Hat­te Schnee­witt­chen ei­ne Kreuz­all­er­gie?

Ge­sund­heit Ober­ärz­tin be­rich­tet über weit ver­brei­te­te Nah­rungs­un­ver­träg­lich­kei­ten und gibt prak­ti­sche Tipps

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Region !ugsburg - VON ANDRE­AS ALT

Chris­tia­ne Pfeif­fer be­ginnt Vor­trä­ge über Nah­rungs­mit­tel­all­er­gi­en gern mit dem Mär­chen vom Schnee­witt­chen. Sie aß ei­nen Ap­fel und „starb“– spä­ter, als ihr Prinz auf­tauch­te, wach­te sie je­doch wie­der auf. Aus me­di­zi­ni­scher Sicht, so die Pri­vat­do­zen­tin und Ober­ärz­tin an der Kli­nik für Der­ma­to­lo­gie und All­er­go­lo­gie des Augs­bur­ger Kli­ni­kums, könn­te ei­ne Kreuz­all­er­gie vor­ge­le­gen ha­ben.

Wer et­wa all­er­gisch ge­gen Bir­ken­pol­len ist, kann auch auf Früch­te, zum Bei­spiel Äp­fel, emp­find­lich re­agie­ren. Vi­el­leicht hat die He­xe das ge­wusst und Schnee­witt­chen des­halb ei­nen Ap­fel ge­ge­ben. Fol­ge könn­te ein An­schwel­len der Mund­schleim­häu­te ge­we­sen sein. Es kann auch zu ei­nem Asth­ma­an­fall und so­gar ei­nem Kreis­lauf­still­stand kom­men. Aber Schnee­witt­chen könn­te die­sen all­er­ge­nen Schock über­lebt ha­ben und „aus ih­rem tie­fen Schlaf“wie­der er­wacht sein.

Sol­che Kreuz­all­er­gi­en sind häu­fig, aber oft we­ni­ger schwer­wie­gend. Die Faust­re­gel für Be­trof­fe­ne lau­tet: „If in doubt, spit it out“(„Im Zwei­fel den Bis­sen lie­ber gleich aus­spu­cken“). Schwe­re Nah­rungs­mit­tel­all­er­gi­en wer­den eher durch Hüh­ne­r­ei­weiß oder Erd­nüs­se her­vor­ge­ru­fen. Des­halb wer­den zum Bei­spiel in Flug­zeu­gen kei­ne erd­nuss­hal­ti­gen Nah­rungs­mit­tel mehr an­ge­bo­ten – die Fol­gen könn­ten le­bens­be­droh­lich sein.

All­ge­mein will die Re­fe­ren­tin je­doch deut­lich ma­chen: Nicht je­de Un­ver­träg­lich­keit ist gleich ei­ne Nah­rungs­mit­tel­all­er­gie. Vie­le Men­schen ha­ben zum Bei­spiel Schwie­rig­kei­ten, Milch­zu­cker zu ver­dau­en, und müs­sen da­her Milch­pro­duk­te mei­den. Sehr ver­brei­tet ist laut Pfeif­fer die Fruc­to­se-In­to­le­ranz. Wer ei­ne grö­ße­re Men­ge Kir­schen isst und da­zu Mi­ne­ral­was­ser trinkt, be­kommt meist Bauch­schmer­zen. Vie­le kön­nen das aber schon da­durch ver­mei­den, dass sie nur klei­ne­re Men­gen von Kir­schen es­sen.

Die All­er­go­lo­gin wird auf zahl­rei­che All­er­gi­en und Un­ver­träg­lich­kei­ten ein­ge­hen und da­zu je­weils Ver­hal­ten­s­tipps ge­ben. Was man ge­gen sein All­er­gen oder sei­ne In­to­le­ranz tun kann, ist von Fall zu Fall un­ter­schied­lich. Auch wenn Nah­rungs­mit­tel­all­er­gi­en aus Sicht von Pfeif­fer ei­ne Mo­de­er­schei­nung sind, stellt sie fest, dass die Zahl der Fäl­le und der da­durch ver­ur­sach­ten sta­tio­nä­ren Auf­nah­men zu­nimmt. Das liegt nach ih­rer An­sicht auch an der Brei­te des Nah­rungs­mit­tel­an­ge­bots. Je­mand, der zum Bei­spiel auf Shrimps emp­find­lich re­agiert, hät­te da­von vor ei­ni­gen Jahr­zehn­ten gar nichts be­merkt. Heu­te kann man Shrimps in je­dem Su­per­markt kau­fen und kommt da­her mit sei­nem All­er­gen auch leich­ter in Kon­takt. O

Vor­trag Die Ver­an­stal­tung fin­det am Mon­tag, 19. Ju­ni, um 19.30 Uhr im Bür ger­saal Stadt­ber­gen statt. Ein­tritt: 5 Eu­ro.

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