Glüh­wein Wer­bung sorgt für Är­ger

Christ­kind­les­markt War­um ei­ne Wein­kel­le­rei aus der Re­gi­on ge­gen den Alm­hüt­ten-Chef Die­ter Held vor Ge­richt zog

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Augsburg - VON JAN KANDZORA

Zum An­fang gab es kur­zen Streit. Zum An­fang, das war 2015, als die von Plär­rer-Wirt Die­ter Held be­trie­be­ne „Alm­hüt­te“beim Christ­kind­les­markt den Stand „Ster­nen­schän­ke“er­setz­te. An­de­re Markt­be­schi­cker, hieß es da­mals, be­schwer­ten sich – un­ter an­de­rem da der neue Stand an­geb­lich grö­ßer sei als er­laubt, was frei­lich nicht so war.

Ein Jahr spä­ter, 2016, sorg­te nun nicht mehr die Alm­hüt­te selbst für Un­mut, son­dern die Wer­bung für ein Ge­tränk, das dort aus­ge­schenkt wur­de. Glüh­wein. In ei­nem Fly­er näm­lich warb die Alm­hüt­te da­mit, lan­ge an „ei­nem ei­ge­nen Glüh­wein­re­zept“ge­feilt zu ha­ben. „In Win­zer­art“sei das Ge­tränk her­ge­stellt wor­den, „ge­kel­tert“in ei­ner Augs­bur­ger Wein­kel­le­rei. Auf dem Fly­er war ei­ne Fla­sche ab­ge­bil­det, da­ne­ben der Schrift­zug „auch mit Schuss Rum oder Ama­ret­to“. In der Ge­trän­ke­über­sicht fand sich ein „Glüh­wein Alm­hüt­te Ex­tra“– eben mit Schuss.

Der Fir­ma „Kunz­mann Wein­kel­le­rei“pass­te das nicht. Kunz­mann, muss man wis­sen, gilt als äl­tes­te Glüh­wein­kel­le­rei Deutsch­lands. Noch heu­te wird auf der Home­page des Un­ter­neh­mens da­mit ge­wor­ben, das Fir­men­grün­der Ru­dolf Kunz­mann 1956 einst in Augs­burg ei­ne ei­ge­ne Re­zep­tur für fer­tig zu­be­rei­te­ten Glüh­wein ent­wi­ckel­te und den „Augs­bur­ger Christ­kindl­mark­tGlüh­wein“auf den Markt brach­te. Was Glüh­wein sein darf, ist ge­setz­lich genau de­fi­niert: Aus­schließ­lich aus Rot- oder Weiß­wein her­ge­stellt muss er sein und haupt­säch­lich mit Zimt und Nel­ken ge­würzt wer­den. Da­ne­ben muss das Ge­tränk min­des­tens über sie­ben Vo­lu­men­pro­zent Al­ko­hol ver­fü­gen und 14,5 nicht über­schrei­ten.

Da Glüh­wein mit Schuss auch Schnaps ent­hält, ist er dem­nach ei­gent­lich kein Glüh­wein mehr, son­dern ein Punsch, für den es üb­ri­gens kei­ne star­ren ge­setz­li­chen Vor­ga­ben gibt. Der Fly­er, der of­fen­bar auf dem Augs­bur­ger Christ­kind­les­markt 2016 ver­teilt wor­den war und sich auch im In­ter­net fin­den ließ, war nun The­ma vor Ge­richt. Denn die Kunz­mann Wein­kel­le­rei streng­te ge­gen die Die­ter Held Gm­bH ei­ne Un­ter­las­sungs­kla­ge an. Un­zu­läs­si­ge Wer­bung seit mit der Bro­schü­re be­trie­ben wor­den, fand das Un­ter­neh­men. Dem Ver­brau­cher wer­de et­wa durch die For­mu­lie­run­gen „in Win­zer­art“und „ge­kel­tert“ei­ne be­son­de­re Her­stel­lungs­art vor­ge­gau­kelt, die es so nicht ge­be. Ge­kel­tert wer­de der Wein in der Wein­kel­le­rei auch nicht. Da­ne­ben dür­fe „Glüh­wein Alm­hüt­te Ex­tra“nicht als Glüh­wein be­wor­ben wer­den, eben weil er Rum oder Ama­ret­to ent­hal­te.

Kunz­mann be­kam im Zi­vil­streit vor dem Land­ge­richt nun recht. Es er­ging ein Ver­säum­nis­ur­teil, da Held oder ein an­walt­li­cher Ver­tre­ter nicht zur Ver­hand­lung er­schie­nen. Die Die­ter Held Gm­bH darf al­so künf­tig nicht mehr so für den Glüh­wein wer­ben, wie sie es 2016 ge­tan hat. Auf Rechts­mit­tel, sagt Held auf An­fra­ge, wer­de er wohl ver­zich­ten.

Er kön­ne nicht nach­voll­zie­hen, war­um we­gen des The­mas vor Ge­richt ge­zo­gen wer­de. Ei­ne län­ge­re Kon­flikt­ge­schich­te mit der Fir­ma Kunz­mann ge­be es nicht, die ju­ris­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung sei für ihn aus hei­te­rem Him­mel ge­kom­men. Glüh­wein wer­de er auch in Zu­kunft ver­kau­fen. „An dem Pro­dukt gab es ja nichts aus­zu­set­zen“, sagt er. In den Fla­schen selbst sei nur Glüh­wein, Rum oder Ama­ret­to kom­men erst beim Aus­schank in die Tas­sen. Nur die bis­he­ri­ge Wer­bung, sagt Held, wer­de er blei­ben las­sen.

Archivfoto: Sil­vio Wy­szen­grad

Plär­rer Wirt Die­ter Held be­treibt seit 2015 die Alm­hüt­te auf dem Christ­kind les­markt.

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