Von Du­blin nach Istan­bul – zu Fuß

Rei­se Der Ire Ben Klaa­sen wan­dert quer durch Eu­ro­pa. Jetzt hat er Sta­ti­on in Al­ten­müns­ter ge­macht. Was ihn an­treibt

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Holzwinkel, Roth- Und Zusamtal - VON MA­NUE­LA BAU­ER

Al­ten­müns­ter

Von Du­blin nach Istan­bul sind es Luft­li­nie et­wa 3000 Ki­lo­me­ter. Ein Flug­zeug braucht da­für et­wa vier Stun­den. Es gibt aber auch je­man­den, der geht die­se Stre­cke zu Fuß: Ben Klaa­sen. Auf sei­nem Weg von Ir­land in die Tür­kei hat er nun in Al­ten­müns­ter Sta­ti­on ge­macht: im Wohn­mo­bil­park von Sabine Wel­scher. Aber na­tür­lich oh­ne Rei­se­mo­bil.

„Ich bin’s ja ge­wohnt, dass sehr un­ter­schied­li­che Gäs­te hier an­kom­men, blei­ben und ger­ne wie­der­kom­men“, er­zählt Sabine Wel­scher. Aber nun kam ein ganz be­son­de­rer Gast: Ben Klaa­sen aus Ir­land. Er kam zu Fuß, oh­ne Wohn­mo­bil, nicht ein­mal mit ei­nem rich­ti­gen Zelt, nur mit dem, was er tra­gen kann.

Ei­gent­lich ist der Stell­platz am Orts­rand von Al­ten­müns­ter nur für Wohn­mo­bi­le ge­dacht, aber für den Iren hat Sabine Wel­scher ei­ne Aus­nah­me ge­macht: „Na­tür­lich ha­be ich den nicht weg­ge­schickt“, er­zählt sie. Klaa­sen blieb ei­ne Nacht. Ne­ben den schi­cken Rei­se­mo­bi­len schlug er sein Nacht­la­ger auf: ei­ne Pla­ne als Dach, Mat­te und Schlaf­sack dar­un­ter. Mehr nicht. War­um er so karg über­nach­tet? „Weil ich ein Geiz­hals bin“, schreibt er auf sei­ner In­ter­net­sei­te. Auf ein Zelt hat er ver­zich­tet, weil er so we­nig wie mög­lich mit­tra­gen will. In sei­nem Ge­päck sind nur Es­sen und Trin­ken, ein paar Kla­mot­ten und Ba­deu­ten­si­li­en, Gas­ko­cher, Topf, Be­steck, Nacht­la­ger, Han­dy, E-Re­a­der, Ka­me­ra, Kom­pass, Kar­ten und GPS-Ge­rät. Das muss rei­chen für sei­nen Weg quer durch Eu­ro­pa, vom Nord­wes­ten in den Süd­os­ten. War­um er das tut? Es gibt vie­le Grün­de, aber kei­ne ra­tio­na­le Ant­wort, schreibt er. Vor al­lem: „Ich will Rei­sen in der ein­fachs­ten Art und Wei­se er­le­ben, die mög­lich ist: Zu Fuß und ge­nau da über­nach­ten, wo ich an die­sem Tag halt ma­che.“

Los ging es im März. Klaa­sen wan­der­te von Du­blin nach Ross­la­re an der süd­öst­li­chen Spit­ze von Ir­land. Dort nahm er ei­ne Fäh­re nach Cher­bourg in der Nor­man­die. Frank­reich und Süd­deutsch­land hat er nun schon fast durch­quert. Mitt­ler­wei­le ist er in Augsburg an­ge­kom­men. Sein Weg führt ihn jetzt wei­ter nach Mün­chen. Über Ös­ter­reich und den Bal­kan geht es schließ­lich in die Tür­kei. Klaa­sen rech­net da­mit, dass er noch et­wa vier Mo­na­te braucht, bis er an sei­nem Ziel an­ge­langt ist.

Bei der Tour steht nicht das Tem­po im Vor­der­grund

Klaa­sen be­tont, dass er die Tour nicht schnellst­mög­lich schaf­fen will. Dann wä­re der Weg von Frank­reich nach Istan­bul viel­leicht in sechs Mo­na­ten mög­lich. „Ich will mich nicht um­brin­gen“, sagt er. Bis­her ha­be er ma­xi­mal 38 Ki­lo­me­ter am Tag zu­rück­ge­legt. Er hofft, dass sein Geld für neun Mo­na­te „on the road“reicht. Nach sei­nem Trip muss er sich schließ­lich wie­der ei­nen Job su­chen – den bis­he­ri­gen Soft­wareTes­ter hat er für die Rei­se ge­kün­digt. I twit­ter.com/tram­peur

Ben Klaa­sen be­rich­tet auf Twit­ter von sei­nen Rei­se­er­leb­nis­sen

Fo­tos: Sabine Wel­scher

Ben Klaa­sen wan­dert zu Fuß von Du­blin nach Istan­bul. Auf sei­nem Weg mach­te er auch Sta­ti­on in Al­ten­müns­ter. Auf dem Wohn mo­bil­stell­platz von Sabine Wel­scher (mit auf dem Fo­to) schlug er sein La­ger auf.

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