Zeich­nen in der Haut

Be­ru­fe Tä­to­wie­run­gen sind be­son­de­rer Bil­der. Sie blei­ben für im­mer. Ein Tä­to­wie­rer er­klärt, wie das funk­tio­niert

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Zeitgeschichte - VON KAT­HA­RI­NA HEIMEIER

Auf sei­ner Hand sieht man ei­ne ro­te Ro­se, am Hals ei­nen pech­schwar­zen Ra­ben. Sei­ne Fin­ger sind mit Schrift­zei­chen ver­ziert. Mat­thi­as Bloß­feld ist tä­to­wiert. Und nicht nur das: Der 36-Jäh­ri­ge ar­bei­tet selbst als Tä­to­wie­rer. Er sticht al­so an­de­ren Leu­ten Tat­toos (ge­spro­chen Tä­tuus).

Be­vor Mat­thi­as Bloß­feld da­mit be­ginnt, fer­tigt er aber erst mal ei­ne Zeich­nung auf Pa­pier an. Er hat sich auf Mo­ti­ve aus der See­fahrt spe­zia­li­siert. Das sind zum Bei­spiel An­ker, Schif­fe oder Ma­tro­sen. „Tä­to­wie­rer müs­sen gut zeich­nen kön­nen“, sagt er. Klar, denn das Tat­too soll ja mög­lichst per­fekt sein. Es bleibt ja schließ­lich für im­mer.

Die Zeich­nung über­trägt der Tä­to­wie­rer dann mit ei­ner Art Durch­schlag­pa­pier auf die Haut sei­nes Kun­den. Und dann geht’s los: Mat­thi­as Bloß­feld greift zu sei­ner Tä­to­wier­ma­schi­ne, ei­ner Art Fül­ler. Er tunkt die Na­delSpit­ze wie ei­ne Tu­sche-Fe­der in die Far­be. Dann sticht er die Na­del et­wa ei­nen Mil­li­me­ter tief in die Haut.

Ein ganz klei­ner Elek­tro­mo­tor be­wegt die Na­del hoch und run­ter. „Die Ma­schi­ne macht et­wa 120 Sti­che in der Se­kun­de“, er­klärt der Fach­mann. Das kann man mit dem Au­ge nicht se­hen. Aber der Tä­to­wier­te merkt je­den ein­zel­nen Stich. „Tä­to­wie­ren tut weh. Es fühlt sich an, wie wenn man sich Was­ser über die Haut ge­schüt­tet und ver­brannt hät­te“, sagt Mat­thi­as Bloß­feld. „So­bald die Na­del raus ist, ist der Schmerz weg.“

Die Sti­che lie­gen so nah bei­ein­an­der, dass sie wie ei­ne Li­nie aus­se­hen. Li­ni­en sei­en bei Tat­toos enorm wich­tig, sagt der Tä­to­wie­rer: «Sie hal­ten die Far­be wie das Was­ser in ei­nem Schwimm­be­cken.» Oh­ne sie wür­den die Far­ben in­ein­an­der lau­fen.

Fo­tos: dpa

Mat­thi­as Bloß­feld ist Tä­to­wie­rer. Er sticht Kunst­wer­ke in die Haut von Men­schen. Hier siehst du ihn bei der Ar­beit.

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