Tanz der Teu­fel

Die gan­ze Ge­schich­te von „Tanz der Teu­fel“bis „Ash Vs. Evil De­ad“

Blu-ray Magazin - - Editorial 3/2017 - FALKO THEUNER

Ei­ne Hüt­te in den Wäl­dern, leicht­sin­ni­ge Te­enager und vie­le grau­sa­me To­de – die­se Zu­ta­ten fin­det man heut­zu­ta­ge in na­he­zu je­dem zwei­ten Hor­ror-Film. Fast schon scheint es lang­wei­lig, über die­ses Un­ter-Gen­re des Splat­ters zu re­den. Ob nun in­zes­tuö­se Kan­ni­ba­len wie in „Wrong Turn“, Vi­ren wie in „Ca­bin Fe­ver“, Ali­ens wie in „Ex­tra­ter­restri­al“oder Hin­ter­wäld­ler-Kli­schees wie in „Tu­cker & Da­le Vs. Evil“, der Tod lau­ert übe­r­all, ins­be­son­de­re in ab­ge­le­ge­nen Hüt­ten. Und doch übt es ei­nen ge­wis­sen Reiz auf das Pu­bli­kum aus, so­lan­ge die Hoff­nung ei­nes mög­li­chen Ent­rin­nens ge­ge­ben ist. So­bald der Zu­schau­er im Film Par­ty-süch­ti­ge Ju­gend­li­che sieht, die ein­fach nur an Spaß, Sex und Al­ko­hol den­ken und da­für in die Ber­ge oder in ei­ne Be­hau­sung rei­sen, die von mehr als drei Bäu­men um­ge­ben ist, sieht er ihr Schick­sal als be­sie­gelt an. Er weiß, dass ma­xi­mal ei­ne Per­son der Grup­pe über­le­ben wird, wäh­rend die Kör­per der an­de­ren auf schreck­li­che Wei­se de­kon­stru­iert wer­den. Ein Held oder ei­ne Hel­din er­scheint als ver­nünf­tig, schlau und stark ge­nug, um das Mas­sa­ker zu über­le­ben und viel­leicht auch noch um in der ei­nen oder an­de­ren Fort­set­zung er­neut auf den fie­sen Schre­cken zu tref­fen, der ei­nem in Teil eins fast das Le­bens­licht aus­ge­bla­sen hat. In die­sem Sek­tor gibt es al­so mas­siv vie­le Fil­me, wor­un­ter sich we­ni­ge gu­te und sehr vie­le schlech­te Ex­em­pla­re be­fin­den. Nun wird der „Tanz der Teu­fel“(im Ori­gi­nal „Evil De­ad“) so­wie sei­ne Nach­fol­ger ganz klar als Kult ge­hand­habt. Selbst Joss Whe­dons bril­lan­tes „The Ca­bin In The Woods“re­fe­riert dar­auf wie auf die Mut­ter al­ler Fil­me die­ses Gen­res. Doch was macht ihn so be­son­ders, da der Plot der oben be­schrie­be­nen 08:15-For­mel ent­spricht?

Tanz­vor­be­rei­tun­gen

Es be­ginnt be­reits bei der un­glaub­li­chen Ent­ste­hungs­ge­schich­te: Als Sam Rai­mi (Re­gie), Bru­ce Camp­bell (Haupt­dar­stel­ler) und Scott Spie­gel (Dou­ble, spä­ter Dreh­buch-Au­tor) zu­sam­men den Kurz­film „Wi­t­hin The Woods“(1978) dreh­ten, um da­mit In­ves­to­ren aus ih­rer Nach­bar­schaft (Zahn­ärz­te, La­den­be­sit­zer etc.) von ih­rem ei­gent­li­chen Hor­ror-Pro­jekt in Spiel­film­län­ge zu über­zeu­gen, wa­ren sie gera­de ein­mal im zar­ten Al­ter von 18 und 19 Jah­ren. In dem auf Su­per-8-Ma­te­ri­al ge­dreh­ten Kurz­film ist ein al­ter In­dia­ner-Fried­hof der Aus­lö­ser da­für, dass sich der von Bru­ce Camp­bell ge­spiel­te Cha­rak­ter in ei­nen Zom­bie ver­wan­delt und die an­de­ren Te­enager ter­ro­ri­siert bzw. tö­tet. Schon in die­sen 30 Mi­nu­ten gab es Din­ge zu se­hen, die den spä­te­ren „Evil De­ad“-Film und sei­ne Nach­fol­ger be­rühmt ma­chen soll­ten und die Sam Rai­mi auch heu­te noch in ei­ni­gen Fil­men ver­wen­det: Da wä­re z. B. die Ka­me­ra­fahrt dicht über dem Bo­den, die das sich an­nä­hern­de Bö­se si­mu­lie­ren soll, oder das von un­ten ins Blick­feld der Ka­me­ra schie­ßen­de Mons­ter­ge­sicht, das sich in all sei­ner Häss­lich­keit prä­sen­tiert, be­vor es sich lang­sam um­dreht, um sein Op­fer an­zu­fal­len. Genau wie im spä­te­ren Film mim­te El­len Sand­weiss das ar­me Op­fer, das sich schon hier im Wald ver­irr­te und von den Äs­ten der Bäu­me (wohl­ge­merkt oh­ne Ver­ge­wal­ti­gung) ter­ro­ri­siert wur­de. Und so schaff­ten es die drei High-School-Freun­de Rai­mi, Camp­bell und Spie­gel über 90 000 Dol­lar von ei­ni­gen In­ves­to­ren zu ak­qui­rie­ren, wo­für sie so­gar von An­wäl­ten An­teils-Ver­trä­ge ent­wer­fen lie­ßen. Da­durch stieg der Druck, denn vor­her war al­les nur ein Spiel, wäh­rend nun ech­tes Geld von ih­nen und an­de­ren Men­schen da­hin­ter­steck­te. Glück­li­cher­wei­se hat­te „Evil De­ad“, was 1981 das Licht der Ki­no­pro­jek­to­ren er­blick­te, den ge­wünsch­ten Er­folg.

Jetzt wird ge­tanzt!

Nicht nur die Geld­be­schaf­fung ge­stal­te­te sich als pro­ble­ma­tisch, son­dern auch der Dreh an sich. Zu­nächst ein­mal muss­te ein Dreh­ort ge­fun­den wer­den und das al­les oh­ne Lo­ca­ti­on-Scouts. Da sie in Mi­chi­gan kei­ne ver­las­se­ne Hüt­te fin­den konn­ten, die sich als Ku­lis­se eig­nen wür­de, sa­hen sie sich in Ten­nes­see um und fan­den auch dort zu­nächst nur ein Ex­em­plar, das von Haus­be­set­zern be­wohnt war. Durch Zu­fall ent­deck­ten sie in der Nä­he ih­rer Her­ber­ge dann doch noch je­ne ver­las­se­ne Hüt­te, die letzt­end­lich im Film zu se­hen ist. Auf­grund des schlech­ten Zu­stands muss­te die­se erst ein­mal vom Pfer­de-Dung be­freit, von Grund auf re­no­viert und mit Strom ver­se­hen wer­den. Im Win­ter 1979 konn­te der Dreh dann end­lich be­gin­nen, wo­bei die 37-köp­fi­ge Cr­ew durch die sehr nied­ri­gen Tem­pe­ra­tu­ren und for­dern­den Dreh­be­din­gun­gen mehr­fach an ih­re Gren­zen stieß und auch ei­ni­ge Ver­let­zun­gen zu­stan­de ka­men, von de­nen Bru­ce Camp­bell wahr­schein­lich die meis­ten Bles­su­ren da­von trug. Er be­schrieb die Zeit sei­nes Auf­ent­halts am Set und in der Pro­duk­ti­on als „zwölf Wo­chen ei­ner freud­lo­sen Lek­ti­on in Sa­chen Ago­nie.“Ein paar Schau­spie­ler hat­te Sam

Rai­mi zwar be­reits durch sei­ne High-SchoolF­reun­de und auch sei­nen Bru­der Ted, der als Dou­ble in ei­ni­gen Sze­nen auf­tauch­te, bei der Hand. Je­doch muss­ten Darstel­ler wie Richard DeMa­nin­cor, Bet­sy Ba­ker und The­re­sa Til­ly im Vor­feld erst noch ge­fun­den wer­den, was über ei­ne Zei­tungs­an­zei­ge in der „The De­troit News“rea­li­siert wur­de. Wit­zi­ger­wei­se ka­men die weib­li­chen Darstel­ler meist mit ih­rem Va­ter zum ers­ten Vor­spre­chen, da sie Angst hat­ten, dass es sich um ei­nen Snuff-Film han­del­te.

Eis­kalt ab­ser­viert

Da wäh­rend der sechs­wö­chi­gen Dreh­zeit ein Teil der Film­crew in der nur mit ei­nem Ofen be­heiz­ten Hüt­te schla­fen muss­ten, gab es vie­le ge­sund­heits­be­ding­te Aus­fäl­le.

Ein wei­te­res Pro­blem be­stand im nur schwer ab­lös­ba­ren Ma­ke-up, dem vie­len selbst pro­du­zier­ten Kunst­blut so­wie den un­be­que­men, schmer­zen­den, wei­ßen Kon­takt­lin­sen, die höchs­tens 15 Mi­nu­ten lang ge­tra­gen wer­den durf­ten, da sie kei­ne Luft an die Au­gen lie­ßen. Mit­ten in der Pro­duk­ti­on ging dem gera­de mal halb ge­dreh­ten Film­pro­jekt das Geld aus, wes­halb Rai­mi, Camp­bell und Pro­du­zent Rob Ta­pert noch ein­mal in den Ak­qui­se-Mo­dus gin­gen, von Freun­den und Fa­mi­li­en Geld lie­hen, per Te­le­fon nach wei­te­ren In­ves­to­ren such­ten und Bank-Dar­le­hen auf­nah­men. Im Prin­zip könn­te man die­sen Geld­be­schaf­fungs-Vor­gang als frü­hes Crowd­fun­ding be­trach­ten. Ins­ge­samt soll­te der Film bis zu sei­ner Fer­tig­stel­lung über 350 000 US-Dol­lar kos­ten. Ku­rio­ser­wei­se brann­te die Hüt­te ei­ni­ge Zeit nach der Voll­en­dung des Drehs aus un­be­kann­ten Grün­den ab, was ent­we­der auf be­son­ders ängst­li­che und aber­gläu­bi­sche Film­fans schlie­ßen lässt oder es haus­te tat­säch­lich et­was un­be­schreib­lich Bö­ses an die­sem Ort …

Und Schnitt!

Als der Haupt­dreh An­fang 1980 nach sechs Wo­chen der Tor­tur be­en­det war, ver­lie­ßen die meis­ten Darstel­ler das Pro­jekt, das von da an noch an­dert­halb Jah­re be­nö­tig­te, um im Schnit­t­raum fer­tig ge­stellt zu wer­den. Wäh­rend die­ser Post-Pro­duk­ti­ons­pha­se or­ga­ni­sier­te Rai­mi wei­te­re Nach­drehs, in de­nen un­ter an­de­rem Ted Rai­mi, Scott Spie­gel und ei­ni­ge an­de­re Darstel­ler die nicht mehr an­we­sen­den Schau­spie­ler er­setz­ten, in­dem sie ih­re Rü­cken, Hän­de usw. in die Ka­me­ra hiel­ten und auf die­se Wei­se die be­nö­tig­ten Über­gän­ge für den Schnit­t­raum lie­fer­ten. In letz­te­rem saß üb­ri­gens Ed­na Ruth Paul, de­ren As­sis­tent Jo­el Co­en nur we­ni­ge Jah­re spä­ter mit sei­nem Bru­der Et­han den Thril­ler „Blood Simp­le – Ei­ne mör­de­ri­sche Nacht“dreh­te – den Grund­stein der Er­folgs­ge­schich­te der Co­en-Brü­der. Zu ei­ner der gro­ßen schnitt­tech­ni­schen Her­aus­for­de­run­gen ge­hör­te es, die Kel­ler-Sze­nen mit den Sze­nen in der ver­las­se­nen Hüt­te zu kom­bi­nie­ren, da je­ne auf­grund der Ab­we­sen­heit ei­nes Kel­lers, im Haus des Pro­du­zen­ten so­wie in Sam Rai­mis Ga­ra­ge ge­filmt wer­den muss­ten. Aber auch die Stop-Mo­ti­on-Se­quenz, in der die wie­der­be­leb­ten Lei­chen da­hin­schmel­zen, stell­te sich als gro­ße Schwie­rig­keit her­aus. Sam Rai­mi setz­te sich wäh­rend des Drehs für ver­schie­de­ne vi­su­el­le In­no­va­tio­nen ein, um den Film sti­lis­tisch auf ei­ne hö­he­re Ebe­ne zu he­ben. So hol­te er bei­spiels­wei­se die aus den Film-Noir-Strei­fen der 1940er Jah­re be­kann­ten „Dutch Angles“zu­rück und film­te die sur­rea­le­ren Se­quen­zen aus der Schräg­la­ge. Am auf­fäl­ligs­ten und ein­präg­sams­ten sind al­ler­dings die „Stea­di­cam“-Fahr­ten dicht über dem Wald­bo­den. Man­gels ei­ner ech­ten Stea­di­cam wur­de er­satz­wei­se ei­ne Ka­me­ra auf ei­ne mög­lichst lan­ge Holz­leis­te ge­schnallt, die die Vi­bra­tio­nen auf­fan­gen soll­te und die von Camp­bell und Rai­mi hur­ti­gen Schrit­tes durch die Sumpf­land­schaft ge­tra­gen wur­de. Auch an­de­re selbst­ge­bas­tel­te, fahr­ba­re Ap­pa­ra­tu­ren ka­men zum Ein­satz, um bei­spiels­wei­se die schnitt­freie, dy­na­mi­sche End­se­quenz mit­tels Hil­fe ei­nes

Mo­tor­rads zu rea­li­sie­ren. Camp­bell kann sich heu­te noch schmerz­haft er­in­nern, wie das Ve­hi­kel für die Kunst di­rekt in ihn hin­ein ge­fah­ren wur­de – so er­zählt er es zu­min­dest, mit ei­nem ver­schmitz­ten Lä­cheln im Ge­sicht.

Frau­en­feind­lich

Wenn man an „Tanz der Teu­fel“denkt, hat man un­wei­ger­lich die skan­da­lö­se Ver­ge­wal­ti­gungs-Sze­ne mit den Bäu­men im Sinn. Sie ist auch ei­ner der Grün­de, wes­halb der Film auch so ei­ni­ge Kri­tik ern­te­te und ist et­was, wor­auf Rai­mi heu­te nicht mehr all­zu stolz ist. El­len Sand­weiss, die im Film das Op­fer spielt, wuss­te vor dem Dreh le­dig­lich, dass ihr Cha­rak­ter Che­ryl von Äs­ten at­ta­ckiert wird. Erst wäh­rend des Drehs und spä­ter im Schnit­t­raum wur­de dann klar, wor­auf das gan­ze wirk­lich hin­aus­läuft. Da der Stil des heu­ti­gen Kult­re­gis­seurs stark von asia­ti­scher Film- und Anime-Äs­t­he­tik in­spi­riert scheint, liegt die An­nah­me na­he, dass er die­se Idee wohl dem Hen­tai-Gen­re ent­nom­men hat­te, in dem Frau­en häu­fig von Ten­ta­kel-Mons­tern an­ge­fal­len wer­den. Zugleich soll­te „Evil De­ad“ein kom­mer­zi­el­ler Er­folg wer­den, wo­bei die scho­ckie­ren­de Ge­walt und die­se frau­en­feind­li­che Se­quenz si­cher­lich da­bei hel­fen soll­ten. So ein Skan­dal spricht sich schließ­lich schnell her­um und be­kommt viel ne­ga­ti­ve Pu­b­li­ci­ty … was im Prin­zip kos­ten­güns­ti­ge Pu­b­li­ci­ty ist. Auch wenn der Film in ei­ni­gen Län­dern ver­bo­ten und aus den Ki­nos ver­bannt wur­de, war er ein ver­gleichs­wei­se gro­ßer Er­folg und spiel­te ein Viel­fa­ches des in­ves­tier­ten Gel­des ein. Wich­ti­ger noch, wa­ren Sam Rai­mi und Bru­ce Camp­bell nun in die Auf­merk­sam­keit der Hor­ror-Fans und der gro­ßen Film­stu­di­os ge­rückt, wes­halb sie kei­ne fil­mi­schen Skan­da­le mehr be­nö­tig­ten und sich in der Fort­set­zung voll und ganz auf ih­re gran­dio­se Schre­ckens-Vi­si­on kon­zen­trie­ren konn­ten. Da sie zu­vor nie über ei­nen zwei­ten Teil nach­ge­dacht hat­ten, ver­kauf­ten sie die Dis­tri­bu­ti­ons­rech­te des ers­ten Films recht güns­tig an New Li­ne Ci­ne­ma. Glück­li­cher­wei­se wa­ren die Rech­te an der Hand­lung und die Cha­rak­te­re da­von aber un­be­trof­fen, wes­halb der Fort­set­zung un­ter Rob Ta­perts, Sam Rai­mis und Bru­ce Camp­bells ei­ge­ner Pro­duk­ti­ons­fir­ma Re­nais­sance Pic­tu­res nun nichts mehr im We­ge stand.

Die Zen­sur­ge­schich­te

War der Weg zum fer­ti­gen Pro­dukt be­reits ziem­lich au­ßer­ge­wöhn­lich und von lau­ter Wid­rig­kei­ten ge­prägt, ge­stal­te­te sich der Pfad des Ver­trie­bes un­ter an­de­rem auch in Deutsch­land als über­aus schwie­rig. So lie­ße sich mit der sich über 30 Jah­re er­stre­cken­den Zen­sur­ge­schich­te von „Tanz der Teu­fel“ein kom­plet­tes Buch fül­len, wes­halb die­ses Ka­pi­tel hier nur im An­satz um­ris­sen wer­den kann. Als der Film 1983 in die deut­schen Ki­nos kam, er­hielt er kei­ne Ju­gend­frei­ga­be, wo­bei die SPIO-Ju­ris­ten­kom­mis­si­on ihn auf­grund sei­ner sur­rea­len Darstel­lung von Ge­walt an Dä­mo­nen für un­be­denk­lich ein­stuf­te. Erst ein Jahr spä­ter, zum Ver­kaufs­start der VHS-Ver­si­on, wur­de der Film in­di­ziert und kurz dar­auf so­gar be­schlag­nahmt. Ei­ner der Grün­de da­für war si­cher­lich die da­mals an­ge­streb­te Ver­schär­fung der Me­di­en­ge­set­ze, die mit der Dis­kus­si­on um ge­walt­ver­herr­li­chen­de bzw. ge­walt­ver­harm­lo­sen­de In­hal­te ein­her­ging. Selbst die ge­schnit­te­ne und von der FSK ab 18 frei­ge­ge­be­ne Ver­si­on wur­de be­schlag­nahmt. Erst 1993 wur­de je­ne Be­schlag­nah­mung für ei­ne um we­ni­ge Se­kun­den ge­kürz­te Ver­si­on auf­ge­ho­ben, nicht aber die In­di­zie­rung. Bei der un­ge­kürz­ten Ver­si­on wur­de im Au­gust 2016 vom Amts­ge­richt Tier­gar­ten Ber­lin die Be­schlag­nah­mung schließ­lich für nich­tig er­klärt. Zwei Mo­na­te spä­ter ge­lang es dem Film­ver­trieb So­ny Pic­tu­res Ho­me En­ter­tain­ment dar­über hin­aus auch die Auf­he­bung der In­di­zie­rung zu er­wir­ken. Nach ei­ner Neu­be­wer­tung des Films durch die FSK er­hielt er nun schluss­end­lich ei­ne FSK-16-Frei­ga­be und steht ab dem 28. März erst­mals un­ge­kürzt und ganz nor­mal auf Blu-ray im Ver­kaufs­re­gal.

Das Buch des To­des

Doch wor­um geht es ei­gent­lich in dem Film, der über 30 Jah­re lang nicht un­ge­kürzt ver­trie­ben wer­den durf­te? Im Grun­de, wie zu­vor be­schrie­ben, um fünf Col­le­ge-Stu­den­ten, die ein Wo­che­n­en­de in ei­ner Block­hüt­te im Wald ver­brin­gen wol­len, wo­bei nur Ash (Bru­ce Cam­bell) von ih­nen über­lebt, ob­wohl das En­de sein wei­te­res Schick­sal nach ei­ner Dä­mo­nen-Atta­cke of­fen lässt. Der Grund für das Blut­bad: Im Kel­ler be­fin­det sich das Buch der To­ten (Book Of The De­ad/Mor­turom De­mon­to im Ori­gi­nal), das ab Teil zwei das „Ne­cro­no­mi­con Ex Mor­tis“ge­nannt wur­de. Nai­ve Neu­gier führt da­zu, dass das bei­lie­gen­de Ton­band ab­ge­spielt wird, auf dem ei­ne Stim­me aus dem Buch vor­liest, was wie­der­um das pu­re Bö­se im Wald er­weckt. Die ers­te ist Ashs Schwes­ter Che­ryl (El­len Sand­weiss), die von den Bäu­men bru­tal ver­ge­wal­tigt wird und sich in der ver­meint­li­chen Si­cher­heit der Block­hüt­te in ei­nen Dä­mon ver­wan­delt. Nach und nach mu­tie­ren auch die an­de­ren zu wi­der­li­chen Krea­tu­ren und met­zeln sich ge­gen­sei­tig auf die blu­tigs­te nur er­denk­li­che Art nie­der. Und na­tür­lich kom­men die bö­sen To­ten wie­der…

Knapp vier Jah­re nach­dem „Tanz der Teu­fel“bei den Hor­ror-Fans ein­schlug und qua­si über Nacht das „Ca­bin In The Woods“-Un­ter­gen­re neu de­fi­nier­te, folg­te „Tanz der Teu­fel 2 – Jetzt wird noch mehr ge­tanzt“(1987, „Evil De­ad 2 – De­ad By Dawn“). Da die Rech­te am ers­ten Teil nicht bei ih­nen la­gen, wur­den Sze­nen dar­aus noch ein­mal neu ge­dreht, um den Zu­schau­er über die frü­he­ren Vor­gän­ge in Kennt­nis zu set­zen. Auf­grund der Ähn­lich­keit des Plots strei­ten sich aber auch heu­te noch man­che Fans, ob „Evil De­ad 2“nun ei­ne Fort­set­zung oder ein Re­make ist.

Im Prin­zip sind es nur die ers­ten 15 Mi­nu­ten, die ei­ne in­halt­lich ähn­li­che Hand­lung er­zäh­len, da­mit Neu­ein­stei­ger wis­sen, wor­um es über­haupt geht: Die­se ver­ein­facht das Sze­na­rio und zeigt nur wie Ash und sei­ne Freun­din Lin­da ei­ne ab­ge­le­ge­ne Wald­hüt­te auf­su­chen, um dort ein paar se­xu­ell auf­re­gen­de Näch­te mit­ein­an­der zu ver­le­ben. Zu­fäl­lig ent­deckt und ak­ti­viert Ash ein Ton­band, auf dem die Stim­me ei­nes Archäo­lo­gen zu hö­ren ist, die aus dem Ne­cro­no­mi­con Ex Mor­tis re­zi­tiert. Folg­lich nimmt ei­ne fins­te­re Macht Be­sitz von Lin­das Kör­per und Ash kann sich gera­de noch so mit ei­ner Schau­fel ret­ten, in­dem er den Kopf sei­ner Freun­din durch die Luft se­geln lässt. Da­nach wird er von der be­frei­ten dä­mo­ni­schen Macht selbst at­ta­ckiert. Hier setzt die neue Hand­lung ein: Ash wird vom Son­nen­auf­gang ge­ret­tet und schläft ein. Am Ta­ge ent­deckt er, dass er ge­fan­gen ist, da die Ver­bin­dungs­brü­cke zer­stört wur­de. Die Son­ne geht un­ter und er wird er­neut von bö­sen Mäch­ten ge­jagt, wo­bei das Häu­schen als Zuflucht dient. Zu die­sem Zeit­punkt be­ge­ben sich die neu­en Cha­rak­te­re An­nie Know­by (Sa­rah Ber­ry) und ihr Freund Ed Gent­ley (Richard Dom­ei­er) zu be­sag­ter Un­ter­kunft, weil sie dort An­nies Va­ter, Pro­fes­sor Ra­mond Know­by (John Pea­kes) tref­fen wol­len, den Wis­sen­schaft­ler, des­sen Stim­me Ash auf dem Ton­band ver­nahm. Im Ge­päck tra­gen sie Sei­ten des Ne­cro­no­mi­cons bei sich. Und so be­ginnt der Wahn­sinn von Neu­em, wo­bei Ash zu­nächst den Kampf ge­gen sich selbst ge­win­nen muss und auf die­se Wei­se sein iko­ni­sches Er­schei­nungs­bild er­hält, was die Fans ken­nen und lie­ben: Mit ei­ner dop­pel­läu­fi­gen Shot­gun in der Lin­ken, der Ket­ten­sä­ge statt der rech­ten Hand und ei­nem coo­len Ab­schieds­gruß auf den ver­narb­ten Lip­pen. Am En­de wird Ash in ei­ne Vor­tex ge­so­gen und lan­det in ei­nem Mit­tel­al­ter-Sze­na­rio, das die Hand­lung von „Ar-

Der „Boom­stick“

War „Evil De­ad“noch ein rei­ner Hor­ror-Film und „Evil De­ad 2“ein et­was mas­sen­kom­pa­ti­ble­rer Hor­ror-Strei­fen mit ge­wis­ser Ko­mik, so ließ sich „Ar­my Of Dar­kness“eher als Fan­ta­sy-Ko­mö­die ein­stu­fen, die ih­re Mas­sen­kom­pa­ti­bi­li­tät da­durch so­gar noch aus­wei­te­te. Es war ein Stil­bruch, der nicht je­dem ge­fiel, der aber zugleich auch ein welt­weit brei­te­res Pu­bli­kum ge­ne­rier­te. Für vie­le war „Die Ar­mee der Fins­ter­nis“der ers­te Kon­takt mit der „Evil De­ad“-Rei­he, wäh­rend der Pro­log die un­be­kann­te Vor­ge­schich­te er­zähl­te. Und wie­der ist es Ash, der al­le ins Un­glück stürzt, in­dem er die vom Drui­den ein­ge­bläu­te For­mel nicht rich­tig auf­sagt und das Ne­cro­no­mi­con ein­fach so mit­nimmt. Die To­ten er­wa­chen, ak­zep­tie­ren Ashs bö­sen, un­to­ten Zwil­ling als An­füh­rer und wol­len die Welt der Le­ben­den in ei­ner gro­ßen Schlacht für sich ge­win­nen. Am En­de ge­lingt Ash die Heim­kehr in sein Zeit­al­ter, so­dass er wie­der in sei­nem Markt fie­se Omas mit dä­mo­ni­schem Grin­sen ab­bal­lern kann.

Ash Vs. Evil De­ad

Doch auch das ist noch nicht das En­de der Ge­schich­te die­ser Kult­film­rei­he, die im Jah­re 2013 mit „Evil De­ad“ein blu­ti­ges Re­make er­hielt. Auch die­ses wur­de mit vie­len ana­lo­gen Ef­fek­ten rea­li­siert und wur­de als je­ner Film ge­fei­ert, der am meis­ten Kunst­blut durch die Ge­gend spritz­te. Ei­ne ent­schei­den­de Ve­rän­de­rung sind die neu­en Cha­rak­te­re, die hier im Üb­ri­gen auch ganz oh­ne ei­nen Ash aus­kom­men, so­dass sich am En­de je­mand an­de­res die Hand ab­tren­nen muss, um dem Dä­mon den Rest zu ge­ben. Wer mehr als ei­nen kur­zen Gast­auf­tritt von Bru­ce Camp­bell se­hen woll­te, muss­te sich nur we­ni­ge Jah­re ge­dul­den, bis 2015 Sam und Ivan Rai­mi zu­sam­men mit Tom Spe­zia­ly die in­zwi­schen eben­falls als Kult ge­fei­er­te Se­rie „Ash Vs. Evil De­ad“pro­du­zier­ten. Hie­rin kann der Zu­schau­er ei­nen ge­al­ter­ten Ash da­bei be­ob­ach­ten wie er sich an der Sei­te zwei­er Te­e­nies er­neut dem ab­so­lut Bö­sen stellt und mit Ket­ten­sä­ge und Boom­stick (wenn nö­tig auch mit ei­ner ab­ge­bro­che­nen Fla­sche) fie­se Mons­ter der Un­ter­welt killt … nach­dem er die Mäch­te der Fins­ter­nis aus Ver­se­hen wie­der ein­mal be­freit hat. Ver­folgt von Spe­cial Agent Fis­her (Jill Ma­rie Jo­nes) hin­ter­las­sen sie ei­ne Spur der Ver­wüs­tung auf ih­rem Trip, der sie so­gar in die Hüt­te führt, in der al­les be­gann. Au­ßer­dem dür­fen sich die Zu­schau­er über den re­gel­mä­ßi­gen Auf­tritt von Lu­cy Law­less freu­en, die un­ter der Re­gie von Sam Rai­mi in den 1990ern die größ­te Krie­ger­prin­zes­sin des Fern­se­hens ver­kör­per­te: Xe­na. Hier spielt sie Ru­by, die rach­süch­ti­ge Schwes­ter von An­nie Know­by (aus Teil 2) und macht Ash zu Recht für den Tod ih­rer Fa­mi­lie ver­ant­wort­lich. Au­ßer­dem ver­birgt sie ein dunk­les Ge­heim­nis, das ent­schei­dend für den Kampf ge­gen das Bö­se sein wird.

Die iko­ni­sche Sze­ne aus „Tanz der Teu­fel“: Nie­mand kann dem Bö­sen ent­kom­men

„Die Ar­mee der Fins­ter­nis“ist ein ra­sant-ko­mi­sches Mit­tel­al­ter-Aben­teu­er mit vie­len Fak­to­ren aus den vor­he­ri­gen „Evil De­ad“-Fil­men

Für „Tanz der Teu­fel 2“stand Rai­mi und Co. mehr Bud­get zur Ver­fü­gung. Zu­dem be­sitzt er mehr Ko­mik

Ashs be­ses­se­ne Hand würgt ih­ren Ex-Be­sit­zer

Auf­grund des vie­len Kunst­blu­tes wur­de das „Evil De­ad“-Re­make in chro­no­lo­gi­scher Rei­hen­fol­ge ge­dreht

„Ash Vs. Evil De­ad“soll vor­aus­sicht­lich ab Herbst 2017 auf Blu-ray er­schei­nen

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