Re­vo­lu­tio­niert Sky mit Sky Q die Fern­seh­land­schaft?

An­fang Mai war es so­weit: Das lang­er­sehn­te Sky-Q-Pro­jekt star­te­te in Deutsch­land. Vie­le Nut­zer des Sky-An­ge­bo­tes hat­ten sich das be­reits lan­ge ge­wünscht. DI­GI­TAL FERN­SE­HEN hat sich Sky Q ein­mal ge­nau­er an­ge­se­hen und zeigt, was die neue Platt­form al­les bie

Digital Fernsehen - - Inhalt - RI­CAR­DO PET­ZOLD

Be­vor Sky Q ge­nutzt wer­den kann, ist ein Up­date der Emp­fangs­tech­nik nö­tig. Sky setz­te da­bei auf ei­nen ge­staf­fel­ten Roll­out des Pro­duk­tes, so­dass auf dem of­fi­zi­el­len Weg nicht al­le Nut­zer des Sky-An­ge­bo­tes gleich An­fang Mai in den Ge­nuss von Sky Q ka­men, son­dern erst im Lau­fe des Mo­nats mit­tels Hin­weis des An­bie­ters, das ent­spre­chen­de Up­da- te nun star­ten zu kön­nen. Ein ge­staf­fel­ter Roll­out ist zwei­fel­los sinn­voll, um den Kun­den den best­mög­li­chen Sup­port ge­ben zu kön­nen. Schließ­lich kommt nicht je­der auf An­hieb mit der kom­plett über­ar­bei­te­ten Be­nut­zer­ober­flä­che klar und be­nö­tigt oft­mals Hil­fe der Hot­li­ne. Wür­den meh­re­re Mil­lio­nen Boxen par­al­lel ge­up­datet, wä­re die Hot­li­ne schnell über­las­tet. Dem hat Sky vor­ge­beugt. Tech­nik­in­ter­es­sier­te Kun­den, die nicht war­ten woll­ten, fan­den schnell ei­nen Weg, auch ma­nu­ell das Up­date an­zu­sto­ßen.

Al­les neu nach dem Up­date

Nach durch­lau­fe­nem Up­date muss der Re­cei­ver neu ein­ge­rich­tet wer­den. Das be­deu­tet, die Sa­tel­li­ten­an­la­ge muss kon-

fi­gu­riert und auch das Netz­werk muss neu auf­ge­baut wer­den. Da­bei ist aus­zu­wäh­len, ob die In­ter­net­diens­te per Kabel oder WLAN auf die Box ge­lan­gen sol­len. Auf­nah­men des bis­he­ri­gen Sky Plus-Ge­räts (so war die Be­zeich­nung des Sky UHD-Re­cei­vers vor dem Q-Up­date) blei­ben aber im Ord­ner „Al­te Auf­nah­men“er­hal­ten. Et­was ent­täuscht sind wir bei der Tu­ner-Un­ter­stüt­zung: Wäh­rend bis­lang auch kom­for­ta­ble Ein­ka­bel-An­la­gen nach dem JESS Stan­dard (teil­wei­se als Unica­ble II be­kannt) un­ter­stützt wur­den, bleibt seit dem Up­date JESS au­ßen vor. Ein­zig der al­te Ein­ka­bel-Stan­dard Unica­ble wird un­ter­stützt. Dies ist lei­der ein ech­ter Rück­schritt, der hof­fent­lich bei künf­ti­gen Up­dates wie­der be­sei­tigt wird. Sky selbst prüft auf An­fra­ge von DI­GI­TAL FERN­SE­HEN ob JESS zeit­nah wie­der in­te­griert wer­den kann. Auch der vom bri­ti­schen Sky be­kann­te Acht­fach-Tu­ner (FBC-Tu­ner) wird beim deut­schen An­ge­bot noch nicht un­ter­stützt. Die Box bleibt ein Twin-Tu­ner-Emp­fän­ger, der so­mit bei Auf­nah­men doch et­was ein­ge­schränk­ter ist, als wenn acht Tu­ner zur Ver­fü­gung stün­den.

Mo­dern und über­sicht­lich

Die neue Start­sei­te der Sky Q-Box wirkt mo­dern und über­sicht­lich. Na­tür­lich ist ei­ne Um­ge­wöh­nung nö­tig. Dank ei­ner durch­dach­ten Be­nut­zer­füh­rung geht die­se bei den meis­ten Zu­schau­ern je­doch sehr schnell. Die Start­sei­te, auch als Ho­me be­zeich­net, bie­tet ei­nen Über­blick über ak­tu­el­le Fil­me, Se­ri­en und Events. Hier sind auch Sky Q-Vi­de­os zu fin­den, wel­che dem Nut­zer die neue Platt­form an­schau­lich nä­her­brin­gen sol­len.

Die Box star­tet au­to­ma­tisch im Ho­me-Be­reich, der re­dak­tio­nel­le In­hal­te, aber auch auf den Zu­schau­er und des­sen Seh­ge­wohn­hei­ten zu­ge­schnit­te­ne Emp­feh­lun­gen be­reit­hält. Zu­sätz­lich wer­den auf dem Ho­me-Bild­schirm auch al­le be­reits an­ge­fan­ge­nen, aber noch nicht zu En­de ge­schau­ten Se­ri­en ge­lis­tet. Wählt man ei­ne die­ser Se­ri­en aus, wird die­se an ex­akt der Stel­le fort­ge­setzt, an der man zu­letzt auf­ge­hört hat zu schau­en. Dies war bis­lang ein gro­ßer Kri­tik­punkt an den Sky Plus-An­ge­bo­ten: der Nut­zer wuss­te oft nicht mehr, wel­che Fol­ge er zu­letzt ge­schaut hat­te. Dies gehört bei Sky Q nun der Ver­gan­gen­heit an. Selbst auf mo­bi­len End­ge­rä­ten ist so­fort er­sicht­lich, bis wo­hin zu­letzt ge­schaut wur­de. Man kann so­gar ei­ne Se­rie am gro­ßen Bild­schirm im Wohn­zim­mer be­gin­nen und die­se zu ei­nem spä­te­ren Zeit­punkt an ge­nau der Stel­le am Ta­blet zu En­de schau­en.

Mi­ni-Bild im Ho­me­screen

Wie er­wähnt, star­tet die Box im­mer mit dem Ho­me-Bild­schirm. Al­ler­dings ist der TV-Ka­nal schon im Mi­ni-Bild oben links zu se­hen. Ein ein­fa­cher Druck auf die Zu­rück-Tas­te der Fern­be­die­nung ge­nügt, um den TV-Sen­der groß er­schei­nen zu las­sen und so­mit den Ho­me-Bild­schirm zu be­en­den. Wer die In­for­ma­ti­ons­sei­te wie­der­se­hen möch­te, drückt ein­fach die Ho­me-Tas­te (Tas­te mit dem Haus-Sym­bol un­ter­halb des Na­vi­ga­ti­ons­kreu­zes) und ge­langt auf die Über­sichts­sei­te zu­rück.

Ent­täu­schen­de Sen­der­lis­te

Et­was ent­täuscht sind wir von der Sen­der­lis­te des neu­en Sky Q. Die Kri­tik, die wir schon bei Sky Plus vor rund zwei Jah­ren äu­ßer­ten, hat wei­ter­hin Be­stand. Die Sen­der­lis­te ist sehr SD-Sen­der-las­tig. Auf Ka­nal­platz eins ist nach wie vor die ARD in Stan­dard-Qua­li­tät zu fin­den, das HD-Pro­gramm wird erst auf Ka­nal­platz 161 an­ge­zeigt. Glei­ches gilt auch für sämt­li­che wei­te­re öf­fent­lich-recht­li­che HD-Sen­der. Hier wä­re es bei dem 4K-Emp­fän­ger wün­schens­wert, auch die HD-Ver­sio­nen der frei emp­fang­ba­ren Sen­der end­lich auf die vor­de­ren Ka­nal­plät­ze zu trans­fe­rie­ren. Ak­tu­ell kann der Nut­zer nur durch an­le­gen ei­ge­ner Fa­vo­ri­ten­lis­ten bzw. Sor­tier­ar­beit auf den ers­ten 99 Ka­nal­plät­zen ge­gen­steu­ern. Sky nann­te uns auf An­fra­ge die von den Re­gie­rungs­be­hör­den vor­ge­ge­be­ne Sor­tier­funk­ti­on, will aber nach ei­ge­nen An­ga­ben prü­fen in­wie­weit die HD-Ver­sio­nen die SD-Ver­sio­nen er­set­zen kön­nen oh­ne ge­gen Re­geln zu ver­sto­ßen.

Fünf Ge­rä­te par­al­lel

Sky Q ist al­ler­dings deut­lich mehr als der UHD-Re­cei­ver. Das neue Sky be­inhal­tet auch ei­ne Un­ter­stüt­zung wei­te­rer Emp­fangs­ge­rä­te. Bis zu fünf Ge­rä­te kön­nen im Haus­halt bei Sky Q par­al­lel ge­nutzt wer­den. Dies ist zum ei­nen na­tür­lich der Re­cei­ver selbst. Wei­te­re Fa­mi­li­en­mit­glie­der kön­nen auf Ta­blet-PCs, Han­dy, dem hei­mi­schen Com­pu­ter oder mit­tels App an TV-Ge­rä­ten auf Sky Q zu­grei­fen. Für die App am TV muss al­ler­dings ein mo­der­ner

Samsung-Fern­se­her (mit Ti­zen-Be­triebs­sys­tem ab Mo­dell­jahr 2015) der neu­es­ten Ge­ne­ra­ti­on vor­han­den sein, da die App ak­tu­ell nur auf der­ar­ti­gen Ge­rä­ten in­te­griert ist. Sky will den Ser­vice aber zu­künf­tig auch Be­sit­zern an­de­rer TV-Ge­rä­te zur Ver­fü­gung stel­len.

Un­se­re Re­dak­ti­on wird die App in ei­ner der nächs­ten Aus­ga­ben ge­nau­er be­trach­ten und zei­gen, was über die­se am Zweit- oder Dritt­fern­se­her im Haus­halt mög­lich ist. Zu­sätz­lich ist die Sky Q App auch auf dem App­le TV nutz­bar.

UHD-Qua­li­tät

Bei der Bild­qua­li­tät müs­sen auch beim neu­en Sky Q ge­gen­über Sky Plus kei­ne Ab­stri­che hin­ge­nom­men wer­den. Die Box merkt ei­gen­stän­dig, ob ein UHD-TVGe­rät an­ge­schlos­sen ist und passt die Bild­schirm­auf­lö­sung dem­ent­spre­chend au­to­ma­tisch an. Da­mit hat man auch Zu­griff auf die li­nea­ren Sky-UHD-TV-Sen­der Sky Bun­des­li­ga UHD und Sky Sport UHD. Zu­dem wer­den die VoD-In­hal­te, die im 4K-Stan­dard zur Ver­fü­gung ste­hen, dann auch in die­ser Qua­li­täts­stu­fe aus­ge­ge­ben.

Neue Su­che

Ge­ne­ral­über­holt wur­de fer­ner die Such­funk­ti­on des Ge­rä­tes. Über die „Lu­pen-Tas­te“der Fern­be­die­nung wird die­se er­reicht. Da die Fern­steue­rung nur ei­ne müh­se­li­ge Text­ein­ga­be er­laubt, hat Sky re­agiert und ei­ne in­tui­ti­ve Text­ein­ga­be mit Hil­fe der Na­vi­ga­ti­ons­tas­ten in­te­griert. So­fort po­si­tiv fällt auf, dass die­se Su­che sehr um­fäng­lich über al­le deutsch­spra­chi­gen TV-Sen­der aber auch über die Sky-VOD-An­ge­bo­te sucht und al­le ent­spre­chen­den Sen­dun­gen auf­lis­tet. Bei TV-In­hal­ten die in der Zu­kunft lie­gen, kann aus der Su­che her­aus auch schnell und un­kom­pli­ziert ei­ne Auf­nah­me pro­gram­miert wer­den. Ak­tu­ell sind al­ler­dings die Me­dia­the­ken der Fremd­an­bie­ter wie ARD und ZDF in der Such­funk­ti­on noch nicht in­be­grif­fen. Das heißt aber nicht, dass die­se nicht vor­han­den wä­ren.

Me­dia­the­ken in­te­griert

Denn: Ne­ben den Sky-In­hal­ten sind auch die Ab­ruf­an­ge­bo­te der öf­fent­lich-recht­li­chen An­bie­ter ab so­fort bei Sky Q ver­füg­bar. In­ner­halb der Me­dia­the­ken kann mit Hil­fe der Sky Q-Fern­be­die­nung un­ein­ge­schränkt na­vi­giert wer­den. Die Me­dia­the­ken wer­den, über die mit drei Punk­ten ge- kenn­zeich­ne­te Op­ti­ons­tas­te er­reicht. Die In­hal­te wer­den in HD-Qua­li­tät, so­fern die­se ver­füg­bar ist, an­ge­bo­ten. UHD-In­hal­te stan­den zu un­se­rem Test­zeit­punkt in den öf­fent­lich-recht­li­chen Me­dia­the­ken nicht zur Ver­fü­gung.

App-Un­ter­stüt­zung

Ne­ben Apps für die öf­fent­lich-recht­li­chen Me­dia­the­ken hat Sky bei Sky Q auch Apps für den Sky Sto­re, das Red Bull-TV-An­ge­bot, ei­nen Er­wach­se­nen­ser­vice so­wie ei­ne Wet­ter-App in­te­griert. Das App-An­ge­bot ist er­wei­ter­bar. Es bleibt ab­zu­war­ten, ob hier vi­el­leicht auch schon bald TV NOW, 7TV oder an­de­re VoD-An­bie­ter wie Net­flix auf­tau­chen. Letzt ge­nann­ter ist in Groß­bri­tan­ni­en be­kannt­lich schon auf der Sky Q-Platt­form ver­tre­ten.

Fa­zit

Sky Q kann in den meis­ten Punk­ten über­zeu­gen. Das fri­sche De­sign wirkt sehr an­spre­chend. Die Me­nü­füh­rung ist durch­dacht und der Funk­ti­ons­um­fang wur­de deut­lich aus­ge­baut. Vie­le bis­he­ri­ge Kri­tik­punk­te, wie et­wa die Merk­funk­ti­on in­ner­halb von Se­ri­en, aber auch die Un­ter­stüt­zung von Me­dia­the­ken an­de­rer An­bie­ter sind mit Sky Q aus­ge­räumt. Klei­ne­re Män­gel stel­len wir im Test bei der Tu­ner-Un­ter­stüt­zung fest, die ge­ra­de Nut­zer mit kom­ple­xe­ren Sat-An­la­gen stö­ren könn­ten. Der Weg­fall des JESS-Unica­ble-Stan­dards gehört da­zu. Al­les in al­lem über­zeugt Sky Q al­ler­dings die Te­st­re­dak­ti­on und er­gat­tert sich die Test­no­te sehr gut.

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