Klar­heit bei Ener­gie La­bels

Haus­halt Das EU-Par­la­ment ei­nigt sich auf ei­ne ein­heit­li­che Kenn­zeich­nung von Elek­tro-Ge­rä­ten. Künf­tig müs­sen Her­stel­ler ih­re Kun­den noch prä­zi­ser in­for­mie­ren

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Wirtschaft - VON DETLEF DREWES

Brüs­sel/Straß­burg

Das Durch­ein­an­der hat ein En­de. Spä­tes­tens ab 2020 wer­den die bis­he­ri­gen Ener­giela­bel auf Elek­tro­ge­rä­ten durch neue er­setzt. Statt der bis­he­ri­gen Ef­fi­zi­enz­klas­sen „A+++“bis „D“gibt es künf­tig ei­ne Staf­fe­lung vom grü­nen „A“für spar­sa­me Ge­rä­te bis zum tief­ro­ten „G“für Strom­fres­ser. Doch die ei­gent­li­chen Fort­schrit­te ste­cken in den De­tails, die das Eu­ro­päi­sche Par­la­ment in Straß­burg bil­lig­te. Von uns be­kom­men Sie ei­nen Über­blick über die wich­tigs­ten Fra­gen und Ant­wor­ten zu den Neue­run­gen, die ges­tern be­schlos­sen wur­den.

War­um wird die Kenn­zeich­nung der Elek­tro­ge­rä­te über­haupt um­ge­stellt?

Die ers­ten Elek­tro-La­bels stam­men aus dem Jahr 1990. In­zwi­schen hat die tech­ni­sche Ent­wick­lung der­ar­ti­ge Fort­schrit­te ge­macht, dass vie­le Ge­rä­te die A-Klas­se er­reich­ten, der Kun­de die Un­ter­schie­de aber nicht mehr er­ken­nen konn­te. Wer ahnt schon, dass der Un­ter­schied beim Strom­ver­brauch zwi­schen ei­nem Ge­rät mit der Kenn­zeich­nung „A+++“und „A++“ge­nau­so groß ist wie zwi­schen den Stu­fen „A“und „B“?

Für wel­che Elek­tro­ge­rä­te gilt die neue Re­ge­lung?

2020 soll die neue Kenn­zeich­nung star­ten. Kühl­schrän­ke, Wasch­ma­schi­nen, Fern­se­her und Lam­pen müs­sen zu­erst neu aus­ge­schrie­ben wer­den. Dann fol­gen al­le wei­te­ren Elek­tro­ge­rä­te wie Staub­sau­ger, Boi­ler und Hei­zun­gen.

Wer prüft die Ge­rä­te ei­gent­lich?

Ver­ant­wort­lich für die Ei­n­ord­nung in die Ener­gie­ef­fi­zi­enz­klas­sen sind die Her­stel­ler. Der Händ­ler hat das mit­ge­lie­fer­te Eti­kett le­dig­lich auf­zu- kle­ben. Er darf in der Über­gangs­zeit auch nicht von sich aus al­te ge­gen neue La­bels tau­schen. Der Ver­brau­cher soll sich si­cher sein, dass die tech­ni­schen Vor­ga­ben für al­le Ge­rä­te gel­ten. Ent­schei­det er sich für ein Pro­dukt aus ei­nem Nicht-EU-Land, sind der Im­por­teur oder Lie­fe­rant für die ent­spre­chen­de Prü­fung und Aus­zeich­nung ver­ant­wort­lich. Bei Ver­stö­ßen gibt es Stra­fen. In der Bun­des­re­pu­blik gilt ei­ne fal­sche Aus­zeich­nung von Elek­tro­ge­rä­ten als Ord­nungs­wid­rig­keit.

Kann ein Kun­de ein Ge­rät zu­rück­ge­ben, wenn sich spä­ter her­aus­stellt, dass die An­ga­ben auf dem La­bel falsch wa­ren?

Nein. Ei­ne ent­spre­chen­de For­de­rung fand im EU-Par­la­ment kei­ne Mehr­heit.

Kann ich mich über die Ge­rä­te mei­ner Wahl vor­her in­for­mie­ren?

Das ist der ei­gent­li­che Schritt nach vor­ne die­ser neu­en Pro­dukt­kenn­zeich­nung. Zum ei­nen wird es ei­ne Da­ten­bank ge­ben, mit de­ren Hil­fe die Auf­sichts­be­hör­den den Markt über­wa­chen. Zum an­de­ren soll der Kun­de die Mög­lich­keit be­kom­men, in ei­ner wei­te­ren Da­ten­bank im Netz die Ge­rä­te an­zu­se­hen, die La­bels zu ver­glei­chen und auch die ge­nau­en An­ga­ben zu Strom­ver­brauch, Lang­le­big­keit, Re­cy­cling-Freund­lich­keit ein­zu­se­hen. In ei­ner zwei­ten Stu­fe sol­len die La­bels ei­nen QRCo­de ent­hal­ten, so­dass der Ver­brau­cher mit sei­nem Han­dy di­rekt im In­ter­net die Be­schrei­bung der Ge­rä­te auf­ru­fen kann.

Was brin­gen die La­bels ei­gent­lich?

Nach Er­kennt­nis­sen der Kom­mis­si­on rich­ten sich 85 Pro­zent der Ver­brau­cher da­nach, wie en­er­gie­ef­fi­zi­ent ein neu­es Ge­rät ist. Schließ­lich kann ein Haus­halt pro Jahr bis zu 500 Eu­ro spa­ren, wenn er be­wusst Neu­an­schaf­fun­gen tä­tigt. Da­von pro­fi­tiert laut EU-Be­hör­de auch die Wirt­schaft. Her­stel­ler und Händ­ler dür­fen bei tech­ni­schen In­no­va­tio­nen mit ei­nem Um­satz­plus von 65 Mil­li­ar­den Eu­ro pro Jahr rech­nen.

Kann ich mich denn auf die Kenn­zeich­nung ver­las­sen?

Das hofft man in Brüs­sel. Denn in der Ver­gan­gen­heit gab es Zwei­fel. So er­mit­tel­ten Her­stel­ler lan­ge den Strom­ver­brauch ei­nes Kühl­schranks am Bei­spiel ei­nes Jung­ge­sel­lenHaus­hal­tes. Die­se Nut­zer­grup­pe ist aber un­ty­pisch: Oft bleibt der Kühl­schrank leer und wird sel­ten ge­öff­net. Ei­ni­ge Pro­du­zen­ten von Wasch­ma­schi­nen prie­sen Ge­rä­te mit ÖkoPro­gram­men an, sag­ten aber nicht da­zu, dass der Wa­sch­au­to­mat da­bei bis zu vier St­un­den für ei­ne Trom­mel brauch­te. Sol­che Din­ge sol­len künf­tig da­durch ver­hin­dert wer­den, dass die Auf­sichts­be­hör­den Zu­griff auf die Da­ten­bank al­ler Pro­duk­te ha­ben. Al­ler­dings wird das schwer blei­ben, weil man sich nicht auf ein­heit­li­che Test­kri­te­ri­en für al­le EUMit­glied­staa­ten ei­ni­gen konn­te.

Fo­to: dpa

Bis­lang stand auf Kühl­schrän­ken und Wasch­ma­schi­nen oft die Ener­gie­klas­se „A+++“. Das soll sich nun än­dern. Ab 2020 gibt es nur noch „A“bis „G“.

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