Je­sus sucht sich

40 Tage in der Wüs­te Un­ter­halt­sa­me Bi­bel­leh­re

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Kino - VON AN­DRÉ WESCHE

Jeshua (Ewan McG­re­gor) ali­as Je­sus durch­wan­dert die Wüs­te in Rich­tung Je­ru­sa­lem, um sei­nem Va­ter nah zu sein und sich selbst zu re­flek­tie­ren. Der Herr mel­det sich nicht, da­für hat sein Sohn mit Sand­stür­men, Hit­ze und Käl­te zu kämp­fen. Er trinkt nur ab und zu ei­nen Schluck, schläft nachts auf dem Bo­den und wan­dert tags­über wei­ter. Ir­gend­wann trifft Je­sus auf ei­ne Fa­mi­lie, die sich in­mit­ten der Ein­öde ein win­zi­ges Haus aus fla­chen St­ei­nen auf­schich­tet. Die Mut­ter liegt tod­krank dar­nie­der und Va­ter und Sohn, bei­de an sich fa­bel­haf­te Ty­pen, schei­tern beim Ver­such, mit­ein­an­der zu kom­mu­ni­zie­ren. Je­sus bringt es nicht übers Herz, die Leu­te ih­rem Schick­sal zu über­las­sen. Zu­mal ihn der Teu­fel, sein vi­su­el­les Al­ter Ego, da­zu an­sta­chelt, ei­ne Kri­sen­in­ter­ven­ti­on vor­zu­neh­men.

Re­gis­seur Ro­d­ri­go Gar­cia („Al­bert Nobbs“) hat als Sohn des Li­te­ra­tur­no­bel­preis­trä­gers Ga­b­ri­el Gar­cía Már­quez ei­ni­ges an Ta­lent in die Wie­ge ge­legt be­kom­men. Das be­weist er auch, wenn er sich nun mit ei­nem bis­lang ci­ne­as­tisch ver­nach­läs­sig­ten Ka­pi­tel aus der Lei­dens­ge­schich­te Chris­ti aus­ein­an­der­setzt. Die Wüs­te stellt für ei­nen Ka­me­ra­mann ei­ne der größ­ten Her­aus­for­de­run­gen dar. Es be­durf­te schon ei­nes Aus­nah­me­künst­lers wie Em­ma­nu­el Lu­bez­ki („The Re­venant“, „Gra­vi­ty“), da­mit sich die we­ni­gen han­deln­den Per­so­nen nicht im über­wäl­ti­gend kar­gen Dreh­ort ver­lie­ren.

Ewan McG­re­gor ist in der Haupt­rol­le sehr prä­sent, al­ler­dings stiehlt ihm Ci­arán Hinds mit­un­ter die Show. Der durch­aus un­ter­halt­sa­me Film regt an, sich mit bi­bli­schen Ge­schich­ten zu be­schäf­ti­gen. Wel­ches Schick­sal Je­sus nach sei­ner Wüs­ten­durch­que­rung er­war­te­te, wird der Voll­stän­dig­keit hal­ber am En­de im Schnell­durch­lauf ab­ge­ar­bei­tet. Man mag an Je­sus glau­ben oder nicht: Der Sohn, der den vor­ge­zeich­ne­ten Weg nicht ge­hen will, ist ein im­mer ak­tu­el­les The­ma, eben­so wie die Un­fä­hig­keit, mit­ein­an­der zu re­den, die Lie­ben­den aus­ein­an­der­reißt. *** O Film­start in Augs­burg

Fo­to: Beth Dub­ber/Tobis

Un­glei­ches Team: An­ne (Aman­da Sey­fried, links) und Har­riet Lau­ler (Shir­ley MacLai ne) mit der klei­nen Bren­da (An­nJe­wel Lee Di­xon).

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