Die ver­schro­be­ne Welt der „Reichs­bür­ger“

Ana­ly­se Die Staats­ver­wei­ge­rer er­ken­nen die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und ih­re Or­ga­ne nicht an. Ein Wis­sen­schaft­ler er­klärt, wer die­se Men­schen sind, wor­auf sie sich be­ru­fen und war­um sie ei­ne Ge­fahr dar­stel­len

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Politik - VON CHRIS­TI­AN GALL

Augs­burg

„Reichs­bür­ger“, so heißt es, le­ben in ih­rer ei­ge­nen Welt – ih­rer Mei­nung nach so­gar in ei­nem ei­ge­nen Staat. Mit Ver­schwö­rungs­theo­ri­en und Lü­gen spre­chen sie der Bun­des­re­pu­blik jeg­li­che Au­to­ri­tät ab. Sie stel­len sich des­halb über gel­ten­des Recht und ha­ben es schon viel­fach ge­bro­chen. Als selbst er­nann­te „Pa­trio­ten“ver­gan­ge­ner Rei­che bun­kern sie Waf­fen. Harm­lo­se Spin­ner? Wohl kaum.

Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler Jan Ra­th­je hat sich im Auf­trag der Bun­des­zen­tra­le für po­li­ti­sche Bil­dung mit den „Reichs­bür­gern“be­schäf­tigt. Er ar­gu­men­tiert, dass al­le Men­schen aus die­sem ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­schen Mi­lieu ähn­li­chen Be­weg­grün­den fol­gen: „Die­se Leu­te glau­ben in letz­ter In­stanz an den My­thos der jü­di­schen Welt­ver­schwö­rung. Al­so an gro­ße Macht­spie­ler, die hin­ter den Staa­ten ste­hen und welt­weit das Ge­sche­hen len­ken.“Sol­che Be­haup­tun­gen tes­ten sei es, wenn sol­che Per­so­nen Waf­fen be­sit­zen – dann wird die Si­tua­ti­on le­bens­be­droh­lich.

In den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten ha­ben „Reichs­bür­ger“be­wie­sen, dass sie auch vor Mord nicht zu­rück­schre­cken. So schoss im Ok­to­ber ein Mann im mit­tel­frän­ki­schen Ge­or­gens­g­münd auf Po­li­zis­ten. Ei­ner er­lag den Schuss­wun­den, drei wei­te­re wur­den ver­letzt. We­ni­ge Mo­na­te zu­vor, im Au­gust, schoss in Sach­sen-An­halt ein 41-Jäh­ri­ger eben­falls auf Po­li­zei­be­am­te. Seit die­sen Zwi­schen­fäl­len durch­su­chen Be­hör­den re­gel­mä­ßig Woh­nun­gen so­ge­nann­ter Reichs­bür­ger. Da­bei sind Po­li­zis­ten mehr­fach auf grö­ße­re Waf­fen­ar­se­na­le ge­sto­ßen.

In­halt­lich gel­ten die An­schau­un­gen der „Reichs­bür­ger“als völ­lig rea­li­täts­fern, da sie Tat­sa­chen ver­dre­hen, um da­mit das Wei­ter­be­ste­hen ei­nes „Deut­schen Rei­ches“zu recht­fer­ti­gen. Ge­schichts­pro­fes­sor Diet­mar Süß (Uni­ver­si­tät Augs­burg) wi­der­spricht aus­drück­lich der

Fo­to: Patrick See­ger, dpa

„Deut­sches Reich Rei­se­pass“– ein sol­ches Heft­chen prä­sen­tier­te ein „Reichs­bür­ger“am Ran­de ei­nes Pro­zes­ses im ba­den würt tem­ber­gi­schen Rhein­fel­den.

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