Po­li­tik zieht Schluss­strich un­ter die Fu­si­ons­de­bat­te

Po­li­tik Nach ei­nem Bür­ger­ent­scheid ist der Zu­sam­men­schluss der Stadt­wer­ke mit Erd­gas Schwa­ben vom Tisch. War­um der Stadt­rat jetzt noch ei­nen Schritt wei­ter ging

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Augsburg - VON MICHA­EL HÖRMANN

Über die mög­li­che Fu­si­on der Ener­gie­spar­te der Stadt­wer­ke Augs­burg mit Erd­gas Schwa­ben gab es vor ei­ni­ger Zeit ei­ne er­bit­ter­te Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen Be­für­wor­tern und Geg­nern. Das Er­geb­nis ist be­kannt: Bei ei­nem Bür­ger­ent­scheid im Ju­li 2015 ent­schie­den die Augs­bur­ger mehr­heit­lich, dass es kei­ne Fu­si­on ge­ben soll. Bei­de Un­ter­neh­men ge­hen wei­ter­hin ge­trenn­te We­ge. Die da­ma­li­ge Ent­schei­dung der Bür­ger war ei­ne schmerzhafte Nie­der­la­ge für die Stadt­re­gie­rung, da sie die Fu­si­on un­ter­stützt hat­te. Die Fu­si­on ist heu­te kein The­ma mehr für po­li­ti­sche oder wirt­schaft­li­che Ge­dan­ken­spie­le. Die Aus­ein­an­der­set­zun­gen gin­gen al­ler­dings auf dem Ge­richts­weg wei­ter. Jetzt knapp zwei Jah­re nach dem Bür­ger­ent­scheid zog der Stadt­rat am Don- ei­nen Schluss­strich un­ter das The­ma Fu­si­on. Es war in­so­fern ein wei­te­rer Er­folg der Initia­to­ren, da der Stadt­rat nun­mehr voll und ganz auf die ur­sprüng­li­chen For­de­run­gen ein­ge­gan­gen ist.

Die Fu­si­on war nicht nur ein po­li­tisch bri­san­tes The­ma, son­dern auch ei­ne Fra­ge, die die Ju­ris­ten be­schäf­tig­te. Die Initia­to­ren hat­ten ein ers­tes Bür­ger­be­geh­ren vor­ge­legt, des­sen Recht­mä­ßig­keit der Stadt­rat per Be­schluss im April 2015 ab­lehn­te. Ein zwei­tes Be­geh­ren kam zum Zug, dar­über wur­de auch im Ju­li 2015 ab­ge­stimmt. Die Initia­to­ren lie­ßen un­ab­hän­gig von der Ent­schei­dung ge­gen die Fu­si­on von den Ge­rich­ten prü­fen, ob die Stadt mit ih­rer Rechts­auf­fas­sung rich­tig lag. Der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof (VGH) er­klär­te das ers­te Be­geh­ren letzt­lich für zu­läs­sig. Die Stadt un­ter­lag, die Initia­to­ren be­ka- men recht. Der Stadt­rat ak­zep­tier­te jetzt mit sei­ner Ent­schei­dung, dass die For­de­run­gen des ers­ten Be­geh­rens Rechts­kraft erlangen. Die da­ma­li­ge Fra­ge­stel­lung lau­te­te: „Sind Sie da­für, dass die Stadt­wer­ke Hol­ding Gm­bH und ih­re Töch­ter Ener­gie Gm­bH, Was­ser Gm­bH, Ver­kehrs Gm­bH und Net­ze Gm­bH in voll­stän­di­gem Ei­gen­tum der Stadt blei­ben und jeg­li­che Fu­si­on mit an­de­ren Un­ter­neh­men un­ter­bleibt?“Die­ses An­sin­nen ist so­mit Grund­la­ge des wei­te­ren po­li­ti­schen Agie­rens. In der Stadt­rats­sit­zung gab es kei­ne gro­ße Aus­spra­che mehr. Aus­führ­lich ging Vol­ker Scha­fi­tel (Freie Wäh­ler), der selbst zwei an­de­re Be­geh­ren in­iti­iert hat­te, auf die The­ma­tik von Bür­ger­be­geh­ren ein: „Man darf Initia­to­ren nicht prin­zi­pi­ell als Geg­ner se­hen“. Es sei­en en­ga­gier­te Bür­ger, die ein po­li­ti­sches The­ma eben an­ders se­hen. Die Ini­n­ers­tag tia­to­ren des Fu­si­ons­be­geh­rens lob­te er. Er zol­le ih­nen aber auch Re­spekt da­für, dass sie die Fra­ge des Be­geh­rens höchst­rich­ter­lich klä­ren lie­ßen. Oli­ver No­wak (Po­lit-WG) er­in­ner­te an die Ab­leh­nung im April 2015: „Viel­leicht war es doch eher ei­ne po­li­tisch mo­ti­vier­te Ent­schei­dung“. No­wak selbst hat­te da­mals die Recht­mä­ßig­keit an­er­kannt. SPDFrak­ti­ons­che­fin Mar­ga­re­te Hein­rich nahm di­rekt dar­auf Be­zug: „Die Ent­schei­dung be­zog sich auf die ju­ris­ti­sche Be­wer­tung“.

Denk­bar ist, dass die Stadt sich even­tu­ell an den Ver­fah­rens­kos­ten be­tei­ligt, die noch bei den Initia­to­ren lie­gen. Sel­bi­ges hat­te Scha­fi­tel an­ge­regt. Ober­bür­ger­meis­ter Kurt Gribl (CSU) will sich dem An­lie­gen nicht ver­schlie­ßen, sag­te er in Rich­tung von Bru­no Mar­con, der auf der Zu­hör­er­bank saß. Mar­con war ei­ner der Initia­to­ren.

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