„Der Ele­fant be­stimmt, wo es lang­geht“

Vor­trag Carl Naugh­ton er­klärt, wie man Plä­ne nicht nur schmie­det, son­dern auch ver­wirk­licht

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Wirtschaft - VON AN­DRE­AS SCHNURRENBERGER

Gerst­ho­fen

Wer kennt das nicht? Hoch­mo­ti­viert fasst man abends ei­nen Ent­schluss: „Mor­gen ste­he ich vor der Ar­beit mal frü­her auf.“Zum Bei­spiel, um jog­gen zu ge­hen. Doch spä­tes­tens wenn der We­cker klin­gelt, wer­den die Vor­sät­ze kur­zer­hand wie­der ver­wor­fen. Schuld dar­an sei ein Ele­fant, sagt der Wis­sen­schaft­ler und Buch­au­tor Carl Naugh­ton in sei­nem Vor­trag aus der Rei­he „Augs­bur­ger All­ge­mei­ne Wis­sen“, die von un­se­rer Zei­tung zu­sam­men mit dem Un­ter­neh­men Spre­cher­haus ver­an­stal­tet wird.

In der mit 700 Gäs­ten voll be­setz­ten Stadt­hal­le in Gerst­ho­fen er­läu­tert der Lin­gu­ist und aus­ge­bil­de­te Schau­spie­ler sei­ne Theo­rie: Un­ser Ge­hirn sei wie ein Ge­spann aus Rei­ter und Ele­fant. „Der Fron­tal­lap­pen ist der Rei­ter. Er hat die Zü­gel in der Hand“, sagt Naugh­ton. Denn in die­ser Hirn­re­gi­on wer- den be­wuss­te Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen – dort sitzt die Ver­nunft. Der Groß­teil des üb­ri­gen Ge­hirns wer­de da­ge­gen über­wie­gend von Er­fah­run­gen und Emo­tio­nen ge­lei­tet. „Das ist der Ele­fant. Und der be­stimmt als Au­to­pi­lot meis­tens, wo es lang­geht.“Er schla­ge am liebs­ten ein­fa­che oder be­kann­te und da­mit si­che­re Pfa­de ein.

Wie schwer es dem Rei­ter im All­tag häu­fig fällt, den Ele­fan­ten zu kon­trol­lie­ren, macht Naugh­ton an­hand ein­fa­cher Bei­spie­le deut­lich. Et­wa mit die­sem fik­ti­ven Sze­na­rio: Al­le Zu­hö­rer ha­ben am An­fang der Ver­an­stal­tung ein Los für ei­nen Eu­ro ge­kauft – und al­le ha­ben ge­won­nen. Nun dür­fen sie sich für ei­nen der bei­den Ge­win­ne ent­schei­den: Ent­we­der ei­ne klei­ne Pra­li­ne im Wert von 50 Cent oder ei­ne gro­ße Pra­li­ne im Wert von zwei Eu­ro. Auf Nach­fra­ge ent­schei­den sich fast al­le Zu­hö­rer für das grö­ße­re Stück.

Dann pro­ji­ziert Naugh­ton zwei Bil­der auf die Lein­wand. Zu se­hen sind die bei­den Pra­li­nen: ein klei­nes Scho­ko-Herz und ei­ne et­was grö­ße­re, aus Ka­kao-Mas­se ge­form­te Ka­ker­la­ke. An­ge­ekel­tes Rau­nen geht durchs Pu­bli­kum. Auf er­neu­te Nach­fra­ge ent­schei­den sich nun doch al­le für die klei­ne Sü­ßig­keit.

„Se­hen Sie“, sagt Naugh­ton, „sach­lich be­trach­tet ist die Ka­ker­la­ke die bes­se­re Al­ter­na­ti­ve.“Aber Men­schen wür­den sich bei Ent­schei­dun­gen eben von Emo­tio­nen lei­ten las­sen. „Fak­ten wer­den dann wert­los.“Die­sen Ef­fekt ma­che sich auch die Wer­be­bran­che zu­nut­ze. Zu­sam­men­fas­send hält der Wis­sen­schaft­ler fest: So ver­nünf­tig mor­gend­li­ches Jog­gen oder ein Diät­plan un­se­rem in­ne­ren Rei­ter auch er­schei­nen mö­gen – wer er­folg­reich et­was an sei­nem Ver­hal­ten in All­tag oder Be­rufs­le­ben än­dern will, müs­se vor al­lem den Ele­fan­ten von sei­nem Vor­ha­ben über­zeu­gen.

Und da­für hat Naugh­ton Tipps pa­rat: So sei es et­wa der fal­sche Weg, sich „die Lat­te zu hoch zu le­gen“. Denn für den Ele­fan­ten gel­te: „Wenn er denkt, er be­fin­det sich be­reits auf dem rich­ti­gen Weg, er­le­digt sich die rest­li­che Stre­cke au­to­ma­tisch.“Das Er­rei­chen von Zie­len sei zu­dem um­so wahr­schein­li­cher, je leich­ter der Weg dort­hin dem Ele­fan­ten er­schei­ne. Ein Bei­spiel: Wer ab­neh­men will, soll­te klei­ne­res Ge­schirr be­nut­zen, rät Naugh­ton. „Denn ein klei­ner Tel­ler sieht auch bei ei­ner klei­nen Por­ti­on voll aus.“Letzt­lich geht es al­so dar­um, den Ele­fan­ten zu über­lis­ten.

Naugh­ton, der seit mehr als zehn Jah­ren als Mo­ti­va­ti­ons­red­ner un­ter­wegs ist und bis zu 100 Vor­trä­ge im Jahr hält, schafft es mit an­schau­li­chen Bei­spie­len, nütz­li­chen Tipps und ei­ner gu­ten Por­ti­on Witz, das Pu­bli­kum in sei­nen Bann zu zie­hen. Die Zu­hö­rer lau­schen ge­spannt den Wor­ten des Man­nes im groß­ka­rier­ten An­zug und schrei­ben sich No­ti­zen in ih­re Blö­cke. Sei­ne wich­tigs­te Bot­schaft an die­sem Abend lau­tet: „Swit­chen Sie um und über­las­sen Sie Ihr Hirn kei­nem Au­to­pi­lo­ten.“O

Der nächs­te Vor­trag un­ter dem Mot­to „Ich bin… acht­sam“von Jo­han­nes Warth fin­det am 7. De­zem­ber um 19.30 Uhr in der Stadt­hal­le Gerst­ho­fen statt. Ti­ckets, Kar­ten und Ter­mi­ne un­ter www.augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de/ spe­cial/wis­sen.

Ter­mi­ne

Fo­to: M. Hoch­ge­muth

Carl Naugh­ton

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