Ängs­te und in­ne­re Stim­men sind Warn­si­gna­le

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Bayern -

ma­ni­pu­liert oder von an­de­ren ge­hört wer­den, ist ein ernst zu neh­men­des Warn­si­gnal.

Es gibt auch or­ga­ni­sche Er­kran­kun­gen, die ei­ne Psy­cho­se aus­lö­sen, er­klärt Ober­arzt Dr. Ro­land Klug, der das Pro­jekt „Lui“lei­tet, das für Le­bens­nä­he, Un­ter­stüt­zung, In­for­ma­ti­on steht. Dies gilt es in je­dem Fall durch ei­ne gründ­li­che kör­per­li­che Un­ter­su­chung ab­zu­klä­ren. Je frü­her see­li­sche Krank­hei­ten er­kannt und be­han­delt wer­den, des­to bes­ser kön­nen die Be­trof­fe­nen da­mit le­ben, be­tont Dr. Klug.

Der Fach­arzt für Psych­ia­trie und Psy­cho­the­ra­pie weiß aber auch um die ho­hen Hür­den, mit de­nen ge­ra­de die Psych­ia­trie lei­der im­mer noch häu­fig kämpft und die da­zu füh­ren, bei­tra­gen. Wer auf das Haus mit der Num­mer 41 in dem weit­läu­fi­gen und schön an­ge­leg­ten Park des BKH zu­läuft, dem fällt so­fort der glä­ser­ne Win­ter­gar­ten vor dem Ge­bäu­de auf. Es ist der Grup­pen­raum. „Lui“ist ei­ne of­fe­ne Sta­ti­on. Men­schen, die ein Mu­sik­in­stru­ment ge­schul­tert ha­ben, und jun­ge Leu­te, die auf ih­rem Smart­pho­ne um­her­wi­schen, kom­men ei­nem eben­so am Ein­gang ent­ge­gen wie plau­dern­de Grüpp­chen. Ein klei­ner Fit­ness­raum soll da­für sor­gen, dass die Pa­ti­en­ten auch bei schlech­tem Wet­ter Sport trei­ben kön­nen. „Denn Sport und Be­we­gung hel­fen bei psy­chi­schen Er­kran­kun­gen sehr“, er­klärt Dr. Klug. In der gro­ßen Kü­che, in der ge­mein­sam das Früh­stücks­büf­fet zu­be­rei­tet wird, ist viel Platz zum Tref­fen. Der Aus­tausch ist sehr wich­tig, sagt der 24-jäh­ri­ge Pa­ti­ent, der seit sei­nem zehn­ten Le­bens­jahr mit psy­cho­ti­schen Pha­sen zu kämp­fen und ei­nen Selbst­mord­ver­such hin­ter sich hat. Erst in Günz­burg hat er das Ge­fühl, „nicht nur mit Me­di­ka­men­ten be­han­delt zu wer­den“. Ins BKH kommt er im­mer wie­der, „weil mir die Men­schen hier zu­hö­ren“, sagt er. Ge­mein­sam ma­chen die Pa­ti­en­ten auch Aus­flü­ge.

Und nicht nur sta­tio­när kön­nen sich jun­ge Er­wach­se­ne be­han­deln las­sen. Auch ei­ne Am­bu­lanz ist in­te­griert. Ge­währ­leis­ten will das BKH Günz­burg ei­ne kurz­fris­ti­ge und un­kom­pli­zier­te Hil­fe, be­to­nen die Ärz­te Be­cker und Klug. Bei dem jun­gen Mann ist der Er­folg schon zu er­ken­nen: Er will ei­ne neue Aus­bil­dung be­gin­nen oder auf sei­nen Haupt­schul- ei­nen Re­al­schul­ab­schluss sat­teln. Er ist ein sehr erns­ter Typ, der nur sel­ten lä­chelt. Zu viel hat er mit sei­nen 24 Jah­ren schon durch­ge­macht. Doch er be­tont: „Ich fühl mich jetzt fit ge­nug.“O

Wer In­for­ma­tio­nen oder Hil­fe be­nö­tigt, er­reicht das BKH Günz­burg un­ter Te­le­fon 08221/962415; E Mail: lui@bkh guenz­burg.de

Kon­takt

Fo­to: Wolfgang Die­kamp

In dem weit­läu­fi­gen Park des Be­zirks­kran­ken­hau­ses Günz­burg be­fin­det sich Haus 41. Dort fin­den jun­ge Er­wach­se­ne in psy­cho­ti­schen Kri­sen Hil­fe.

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