Igel im töd­li­chen Lie­bes­rausch

Ver­kehr War­um in den Som­mer­mo­na­ten be­son­ders vie­le Tie­re auf den Stra­ßen ster­ben

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Bayern -

Augs­burg

Ei­gent­lich sol­len die St­a­cheln ei­nen Igel schüt­zen. Doch sie kön­nen auch zur Ge­fahr wer­den. „Wenn der Igel auf der Stra­ße los­rennt, klap­pern sei­ne St­a­cheln“, er­klärt Ige­l­ex­per­tin Ma­ri­na Geh­ret vom Lan­des­bund für Vo­gel­schutz (LBV). Für den Igel ist das so laut, dass er gar nicht mehr hört, wenn ein Au­to her­an­rast. Kaum ei­ne an­de­re Tier­art wird auf deut­schen Stra­ßen so oft über­fah­ren wie der Igel. Be­son­ders häu­fig in die­sen und den kom­men­den Wo­chen. Denn bis in den Au­gust hin­ein dau­ert die Paa­rungs­zeit – und Igel­män­ner auf Braut­schau le­gen be­son­ders wei­te Stre­cken zu­rück. Die Tie­re sei­en in die­ser Zeit re­gel­recht im „Lie­bes­rausch“, er­klärt Geh­ret. Wäh­rend sie sich nor­ma­ler­wei­se in ei­nem Be­reich von et­wa 20 Hekt­ar be­we­gen, su­chen sie ein pas­sen­des Weib­chen in ei­nem Ge­biet, das fünf Mal so groß ist.

Ein Igel über­quert pro Nacht im Schnitt mehr als zwölf Mal ei­ne Fahr­bahn. Ei­gent­lich er­ken­nen die Tie­re die Stra­ße als Ge­fahr und lau­fen nicht leicht­fer­tig vor ein Au­to. „Manch­mal war­ten sie mi­nu­ten­lang, bis sie den ers­ten Schritt wa­gen“, sagt Geh­ret. Doch Au­tos sind ein­fach zu schnell. Rast ein Wa­gen her­an, neh­men Igel zu­erst die leich­te Bo­den­er­schüt­te­rung wahr – we­gen ih­rer laut klap­pern­den St­a­cheln hö­ren sie ihn ja nicht. Das Tier ver­harrt, wägt ab, ob es bes­ser ist, um­zu­keh­ren oder wei­ter­zu­lau­fen. „Oft ist es dann aber schon zu spät.“

Ge­naue Zah­len, wie vie­le Igel auf den Stra­ßen ster­ben, gibt es nicht. Das Pro­jekt „Igel in Bay­ern“be­stä­tigt aber den Trend, dass es in Ju­ni und Ju­li be­son­ders vie­le Tie­re er­wischt. Auf der gleich­na­mi­gen In­ter­net­sei­te kann je­der ein­tra­gen, wo er ei­nen Igel – tot oder le­ben­dig – ge­se­hen hat. Von 11 000 ge­mel­de­ten Tie­ren war in die­sem Jahr et­wa je­des vier­te ein to­ter Igel, der auf der Stra­ße über­fah­ren wur­de. Be­son­ders häu­fig auf der B2, die von Mit­ten­wald über Augs­burg bis nach Hof führt. Doch wie kann man den Igeln im Lie­bes­wahn nun hel­fen? Au­to­fah­rer soll­ten be­son­ders vor­sich­tig und vor­aus­schau­end fah­ren, ra­ten die Ex­per­ten vom LBV. Wer vor­sich­tig fährt, schafft es eher, den klei­nen Igel zwi­schen die Rä­der zu neh­men und so nicht zu tref­fen. Und Gar­ten­be­sit­zer kön­nen mit ih­ren Nach­barn über­le­gen, ob sie nicht ei­nen Durch­gang im Zaun frei las­sen. Denn oft wer­den Igel auf die Stra­ßen ge­trie­ben, weil sie durch die vie­len Zäu­ne nicht vor­an­kom­men. Ein Durch­gang spart ih­nen so viel­leicht ei­ne Stra­ßen­über­que­rung und ret­tet im bes­ten Fall ein Igel­l­e­ben.

Fo­to: Patrick Pleul, dpa

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