4000 Eu­ro zu­viel für Er­schlie­ßung ge­zahlt

Bei­trä­ge Jo­sef St­ei­ner ist sau­er auf Gerst­ho­fen

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Nördlicher Landkreis - VON GE­RALD LIND­NER

Gerst­ho­fen

Es ist zwar schon sie­ben Jah­re her. Den­noch hegt Jo­sef St­ei­ner aus Gerst­ho­fen im­mer noch Ent­täu­schung und Wut ge­gen die Stadt­ver­wal­tung. Grund sind Er­schlie­ßungs­bei­trä­ge, die er be­zahlt hat, die aber auch aus nach­träg­li­cher Sicht falsch ab­ge­rech­net wur­den. Nach An­ga­ben der Gerst­ho­fer Bür­ger­meis­ters Michael Wör­le sind aber in die­ser Sa­che ei­ne nach­träg­li­che Kor­rek­tur und ei­ne fi­nan­zi­el­le Ent­schä­di­gung nicht mehr mög­lich.

Der 60-jäh­ri­ge Jo­sef St­ei­ner be­sitzt ei­ne Dop­pel­haus­hälf­te an der Gries­stra­ße in Gerst­ho­fen. Nach Stra­ßen­bau­ar­bei­ten in der Gries­stra­ße er­ging im Ju­li ein Zah­lungs­be­scheid von der Stadt den er, oh­ne ihn zu prü­fen, be­glich. Im Jahr 2014 er­hielt er ei­nen wei­te­ren Be­scheid we­gen Ar­bei­ten an der Ro­sen­stra­ße. Bei­de Zah­lun­gen sum­mier­ten sich auf ins­ge­samt rund 9500 Eu­ro.

„Am letz­ten Be­scheid konn­te man erst se­hen, dass bei der Ab­rech­nung et­was nicht stim­men kann“, sagt Jo­sef St­ei­ner. Denn für die Gries­stra­ße wur­den 30 Eu­ro pro Qua­drat­me­ter Grund ver­langt, bei der Ro­sen­stra­ße neu Eu­ro. „Mei­ne hin­ter­lie­gen­den Nach­barn an der Ro­sen­stra­ße ha­ben ein Drit­tel be­zahlt“, so St­ei­ner wei­ter. Da­bei sei sein Grund­stück voll über die Gries­stra­ße er­schlos­sen und lie­ge le­dig­lich an ei­nem Kar­ren­weg, der zur Ro­sen­stra­ße führt. Das ist ein Weg, über den die An­lie­ger ih­re Gar­ten- ab­fäl­le und der­glei­chen aus den Grund­stü­cken trans­por­tie­ren kön­nen, oh­ne sie durch ih­re Häu­ser tra­gen zu müs­sen.

„Es hät­te dem Sach­be­ar­bei­ter da­mals auf­fal­len müs­sen, dass es nicht stim­men kann, wenn für die bei­den Bau­maß­nah­men der­art un­ter­schied­li­che Bei­trä­ge ver­langt wer­den“, ist St­ei­ner über­zeugt. Er leg­te Wi­der­spruch ein, biss aber bei der Stadt auf Gra­nit.

Der Grund: Die vier­wö­chi­ge Ein­spruchs­frist ge­gen die Be­schei­de war ab­ge­lau­fen, die­se al­so rechts­kräf­tig. „Da­bei ha­be ich ja da­mals noch gar nicht ge­wusst, dass die Be­schei­de grot­ten­falsch sind.“Sei­nen An­ga­ben nach hat er so­mit 4000 Eu­ro zu­viel be­zahlt. „Selbst mein Nach­bar, der die zwei­te Hälf­te un­se­res Dop­pel­hau­ses hat, wur­de mit 500 Eu­ro we­ni­ger zur Kas­se ge­be­ten“, sieht er ei­nen wei­te­ren Be­weis für ei­ne un­sach­ge­mä­ße Be­ar­bei­tung durch die Stadt­ver­wal­tung.

„Ei­ne Sach­be­ar­bei­te­rin hat zu­nächst dar­auf be­stan­den, dass mein Grund­stück auch von der Ro­sen­stra­ße mit er­schlos­sen sei, rück­te aber in ei­nem zwei­ten Schrei­ben we­ni­ge Ta­ge wie­der da­von ab.“Ei­ne bür­ger­ori­en­tier­te Ver­wal­tung se­he an­ders aus, so der 60-Jäh­ri­ge wei­ter.

Im Stadt­rat wur­de St­ei­ners An­lie­gen zur Spra­che ge­bracht. Das Gre­mi­um be­schloss oh­ne Ge­gen­stim­me, dass die Ab­rech­nung of­fi­zi­ell er­le­digt sei und so­mit kei­ne Än­de­run­gen mehr mög­lich. „Wenn der Scha­den, der mir ent­stan­den ist, wie­der­gut­ge­macht wür­de, wür­de doch der Gerst­ho­fer Haus­halt nicht zu­sam­men­bre­chen“, äu­ßert er sein Un­ver­ständ­nis.

Zwei Mal brach­te St­ei­ner den Fall vor den Pe­ti­ti­ons­aus­schuss des Baye­ri­schen Land­tags. „Die­ser schrieb zwei Mal an die Stadt Gerst­ho­fen, dass die­se die fal­schen Bei­trä­ge kor­ri­gie­ren und ent­schä­di­gen sol­le. „Dies wur­de von der Stadt aber ab­ge­lehnt.“

Dies hat, wie Bür­ger­meis­ter Michael Wör­le auf An­fra­ge un­se­rer Zei­tung sei­ne Grün­de. „Es gibt den ein­stim­mi­gen Be­schluss des Stadt­rats über den sich die Ver­wal­tung nicht ei­gen­mäch­tig hin­weg­set­zen kann.“Des­we­gen kön­ne er auch nicht selbst zu­viel ge­zahl­te Geld St­ei­ners aus sei­nen Ver­fü­gungs­mit­teln im Bür­ger­meis­ter­amt zu­rück­zah­len. Die Ab­rech­nung der Er­schlie­ßungs­bei­trä­ge sei „aus heu­ti­ger Sicht nicht kor­rekt ge­we­sen. Das war da­mals aber nicht er­sicht­lich – und tut mir per­sön­lich leid“, so Wör­le wei­ter. „Hät­te man da­mals ge­wusst, was man heu­te weiß, hät­te man an­ders ent­schie­den.“Au­ßer­dem ha­be St­ei­ner den Abrech­nungs­be­scheid ja ak­zep­tiert. Wör­le zu­fol­ge wä­re es nicht prak­ti­ka­bel, wenn je­der rechts­kräf­ti­ge Be­scheid noch Jah­re spä­ter an­ge­foch­ten und dann kor­ri­giert wer­den könn­te.

Jo­sef St­ei­ner will dies nicht ak­zep­tie­ren: „Ich wer­de bis zum letz­ten Atem­zug um mein Recht kämp­fen!“

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.