Un­fall aus Lie­bes­kum­mer Augs­burg

Pro­zess Ei­ne ent­täusch­te jun­ge Frau be­trinkt sich und fährt ge­gen ei­nen Baum. Die Au­to­ver­si­che­rung be­zahlt – will das Geld aber dann zu­rück. Wie das Ge­richt ent­schie­den hat

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Region Augsburg -

Es war ein­fach nicht ihr Abend. Die 20-Jäh­ri­ge, die im Früh­jahr 2015 mit dem Au­to ih­rer Mut­ter zu ei­ner Dis­ko­thek im süd­li­chen Land­kreis Augs­burg un­ter­wegs war, hat­te er­fah­ren müs­sen, dass ei­ne Freun­din ihr den Freund aus­ge­spannt hat­te. Falls die 20-Jäh­ri­ge hoff­te, sich in der Dis­co von ih­rem Lie­bes­kum­mer ab­len­ken zu kön­nen, klapp­te dies nicht. Denn aus­ge­rech­net die bei­den er­schie­nen dort eben­falls.

Der jun­gen Frau reich­te es. Sie be­trank sich, wie das Amts­ge­richt Augs­burg in ei­ner Pres­se­mit­tei­lung be­rich­tet. Die 20-Jäh­ri­ge woll­te mit dem Au­to heim­fah­ren, kam aber nicht weit. Kurz nach­dem sie ge­star­tet war, fuhr sie mit ei­nem Al­ko­hol­wert von fast zwei Pro­mil­le im Blut ge­gen ei­nen Baum am Stra­ßen­rand. Den her­bei­ge­ru­fe­nen Ret­tungs­sa­ni­tä­tern sag­te sie noch, sie wol­le sich um­brin­gen. In straf­recht­li­cher Hin­sicht wur­de sie we­gen fahr­läs­si­ger Trun­ken­heit im Ver­kehr ver­ur­teilt. Da­mit war die ju­ris­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung um den Un­fall al­ler­dings nicht vor­bei.

Die Kfz-Haft­pflicht­ver­si­che­rung er­setz­te der Mut­ter der 20-Jäh­ri­gen zwar den Scha­den am Au­to von rund 1300 Eu­ro. Jetzt woll­te die Ver­si­che­rung aber das Geld von der Toch­ter ent­spre­chend den Be­din­gun­gen im Ver­si­che­rungs­ver­trag zu­rück­ha­ben. Sie be­grün­de­te es da­mit, dass die jun­ge Frau den Un­fall vor­sätz­lich und mit Ab­sicht der Selbst­tö­tung ver­ur­sacht ha­be.

Die Kla­ge der Ver­si­che­rung vor dem Amts­ge­richt hat­te al­ler­dings kei­nen Er­folg, wie das Amts­ge­richt mit­teilt. Der recht­li­che Hin­ter­grund: Nach der ent­spre­chen­den Vor­schrift im Ver­si­che­rungs­ver­trags­ge­setz muss ein Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ger, der beim Ver­si­che­rungs­neh­mer wohnt, nur dann den Scha­den zu­rück­zah­len, wenn er ihn vor­sätz­lich ver­ur­sacht hat. Dies konn­te die Ver­si­che­rung im Zi­vil­pro­zess aber nicht be­wei­sen. Die Ab­sicht, sich um­zu­brin­gen, äu­ßer­te die Toch­ter erst nach dem Un­fall, nicht vor­her. Es war auch nicht nach­ge­wie­sen, dass die von Lie­bes­kum­mer ge­plag­te Frau sich vor­sätz­lich be­trank mit der vor­ge­fass­ten Ab­sicht, an­schlie­ßend im Zu­stand der ab­so­lu­ten Fahr­un­tüch­tig­keit Au­to zu fah­ren. Nur fahr­läs­si­ges Han­deln al­lein reicht eben nicht.

Die Be­ru­fung der Ver­si­che­rung wur­de vom Land­ge­richt Augs­burg jetzt zu­rück­ge­wie­sen. Da­mit ist das Ur­teil des Amts­ge­richts vom Au­gust 2016 rechts­kräf­tig.

Sym­bol­fo­to: Ka­ya

We­gen Lie­bes­kum­mer be­trinkt sich ei­ne jun­ge Frau und fährt ge­gen ei­nen Baum. Die Au­to­ver­si­che­rung be­zahlt – will das Geld aber dann zu­rück.

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