Ist Tscher­no­byl durch die neue Hül­le si­cher?

In­ter­view Der eu­ro­päi­sche Pro­jekt­lei­ter No­vak spricht von ei­nem Kampf ge­gen ei­ne Zeit­bom­be

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Politik -

Herr No­vak, der­zeit wird über das Ka­ta­stro­phen-AKW Tscher­no­byl ei­ne neue 36 000 Ton­nen schwe­re Stahl­hül­le ge­scho­ben. Sie sind auf eu­ro­päi­scher Sei­te Pro­jekt­lei­ter, um das zwei Mil­li­ar­den Eu­ro teu­re Pro­jekt zu fi­nan­zie­ren. Ist Tscher­no­byl si­cher, wenn die Hül­le En­de No­vem­ber fer­tig ist?

Nun, der 1986 ha­va­rier­te Re­ak­tor 4 ent­hält im­mer noch gro­ße Res­te der Kern­schmel­ze. Und der da­mals schnell er­rich­te­te Sar­ko­phag ist mitt­ler­wei­le selbst zu ra­dio­ak­ti­vem Ab­fall ge­wor­den. Aber wür­de er zer­bre­chen, könn­te der neue Man­tel die Strah­lung am Aus­tre­ten hin­dern. Ob Tscher­no­byl si­cher ist? Ich den­ke, die Zeit­bom­be hört erst zu ti­cken auf, wenn der neue Schutz völ­lig ab­ge­schlos­sen ist.

Vin­ce No­vak:

Was war die größ­te Her­aus­for­de­rung beim Bau der neu­en Hül­le?

Pro­ble­me gab es meh­re­re. Zu­nächst muss­te über­haupt erst ein Kon­zept für ei­ne sol­che Hül­le ent­wor­fen wer­den. Ein Schutz­man­tel für ei­ne ra­dio­ak­ti­ve Um­ge­bung, mit vie­len Funk­tio­nen und für 100 Jah­re – das war ei­ne ech­te Her­aus­for­de­rung für Ar­chi­tek­ten und In­ge­nieu­re. Am wich­tigs­ten war aber, die Ge­sund­heit der Ar­bei­ter in dem kon­ta­mi­nier­ten Are­al zu si­chern. Ich se­he das als gro­ßen Er­folg.

No­vak:

Wer kommt für die künf­ti­gen Be­triebs­kos­ten auf?

Eins der wich­tigs­ten De­tails ist das Be­lüf­tungs­sys­tem. Es hält die Feuch­tig­keit in­ner­halb der Schutz­hül­le in ei­nem Be­reich, der Kor­ro­si­on vor­beugt. Na­tür­lich – es wird An­schluss­kos­ten ge­ben. Sie wer­den von der Ukrai­ne über­nom­men.

No­vak:

Sie ver­tre­ten bei dem Pro­jekt die Eu­ro­päi­sche Bank für Wie­der­auf­bau und Ent­wick­lung. Was war die Auf­ga­be Ih­res Hau­ses?

Wir wa­ren der Pro­jekt­ma­na­ger und sind mit der Über­nah­me von ei­nem Drit­tel der Ge­samt­kos­ten größ­ter Ein­zel­fi­nan­zier. Zu­nächst ging es dar­um, ein Pro­gramm für das Pro­jekt zu ent­wer­fen. Par­al­lel wa­ren die fi­nan­zi­el­len und tech­ni­schen Fra­gen zu lö­sen. Da­nach galt es, ge­mein­sam mit der ukrai­ni­schen Füh­rung, den in­ter­na­tio­na­len Geld­ge­bern, dem Tscher­no­byl-Ma­nage­ment und wei­te­ren Stel­len die vie­len Pro­ble­me ei­nes solch ge­wal­ti­gen Pro­jekts zu lö­sen. O

Vin­ce No­vak lei­tet als Di­rek­tor die Ab­tei­lung Nu­klea­re Si­cher­heit der Eu­ro­päi­schen Bank für Wie­der­auf­bau und Ent­wick­lung.

No­vak: Zur Per­son

Fo­to: dpa

Die gi­gan­ti­sche Stahl­hül­le wird über das AKW Tscher­no­byl ge­scho­ben.

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