Be­kom­men Steu­er­zah­ler Geld zu­rück?

Was mit dem Kre­dit an Air Berlin pas­siert

Augsburger Allgemeine (Ausgabe Stadt) - - Wirtschaft - VON MAR­TIN FER­BER

Berlin. Es muss­te sehr schnell ge­hen. Als Air Berlin am 15. Au­gust, mit­ten in der Haupt­rei­se­zeit, ei­nen An­trag auf Er­öff­nung ei­nes In­sol­venz­ver­fah­rens in Ei­gen­re­gie ge­stellt hat, han­del­te die Bun­des­re­gie­rung rasch. Um den Flug­be­trieb noch wei­ter­füh­ren zu kön­nen und da­mit si­cher­zu­stel­len, dass al­le Ur­lau­ber oh­ne Pro­ble­me nach Hau­se zu­rück­keh­ren, sorg­te sie da­für, dass Air Berlin ei­nen mit ei­ner Bun­des­bürg­schaft ab­ge­si­cher­ten Über­gangs­kre­dit von 150 Mil­lio­nen Eu­ro durch die bun­des­ei­ge­ne Kre­dit­an­stalt für Wie­der­auf­bau (KFW) er­hielt.

Am 3. Sep­tem­ber war der ent­spre­chen­de Ver­trag mit der Bank un­ter­schrie­ben, die Flug­ge­sell­schaft ver­pflich­te­te sich, ei­nen aufs Jahr um­ge­rech­ne­ten Zins­satz von elf Pro­zent zu be­zah­len, hin­zu kam nach Be­rich­ten ei­ne Be­ar­bei­tungs­ge­bühr von ei­ner Mil­li­on Eu­ro. Der Bund si­cher­te sei­ner­seits den Kre­dit ab. Das Geld soll­te in Tran­chen aus­be­zahlt wer­den, Air Berlin muss­te je­de Wo­che sei­nen ak­tu­el­len Fi­nanz­be­darf nach­wei­sen. Der Kre­dit ge­währ­leis­te die ge­ord­ne­te Ab­wick­lung der Ge­sell­schaft, oh­ne den Wett­be­werb über­mä­ßig zu ver­fäl­schen, hieß es zur Be­grün­dung.

Nun ist die Zer­schla­gung von Air Berlin ei­ne be­schlos­se­ne Sa­che. Und so­wohl bei der staats­ei­ge­nen Bank wie in den Häu­sern von Fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) und Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Bri­git­te Zy­pries (SPD) zeigt man sich ent­spannt: Den Steu­er­zah­ler wer­de die Bürg­schaft für den Über­brü­ckungs­kre­dit kei­nen Cent kos­ten, im Ge­gen­teil, die Bank ha­be da­ran so­gar noch ver­dient: die Re­de ist von rund fünf Mil­lio­nen Eu­ro an Zin­sen und Be­ar­bei­tungs­kos­ten. Schon bei der Ge­wäh­rung der Staats­bürg­schaft sei si­cher­ge­stellt wor­den, dass der Kre­dit voll­stän­dig zu­rück­ge­zahlt wer­de, die For­de­rung der Bank wer­de aus den Er­lö­sen des Ver­kaufs der Flug­zeu­ge wie der be­gehr­ten Flug­rech­te an ers­ter Stel­le be­dient. Nach An­ga­ben von Air Berlin zahlt die Luft­han­sa et­wa 210 Mil­lio­nen Eu­ro, der Kauf­preis kön­ne aber noch an­ge­passt wer­den, wenn der Kauf­ver­trag voll­zo­gen wird. Al­ler­dings dürf­te es noch dau­ern.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.