Bor­dell­kon­zept lässt auf sich war­ten

Rot­licht Der Rechts­streit um das ge­plan­te „Lauf­haus“mit 50 Zim­mern in Lech­hau­sen geht in ei­ne zwei­te Run­de. Die Puff-Be­trei­ber wol­len un­ter­des­sen die Kon­kur­renz aus­brem­sen

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Augsburg - VON STE­FAN KROG

Das recht­li­che Tau­zie­hen um ein Groß­bor­dell in Lech­hau­sen, das ei­nes der größ­ten Eta­blis­se­ments in Süd­deutsch­land wer­den wür­de, geht wei­ter. Die Plä­ne für das Lauf­haus mit knapp 50 Zim­mern hat­ten vor zwei Jah­ren für gro­ße Auf­re­gung ge­sorgt. Die Stadt woll­te das Pro­jekt ver­hin­dern, un­ter­lag aber vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt, weil der Bau­herr klag­te. In­zwi­schen steht fest, dass der Rechts­streit in zwei­ter In­stanz vor dem Ver­wal­tungs­ge­richts­hof wei­ter­ge­hen wird. Ein Ver­hand­lungs­ter­min steht noch nicht fest.

Mo­men­tan ver­sucht die Stadt mit al­len Kräf­ten, neue Bor­del­lan­sied­lun­gen zu ver­hin­dern, nach­dem die Zahl der Bau­an­trä­ge in den ver­gan­ge­nen Jah­ren deut­lich nach oben ging. In Wohn­ge­bie­ten sind Bor­del­le oh­ne­hin nicht zu­läs­sig, in Ge­wer­be­ge­bie­ten wird nun nach Mög­lich­keit ver­sucht, Puffs als Nut­zung aus­zu­schlie­ßen. Meh­re­re Be­bau­ungs­plä­ne wur­den be­reits oder sol­len noch ge­än­dert wer­den. Da­bei sind Bor­del­le als Ge­wer­be­be­trie­be in Ge­wer­be­ge­bie­ten grund­sätz­lich zu­läs­sig. Die Stadt be­ruft sich aber re­gel­mä­ßig dar­auf, dass dann ei­ne Ab­wärts­spi­ra­le im gan­zen Vier­tel ein­set­zen könn­te.

Doch flä­chen­de­ckend hat die Stadt bis­her kei­ner­lei Hand­ha­be, um mit der The­ma­tik um­zu­ge­hen. Nö­tig wä­re das durch­aus, zu­mal die Stadt vor zwei Jah­ren die Stra­ßen­pro­sti­tu­ti­on flä­chen­de­ckend ver­bo­ten hat. Das seit zwei Jah­ren als Re­ak­ti­on auf die Lauf­haus-Plä­ne an­ge­kün­dig­te Bor­dell­struk­tur­kon­zept, das re­geln soll, wo wie viel Pro­sti­tu- ti­on im Stadt­ge­biet ver­träg­lich ist, ist aber nach wie vor nicht fer­tig.

Im Som­mer hat die be­auf­trag­te Fir­ma ei­nen ers­ten in­ter­nen Ent­wurf vor­ge­legt, der nach Vor­la­ge in der Ver­wal­tung noch aus­ge­ar­bei­tet wer­den muss. Ab­seh­bar ist frei­lich schon jetzt, dass das Kon­zept oder die dar­aus ab­ge­lei­te­ten Be­bau­ungs­plä­ne von künf­ti­gen po­ten­zi­el­len Bor­dell­be­trei­bern (be­ste­hen­de Be­trie­be wer­den wohl Be­stands­schutz ha­ben) recht­lich an­ge­grif­fen wird. Denn dass das Kon­zept ei­ne Aus- wei­tung von Bor­del­len zu­lässt, kann als un­wahr­schein­lich gel­ten. Das Ziel dürf­te eher sein, die Zahl zu be­gren­zen.

An­ge­sichts der Ent­wick­lun­gen ma­chen Be­trei­ber be­ste­hen­der Bor­del­le hin­ter den Ku­lis­sen of­fen­bar Druck, was das Vor­ge­hen der Stadt ge­gen il­le­ga­le Be­trie­be und Rot­licht-Woh­nun­gen be­trifft. „Es kann ja wohl kaum sein, dass die Stadt bei den Bor­dell­woh­nun­gen die Au­gen zu­drückt“, sagt ein Bor­dell­be­trei­ber. Die Stadt hält dem ent­ge­gen, dass sie durch­aus ak­tiv sei. So­bald man für ei­ne Woh­nung aber ei­ne Nut­zungs­un­ter­sa­gung aus­spre­che, ma­che wo­an­ders ei­ne neue auf. Die Zahl der Bor­dell­woh­nun­gen wird auf et­wa 90 ge­schätzt.

Ver­mut­lich vor die­sem Hin­ter­grund sind auch Flug­blät­ter zu se­hen, die Nach­barn von neu er­öff­ne­ten Woh­nungs­bor­del­len im Brief­kas­ten fin­den und auf de­nen sie auf die neue Nach­bar­schaft auf­merk­sam ge­macht wer­den. Ver­mut­lich steckt hier die Kon­kur­renz da­hin­ter, um die Bür­ger zum Gang zum Bau­ord­nungs­amt der Stadt zu be­we­gen. Et­li­che Stadt­rä­te be­ka­men im ver­gan­ge­nen Jahr Post von ei­nem An­walt, der na­mens sei­nes Man­dan­ten ein Vor­ge­hen ge­gen das seit 20 Jah­ren be­ste­hen­de Bor­dell­haus in der Rie­din­ger­stra­ße for­dert. Es hand­le sich wohl um den Ver­such, ei­nen „Ge­biets­schutz“durch­zu­set­zen, ver­mu­tet Bau­re­fe­rent Gerd Merk­le (CSU).

Doch in der Tat, so kam im Bau­aus­schuss des Stadt­ra­tes zu­letzt zur Spra­che, sei ein ein­ge­reich­ter Bau­an­trag des Haus­ei­gen­tü­mers für ei­ne Rot­licht­nut­zung in die­ser Form nicht ge­neh­mi­gungs­fä­hig. Al­ler­dings dürf­te dies zu­nächst nicht das Aus für den dor­ti­gen Bor­dell­be­trieb

Sym­bol­fo­to: Alex­an­der Kaya

Das Ge­schäft mit käuf­li­chem Sex will die Stadt mit ei­nem Bor­dell­kon­zept re­geln.

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