Die­se Burg sah schon vie­le Her­ren

Orts­ter­min Über Markt herrsch­ten schon ein Kai­ser, ei­ne Kö­ni­gin und der reichs­te Mann der Welt. Heute le­ben un­ter an­de­rem Chris­ti­an Fries und Fa­mi­lie auf dem Burg­berg. Und dann ist da noch die Ge­schich­te mit dem Klo

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Augsburger Land Extra - VON ST­EF­FI BRAND

Bi­ber­bach-Markt

Als Chris­ti­an Fries das ers­te Mal in sei­nem heu­ti­gen Wohn­haus spiel­te, ver­schwen­de­te er noch kei­nen Ge­dan­ken dar­an, spä­ter ein­mal hier mit sei­ner ei­ge­nen Fa­mi­lie zu woh­nen. Da­mals leb­te hoch oben auf dem Burg­berg von Markt noch sein Klas­sen­ka­me­rad – und Chris­ti­an Fries spiel­te eben dort als Schul­jun­ge mit Zinn­sol­da­ten. Heute blickt der zwei­fa­che Fa­mi­li­en­va­ter be­reits auf über zehn Jah­re in eben die­sem Haus zu­rück, das in der frü­hen Ge­schich­te das Ges­in­de­haus der Her­ren von Burg Markt war.

Mit dem Ein­zug im Jahr 2005 be­schäf­tig­te er sich auch mit der Ge­schich­te der Burg und ih­ren Ge­heim­nis­sen und Le­gen­den.

Schon die ers­te ur­kund­li­che Er­wäh­nung der Burg Markt gibt Rät­sel auf. Al­ler­dings ver­rät ein Blick in die His­to­rie und die In­for­ma­ti­ons­ta­feln, die heute dort zu fin­den sind, dass die „al­te Burg“einst dort ge­stan­den ha­ben muss, wo heute die Wall­fahrts­kir­che und das Pfarr­haus von Bi­ber­bach zu fin­den sind. Erst im 14. Jahr­hun­dert wur­de die Burg Markt dort an­ge­legt, wo heute noch der al­te Berg­fried als stei­ner­ner Zeit­zeu­ge zu se­hen ist.

Die Fol­ge­zeit der Burg Markt hät­te tur­bu­len­ter nicht sein kön­nen. Zu­nächst fiel die Burg im Jahr 1381 dem Streit von Marschall Er­kin­ger von Bi­ber­bach und den Augs­bur­gern zum Op­fer und wur­de zer­stört. 1399 wur­de die Burg er­neut zer­stört und wie­der auf­ge­baut. Ru­hi­ger wur­de es erst nach dem Ab­schluss des Ewi­gen Land­frie­dens. Fort­an soll­te die Burg nicht mehr mi­li­tä­risch ge­nutzt wer­den, son­dern als Re­si­denz be­wohnt wer­den.

Die Zeit der Fug­ger, die Stamm­häu­ser in Wel­len­burg und Ba­ben­hau­sen be­wohn­ten, be­gann im 16. Jahr­hun­dert: 1514 ver­pfän­de­te Kai­ser Ma­xi­mi­li­an I. die Burg an Ja­kob Fug­ger den Rei­chen. Fort­an wi­chen die Fug­ger nur noch zeit­wei­se aus ih­rer Burg. Ei­ne be­rühm­te Epi­so­de spiel­te im Jahr 1632, als Kö­ni­gin Eleo­no­re von Schwe­den den Berg­fried für ein hal­bes Jahr be­wohn­te.

Erst im 20. Jahr­hun­dert en­det die Li­nie der Fug­ger di­rekt auf dem Burg­berg und ver­la­ger­te sich buch­stäb­lich vor die al­te Burg­an­la­ge. Mit dem Ver­kauf wei­ter Tei­le der ur­sprüng­li­chen Burg­an­la­ge ent­stand qua­si ei­ne neue Fug­ger-Re­si­denz: die Vil­la Lille­fors, die heute von Carl-An­ton Fürst Fug­ger Ba­ben­hau­sen de Po­lignac be­wohnt wird. Und eben­die­se Vil­la ist auch das, was die Be­su­cher als Ers­tes er­bli­cken, wenn sie sich auf den un­ge­wis­sen Weg auf den Burg­berg hin­auf ma­chen.

Chris­ti­an Fries kann­te die­sen Weg be­reits, als er vor gut zehn Jah­ren das eins­ti­ge Ar­bei­ter­haus be­gut­ach­te­te und be­fand: Dort will ich mit mei­ner Fa­mi­lie woh­nen. Und ob­gleich das Häu­schen auf dem ab­ge­le­ge­nen Berg nicht im „al­ten Orts­kern“liegt, wie sich das Chris­ti­an Fries im­mer ge­wünscht hat­te, so war er doch be­geis­tert von Haus und Grund. Er kauf­te das Haus, das heute der gel­be Farb­tup­fen auf dem Burg­berg ist, und schuf ei­nen schön an­ge­leg­ten Gar­ten, der frü­her ein­mal der Burg­gra­ben ge­we­sen sein muss.

Ei­ne Hack­schnit­zel­hei­zung zog ins Haus ein. Die Au­ßen­mau­er wur­de re­no­viert. Al­le Ve­rän­de­run­gen dür­fen nur mit Blick auf den ver- häng­ten En­sem­ble­schutz um­ge­setzt wer­den, was für Chris­ti­an Fries un­ter an­de­rem auch be­deu­tet: das Haus muss gelb blei­ben. Dass das Haus nicht im­mer die­se Far­be hat­te, er­fuhr der ge­bür­ti­ge Mark­ter bei ei­nem Ver­eins­ju­bi­lä­um, bei dem er ein Bild sei­nes Wohn­hau­ses er­blick­te, bei dem of­fen­sicht­lich die Far­be fehl­te. Doch das wei­ße Haus auf dem Bild war kein Feh­ler, son­dern ein Ab­bild frü­he­rer Zei­ten.

Wenn der ge­lern­te Land­wirt nicht im Haus wer­kelt oder sich um sei­ne Kin­der Jo­han­na (22 Mo­na­te) und Se­bas­ti­an (3 Mo­na­te) küm­mert, dann fin­det man ihn an sei­nem Lieb­lings­ort: in der al­ten Schmie­de, die nach und nach wie­der ih­rer al­ten Be­stim­mung zu­ge­führt wer­den soll. Sie stammt aus den 1860er-Jah­ren. Im Un­ter­grund be­fin­den sich die Res­te ei­ner Grund­was­ser­pum­pe samt Brun­nen­schacht, der einst als Flucht­weg ge­dient ha­ben soll. Noch heute gibt es ei­ne Qu­er­ver­bin­dung, die bis zu dem Berg führt, der hin­auf zum Meit­in­ger Orts­teil Lan­gen­rei­chen führt.

Die An­zie­hungs­kraft der Burg, der Tür­me und des Gar­tens von Chris­ti­an Fries ist ge­ra­de bei schö­nem Wetter sehr groß. Und ob­gleich mitt­ler­wei­le Schil­der dar­auf ver­wei­sen, dass Un­be­fug­ten der Zu­tritt ver­bo­ten sei, wur­de Freun­din An­ne­lie schon ein­mal von Tou­ris­ten im ei­ge­nen Gar­ten über­rascht oder über­rasch­te ih­rer­seits auch be­reits Aus­flüg­ler, die in ih­rem Vor­gar­ten ein Pick­nick ver­an­stal­te­ten. Chris­ti­an Fries schüt­telt bei der Er­in­ne­rung dar­an den Kopf. „Es ist schön, wenn je­mand In­ter­es­se an der Ge­schich­te zeigt“, er­klärt er, doch häu­fig wer­de da­bei ver­ges­sen, dass es sich um Pri­vat­be­sitz hand­le.

Ge­gen ein biss­chen mehr Tru­bel hät­te der Fa­mi­li­en­va­ter in­des nichts. Und so gibt er auch zu: Als der Reit­stall noch be­lebt war und es ge­mein­sa­me Aben­de mit den Rei­tern und im Rei­ter­stüb­le gab, war es viel le­ben­di­ger auf dem Burg­berg. Heute steht der eins­ti­ge Stall leer und das Pfer­de­ge­trap­pel, das noch zu hö­ren ist, ge­hört zu den Tie­ren, die ne­ben der al­ten Schmie­de le­ben.

Chris­ti­an Fries hat die­sen Teil ver­mie­tet – und wer­kelt ge­ra­de dar­an, den Rei­tern dort ein klei­nes Rei­ter­stüb­chen ein­zu­rich­ten. Lang­wei­lig wird es Chris­ti­an Fries trotz der Ru­he auf dem Berg al­so nicht.

Ter­ras­se und Burg­mau­er ste­hen als Nächs­tes auf sei­ner To-do-Lis­te und auch im ei­ge­nen Dach­bo­den ist noch viel zu tun. Bei all den Plä­nen schwingt den­noch ein Fünk­chen Weh­mut in Chris­ti­an Fries’ Wor­ten. Denn auf dem Berg ha­be sich vie­les ver­än­dert. So hat er sich bis heute nicht dar­an ge­wöhnt, dass die Be­su­cher und auch er selbst zu­nächst ein gro­ßes, via Funk be­dien­ba­res Tor pas­sie­ren müs­sen, be­vor sie im Burg­hof ste­hen und um­ge­ben sind von ei­ner Viel­zahl an his­to­risch be­deu­ten­den Ge­bäu­den.

Fo­tos: Mar­cus Merk

Die Burg von Markt aus der Vo­gel­per­spek­ti­ve. Weit­hin sicht­bar ist ihr Berg­fried.

Mar­kant ist der Berg­fried der Burg Markt. Hier wohn­te schon ei­ne Kö­ni­gin. Das rech­te Bild zeigt Chris­ti­an Fries in der Schmie­de, un­ter der ein Ge­heim­gang sein soll.

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