Cloud und Block­chain sind nicht die letz­te Wahr­heit

In der IT wer­den stän­dig neue Pa­ra­dig­men pos­tu­liert. Das setzt IT-Ma­na­ger mit lang­fris­ti­gen, durch­dach­ten Stra­te­gi­en un­ter Druck. Ge­las­sen­heit ist ein gu­ter Rat­ge­ber.

Computerwoche - - Editorial - Herz­lich, Ihr Hein­rich Vas­ke, Edi­to­ri­al Di­rec­tor

Sie ken­nen das: Ist vom di­gi­ta­len Wan­del in der Au­to­in­dus­trie die Re­de, kom­men Fu­tu­ris­ten ins Schwär­men: In Zu­kunft wer­den nur noch au­to­no­me Elek­tro­au­tos die Stra­ßen be­völ­kern, die sich – Stich­wort: Sha­re Eco­no­my – die Men­schen frei­mü­tig tei­len. Im Ma­schi­nen- und An­la­gen­bau über­neh­men ler­nen­de Ma­schi­nen erst die Ar­beit, dann die Welt­herr­schaft. Und mit der Block­chain (sie­he Sei­te 8) rollt ein di­gi­ta­ler Tsu­na­mi auf uns zu, der al­le trans­ak­ti­ons­ba­sier­ten Ge­schäfts­mo­del­le um­wäl­zen wird. Ban­ken, Ver­si­che­run­gen, Rei­se­bü­ros – brau­chen wir nicht mehr!

Wo­her kom­men die­se Über­trei­bun­gen? Ver­mut­lich sind sie dem Kampf um Auf­merk­sam­keit ge­schul­det. Men­schen re­agie­ren auf Rei­ze, und in ei­ner Welt der In­for­ma­ti­ons- und Reiz­über­flu­tung stump­fen sie ab. Um sie zu er­rei­chen, wer­den Bot­schaf­ten hoch­ge­jazzt und auf­ge­pumpt. Wo­hin das füh­ren kann, se­hen wir ge­ra­de in den USA, wo so­gar der Prä­si­dent auf Twit­ter „al­ter­na­ti­ve Fak­ten“hin­aus­po­saunt.

Tat­säch­lich gilt aber die gu­te al­te Re­gel, dass nichts so heiß ge­ges­sen wird, wie es ge­kocht wur­de. In der IT heißt das: Nur weil Cloud Com­pu­ting im Trend liegt, lan­den nicht al­le Wor­kloads in der Pu­b­lic Cloud. Und weil Agi­le- und De­vOps-Kon­zep­te um sich grei­fen, wird das Was­ser­fall­mo­dell nicht gleich ver­schwin­den. Nicht je­de Ma­schi­ne wird künf­tig ver­netzt sein und nicht je­der Ar­beits­platz „Da­ta dri­ven“.

Neue Tech­no­lo­gi­en lö­sen die al­ten nie voll­stän­dig ab. Tat­säch­lich gibt es oft ei­ne Ko­exis­tenz aus al­ter und neu­er Welt, was aus Sicht der IT üb­ri­gens je­de Men­ge Pro­ble­me auf­wer­fen kann. Ma­chen wir uns al­so nichts vor, die Welt ist nicht schwarz oder weiß, sie ist grau – auch wenn ich Sie mit die­ser Fest­stel­lung viel­leicht nicht er­rei­che.

Hein­rich Vas­ke, Edi­to­ri­al Di­rec­tor

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