Xa­vi­an Joy

Xa­vi­an Joy Wie schnell die Zeit ver­geht. Vor fast ge­nau ei­nem Jahr hat­ten wir die Na­tu­ra Per­la von Xa­vi­an zu Gast. Un­ser ak­tu­el­les Test­mus­ter hört auf den nicht min­der blu­mi­gen Na­men Joy. Na dann, viel Spaß!

Audio Test - - Alle Testgeräte der Ausgabe 3/2017 - Chris­ti­an Kautz

Der Fir­men­grün­der Ro­ber­to Bar­let­ta höchst­per­sön­lich stimm­te die neue Kom­pakt­box ab, wel­che das Pro­gramm der klei­nen tsche­chi­schen Ma­nu­fak­tur nach un­ten hin ab­run­det. Mit Xa­vi­an er­füll­te sich der von Hi­fi be­ses­se­ne Bar­let­ta ei­nen Traum. In Tsche­chi­en pro­du­ziert er ex­klu­si­ve Laut­spre­cher, die sich an­ge­nehm vom Mas­sen­markt ab­he­ben. Cha­rak­te­ris­tisch ist der Ver­zicht auf Press­span oder MDF. Die Ge­häu­se sind aus Nuss­baum oder Ei­che. Bei Xa­vi­an ver­zich­tet man kom­plett aus Bau­tei­le aus Fer­n­ost und ist stolz dar­auf, un­ab­hän­gig von Ban­ken, Heu­schre­cken oder sons­ti­gen In­ves­to­ren zu sein. Schein­bar un­be­ein­flusst vom all­ge­mei­nen Ra­tio­na­li­sie­rungs­zwang kann sich Bar­let­ta ganz auf die Ent­wick­lung feins­ter Au­dio­tech­nik wie un­se­rem Bo­xen-zu­gang Joy kon­zen­trie­ren. Es soll schon vor­ge­kom­men sein, dass der Meis­ter nach ei­nem Be­such der Pra­ger Staats­oper die Ab­stim­mung sei­ner Laut­spre­cher an­pass­te. Bei Xa­vi­an weiß man, was Hi­fi-jün­ger hö­ren wol­len. Die Fach­welt war bis­her noch von je­dem neu­en Ge­rät, was die al­te Müh­le in der Nä­he von Prag ver­ließ, be­geis­tert. Aus wel­chem Schrot und Korn die Joy ist, soll un­ser Test­durch­lauf zei­gen. Das Ge­häu­se der Joy be­steht, wie schon er­wähnt, aus mas­si­vem Holz. In ih­rem Fall wur­de Ei­che ver­wen­det. Ei­chen­holz ist äu­ßerst hart, stra­pa­zier­fä­hig und ver­win­dungs­steif. Al­so bes­tens für den Bau von Laut­spre­chern ge­eig­net. Auf­kle­ber oder Ty­pen­schil­der sucht man bei der Box ver­ge­bens. Lie­be­voll wur­den Ty­pen­be­zeich­nung und tech­ni­sche An­ga­ben in Holz ge­fräst. Die zwei Bass­re­flex­öff­nun­gen zei­gen zum Hö­rer. Auf der Rück­sei­te be­fin­den sich die sehr schön ein­ge­las­se­nen Ter­mi­nals, wo­bei Freun­de des Bi-wirings al­ler­dings ent­täuscht wer­den. An­schluss fin­den die Joy nur über Hohl­bana­na-ste­cker, die der Her­stel­ler freund­li­cher­wei­se gleich mit ins Pa­ket ge­legt hat.

Er­wäh­nens­wert ist, dass sich über den Ter­mi­nals je­weils die Auf­hän­gung zur Wand­mon­ta­ge be­fin­det. Im In­ne­ren des Ge­häu­ses ar­bei­tet ein klas­si­sches 2-Weg-sys­tem be­ste­hend aus Hoch- und Mit­tel­tö­ner. Beim Hoch­tö­ner fiel die Wahl auf 26 Mil­li­me­ter Sei­den­ka­lo­t­ten. Für den mitt­le­ren und un­te­ren Fre­quenz­be­reich ist ein 150 Mil­li­me­ter Chas­sis mit Pa­pier­mem­bran ver­ant­wort­lich.

Klang­test

Zum ers­ten Klang­test dient ein Stück von Hel­ge Schnei­der. Vie­le wer­den sich jetzt wun­dern. Ist der Bar­de doch eher für Kla­mauk und hu­mor­vol­le Mu­sik­ein­la­gen be­kannt. In Deutsch­lands Jazz­sze­ne spielt der Mühl­hei­mer je­doch ei­ne ernst zu neh­men­de Rol­le. Ex­em­pla­risch da­für steht das Album „Hard­core Jazz“. Schnei­ders ganz ei­ge­ne In­ter­pre­ta­ti­on von „Ta­ke Fi­ve“ver­brei­tet die Joy so drei­di­men­sio­nal im Raum, dass man et­was un­gläu­big ver­mu­tet, aus­ge­wach­se­ne Stand­bo­xen wür­den spie­len. Sel­ten ist es bis­he­ri­gen Re­gal­bo­xen die­ser Grö­ße ge­lun­gen, ähn­li­ches Vo­lu­men zu er­zeu­gen. Im Ge­gen­satz zur ge­wohn­ten pas­si­ven Büh­nendar­bie­tung wird der Zu­hö­rer au­gen­blick­lich in das Ge­sche­hen hin­ein­ver­setzt. Das be­dingt or­dent­li­ches Bass­ver­mö­gen, wo­von die klei­ne Xa­vi­an viel zu bie­ten hat. Die Sei­den­ka­lo­t­te ver­rich­tet ih­re Ar­beit da­bei eher zu­rück­hal­tend. Be­sen und Sa­xo­phon kom­men den­noch gut zur Gel­tung. Ih­nen fehlt nach kur­zem Ein­spie­len nur et­was der Kör­per und die Schär­fe, um den Hö­rer zu be­ein­dru­cken. Die Joy hält sich lie­ber im neu­tra­len bis so­no­ri­gen Ter­rain auf. Als aus­glei­chen­des Ele­ment in der Ket­te könn­te ein Ver­stär­ker mit sehr ana­ly­ti­schen Ei­gen­schaf­ten ein­sprin­gen. Schon an­de­re Ver­tre­ter des Hau­ses Xa­vi­an wur­den klang­lich so ein­ge­ord­net. Die­ser Laut­spre­cher hat Cha­rak­ter und trägt ein­deu­tig Bar­let­t­as Hand­schrift. Auf­grund ih­res vo­lu­mi­nö­sen Auf­tritts schei­nen ins­be­son­de­re gro­ße Orches­ter die Dis­zi­plin der Joy zu sein. Al­so raus aus dem Jazz­kel­ler und neh-men wir Platz im Kon­zert­saal. Zu den Weg­be­glei­tern und Freun­den Hel­ge Schnei­ders ge­hör­te der viel zu früh ver­stor­be­ne Ak­ti­ons­künst­ler Chris­toph Sch­lin­gen­sief. Die­sem wur­de die Eh­re zu Teil, Richard Wa­g­ners „Par­si­fal“auf sei­ne ganz ei­ge­ne Art in Bay­reuth zu in­sze­nie­ren. Nun hat auch die Xa­vi­an Joy ih­ren gro­ßen Auf­tritt.mit Fein­ge­fühl und dem zu­vor be­schrie­be­nen Vo­lu­men er­tönt al­ler­dings die Auf­nah­me der Ber­li­ner Phil­har­mo­ni­ker aus dem Jahr 1981 un­ter Lei­tung des Ös­ter­rei­chers Her­bert von Ka­ra­jan. Das Vor­spiel zur ers­ten Sze­ne des ers­ten Akts baut sich lang­sam auf. Vio­li­nen und ein­set­zen­de Blä­ser ver­brei­ten sich fan­tas­tisch im Hör­raum. Der Klang löst sich von den Laut­spre­chern. Es ent­steht Kon­zert­saal-at­mo­sphä­re. Auch wenn das letz­te Quänt­chen Bril­lanz nicht das Trom­mel­fell kit­zelt, beim Auf­tritt des Orches­ters wird die Joy ih­rem Na­men ge­recht. Be­son­ders viel Spiel­freu­de im un­te­ren und mitt­le­ren Fre­quenz­be­reich ga­ran­tiert ent­span­nen­des Schwel­gen vor der hei­mi­schen Hi­fi-ket­te.

Blick auf das An­schluss­ter­mi­nal der Joy, die Hohl­bana­na-ste­cker auf­neh­men

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