BLADE RUNNER 2049

Ab dem 5. Ok­to­ber be­gibt sich im Ki­no der jun­ge Er­mitt­ler K auf die Su­che nach ei­nem Mann na­mens Rick Deckard, um Ant­wor­ten auf sei­ne Fra­gen zu er­hal­ten. Was er je­doch fin­den wird, ist das Er­be ei­nes Film­phä­no­mens, das 35 Jah­re zu­rück liegt. Will­kom­men be

Blu-ray Magazin - - Titelstory - TONY MENZEL

Nur we­ni­ge Fil­me schaf­fen es, über das Film­sein hin­aus zu wach­sen und zu et­was viel Grö­ße­rem zu wer­den. „Star Wars“, „Star Trek“, „The Big Le­bow­ski“? Auch „Blade Runner“wuchs zu ei­nem sol­chen Phä­no­men her­an. Ein Film, der ei­nen Kult nach sich zieht, der sei­ne Exis­tenz als Rol­le aus Zel­lu­loid in Ver­ges­sen­heit ge­ra­ten lässt. Die­ser Film ist an­ders. Nicht die Hard­core­fans in Ko­s­tü­men, un­zäh­li­ge Fan­fik­tio­nen oder Ver­an­stal­ter des Le­bow­ski-Fests – ja das gibt es wirk­lich – sind es, die den Kult zum Le­ben er­we­cken. Es sind die­je­ni­gen, die zum Nach­den­ken an­ge­regt wer­den wol­len. Denn wor­über re­den die Men­schen, wenn sie über „Blade Runner“spre­chen? Geht es da­bei um den Film als Film? Um sei­ne Cha­rak­te­re, sei­ne dra­ma­tur­gi­schen Hö­he­punk­te, sei­ne stei­gen­de und ab­fal­len­de Hand­lung? Wo­mög­lich. Doch ähn­lich wie es in nä­he­rer Ver­gan­gen­heit der „Ma­trix“ge­lang, wur­de Ridley Scotts Cy­ber­punk­welt seit den frü­hen 1980ern vor al­lem we­gen sei­ner phi­lo­so­phi­schen Fra­ge­stel­lun­gen und sei­nem ein­zig­ar­ti­gen Schau­platz zum Ge­sprächs­mit­tel­punkt.

Cy­ber­punk trifft Film Noir

Er rief das The­ma „Cy­ber­punk“in das Be­wusst­sein der brei­ten Ki­no­mas­sen und öff­ne­te da­mit die To­re für zu­künf­ti­ge Ge­schich­ten, wie Paul Ver­hoevens „Ro­boCop“oder be­sag­te Tri­lo­gie der Wa­chow­skis. Ridley Scott fes­tig­te 1982 nicht nur ein bis­her kaum ge­nutz­tes Film­gen­re. Er er­weck­te mit sei­nen Bil­dern ei­ne un­ge­wöhn­li­che, aber vor­stell­ba­re Welt zum Le­ben, die im Jahr 2017 noch viel, viel nä­her ge­rückt ist. Und es dau­er­te gan­ze 35 Jah­re und zahl­rei­che Neu­fas­sun­gen, bis der Kult­film schlecht­hin end­lich ei­ne rich­ti­ge Fort­set­zung be­kom­men soll­te: „Blade Runner 2049“.

Da­bei er­öff­nen sich ganz neue Fra­gen und Ängs­te für die Fans des Ori­gi­nals: Wie wird un­se­re neue Ge­gen­wart die fik­tio­na­le Welt be­ein­flus­sen? An wel­che der vie­len Fas­sun­gen wird das Se­quel an­schlie­ßen? Und wie ist es dem Haupt­cha­rak­ter Rick Deckard er­gan­gen? Kann De­nis Vil­le­neu­ves Fort­set­zung Ridley Scotts an­ge­prie­se­nem Ori­gi­nal ge­recht wer­den? Aber ist „Blade Runner“tat­säch­lich noch im­mer das Meisterwerk, für das er lan­ge Zeit ge­hal­ten wur­de? Hat der Film sei­nen Kult­sta­tus noch im­mer ver­dient?

Dass der Film auf­grund sei­ner The­ma­tik ein Klassiker ist, steht au­ßer Fra­ge. Ob er al­ler­dings auch als Film tat­säch­lich so gut ist, dar­über strei­tet man ger­ne. Die Mi­schung aus Noir-Kri­mi und Sci­ence-Fic­tion ist je­den­falls ge­wagt, denn die zwei Gen­res ge­hen nicht ge­ra­de Hand in Hand. Bei­de spie­len mit ih­ren ei­ge­nen Kli­schees: Ver­rauch­te Jazz-Bars, Fem­me Fa­ta­les, mür­ri­sche An­ti­hel­den und tris­te Stim­mung auf der ei­nen Sei­te, wiss­be­gie­ri­ge For­scher, bun­te Lich­ter und auf­re­gen­de Ent­de­ckun­gen auf der an­de­ren. Das Re­sul­tat ist ein Film vol­ler span­nen­der Ide­en, ver­packt in lan­gen, düs­te­ren Sze­nen und ei­ner sehr lang­sa­men Er­zähl­wei­se. Im Ge­gen­zug macht der Film op­tisch ex­trem viel her und ist ge­füllt mit in­ter­es­san­ten und de­tail­rei­chen Bil­dern. Los An­ge­les ist im Jahr 2019 vor al­lem von Ja­pan ge­prägt, ver­mischt aber auch zahl­rei­che an­de­re Kul­tu­ren und Spra­chen. Mas­sen an Men­schen, kaum noch Tie­re, zu viel Schmutz und Kri­mi­na­li­tät und ein nicht en­den wol­len­der Re­gen trü­ben das all­täg­li­che Le­ben. Das L.A. der Zu­kunft mag dys­to­pisch sein, doch es ist ge­nau­so fas­zi­nie­rend. Ridley Scott leis­te­te ei­nen enor­men Bei­trag zum vi­su­el­len Stil des Films ließ sich von Künst­lern wie Je­an Giraud ali­as Mo­ebi­us (der an Fil­men mit­ar­bei­te­te wie „Alien“, „Tron“, „Das fünf­te Ele­ment“und Jo­do­row­skys nie ver­wirk­lich­tes „Du­ne“) in­spi­rie­ren und en­ga­gier­te dar­über hin­aus zahl­rei­che Künst­ler , die mit ihm die Stadt zum Le­ben er­weck­ten. Sets wur­den um­fang­reich und un­ter gro­ßem Auf­wand um­ge­setzt, für Weit­win­kel­auf­nah­men er­stell­te man de­tail­lier­te Mo­del­le und Mat­te Pain­tings.

Ist Deckard ein Mensch?

Al­lein die Kos­ten für die Ne­on­schil­der und Fahr­zeu­ge wa­ren as­tro­no­misch, wes­halb das Pro­jekt auch auf­grund der Über­schrei­tung des ge­plan­ten Bud­gets mehr­mals vor dem Aus stand. Ähn­lich wie das Stadt­bild, ver­bin­det auch die Klei­dung das al­te Ame­ri­ka­ni­sche der 1940er mit dem pun­ki­gen Ja­pa­ni­schen. Auf al­ber­ne Sci­ence-Fic­tion-Ko­s­tü­me wur­de ver­zich­tet. Ganz im Sin­ne des Noir-Gen­res soll­te Deckard ur­sprüng­lich in Hut und Man­tel ge­klei­det wer­den. Da Har­ri­son Ford al­ler­dings ge­ra­de erst mit „Jä­ger des Ver­lo­re­nen Schat­zes“ei­nen enor­men Er­folg ge­fei­ert hat­te, ent­schied man sich ge­gen ei­nen wei­te­ren iko­ni­schen Hut. Üb­ri­gens, spe­zi­ell die Klei­dung der Darstel­ler muss­te in gro­ßen Men­gen pro­du­ziert wer­den, da sie vom dau­er­haf­ten Re­gen stän­dig durch­nässt wur­de. Das mach­te den Schau­spie­lern zu schaf­fen und führ­te zu un­er­war­te­ten Kon­flik­ten, als Scott ne­ga­ti­ve Be­mer­kun­gen über die Cr­ew äu­ßer­te, die schließ­lich die Run­de mach­ten. Schlech­te Ge­füh­le gab es al­so auch au­ßer­halb der fik­ti­ven Welt und Ford wur­de we­der mit Ridley Scott noch sei­ner Part­ne­rin Se­an Young wirk­lich warm. Dass er da­mit gut in sei­ne Film­rol­le passt, ist wohl ein Glück im Un­glück. Denn Rick Deckard ist das per­fek­te Ab­bild sei­ner Le­bens­um­stän­de. Wie der Pro­to­typ des De­tek­tivs im Noir-Kri­mi lebt Deckard sein Le­ben oh­ne Job, oh­ne Le­bens­part­ner, oh­ne Em­pa­thie. Zu­min­dest, bis ei­ne Frau in sein Le­ben

tritt. Als ehe­ma­li­ger Blade Runner soll er noch ein­mal in sei­nen Job zu­rück­keh­ren, um re­bel­li­schen Re­pli­kan­ten (künst­li­che Men­schen) das Le­ben schwer zu ma­chen. Dann ge­rät sein Welt­bild ins Wan­ken. Als mür­ri­scher An­ti­held ent­täusch­te Fords Rol­le da­mals vie­le Er­war­tun­gen. Steck­te er doch in­mit­ten von „In­dia­na Jo­nes“und „Star Wars“-Fort­set­zun­gen, in de­nen er als cha­ris­ma­ti­scher, wenn auch mo­ra­lisch zwei­fel­haf­ter Held die Show stahl. Deckard ist nichts von al­le­dem und das muss­ten die Ford-Fans erst ein­mal ver­kraf­ten. Doch er über­nimmt ei­ne wich­ti­ge Rol­le, um den Ton und die Bot­schaft der Ge­schich­te zu ver­deut­li­chen. Denn in­wie­fern un­ter­schei­det sich ei­gent­lich ein Re­pli­kant mit künst­li­chen Emo­tio­nen von ei­nem Mann, der selbst kaum noch Ge­füh­le für sei­ne Mit­men­schen üb­rig hat?

Re­pli­kan­ten

Die Auf­ga­be der so­ge­nann­ten Blade Runner ist es, Re­pli­kan­ten auf der Er­de zu fin­den und aus­zu­schal­ten. Das ist nicht im­mer so leicht, denn die An­dro­iden se­hen Men­schen zum Ver­wech­seln ähn­lich.

Er­schaf­fen wur­den die neu­en Mo­del­le von der Ty­rell-Cor­po­ra­ti­on, pro­gram­miert auf ei­ne Le­bens­zeit von nur vier Jah­ren. Sie die­nen dem ein­zi­gen Zweck, Ko­lo­ni­en auf frem­den Pla­ne­ten zu schaf­fen, die den Men­schen der Er­de ein bes­se­res Le­ben ver­spre­chen. Den Re­pli­kan­ten ist das Be­tre­ten der Er­de al­ler­dings strengs­tens un­ter­sagt. Wer da­ge­gen ver­stößt, be­kommt es mit Deckard und sei­nen Kol­le­gen zu tun. Von tat­säch­li­chen Re­pli­kan­ten sind wir im Jahr 2017 zum Glück noch ein klei­nes Stück ent­fernt – zu­min­dest scheint es so ... – doch die The­ma­tik ist ak­tu­ell wie nie zu­vor.

Ih­re Denk­wei­se und Ge­füh­le sind de­nen von Men­schen nicht un­ähn­lich. Sie se­hen so­gar aus wie Men­schen. Doch wol­len sie un­ter Ih­res­glei­chen le­ben, droht man ih­nen mit Stra­fe. Sie sol­len kos­ten­güns­ti­ge Ar­beit ver­rich­ten, für die­je­ni­gen, mit de­nen sie nicht in Kon­takt kom­men dür­fen. Wo­mög­lich ist die Ge­schich­te von „Blade Runner“aus den Ängs­ten des Kal­ten Krie­ges ent­stan­den. Der ver­bor­ge­ne Feind in un­se­ren Rei­hen, die Angst vor dem Un­be­kann­ten. Doch über die Jahr­zehn­te hat die dys­to­pi­sche Zu­kunfts­vi­si­on ei­ne gan­ze Rei­he neu­er Be­deu­tun­gen ge­won­nen.

Die Voight-Kampff-Ma­schi­ne

Es gibt nur we­ni­ge Mög­lich­kei­ten, ei­nen Re­pli­kan­ten von ei­nem Men­schen zu un­ter­schei­den. Mit­hil­fe ei­ner lan­gen Lis­te von Fra­gen misst der so­ge­nann­te „Voight-Kampff-Test“die emo­tio­na­len Re­ak­tio­nen der Test­per­son und ent­schei­det so, ob sie ein Re­pli­kant ist. Die Ma­schi­ne ist zwar rein fik­tio­nal, ba­siert al­ler­dings auf dem Tu­ring-Test.

In der Rea­li­tät fand er be­reits ein­mal An­wen­dung, als die Bür­ger­meis­ter­kan­di­da­ten San Fran­cis­cos auf ih­re Echt­heit ge­prüft wur­den. Al­les na­tür­lich mit ei­nem ge­wis­sen Schmun­zeln. Re­pli­kan­ten sind sich ih­rer wah­ren Exis­tenz nicht un­be­dingt be­wusst. Erst durch Deckards Test er­fährt Racha­el die Wahr­heit über sich selbst und ih­re ein­ge­pflanz­ten Er­in­ne­run­gen. Deckard ver­liebt sich in sie und muss zum ers­ten Mal sei­ne An­sich­ten über­den­ken. Er wird er­neut auf die Pro­be ge­stellt, als er nach und nach die Re­pli­kan­ten­grup­pe um An­füh­rer Roy (Rut­ger Hau­er) aus­schal­tet und die­sem letzt­end­lich im fi­na­len Kampf ge­gen­über­steht.

Der schwer an­ge­schla­ge­ne Deckard un­ter­liegt und droht in die Tie­fe zu stür­zen. Roy ent­schließt sich, sei­nen Feind zu ret­ten, kurz be­vor sei­ne ei­ge­ne Le­bens­zeit ab­läuft. Deckard tritt mit Racha­el die Flucht an. Die Zu­kunft der bei­den bleibt un­ge­wiss.

Elek­tri­sche Scha­fe

„Blade Runner“ba­siert auf der Ge­schich­te „Träu­men An­dro­iden von elek­tri­schen Scha­fen?“von

Phil­ipp K. Dick. Be­reits seit dem Er­schei­nen des Bu­ches im Jahr 1975 woll­te Dreh­buch­au­tor Hamp­ton Fan­cher die Ge­schich­te in ei­nen Film um­set­zen und ar­bei­te­te an ers­ten Ent­wür­fen. Nach dem Er­folg von „Alien“hol­te er 1980 Ridley Scott da­zu. Sei­ne Hor­ror­ein­flüs­se sind in „Blade Runner“deut­lich spür­bar, aber auch sei­ne Er­fah­rung mit der An­dro­iden-The­ma­tik, die im „Alien“-Fran­chise ei­ne gro­ße Rol­le spielt. Ge­mein­sam ar­bei­te­ten Fan­cher und Scott an wei­te­ren Dreh­buch­ent­wür­fen. Nach Ti­tel­vor­schlä­gen wie „An­dro­id“und „Dan­ge­rous Days“ent­schied man sich schließ­lich auf­grund des Bu­ches „The Bla­derun­ner“von Alan E. Nour­se für den fi­na­len Ti­tel. Mit des­sen Ge­schich­te über Klin­gen­schmugg­ler hat­te der Film al­ler­dings nicht viel zu tun.

Kaum ein Au­tor, viel­leicht mit Aus­nah­me von Ste­phen King, wur­de so häu­fig ver­filmt wie Phil­ipp K. Dick. Sei­ne Ge­schich­ten spie­len mit ver­schie­dens­ten Zu­kunfts­sze­na­ri­en und so­wohl weit­sich­ti­gen, als auch tief­grün­di­gen Ide­en. Dick leb­te bis 1982 und konn­te kaum das Aus­maß vor­her­se­hen, in dem sich die Ge­sell­schaft und Tech­no­lo­gie nach sei­nem Tod in ra­san­tem Tem­po wei­ter ent­wi­ckeln wür­de.Doch sei­ne Ge­schich­ten wir­ken so ak­tu­ell und vi­sio­när wie eh und je. Da­bei geht es nicht dar­um, wel­che Sze­na­ri­en tat­säch­lich ein­tre­ten wer­den und wel­che nicht. Es geht um hy­po­the­ti­sche Fäl­le, die da­zu die­nen, ei­nen Ma­kel der Ge­sell­schaft her­vor­zu­brin­gen. „To­tal Re­call“(1990), „Mi­no­ri­ty Re­port“(2002), „A Scan­ner Dark­ly“(2006), „The Man in the High Cast­le“und vie­le mehr – man muss Dick nicht ge­le­sen ha­ben, um die Wer­ke des Au­tors zu ken­nen. Auch als Film- und Se­ri­en-Schau­er kommt man kaum an ihm vor­bei. „Blade Runner“ist die ers­te Buch­um­set­zung des Sci­ence-Fic­tion-Au­tors und kam ein hal­bes Jahr nach sei­nem Tod in die Ki­nos. Der Film be­hält die Kern­ge­dan­ken des Buchs bei, un­ter­schei­det sich aber in vie­len Merk­ma­len von sei­ner Vor­la­ge. Den na­mens­ge­ben­den Runner gibt es erst gar nicht. Statt­des­sen ver­fol­gen so­ge­nann­te „Prä­mi­en­jä­ger“die hier als An­dro­iden oder „An­dys“be­zeich­ne­ten Re­pli­kan­ten. Ge­ne­rell steht der trü­ben Stim­mung des Films ein für Dick eher be­kann­ter sar­kas­ti­scher Ton im Ro­man ge­gen­über. Das macht sich auch an Deckard be­merk­bar, der im Buch ver­hei­ra­tet und noch ak­tiv als Jä­ger tä­tig ist. Dass er selbst ein Re­pli­kant sein könn­te, wie es der Film im­pli­ziert, fin­det im Buch kei­ne Er­wäh­nung. Aus San Fran­cis­co, ei­nem wie­der­hol­ten Schau­platz in Dicks Ge­schich­ten und dem Jahr 1992, wur­de ein 27 Jah­re spä­te­res Los An­ge­les. Auf­grund der vie­len Un­ter­schie­de zwi­schen Buch und Film bot man Dick an, die Ge­schich­te als Ro­man zum Film neu zu ver­fas­sen. Der Au­tor lehn­te ab. Dick zeig­te sich erst skep­tisch, doch ob­wohl er noch vor dem Start des Films ver­starb, re­agier­te er schließ­lich po­si­tiv auf die ihm ge­zeig­ten Film­sze­nen.

Aus Zu­kunft wird Ge­gen­wart

Die Zu­kunft ist in­zwi­schen zur Rea­li­tät ge­wor­den. Zu­min­dest in ei­ni­gen Be­rei­chen. Seit der Ent­ste­hung von „Blade Runner“sind 35 Jah­re ver­gan­gen. Das En­de des Kal­ten Krie­ges hat vie­les ver­än­dert, die Ent­ste­hung des In­ter­nets so­gar noch mehr. Die Welt hat sich in Rich­tun­gen ge­wan­delt, die kaum ein Sci­ence-Fic­tion-Au­tor hät­te vor­her­se­hen kön­nen. Wür­de es über­haupt ei­ne Rol­le spie­len, ob wir mit künst­li­chen Men­schen in­ter­agie­ren, wenn ein Groß­teil un­se­rer In­ter­ak­tio­nen so­wie­so über den Weg der Tech­no­lo­gie er­folgt? Sind „Vir­tu­al Rea­li­ty“, „Si­ri“und „Ale­xa“so­gar der nächs­te Schritt, uns an die Mög­lich­keit künst­li­cher In­tel­li­gen­zen zu ge­wöh­nen? Al­les nur Spe­ku­la­tio­nen, doch es stellt sich den­noch die Fra­ge, ob und in­wie­fern das ge­gen­wär­ti­ge Bild der Welt das We­sen ei­nes neu­en „Blade Runner“-Films be­ein­flusst. Wie funk­tio­niert Cy­ber­punk in ei­ner Welt, die längst zahl­rei­che Ide­en des Gen­res hat wahr wer­den las­sen? Spielt der po­li­ti­sche Wan­del nicht eben­falls ei­ne Rol­le? Na­tür­lich bleibt zu er­war­ten, dass sich „Blade Runner 2049“vor al­lem an sei­ner Vor­la­ge von 1982

Von der Ama­zo­ne zum Leut­nant: Eben noch bei „Won­der Wo­man“, ist Ro­bin Wright hier als Lt. Jo­shi zu se­hen

ori­en­tie­ren und auf des­sen Welt auf­bau­en wird. Ei­nen in­ter­es­san­ten Ver­gleich wird si­cher auch „Ghost In The Shell“bie­ten. Die Neu­ver­fil­mung, eben­falls erst kürz­lich er­schie­nen, ba­siert auf ei­nem Ani­me, der mit sei­ner Cy­borg­the­ma­tik und ei­nem dys­to­pi­schen Ja­pan so stark von „Blade Runner“in­spi­riert wur­de, wie kaum ein an­de­rer Film. Doch es stellt sich ei­ne noch grö­ße­re Fra­ge: Wie wer­den die Ei­gen­hei­ten des Re­gis­seurs De­nis Vil­le­neuve den Film be­ein­flus­sen?

Dop­pel­gän­ger

Vil­le­neuve ist ei­ner der an­ge­sag­tes­ten Re­gis­seu­re der letz­ten Jah­re. In Echt­zeit kön­nen Film­fans sei­nen Auf­stieg vom New­co­mer zum ganz gro­ßen Star-Re­gis­seur be­ob­ach­ten. Ers­te Be­kannt­heit er­lang­te der Ka­na­di­er mit sei­nem Film „Po­ly­tech­ni­que“über das Mon­tre­al Mas­sa­ker. Ins brei­te­re Be­wusst­sein trat Vil­le­neuve al­ler­dings erst 2013 mit sei­nen ers­ten eng­lisch­spra­chi­gen Ver­öf­fent­li­chun­gen „Pri­so­ners“und „Ene­my“. In den nächs­ten Jah­ren folg­ten die Oscar-no­mi­nier­ten und von Kri­ti­kern ge­lob­ten „Si­ca­rio“und „Ar­ri­val“. Un­ter Vil­le­neu­ves Fil­men ist es ge­ra­de das sur­rea­le Mys­te­ry-Dra­ma „Ene­my“, das ei­nem „Blade Runner“am nächs­ten kommt. Da­rin er­fährt ein Ge­schichts­pro­fes­sor von sei­nem Dop­pel­gän­ger, was zu ge­fähr­li­chen Ver­wick­lun­gen führt. Der­weil spielt der Film, der auf dem Ro­man „Der Dop­pel­gän­ger“von Jo­sé Sa­rama­go ba­siert, mit Ide­en von Über­wa­chung und Kon­trol­le. The­ma­tisch sind die Fil­me des Re­gis­seurs recht ver­schie­den und las­sen ihm ei­nen ge­wis­sen künst­le­ri­schen Frei­raum. Ge­wis­se Mar­ken­zei­chen sind den­noch in all sei­nen Pro­duk­tio­nen er­kenn­bar. Sze­nen lau­fen oft ru­hig ab und strah­len ei­ne kon­stan­te Ver­träum­t­heit aus, ge­hen dann aber in im­mer wei­ter wach­sen­de Un­ru­he über, wäh­rend die Cha­rak­te­re zu­neh­mend mit ei­ner Form psy­chi­schen Drucks oder mo­ra­li­schen Di­lem­mas zu kämp­fen ha­ben. Das per­sön­li­che Dra­ma steht fest im Vor­der­grund. Mit „Blade Runner 2049“nimmt sich der Ka­na­di­er erst­mals ei­ner be­reits exis­tie­ren­den Film­rei­he an. Sei­ne Ar­beit an „Du­ne“, ei­nem wei­te­ren Film­klas­si­ker und Zeit­ge­nos­sen von „Blade Runner“wur­de al­ler­dings be­reits be­stä­tigt. Auf die Fra­ge, wel­che der vie­len Ver­sio­nen des Ori­gi­nals er fort­set­zen wol­le, sag­te Vil­le­neuve, er ha­be den Film in sei­ner ur­sprüng­li­chen Fas­sung ken­nen­ge­lernt. Zu­sam­men mit dem ak­tu­el­len Fi­nal Cut, sei dies sei­ne be­vor­zug­te Va­ri­an­te. Was be­deu­tet das für „Blade Runner 2049“?

Gos­ling ge­gen die Ne­xus-9

Die Un­ter­schie­de dürf­ten sich nur mar­gi­nal auf das Se­quel aus­wir­ken. Denn was die Schnitt­fas­sun­gen im We­sent­li­chen von­ein­an­der un­ter­schei­det, sind Deckards Aus­sich­ten auf ein Hap­py End und das mög­li­che Über­le­ben der Re­pli­kan­tin Racha­el. Doch „Blade Runner 2049“soll auch als ei­gen­stän­di­ge Ge­schich­te funk­tio­nie­ren und so wird Har­ri­son Ford wohl erst im spä­te­ren Ver­lauf des Films zu se­hen sein. An sei­ne Stel­le tritt Ryan Gos­ling als Of­fi­cer K. Auch er ist als Blade Runner tä­tig. Als er auf ein Ge­heim­nis stößt, dass die Welt end­gül­tig an ih­ren Ab­grund trei­ben könn­te, ver­sucht er den ver­schol­le­nen Deckard aus­fin­dig zu ma­chen. Der Ti­tel ver­rät es be­reits: Seit den letz­ten Er­eig­nis­sen sind 30 Jah­re ins Land ge­zo­gen. Der Welt geht es noch schlech­ter als zu­vor. Hun­ger,

Zu ei­nem „Blade Runner“-Film ge­hört auch ei­ne vi­su­ell an­spre­chen­de, span­nend ge­stal­te­te Zu­kunfts­dys­to­pie

Krank­heit und Kli­ma­wan­del ma­chen den Men­schen zu schaf­fen. Um die Stadt vor dem stei­gen­den Mee­res­spie­gel zu schüt­zen, wur­de ei­ne Mau­er in Los An­ge­les er­rich­tet. Was ge­nau zwi­schen 2019 und 2049 ge­schah, ver­ra­ten drei Kurz­fil­me. Der ers­te trägt den Na­men „Ne­xus: 2036“und er­zählt von der Er­schaf­fung neu­er Re­pli­kan­ten. Die Re­gie über­nahm Lu­ke Scott, der die­ses Jahr be­reits den Kurz­film „Pro­lo­gue: Last Sup­per“für Ridley Scotts „Alien: Covenant“ um­setz­te. Vier Jah­re nach den Er­eig­nis­sen von „Blade Runner“wur­den Re­pli­kan­ten ver­bo­ten. Man mach­te sie ver­ant­wort­lich für ei­nen elek­tro­ma­gne­ti­schen Im­puls, der zu ei­nem Black­out an der ge­sam­ten West­küs­te führ­te. Doch nach mehr als ei­nem Jahr­zehnt wagt Ni­an­der Wal­lace, ge­spielt von Ja­red Le­to, ei­nen Neu­ver­such. Das Un­ter­neh­men des Wis­sen­schaft­lers hat­te Pa­ti­en­ten im Jahr 2025 mit kos­ten­lo­ser Nah­rung ver­sorgt und be­kam da­durch die Mög­lich- kei­ten zur wei­te­ren Ex­pan­si­on – auch au­ßer­halb der Er­de. Der Auf­stieg macht sich be­merk­bar. Haupt­nah­rungs­quel­le der Stadt­be­woh­ner sind in­zwi­schen Wal­la­ces Pro­duk­te, die über­all in Au­to­ma­ten ver­kauft wer­den. Sei­ne neu­en Re­pli­kan­ten, die so­ge­nann­ten Ne­xus-9 schei­nen den Be­feh­len ih­res Schöp­fers an­stands­los zu ge­hor­chen. So­gar bis zum frei­wil­li­gen Selbst­mord. Wel­che Rol­le sie in „Blade Runner 2049“spie­len wer­den, ist zwar noch un­klar, die unheimliche Stim­mung des Kurz­films lässt al­ler­dings nichts Gu­tes ver­lau­ten. Of­fi­cer Ks Auf­ga­be wird es sein, ge­gen Wal­lace zu er­mit­teln, was ihn selbst zur Ziel­schei­be wer­den lässt. Wird Deckard ihm da­bei hel­fen kön­nen, das Ge­heim­nis um die Ne­xus-9 zu lüf­ten? Die­ser Fra­ge wird sich „Blade Runner 2049“am 5. Ok­to­ber stel­len, denn dann er­scheint der Film in den deut­schen Ki­nos. Mit ei­ner Lauf­zeit von 163 Mi­nu­ten wird das Se­quel dann so­gar noch um ei­ni­ges län­ger als sein Vor­gän­ger. An der Sei­te von Gos­ling und Ford wer­den un­ter an­de­rem Ro­bin Wright („Hou­se of Cards“) als Lt. Jo­shi und Da­ve Bau­tis­ta („Guardians of the Galaxy“) als Re­pli­kant Sap­per zu se­hen sein. Für die Rol­le des Ni­an­der Wal­lace war ur­sprüng­lich Da­vid Bo­wie vor­ge­se­hen. Doch auch Jo­ker-Darstel­ler Ja­red Le­to steht die Rol­le des un­heim­li­chen Wis­sen­schaft­lers sehr gut. Das Dreh­buch der Fort­set­zung ba­siert auf dem Ent­wurf des „Blade Runner“-Dreh­buch-Au­tors Hamp­ton Fan­cher und wur­de von Micha­el Gre­en (be­kannt u. a. für „Ame­ri­can Gods“, „Lo­gan“, „Alien Covenant“) aus­ge­ar­bei­tet. Statt Van­ge­lis wag­te sich nun Jóhann Jóhanns­son mit Un­ter­stüt­zung von Hans Zim­mer und Ben­ja­min Wall­fisch an die ver­träum­ten Syn­thie-Klän­ge, die so ob­li­ga­to­risch zum Fran­chise ge­hö­ren wie auch der Ne­bel, der Re­gen und die Ne­on-Schil­der. Kann mit so ei­nem Team und solch ei­ner Be­set­zung über­haupt noch et­was schief­ge­hen? Der Film­herbst wird auf je­den Fall span­nend.

Dies­mal ist es Ryan Gos­ling als Of­fi­cer K, der den Din­gen auf den Grund ge­hen muss Stups! Der ist aber klein und nied­lich! Ob er um­fällt wenn ich ihn an­stup­se?

Wis­sen­schaft­ler mit Jo­ker-Ge­sicht: Ja­red Le­to als Wal­lace

Har­ri­son Ford klap­pert sei­ne Pa­ra­de­rol­len von einst er­neut ab, dies­mal als Rick Deckard So ein schnie­kes Ge­fährt macht sich in der Rush Hour be­stimmt or­dent­lich be­zahlt

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