Fin­det Do­rie

Ani­ma­ti­on

Blu-ray Magazin - - Editorial 3/2017 - TORSTEN FRÖHLICH

In Ge­dan­ken­blit­zen sieht Do­rie Mo­men­te ih­rer Kind­heit und ih­re El­tern, wie sie ih­re un­ter Amne­sie lei­den­de Toch­ter auf das Le­ben vor­be­rei­ten wol­len. Trotz ih­res Ge­dächt­nis­schwun­des bas­telt sie die Bruch­stü­cke ih­rer Er­in­ne­run­gen zu­sam­men und fasst ei­nen aben­teu­er­li­chen Ent­schluss: Do­rie möch­te ih­re El­tern im Oze­an des Le­bens su­chen. Dass Mar­lin und Ne­mo ih­re Be­glei­ter sein wer­den, ist da nur fol­ge­rich­tig. Prompt ma­chen sich die Drei auf, ei­ne atem­be­rau­ben­de Rei­se an­zu­tre­ten.

Die Rei­se zum Selbst

Die­se führt sie an die Küs­te Ka­li­for­ni­ens, wo sie am Mee­res­bio­lo­gi­schen In­sti­tut (Ma­ri­ne Li­fe In­sti­tu­te Mon­ter­rey) lan­den. Übe­r­eif­ri­ge Tier­schüt­zer neh­men Do­rie ge­fan­gen und eti­ket­tie­ren sie. Im In­sti­tut selbst lernt sie Tin­ten­fisch Hank ken­nen, der gera­de durch sei­ne Tarn­fä­hig­keit zu ei­nem wich­ti­gen Ver­bün­de­ten wird. Sie er­fährt über Um­we­ge, dass ih­re El­tern sie einst hier wähn­ten und zu ei­ner Su­che auf­bra­chen. Dies liegt nun aber vie­le Jah­re zu­rück, was Do­ries Er­folgs­aus­sich­ten schmä­lert. Der­weil ex­pe­ri­men­tie­ren die Clown­fisch-Männ­lein mit krea­ti­ven Ide­en, in die Qua­ran­tä­ne-Sta­ti­on der For­schungs­ein­rich­tung, und da­mit zu Do­rie zu ge­lan­gen. Da ko­ope­rie­ren sie mit herr­lich, bay­risch-mund­art­li­chen See­lö­wen und be­mü­hen ei­nen to­tal ver­plan­ten Vo­gel, sie auf das For­schungs­ge­län­de zu ma­nö­vrie­ren. Do­rie wie­der­um be­geg­net mit der seh­ge­stör­ten Wal­hai-Da­me Des­ti­ny ei­ner al­ten Weg­ge­fähr­tin und macht die Be­kannt­schaft mit ei­nem ori­en­tie­rungs­lo­sen Be­lu­ga. Al­le ver­eint, dass sie das ein oder an­de­re Han­di­cap ha­ben und den­noch ir­gend­wie ein ver­rückt-ver­schwo­re­ner Hau­fen wer­den. In die­sem Wirr­warr an Ver­wick­lun­gen, Ver­wechs­lun­gen und ei­ner Mis­si­on un­ter dem Ti­tel „Plei­ten, Pech und Pan­nen“kris­tal­li­siert sich mehr und mehr die Fra­ge her­aus: Wird Do­rie trotz ih­rer Ge­dächt­nis­lü­cken, die Bil­der ih­rer Er­in­ne­run­gen so zu­sam­men­fü­gen kön­nen, dass es ihr mög­lich ist, ih­re El­tern zu fin­den? Und wenn ja, gibt es ih­re El­tern noch? Wie kön­nen ihr die An­de­ren hel­fen? Und vor al­lem, was macht die Su­che mit ihr?

Be­kann­ter Stoff, neu ver­packt

Als „Fin­det Ne­mo“im Jahr 2003 in die Ki­nos kam, war die Idee, die kun­ter­bun­te und viel­fäl­ti­ge Un­ter­was­ser­welt des Mee­res in ein fa­mi­li­en­ge­rech­tes Ani­ma­ti­ons­spek­ta­kel zu ver­wan­deln, recht neu und ori­gi­nell. Dem­nach rie­sig ge­stal­te­te sich die An­hän­ger­schar der Freun­de um die Ane­mo­nen­fi­sche und ih­rer treu-ver­gess­li­chen Be­glei­te­rin. Über drei­zehn Jah­re und ei­ni­ge ver­gleich­ba­re Fil­me spä­ter ist ei­ner­seits die Freu­de groß, er­neut ein Mee­res­aben­teu­er des fischi­gen Tri­os mit­er­le­ben zu dür­fen. An­de­rer­seits ist es na­tur­ge­mäß nicht mehr so ori­gi­nell wie beim Erst­lings­werk. So be­schleicht sze­nen­wei­se das Ge­fühl, et­was Ähn­li­ches be­reits ge­se­hen zu ha­ben. (Dies führ­te bei mei­ner Toch­ter, die üb­ri­gens „Fin­det Ne­mo“liebt, da­zu, sich zwi­schen­zeit­lich an­der­wei­tig zu be­schäf­ti­gen.) So hat „Fin­det Do­rie“ei­ni­ge lang­at­mi­ge Pha­sen, die das Film­ver­gnü­gen et­was brem­sen. So­bald die Ac­tion dann wie­der an­zieht und es zum fi­na­len Teil geht, ver­fliegt das Ge­fühl, die Sto­ry be­reits ein­mal ähn­lich er­lebt zu ha­ben und man wünscht den sym­pa­thi­schen Darstel­lern ein er­folg­rei­ches Ge­lin­gen ih­res schein­bar aus­sichts­lo­sen Un­ter­fan­gens.

Tech­ni­sche Frisch­zel­len­kur

Pixar ist mit „Fin­det Do­rie“ein sehr schö­ner Ani­ma­ti­ons­film ge­lun­gen, der vie­le Kin­der und Fa­mi­li­en gut un­ter­hal­ten und für ge­lös­te Stim­mung sor­gen wird.

Wie für ei­nen Pixar-Strei­fen fast üb­lich, ist die Tech­nik auf ei­nem sehr ho­hen Ni­veau. Der Oze­an wird in sei­ner gan­zen Farb­pa­let­te ge­zeigt. Die Syn­chron­spre­cher-Be­set­zung wur­de bei­be­hal­ten, was dem Fort­set­zungs- und Wie­der­er­ken­nungs-Aspekt sehr dien­lich ist. Auch ton­tech­nisch ist das neue Werk gut ein­ge­spielt wor­den, was den hoch­wer­ti­gen Tech­ni­kEin­druck ab­run­det.

Die Viel­falt der Ge­sell­schaft

Dem Film wur­de un­ter an­de­rem von der „Deut­schen Film- und Me­dien­be­wer­tung“das Prä­di­kat „be­son­ders wert­voll“ver­lie­hen, was zum ei­nen auf die er­neu­te Sen­si­bi­li­sie­rung für ei­nen sorg­sa­men und nach­hal­ti­gen Um­gang mit Na­tur und Tier zu­rück­zu­füh­ren ist. Sich ent­wi­ckeln­de Freund­schaf­ten und ko­ope­ra­ti­ves Ver­hal­ten un­ter teils ge­han­di­cap­ten Mee­res­be­woh­nern in der Viel­falt des Le­bens ist fast schon ein Plä­doy­er für die Mög­lich­kei­ten ei­ner in­klu­si­ven Ge­sell­schaft. Denn ob­gleich ein je­der sei­ne Schwä­chen und Han­di­caps hat, kann Zu­sam­men­halt und die Zu­sam­men­füh­rung der Ei­gen­schaf­ten und Stär­ken al­ler, Wun­der be­wir­ken.

Ne­ben der Stan­dard-Blu-ray (1 Disc), die für den Test zur Ver­fü­gung stand, gibt es ei­ne 3-Disc-Ver­si­on, die ei­ne 3D- so­wie ei­ne 2D-Fas­sung und Sam­mel­kar­ten be­inhal­tet. Die knap­pen 45 Mi­nu­ten Ex­tras sind breit ge­fä­chert und lie­fern ei­ni­ges an zu­sätz­li­chen und hin­ter­grün­di­gen In­for­ma­tio­nen zu Cha­rak­ter­de­sign, zur gra­phi­schen Um­set­zun­gen und gar­nie­ren dies mit dem de­tail­rei­chen und Os­car-prä­mier­ten Kurz­film „Pi­per“über ein klei­nes Vö­gel­chen, das ei­ne wich­ti­ge Lek­ti­on in Sa­chen Selbst­stän­dig­keit er­hält.

Die 3D-Blu-ray wird im schö­nen Schu­ber mit Sam­mel­kar­ten aus­ge­lie­fert. Pa­pa? Ach nee, mein Irr­tum! Sorry! … Ma­ma? Ob in Teil drei wohl Mar­lin ver­lo­ren ge­hen wird? Jetzt ist je­den­falls erst mal Do­rie dran

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