So­nus fa­ber Ve­ne­re S

In Ita­li­en hat man bei So­nus Fa­ber seit den 1980er Jah­ren den An­spruch, au­dio­phi­les Equip­ment mit High-end-stan­dards zu ent­wi­ckeln. Ei­ni­ge Pro­duk­te aus Ar­cug­na­no zäh­len be­reits zur Hi­fi-eli­te. Ob sich der Stand­laut­spre­cher Ve­ne­re S eben­falls ein­rei­hen dar

Audio Test - - Alle Testgeräte der Ausgabe 3/2017 - Alex Rö­ser, Ste­fan Go­e­de­cke

Es ist noch gar nicht all zu lan­ge her, da schmück­ten be­reits zwei Laut­spre­cher aus dem ita­lie­ni­schen Ar­cug­na­no den Hör­raum der AU­DIO TEST (AT 06/16). Es han­del­te sich um die sehr kom­pak­ten Re­gallaut­spre­cher Prin­ci­pia 1 von So­nus fa­ber. Die mit ei­nem Paar­preis von le­dig­lich 550 Eu­ro äu­ßerst er­schwing­li­chen Schall­wand­ler über­zeug­ten da­mals durch ei­nen sat­ten Tief­gang und ei­ner ver­blüf­fen­den räum­li­chen Darstel­lung. Zu­sam­men mit der äu­ßerst bril­lan­ten Hö­hen­wie­der­ga­be er­wie­sen sich die „Klei­nen“als über­aus kom­pe­ten­te Schall­wand­ler. Nur schwe­ren Her­zens lie­ßen wir die Prin­ci­pia 1 nach bra­vou­rös be­stan­de­ner Prü­fung letzt­lich wei­ter­zie­hen. Um­so grö­ßer da­her die Freu­de, ein wei­te­res Mit­glied der So­nus-fa­ber-fa­mi­lia im Test­la­bor be­grü­ßen zu dür­fen: der Stand­laut­spre­cher Ve­ne­re S. Die Ve­ne­re-se­rie von So­nus fa­ber um­fasst ne­ben zwei wei­te­ren Stand­laut­spre­cher-mo­del­len drei Kom­pakt­laut­spre­cher und ei­nen Cen­ter-spea­ker, kann al­so durch­aus ein gan­zes Sour­round-sys­tem aus den ei­ge­nen Rei­hen stel­len. Ab­ge­se­hen von ei­nem kom­pe­ten­ten Sub-woo­fer, aber wir wol­len doch erst­mal her­aus­fin­den, ob der von­nö­ten ist. Denn So­nus fa­ber ver­spricht für den Ve­ne­re S, der das Vor­zei­ge­mo­dell sei­ner Pro­dukt­li­nie mar­kiert, ei­nen sat­ten Bass bis zu 40 Hertz. Doch

be­vor das Ge­rät sei­ne Qua­li­tä­ten un­ter Be­weis stel­len darf, muss es erst mal von jeg­li­cher Ver­pa­ckung be­freit wer­den. Da­bei ist es un­be­dingt emp­feh­lens­wert, sich die­ser Auf­ga­be nicht al­lein zu wid­men! Denn durch die Hö­he von knapp über ei­nem Me­ter zwan­zig, sein stol­zes Ge­wicht von 28,8 Ki­lo­gramm und sei­ne na­he­zu kan­ten­freie Aus­füh­rung ist der Laut­spre­cher zu schwer und sper­rig, um von ei­ner Per­son aus dem Kar­ton ge­hievt zu wer­den. Doch ist die­se Mis­si­on erst ein­mal be­werk­stel­ligt muss nur noch der fei­ne Baum­woll­über­zug ent­fernt wer­den und schon er­hellt die Ve­ne­re S in strah­len­dem Pia­no-weiß ei­nen je­den Hör­raum. Der bei­ge­füg­te So­ckel ist auch oh­ne gro­ße Um­stän­de mon­tiert. Nur lässt das Zu­rück­grei­fen auf her­kömm­li­che klei­ne Holz­schrau­ben zur Be­fes­ti­gung der Fuß­plat­te doch den Zwei­fel dar­an zu, ob ein häu­fi­ges An- und Ab­mon­tie­ren vor­ge­nom­men wer­den kann, oh­ne dass das Ge­häu­se klei­ne Be­schä­di­gun­gen da­von­trägt. Al­ler­dings wer­den wohl die we­nigs­ten 4 100 für ein Paar der Ve­ne­re S in die Hand neh­men, oh­ne sie län­ger­fris­tig in Ver­wen­dung se­hen zu wol­len. Ein zu ver­nach­läs­si­gen­der Kri­tik­punkt al­so.

Com­pa­gni No­bi­li

Bei der Po­si­tio­nie­rung der bei­den Schall­wand­ler emp­fiehlt sich, wie üb­lich, ge­sun­de Ent­fer­nung zum Part­ner und ein glei­cher Ab­stand zum Hör­platz. Leicht auf eben­die­sen ein­ge­dreht, soll­te die Tren­nung der bei­den nicht we­ni­ger als 2,5 Me­ter be­tra­gen, um ein brei­tes Ste­reo­pan­ora­ma zu ge­währ­leis­ten. Was die Ent­fer­nung zu da­hin­ter­lie­gen­den Wän­den an­geht, so ver­zich­ten die Ita­lie­ner auf ei­ne Ab­stands­emp­feh­lung. Grund da­für: die Ve­ne­re S ist nicht, wie vie­le an­de­re Spea­ker ih­rer Art mit ei­nem rück­sei­tig mon­tier­ten Bass­re­flex­rohr aus­ge­stat­tet, son­dern mit ei­ner so­ge­nann­ten Down­fi­re-öff­nung. Die­se ver­steckt sich an der Un­ter­sei­te des Laut­spre­chers und er­mög­licht ob der re­la­tiv ho­hen Spi­kes ei­ne Ab­strah­lung der Bäs­se auf den Bo­den, von dem aus er sich gleich­mä­ßig im Raum ver­tei­len kann. (Wir er­in­nern uns an den Sub­woo­fer US 2106 in AT 05/16) Nach­teil die­ser Bau­wei­se ist je­doch, dass Tep­pich­bö­den ver­ständ­li­cher­wei­se den Wir­kungs­grad des Down­fi­re-woo­fers min­dern, was die Ve­ne­re S da­her eher für glat­te Bö­den, idea­ler­wei­se Par­kett, qua­li­fi­ziert. Sind sie erst ein­mal auf­ge­stellt, zie­hen die schnee­wei­ßen Laut­spre­cher schon­mal je­den Blick auf sich. Die wind­schnit­ti­ge Form, wel­che un­ter an­de­rem auch bei Pro­duk­ten von Bo­wers & Wil­kins oder Ope­ra zu fin­den ist, ver­leiht der Ve­ne­re S ein na­he­zu sport­li­ches Aus­se­hen. Je­doch han­delt es sich bei die­sem de­sign­tech­ni­schen Kniff nicht um Ef­fekt­ha­sche­rei, son­dern selbst­ver­ständ­lich um ei­ne phy­si­ka­li­sche Maß­nah­me zur Klan­g­op­ti­mie­rung. Der Ver­zicht auf par­al­lel ste­hen­de Ge­häu­se­wän­de bie­tet den Vor­zug, dass die Ei­gen­re­so­nanz des Laut­spre­chers durch aus­blei­ben­den Re­fle­xi­ons­stau mi­ni­miert wird. Das sport­li­che Auf­tre­ten kommt wohl auch durch die de­zen­te Schräg­la­ge der Ve­ne­re S. Die vor­de­ren zwei Spi­kes sind et­was län­ger als die hin­te­ren, wes­halb die Front des Schall­wand­lers et­was nach oben ge­rich­tet ist. So­mit zie­len die fünf Chas­sis der Ve­ne­re noch prä­zi­ser auf die Oh­ren des Hi­fi-en­thu­si­as­ten. Ganz ge­nau: fünf Chas­sis! Un­ter der Ober­kan­te des Ge­häu­ses ist, ein­ge­las­sen in ei­nen brei­ten Rah­men aus ge­bürs­te­tem Alu­mi­ni­um, ein mit 29 Mil­li­me­ter Durch­mes­ser ver­gleichs­wei­se gro­ßer Hoch­tö­ner aus ei­ner Tex­til­mem­bran. Die mas­si­ve Rah­mung des Chas­sis ist wie­der kei­ne Spie­le­rei zu­guns­ten der Op­tik, son­dern iso­liert den Hoch­tö­ner von den in­ner­häus­li­chen Re­so­nan­zen sei­ner vier Kol­le­gen. Die­se wä­ren zum ei­nen ein 150-Mil­li­me­ter Po­ly­pro­py­len­mem­bran-trei­ber mit ko­ni­schem Pha­se-plug für die Mit­ten­wie­der­ga­be zwi­schen 250 und 2 500 Hertz und oben­drein gleich drei Tief­tö­ner mit ei­ner 180 Mil­li­me­ter Alu­mi­ni­um-mem­bran. Al­le Ach­tung!

Klang­li­ches Mul­ti­ta­lent

Wir ver­bin­den bei­de Ve­ne­re S per Laut­spre­cher­ka­bel von in-akus­tik mit un­se­rem Re­fe­renz­ver­stär­ker von Ro­tel. So­nus fa­ber emp­fiehlt ei­ne Spei­sung der Ve­ne­re mit ei­ner Leis­tung von 40 bis 300 Watt. Die Mög­lich­keit den Hoch­tö­ner ein­zeln an­zu­spie­len, ist auf­grund der Ver­bau­ung ei­nes Bi-wiring-ter­mi­nals ge­ge­ben, je­doch

wol­len wir für die­sen Test kei­nen Ge­brauch da­von ma­chen. Als Kon­trast zur ele­gan­ten Er­schei­nung der Ve­ne­re S im un­schul­di­gen Weiß be­gin­nen wir den Test mit dem Stück „Nu­cle­ar Fu­si­on“der aus­tra­li­schen Band King Giz­zard and the Liz­zard Wiz­zard. Die sehr kom­pakt pro­du­zier­te Num­mer ih­res neu­en Al­bums klingt kräf­tig und mit or­dent­lich Attack. Sehr kna­ckig, wenn auch nicht ganz so im­pul­siv wie et­wa ein Man­ger p1, spie­len Schlag­werk und Bass­gi­tar­re aus. Tat­säch­lich an­ge­nehm voll im Bass und den tie­fen Mit­ten groovt das Lied da­her, der arg ver­zerr­te Ge­sang schnei­det sich rot­zig aber ex­zel­lent de­fi­niert durch den Mix. Psalm 28 aus den Psal­men Da­vids für Chor und Orches­ter von Kry­sz­tof Pen­der­ecki er­klingt eben­falls sehr de­tail­ge­treu und fein in den Tex­tu­ren. Klar ge­zeich­net er­klingt das Kla­vier zu Be­ginn, sehr im­puls- stark ist der dis­so­nan­te Ein­satz des So­pran. Die Be­cken klin­gen scharf aber nicht grell, al­les in al­lem zeich­nen die bei­den Ve­ne­re S von So­nus fa­ber ein sehr schö­nes, na­tür­li­ches Klang­bild. Auch dy­na­misch scheu­en sich die bei­den Ko­los­se nicht, be­dacht und mit äu­ßers­ter Vor­sicht, aber nicht zu zag­haft auch die lei­ses­ten Pas­sa­gen des Stü­ckes ab­zu­bil­den. Im­mer noch klar kon­tu­riert er­klingt der Ge­sang im Pia­nis­si­mo. Psalm 43 aus dem sel­ben Werks­ka­non be­ginnt mit ei­nem dich­ten Kon­vo­lut aus Per­cus­sion und Kla­vier. Ob­wohl sich al­les im sel­ben Fre­quenz­band be­wegt, er­hält je­des Ele­ment sei­nen ei­ge­nen Raum – hier kom­men wohl die drei Tief­tö­ner zum Tra­gen. Breit ge­staf­felt bleibt dem Hö­rer ei­ne un­schö­ne Ver­schla­ckung der tie­fen Mit­ten er­spart. Auch räum­lich er­bringt das Ste­reo­paar ei­ne vor­bild­li­che Leis­tung. Wenn auch nicht Welt­klas­se, so er­öff­nen die bei­den Schall­wand­ler doch ein sehr prä­zi­ses Panorama. Al­les in al­lem macht es wirk­lich gro­ßen Spaß, die Ve­ne­re S von So­nus fa­ber in Ak­ti­on zu er­le­ben, doch win­ken wir ih­nen bei Ab­ho­lung nicht mit trä­nen­feuch­ten Ta­schen­tü­chern, aber wie es sich für ei­ne Ve­nus ge­hört im­mer­hin mit ei­nem Hauch ita­lie­ni­schem Le­bens­ge­fühl und Sp­rez­za­t­u­ra hin­ter­her. Ciao, bel­la ve­ne­re!

Der brei­te Alu­mi­num-rah­men des Hoch­ton­chas­sis ist ein wah­rer Hin­gu­cker und birgt hier die 29 mm um­fas­sen­de Tex­til­mem­bran

Die Po­ly­pro­py­len­mem­bran des Mit­tel­tö­ners ver­mag von 250 bis 2 500 Hertz auf­zu­spie­len

Das so­li­de An­schluss­ter­mi­nal er­mög­licht die ge­trenn­te An­steue­rung der Trei­ber

Si­cher fußt der Laut­spre­cher auf Spi­kes, wo­bei er sich et­was nach hin­ten neigt

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