Wo­von träumt das In­ter­net?, Kan­da­har Jour­nals, Un­ser Was­ser, Hi­ro, der klei­ne Schnee­af­fe, Die Welt der Ad­ler, Pla­net Erde 2

Blu-ray Magazin - - Editorial 3/2017 - MI­RI­AM HEINBUCH

OT: Lo And Be­hold, Re­ve­ries Of The Con­nec­ted World L: US J: 2016 V: Koch Me­dia B: MPEG-4, 1.78 : 1 T: DTS-HD MA 5.1 R: Wer­ner Her­zog D: Elon Musk LZ: 98 min FSK: 0

P: 17 Eu­ro W-Co­ver: k. A.

Der Na­me „Wo­von träumt das In­ter­net?“macht Lust auf tech­ni­sche In­no­va­ti­on, Ide­en zum The­ma Ver­net­zung und Kom­mu­ni­ka­ti­on, mit an­de­ren Wor­ten: Auf Zu­kunfts­mu­sik. Ob das In­ter­net von et­was träumt, ist ei­ne Fra­ge, die al­ler­dings nur ganz zum Schluss auf­ge­grif­fen wird. Denn ei­gent­lich geht es in die­sem Film von Wer­ner Her­zog nur zweit­ran­gig um das In­ter­net an sich. Der Ori­gi­nal­ti­tel der Dokumentation, „Lo And Be­hold, Re­ve­ries Of The Con­nec­ted World“, der grob über­setzt so et­was wie „Sieh an, Träu­me der ver­netz­ten Welt“be­deu­tet, passt da schon bes­ser. Der ei­gent­li­che Fo­kus liegt näm­lich nicht auf dem In­ter­net, son­dern auf der Welt, ins­be­son­de­re auf dem Men­schen, der in die­ser ver­netz­ten Welt lebt. Die Do­ku be­ginnt an der Uni­ver­si­ty of Ca­li­for­nia, wo Her­zog in den Raum ge­führt wird, von dem aus die ers­te Nach­richt über das Netz ge­schickt wur­de. Er spricht mit Schlüs­sel­fi­gu­ren der frü­hen Ent­wick­lung des In­ter­nets, um sich dann in der nächs­ten Epi­so­de Wis­sen­schaft­lern zu wid­men, die sich für ih­re Ar­beit an die Schwar­min­tel­li­genz des In­ter­nets ge­wandt ha­ben. Von da ab be­ginnt ein Rund­um­schlag, bei dem auch The­men wie die Um­sied­lung zum Mars oder Son­nen­erup­tio­nen an­ge­ris­sen wer­den. Die Epi­so­den sind eher kurz und be­han­deln die The­men le­dig­lich an der Ober­flä­che. In­ter­es­sant sind die Epi­so­den al­le­samt, aber aus sehr un­ter­schied­li­chen Grün­den. Man­che, weil sie wis­sen­schaft­lich In­ter­es­san­tes und auch Be­droh­li­ches an­rei­ßen, an­de­re weil sie Un­ge­wöhn­li­ches zei­gen.

Her­zogs Con­fir­ma­ti­on Bi­as

Ein Bei­spiel da­für ist ei­ne Grup­pe von Men­schen, die oh­ne In­ter­net und Han­dys in ei­ner funk­frei­en Zo­ne le­ben, weil sie der Mei­nung sind, krank ge­wor­den zu sein durch die Strah­lung. Lei­der wer­den kei­ne Hin­ter­grün­de da­zu ge­ge­ben, son­dern man sieht aus­schließ­lich die Er­fah­rungs­be­rich­te. Eben­falls un­kom­men­tiert bleibt die Ge­schich­te ei­ner Fa­mi­lie, die sich nach dem Tod ih­rer Toch­ter mit schlim­men Fo­tos der Lei­che im Netz und bos­haf­ten Mails kon­fron­tiert sa­hen. Es ist ein star­kes Bild, wenn die Mut­ter sagt „Ich ha­be das In­ter­net schon im­mer für ein Werk des An­ti­chris­ten ge­hal­ten“, wäh­rend ih­re ju­gend­li­chen Töch­ter starr und still wie ge­lähmt vor ihr sit­zen. Auch In­ter­net­sucht schaut sich Her­zog an, und es wirkt, als woll­te er sich längst vor­ge­fass­te Mei­nun­gen über den ver­netz­ten Men­schen be­stä­ti­gen las­sen. Se­hens­wert ist „Wo­von träumt das In­ter­net?“den­noch, da Her­zog sehr span­nen­de Men­schen trifft, un­ge­wöhn­li­che Fra­gen stellt und in­ter­es­san­te, wirk­lich schö­ne und aus­sa­ge­kräf­ti­ge Bil­der er­schafft. Auch schreibt ei­nem die Do­ku nicht vor, wel­che Schlüs­se man aus ihr zu zie­hen hat und legt ei­ni­ge sel­ten be­leuch­te­te Aspek­te dar. Es macht Spaß zu se­hen, wie Her­zogs Ge­dan­ken­ge­bäu­de sich schein­bar oh­ne ro­ten Fa­den in äs­the­ti­scher Bild­spra­che auf­baut. Es wä­re nur schön, wenn die Per­son Her­zog in den Hin­ter­grund tre­ten wür­de. Scha­de ist auch, dass es kei­ne Ex­tras gibt, nur Trai­ler. Hier hät­ten sich Hin­ter­grün­de er­läu­tern las­sen. Zum Schluss muss an­ge­merkt wer­den, dass Bild und Ton zwar so­li­de sind, aber nicht rich­tig gut – die Bild­schär­fe lässt zu wün­schen üb­rig. Bei ei­nem Film, der ir­gend­wie von Tech­nik han­delt, ist das ei­ne ver­säum­te Ge­le­gen­heit auf ein Ge­samt­kon­zept.

Strah­len­krank: Die An­woh­ner der Kom­mu­ne be­rich­ten von ih­rem Lei­dens­druck

Ro­bo­ter Chimp lernt gera­de, mit sei­nen Ex­tre­mi­tä­ten um­zu­ge­hen

Ei­ne Fa­mi­lie in Trau­er: Die Bil­der der to­ten Toch­ter lan­de­ten im Netz

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