Der Streit um neue und das Ge­schäft mit al­ter Kunst

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Wochenend Journal -

In die­sen Wo­chen des Jah­res 2017 hat Kunst Hoch­kon­junk­tur: Do­cu­men­ta in Kas­sel, Skulp­tur-Pro­jek­te in Müns­ter, die Art Ba­sel – Schau­en von Welt­for­mat, wo ge­guckt und ge­rät­selt, ge­strit­ten und teils auch ge­schef­felt wird. Vor genau 100 Jah­ren war das ver­gleich­bar, mit­ten im vier­ten Kriegs­jahr. Ge­strit­ten wur­de vor al­lem, weil der in New York le­ben­de Fran­zo­se Mar­cel Duch­amp im ein auf die Rück­wand ge­kipp­tes, mit Pseud­onym („R. Mutt“) si­gnier­tes, aber sonst ganz ge­wöhn­li­ches Pis­soir für ei­ne Aus­stel­lung ein­ge­reicht hat­te. Ein Skan­dal? Je­den­falls weg­wei­send…

Ge­strit­ten wur­de aber auch in Deutsch­land. Dort muss­te „Die Gro­ße Ber­li­ner Kunst­aus­stel­lung 1917“nach Düsseldorf aus­wei­chen, weil das ge­wohn­te Ge­bäu­de am Lehr­ter Bahn­hof als Not­la­za­rett ge­nutzt wur­de. Vier ei­ge­ne Räu­me in Düsseldorf aber wer­den be­setzt von den Ver­tre­tern der so­ge­nann­ten Ber­li­ner Se­ces­si­on. Und die­se Künst­ler­grup­pe un­ter Vor­sitz des Ma­lers Lo­vis Corinth hält’s eben auch ger­ne re­vo­lu­tio­när, und das heißt hier ab der Er­öff­nung am zwar noch nicht in­dus­trie­ge­fer­tigt, son­dern: ex­pres­sio­nis­tisch. Und für die­ses so Un­schö­ne, Kras­se ha­gelt es dann auch hef­ti­ge Kri­tik. Muss Kunst nicht schön und meis­ter­lich sein?

Wie als Er­wi­de­rung fin­det nur ei­ne Wo­che spä­ter, am un­ver­än­dert in Ber­lin, im Auk­ti­ons­haus von Paul Cas­si­rer, die Ver­stei­ge­rung der Samm­lung Au­mül­ler statt. Und da geht es wahr­lich alt­meis­ter­lich zu. Dü­rers Kup­fer­stich „Rit­ter, Tod und Teu­fel“er­reicht den sehr ho­hen Preis von 10800 Mark. Den höchs­ten Preis er­zielt ei­ne Ra­die­rung Rem­brandts mit ei­ner Land­schaft samt drei­er Bäu­me mit schwin­del­er­re­gen­den 21 000 Mark. Da­ge­gen nimmt sich zum da­ma­li­gen 400-jäh­ri­gen Re­for­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um fast be­schei­den aus, dass ein Lu­ther-Por­trät-Ge­mäl­de von Lu­cas Cra­nach dem Äl­te­ren für 810 Mark weg­ging. Aber der Trend stand: Ums Neue wird hoch­tö­nend ge­kämpft, ums Al­te höchst­bie­tend ge­stei­gert.

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