Zwei Brü­der, ei­ne Ver­traut­heit

Ge­burts­tag Die Zwillinge Peter und Hel­mut Kahn wer­den heu­te 75 Jah­re alt. Sie er­zäh­len, wie ver­blüf­fend ähn­lich ihr Le­ben oft ver­läuft und wie sie als jun­ge Män­ner ein­mal ge­schum­melt ha­ben

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Augsburg - VON INA KRESSE

Wer Peter und Hel­mut Kahn zu­sam­men trifft, wird gut un­ter­hal­ten. Die Zwil­lings­brü­der frot­zeln ger­ne und lie­ben es, sich ge­gen­sei­tig hoch­zu­neh­men. Das funk­tio­niert, weil zwi­schen ih­nen ei­ne ganz be­son­de­re Ver­bun­den­heit herrscht. Der ehe­ma­li­ge Ban­ker und der Fein­kost­gas­tro­nom fei­ern heu­te ih­re 75. Ge­burts­ta­ge. Na­tür­lich ge­mein­sam. Aber manch­mal, sa­gen sie, ist es be­ängs­ti­gend, so eng mit dem Schick­sal des an­de­ren ver­bun­den zu sein.

Die Brü­der sit­zen an ei­nem Tisch bei Fein­kost Kahn in der An­na­stra­ße. Das Re­stau­rant ge­hört ku­li­na­risch mit zur ers­ten Adres­se Augs­burgs und wur­de von Hel­mut Kahn in die­ser Grö­ße ge­schaf­fen. Ge­mein­sam ge­nie­ßen sie ein Mit­tag­es­sen. Bei­de in Ho­se, Hemd und Sak­ko. Und mit Kra­wat­te und Bril­le. „Das ist jetzt die glück­lichs­te Zeit in mei­nem Le­ben“, sagt Peter Kahn. „Ich ha­be Frei­heit und wer­de nicht mehr vom Ter­min­ka­len­der er­presst.“

Ganz oh­ne Ter­mi­ne wird es bei ihm nicht ge­hen. Der Ex-Ban­ker, der mit 45 Jah­ren stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der Lan­des­bank Bay­ern wur­de, ist für ei­ni­ge Stif­tun­gen ak­tiv. Bru­der Hel­mut al­ler­dings hat im Fein­kost-Ge­schäft im­mer noch ei­ne 40 bis 45 St­un­den-Wo­che. „Ich bin Ko­or­di­na­tor für ge­wis­se Din­ge, der Grüß-Gott-On­kel und ma­che das Con­trol­ling.“Was die bei­den Zwil­lings­brü­der auch ver­bin­det, ist ihr Fleiß und Ehr­geiz. Schon als Kin­der hal­fen die Kahns beim el­ter­li­chen Le­bens­mit­tel­ge­schäft mit. „Wir hat­ten ei­ne tol­le Ju­gend, aber wir ha­ben hart ge­ar­bei­tet.“Spä­ter fuh­ren sie auch zu Leicht­ath­le­ti­kWett­kämp­fen. Es ging nie oh­ne den an­de­ren. Selbst als sich der ei­ne be­ruf­lich für die Bank und der an­de­re für den Fein­kost­han­del ent­schied, blieb der Weg ein ge­mein­sa­mer. „Peter war mein Un­ter­stüt­zer, in dem er ein gu­ter Be­ra­ter für die fi­nan­zi­el­len Din­ge war“, sagt Hel­mut Kahn. „So et­was ist ein Glücks­fall.“

Die bei­den ha­ben noch zwei äl­te­re Brü­der. Doch als Zwillinge sind Peter und Hel­mut Kahn auf be­son­de­re Wei­se mit­ein­an­der ver­bun­den. „Die­sel­ben Rhyth­men, die wir ha­ben, sind ver­rückt“, sagt Peter Kahn, der 30 Mi­nu­ten frü­her auf die Welt kam. „Als Hel­mut 1986 ent­schied, hier in der An­na­stra­ße groß um­zu­bau­en, ging ich zur Lan­des­bank nach München.“Sei ei­ner mit sei­nem Au­to ir­gend­wo da­ge­gen ge- fah­ren, ist dies dem an­de­ren auch pas­siert. Lag ein Zwil­ling im Kran­ken­haus, wur­de der an­de­re eben­falls ope­riert. Ih­re Ehe­frau­en ha­ben bei­de das Stern­zei­chen Waa­ge.

Die Du­pli­zi­tät in ih­rem Le­ben ist be­mer­kens­wert. „Als Zwil­ling hat man ein Fremd- und Ei­gen­bild zugleich“, sagt Peter Kahn und er­klärt: „Was ich an Hel­mut kri­ti­sie­re, ist bei mir letzt­end­lich ge­nau­so vor­han­den.“Die­se ex­tre­me Ver­bin- dung der Brü­der war nicht im­mer für je­den ein­fach. Peter Kahn räumt ein: „Für un­se­re Frau­en war un­se­re Ver­traut­heit an­fangs ein Pro­blem. Wenn mei­ne Frau und ich in den Ur­laub fuh­ren, ha­be ich von dort als ers­tes Hel­mut an­ge­ru­fen.“Er kön­ne es nach­voll­zie­hen, dass so ei­ne Nä­he für die Part­ne­rin, die na­tür­lich an ers­ter Stel­le ste­hen wol­le, nicht im­mer ein­fach sei.

Ei­ne Fra­ge muss ein­fach noch sein: Wur­den sie je­mals ver­wech­selt? Ja, na­tür­lich. Und nicht nur ein­mal. Da gibt es et­wa die Ge­schich­te, als sich ein Gast bei ei­nem Emp­fang der Lan­des­bank in München wun­dert, dass der stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de Ge­trän­ke ser­vie­ren muss. Oder die an­de­re, als bei­de noch jun­ge Män­ner wa­ren: „Hel­mut war ein Wo­ma­ni­zer. Ei­nes Ta­ges hat er mich am Bahn­hof ei­ne Freun­din vom ihm ab­ho­len las­sen, weil er sich in der Zeit lie­ber mit ei­ner an­de­ren traf.“Die Brü­der flo­gen auf. „Ich schä­me mich heu­te noch, dass ich mich auf die­se Schum­me­lei ein­ge­las­sen ha­be“, sagt Peter Kahn. Bei­de schau­en sich an und grin­sen. Zwei Brü­der, die ge­mein­sam viel er­lebt und viel ge­ar­bei­tet ha­ben. Die im Ge­spräch im­mer wie­der Dank­bar­keit äu­ßern, dass es ih­nen so gut geht. „Wir sind ge­sund, ha­ben Fa­mi­li­en und gu­te Freun­de – ein grö­ße­res Glück kann man nicht ha­ben.“

Ih­re Ver­bin­dung ist ei­ne ganz be­son­de­re

Fo­to: Sil­vio Wy­szen­grad

Be­kann­te Augs­bur­ger Zwillinge: Peter Kahn (links) und Hel­mut Kahn fei­ern am heu­ti­gen Mitt­woch Ge­burts­tag – na­tür­lich ge­mein­sam.

Fo­to: Fa­mi­lie Kahn

Die jun­gen Kahn-Zwillinge im Jahr 1942.

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