die Moka Ex­press zeugt von ei­ner Sorg­falt für das De­sign und für De­tails, sie er­leich­tert je­de Ar­beit in der Kü­che und ver­mit­telt Qua­li­tät, Emo­tio­nen, Kom­pe­tenz und Si­cher­heit. LAMBRETTA, DER SCOOTER ZUM TRÄU­MEN

Die Lambretta ist ein italienischer Scooter aus der Ma­schi­nen­baufa­brik In­no­cen­ti in Mai­land, im Stadt­teil Lam­bra­te, der zwi­schen 1947 und 1972 pro­du­ziert wur­de. Der Na­me „Lambretta“stammt von dem Fluss Lam­bro, der durch das Ge­län­de fließt, auf dem die Fa­b­rik­ge­bäu­de er­rich­tet wur­den. 1947, nach­dem die Pla­nungs­pha­se be­en­det und die Mai­län­der Fa­b­rik wie­der­auf­ge­baut wor­den war, be­gann die of­fi­zi­el­le Pro­duk­ti­on der Lambretta: der enor­me Er­folg führ­te da­zu, dass sie in fast 25 Jah­ren auf Li­zenz auch in Ar­gen­ti­ni­en, Bra­si­li­en, Chi­le, In­di­en und Spa­ni­en her­ge­stellt wur­de. Sie war die er­bit­terts­te Ri­va­lin der Ve­s­pa: im Ita­li­en der Nach­kriegs­zeit spal­te­ten sich die Fans der bei­den Fahr­zeu­ge in zwei La­ger. Die röh­ren­för­mi­ge Lambretta, die we­ni­ger schnit­tig als ih­re Kon­kur­ren­tin war, hat­te je­doch ei­nen gleich­mä­ßi­ge­ren und schnel­le­ren Mo­tor und ver­führ­te durch ihr ro­man­ti­sches Aus­se­hen zum Träu­men. Sie wur­de so­fort zum Sym­bol ei­nes Lan­des, das mit viel Ener­gie von vor­ne an­fan­gen woll­te.

COCCOINA, DER DUFT DER KIND­HEIT AUS DER DO­SE

Ei­ner der welt­be­rühm­tes­ten und le­gen­därs­ten Kle­ber aus der Büch­se ist Coccoina, der 1927 ge­bo­ren wur­de, in dem Jahr, als die Fir­ma Bal­ma, Ca­po­du­ri & C. aus Vo­g­he­ra, die be­reits auf dem Schreib­wa­ren­markt ver­tre­ten war, be­schloss, den ers­ten Kleb­stoff „Ma­de in Ita­ly“auf den Markt zu brin­gen. Die Pro­dukt­pa­let­te der Mar­ke Coccoina, die man an ih­rem ty­pi­schen Man­del­ge­ruch und an der le­gen­dä­ren sil­ber­nen Alu­mi­ni­um­do­se mit ih­rem vio­let­ten kur­si­ven Schrift­zug und der in der Mit­te an­ge­brach­ten Hal­te­rung für den Pin­sel er­kennt, mit dem man den Leim auf­tra­gen kann, hat sich im­mer wei­ter ent­wi­ckelt und auch Flüs­sig­kleb­stoff, Kle­be­stif­te und Vi­nyl­kle­ber her­aus­ge­bracht. Das ur­sprüng­li­che For­mat hat sich in die Kind­heits­er­in­ne­run­gen von Mil­lio­nen Men­schen ein­ge­prägt, die noch heu­te die­sen Vin­ta­ge-fe­tisch su­chen, um den sü­ßen Duft ih­rer Ju­gend her­auf­zu­be­schwö­ren. ARCO, EIN LICHT, DAS DIE EIN­RICH­TUNG VERVOLLKOMMNET

Die Leuch­te Arco be­steht aus ei­nem Me­tall­bo­gen, der auf ei­nem Mar­mor­so­ckel an­ge­bracht ist. Sie ist viel­leicht die be­rühm­tes­te Steh­lam­pe der Ge­schich­te, die 1962 von den Brü­dern Achil­le und Pier­gi­a­co­mo Cas­tiglio­ni für Flos ent­wor­fen wur­de. Die Brü­der er­klär­ten, dass sie sich bei den be­zau­bern­den For­men von Arco an den Stra­ßen­be­leuch­tun­gen der Städ­te vor ei­ni­gen Jahr­zehn­ten in­spi­riert ha­ben. Die äu­ßerst fle­xi­ble und be­schwö­ren­de Leuch­te Arco ist kein ein­fa­cher Ge­gen­stand, son­dern ge­hört in den Olymp der Meis­ter­wer­ke des De­signs. In sei­nem Buch „Fa­re di più con me­no“(Aus we­ni­ger mehr ma­chen) schrieb der Ar­chi­tekt Ste­fa­no Boeri: „Arco ist die Syn­the­se aus Ele­ganz, Ge­nia­li­tät und Ein­fach­heit. Ein Ge­gen­stand, der den wirt­schaft­li­chen, äs­the­ti­schen und sym­bo­li­schen Aus­gangs­wert der drei Ele­men­te, aus de­nen er be­steht, nicht ad­diert, son­dern mul­ti­pli­ziert und dar­aus et­was völ­lig Neu­es ent­ste­hen lässt“. FIAT NUOVA 500, DAS AU­TO DER ITA­LIE­NER

Der Fiat Nuova 500, auch un­ter dem Na­men FIAT 500 oder ganz ein­fach „To­po­li­no“be­kannt, ist der Klein­wa­gen schlecht­hin, der zwi­schen 1957 und 1975 von Fiat pro­du­ziert wur­de. Sein De­sign er­zählt mit ei­ner un­er­hört be­schwö­ren­den Kraft von ei­nem sehr wich­ti­gen Ka­pi­tel in der Ge­schich­te Ita­li­ens. Sei­ne Markt­ein­füh­rung fiel in die Über­gangs­zeit zwi­schen den ent­beh­rungs­rei­chen Nach­kriegs­jah­ren und dem Wohl­stand des Wirt­schafts­booms in den 60er Jah­ren. Der Cin­que­cen­to ist der von den Ita­lie­nern be­vor­zug­te Rei­se­be­glei­ter für ei­ne Fahrt in Rich­tung Zu­kunft: sei­ne Ver­brei­tung ist enorm, und für den, der ihn be­sitzt, ge­hört er zur Fa­mi­lie. Die flam­mend ro­te Ka­ros­se­rie ist ei­ne Hym­ne an das Le­ben und sym­bo­li­siert den Op­ti­mis­mus ge­gen­über neu­en Zu­kunfts­aus­sich­ten und Mög­lich­kei­ten. Noch heu­te liegt der To­po­li­no den Au­to­nar­ren sehr am Her­zen, aber nicht nur ih­nen.

PASTIGLIE LEO­NE, SCHÖN­HEIT IN FORM EI­NES BON­BONS

Die ver­zier­te Blech­schach­tel der Pastiglie Leo­ne ist ein My­thos un­ter den Ver­pa­ckun­gen der Le­bens­mit­tel­in­dus­trie. Die Tu­ri­ner Süß­wa­ren­fa­brik wur­de 1857 von Lu­i­gi Leo­ne ge­grün­det, ei­nem Händ­ler aus Al­ba, der nach Tu­rin ging, um sei­ne treu­es­ten Kun­den, die Mit­glie­der des Kö­nigs­hau­ses, bes­ser be­die­nen zu kön­nen. Nie­mand kann der Sü­ße der bun­ten Bon­bons aus dem Pie­mont wi­der­ste­hen: die Do­sen, in de­nen sie ver­kauft wer­den, sind we­gen ih­rer wun­der­schö­nen Ver­zie­run­gen im Art-de­koS­til un­ge­heu­er ge­fragt. Die klei­nen alt­mo­di­schen Blech­dös­chen ru­fen, zu­sam­men mit dem Duft der Pas­til­len, die Ver­gan­gen­heit Tu­rins wie­der wach. Man muss nur die Au­gen schlie­ßen, um sich in ei­nem al­ten La­den mit Holz­re­ga­len und gro­ßen Glas­be­häl­tern wie­der­zu­fin­den, die ge­füllt sind mit herr­li­chen Köst­lich­kei­ten. Ei­ne klei­ne Schach­tel ge­nügt, um den un­be­zahl­bar sü­ßen Ge­schmack auf­zu­be­wah­ren, der stär­ker als die Zeit ist. PHONOLA 547, AL­LE MAL ZU­HÖ­REN

Ei­nes der be­rühm­tes­ten Pro­duk­te der ita­lie­ni­schen Elek­tro­nik­fir­ma Phonola war das Ra­dio in Form ei­nes Te­le­fons, das be­kann­te Mo­dell 547, das von Li­vio Cas­tiglio­ni und Lu­i­gi Cac­cia Do­mi­nio­ni ent­wor­fen und in ver­schie­de­nen Va­ri­an­ten seit 1939 pro­du­ziert wur­de. Die­ser Ap­pa­rat mit sei­nen ein­neh­men­den und au­ßer­ge­wöhn­li­chen For­men ist heu­te ein be­gehr­tes Stück für un­zäh­lig vie­le Samm­ler, die ver­su­chen, sich die­ses Meis­ter­werk des mo­der­nen An­ti­qua­ri­ats un­ter den Na­gel zu rei­ßen. Ein so emo­tio­na­ler Ge­gen­stand wie das Ra­dio wur­de der Äs­t­he­tik des Te­le­fons nach­emp­fun­den, um ihn noch per­sön­li­cher und be­deu­ten­der zu ge­stal­ten, vol­ler Cha­rak­ter und Ap­peal. Be­stimm­te For­men, auch wenn sie nur noch in Er­in­ne­run­gen oder Samm­lun­gen auf­tau­chen, hören nie auf zu fas­zi­nie­ren, un­ge­ach­tet al­ler Mo­de­strö­mun­gen und Wand­lun­gen. So ist das Phonola 547 ein au­ßer­ge­wöhn­li­ches, zeit­lo­ses Meis­ter­werk. SACCO, EIN SITZ­MÖ­BEL DER WELT­KLAS­SE Sacco ist das wei­che Sitz­mö­bel, das 1968 von Pie­ro Gat­ti, Cesa­re Pao­li­ni und Fran­co Teo­do­ro für die Fir­ma Za­not­ta ent­wor­fen wur­de. Wir be­fin­den uns auf dem Hö­he­punkt der Pop­kul­tur, die Welt ist im Auf­bruch, al­le wol­len das Bes­te aus ei­ner sprit­zi­gen und an­ti­kon­ven­tio­nel­len Kul­tur her­aus­ho­len. Die drei Krea­ti­ven wer­fen das Kon­zept ei­nes Sitz­mö­bels über den Hau­fen und ent­wer­fen ei­nen Sack im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes, ei­ne „Boh­ne“aus Plas­tik, ge­füllt mit Schaum­stoff­ku­geln, die sich, leicht und trans­por­tier­bar, je­der Ru­he­po­si­ti­on an­passt. Sacco ist welt­weit der ers­te Ses­sel, der kei­ne fes­te Struk­tur hat, und wird so­fort zum Sym­bol der neu­en Ge­ne­ra­ti­on, die ein sorg­lo­se­res Le­ben als ih­re El­tern füh­ren will und die sich auf ei­nem Ses­sel wohl fühlt, in dem man ver­sin­ken, ein­tau­chen, sich fal­len las­sen und sich ab­so­lut frei füh­len kann.

CARLTON, WENN RAUM ZUM DE­SIGN WIRD Der be­rühm­te Raum­tei­ler Carlton ent­sprang der Fan­ta­sie der Grup­pe Mem­phis, die 1981 von Et­to­re Sott­s­ass mit Hans Hollein, Ara­ta Iso­z­aky, Andrea Bran­zi, Mi­che­le de Luc­chi und an­de­ren in­ter­na­tio­nal be­rühm­ten Ar­chi­tek­ten ge­grün­det wur­de. Das To­tem­bü­cher­re­gal wird schon bald zum Sym­bo­l­ob­jekt der ge­sam­ten Pro­duk­ti­on der Grup­pe: Carlton hat ei­ne leicht an­thro­po­mor­phe Form und die kräf­ti­gen Far­ben sind ty­pisch für die Grup­pe Mem­phis und die neo­mo­der­ne Be­we­gung. Carlton ist der größ­te Be­weis für ra­di­ka­les De­sign, das den Sta­tus ei­ner Iko­ne ein­nimmt. Auch in die­sem Fall spre­chen wir nicht von ei­nem ein­fa­chen Ge­gen­stand, son­dern von ei­nem wah­ren Kunst­werk: es in­spi­riert sich an Be­we­gun­gen wie dem Art-de­ko, der Pop-art, dem Kitsch der 50er Jah­re und fu­tu­ris­ti­schen The­men, wie auch an der Mas­sen­kul­tur und dem All­tag. BOURGIE, DIE SCHICKE

UND FLOTTE LEUCH­TE

Die Leuch­te Bourgie, die 2004 von Fer­ruc­cio La­via­ni für Kar­tell ent­wor­fen wur­de, ist ei­ner der Best­sel­ler von Kar­tell und des De­signs Ma­de in Ita­ly über­haupt. Die Pracht und die iro­ni­sche Mo­der­ni­tät die­ser Leuch­te mit ih­rem mo­dern-alt­mo­di­schen und in­no­va­ti­ven Touch, ha­ben sie zu ei­nem Ju­wel des De­signs ge­macht, das auf der gan­zen Welt ge­fei­ert und ge­liebt wird. Ihr of­fi­zi­el­les mon­dä­nes De­büt hat­te sie 2004 in der Mai­län­der Bou­tique Uo­mo di Dol­ce & Gab­ba­na, in der sie aus­ge­stellt wur­de, um mit ih­rer iro­ni­schen und äu­ßerst ak­tu­el­len Bot­schaft über die fun­keln­de Pracht aus rei­nem Plas­tik zu ver­blüf­fen. Bourgie, die aus ei­nem durch­sich­ti­gen Po­ly­car­bo­nat­block ent­stan­den ist und die es in­zwi­schen in 14 Ver­sio­nen gibt – von Gold bis viel­far­bi­gem Ti­tan – und de­ren Licht wie ein Kris­tall auf al­le Ge­gen­stän­de der Um­ge­bung ge­wor­fen wird, hat mit ih­rer Form ei­nen Arche­ty­pen, ei­nen Stil und ei­ne ty­pi­sche und un­um­strit­te­ne Li­nie für ei­ne Tisch­leuch­te kre­iert. MOLESKINE, DER ECH­TE NOTIZBLOCK

Der Notizblock Moleskine, so wie wir ihn heu­te ken­nen, ent­stand im Jahr 1997 und in­spi­rier­te sich an dem le­gen­dä­ren Notizblock der Künst­ler und In­tel­lek­tu­el­len der letz­ten zwei Jahr­hun­der­te, fas­zi­nie­ren­de und rast­lo­se Per­sön­lich­kei­ten wie Vin­cent Van Gogh, Pa­blo Pi­cas­so, Er­nest He­ming­way und Bru­ce Chat­win. Der le­gen­dä­re Notizblock, der dank der Er­fah­run­gen von Mo­do&mo­do, ei­nem klei­nen Mai­län­der Ver­lag, der 1997 die Mar­ke Moleskine re­gis­trie­ren ließ, ge­bo­ren wur­de, oder bes­ser ge­sagt, wie­der auf­er­stan­den ist, wur­de über­ar­bei­tet und hat seit den 90er Jah­ren bis heu­te ei­nen enor­men und welt­wei­ten Er­folg. Mit sei­nem ri­go­ro­sen und mi­ni­ma­lis­ti­schen De­sign, dem schwar­zen Le­der­ein­band und den wei­ßen Sei­ten in sei­ner klas­si­schen Ver­si­on, wur­de er oh­ne Fra­ge im krea­ti­ven Am­bi­en­te zu ei­nem wah­ren Kult­ob­jekt, das in kei­ner Ta­sche der fan­ta­sie­vol­len und an­ti­kon­ven­tio­nel­len Köp­fe feh­len darf.

AN­NA G, DIE SILHOUETTE MIT DEM PLOPP Hier­bei han­delt es sich um den be­rühm­tes­ten Kor­ken­zie­her der Ge­schich­te, der 1994 von Ales­san­dro Men­di­ni für Ales­si ent­wor­fen wur­de. Es heißt, dass der Na­me ei­ne Hom­mage an die De­si­gne­rin An­na Gi­li ist, de­ren Ge­sicht und Silhouette auf dem Ge­brauchs­ge­gen­stand wie­der­zu­fin­den sind. Si­cher­lich ist der Kor­ken­zie­her An­na G von Ales­si seit An­fang an ei­ner der er­folg­reichs­ten Pro­duk­te der Fir­ma: auf 24,4 cm Hö­he und 7 cm Durch­mes­ser be­fin­det sich ei­ne lä­cheln­de und aus­drucks­star­ke weib­li­che Fi­gur. An­na G ist ei­ne wah­re Hom­mage an die rea­le, le­ben­de Frau, an die Frau, die je­den Tag ar­bei­tet und sich um die Fa­mi­lie küm­mert, aber trotz­dem nicht auf das Ver­gnü­gen und die ei­ge­ne Mei­nungs­frei­heit ver­zich­tet. Hei­ter und au­ßer­ge­wöhn­lich ge­lingt es dem Kor­ken­zie­her Ales­si bei Tisch ein har­mo­ni­sches und fröh­li­ches Kli­ma zu schaf­fen, so dass er zu ei­nem un­ver­zicht­ba­ren und cha­rak­te­ris­ti­schen Ge­rät in al­len Haus­hal­ten wird.

TAMARINDO ERBA, LE­GEN­DÄ­RE SCHLÜCKCHEN 1837 kauft der Apo­the­ker Car­lo Erba die Apo­the­ke Bre­ra im Her­zen Mai­lands. Hier be­ginnt er, ei­ni­ge Prä­pa­ra­te mit neu­en Pro­ze­du­ren her­zu­stel­len. Un­ter ih­nen sticht der Ta­mar­in­den-ex­trakt her­vor. Der Er­folg von Tamarindo Erba ist so groß, dass er in­dus­tri­ell her­ge­stellt wird. In den 50er Jah­ren wird der De­si­gner Ro­mo­lo Cas­tiglio­ni, der zum Art­di­rek­tor der Fir­ma er­nannt wird, be­auf­tragt, die Ver­pa­ckung und das Eti­kett zu ent­wer­fen, das noch heu­te auf der zeitlosen Fla­sche zu fin­den ist. Die­ses er­folg­rei­che Ver­pa­ckungs­de­sign über­dau­ert die Zeit und igno­riert die ak­tu­el­len Mo­de­trends, um ge­rad­li­nig und ent­schlos­sen die Uns­terb­lich­keit an­zu­stre­ben. Der Tamarindo Erba ist ein Pro­dukt, das man wie­der­er­kennt, und sein Eti­kett ist mit flam­men­den Let­tern in das kol­lek­ti­ve Be­wusst­sein ein­ge­brannt.

DER GIALLO MONDADORI, WENN EIN BUCH AUCH NACH SEI­NEM UMSCHLAG BE­WER­TET WIRD Der Giallo Mondadori ist ei­ne Kri­mi­rei­he, die seit 1929 vom Ver­lag Ar­nal­do Mondadori Edi­to­re her­aus­ge­ge­ben wird. Für die Ti­tel­sei­ten der ers­ten Bü­cher wur­de die Far­be Gelb ge­wählt und das ist bis heu­te so ge­blie­ben: der Er­folg war so groß, dass die­se Far­be mit dem Gen­re des Thril­lers in Ver­bin­dung ge­bracht und der Neo­lo­gis­mus „giallo“(gelb) ge­bo­ren wur­de, der seit­her für das Wort Kri­mi steht. Le­gen­dä­rer Di­rek­tor der Se­rie seit den 30er Jah­ren bis 1979 (mit ei­ner Un­ter­bre­chung von 1941 – 1946, als die Rei­he auf­grund der fa­schis­ti­schen Zen­sur und des Krie­ges ein­ge­stellt wur­de) war Al­ber­to Te­de­schi. Er war es auch, der gleich nach dem Krieg die Gestal­tung des Um­schlags Car­lo Ja­co­no über­trug. Die Kri­mi­rei­he Giallo Mondadori ist ein be­deu­ten­des Be­spiel da­für, wie De­sign die Kul­tur und das Le­ben je­den Ein­zel­nen tief­grei­fend be­ein­flus­sen kann.

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