War­um die klei­ne Sied­lung Al­wi­ne end­lich ver­kauft wer­den will

Die bran­den­bur­gi­sche Sied­lung Al­wi­ne war für 140 000 Eu­ro ver­stei­gert wor­den. Nun macht der Bie­ter ei­nen Rück­zie­her. Die Be­woh­ner hof­fen wei­ter auf den gro­ßen Sa­nie­rer

Donau Zeitung - - Erste Seite - Wie bit­te? Was be­deu­tet das? In­ter­view: Mar­kus Bär

Herr Ur­ba­nek, seit­dem der Ort Al­wi­ne – et­wa zwei Au­to­stun­den von Ber­lin ent­fernt – kom­plett un­ter den Ham­mer kom­men soll, ist bei Ih­nen und den rund 15 Men­schen, die in Al­wi­ne woh­nen, wohl nichts mehr wie es war. Stän­dig sind Me­di­en­ver­tre­ter bei Ih­nen un­ter­wegs – weil so­zu­sa­gen ein gan­zes Dorf samt Mie­tern ver­kauft wird. Wie geht es Ih­nen da­mit? Wie ist die Stim­mung in dem klei­nen Ort? Paul Ur­ba­nek: Die Stim­mung ist gut, wir las­sen uns hier nicht un­ter­krie­gen. We­der die an­de­ren Mie­ter, noch ich, noch mein Hund.

Wie heißt denn Ihr Hund? Ur­ba­nek: Benz.

Ur­ba­nek: Benz. Ge­nau­so wie die Au­to­mar­ke. Ge­ra­de steht üb­ri­gens drau­ßen tat­säch­lich ein ech­ter Benz mit neu­en Kauf­in­ter­es­sen­ten im Hof. Aber von de­nen weiß ich noch nicht viel. Au­ßer das Kfz-Kenn­zei­chen: SPN.

Ur­ba­nek:

Land­kreis Spree-Nei­ße.

Noch ein­mal kurz zu­rück­ge­schaut: Der bis­he­ri­ge Be­sit­zer hat das Dorf Al­wi­ne 2001 für 95000 D-Mark von der Treu­hand ge­kauft. Aber trotz des Sa­nie­rungs­be­dar­fes, ge­schätz­te zwei Mil­lio­nen Eu­ro, wur­de nichts ge­macht. Das Dorf soll völ­lig bau­fäl­lig sein. Ur­ba­nek: Das stimmt – es ist to­tal bau­fäl­lig. Und letzt­lich ist dann ja noch der Sturm hier rein­ge­fah­ren – Frie­de­ri­ke. Der hat zum Bei­spiel bei mei­ner Nach­ba­rin Eri­ka Küh­ne Pfan­nen vom Dach ge­weht. Die Dach­rin­ne wur­de kom­plett ab­ge­ris­sen. Jetzt gibt es hier in Al­wi­ne noch mehr zu tun. Ein Bie­ter hat­te bei ei­ner Auk­ti­on An­fang De­zem­ber 2017 den Ort für 140 000 Eu­ro er­stan­den. Jetzt auf ein­mal hat die­ser Käu­fer aber er­klärt, ge­sund­heit­li­che Pro­ble­me zu ha­ben und des­halb gar nicht ge­schäfts­fä­hig sei – und tritt von dem Kauf zu­rück. Klingt ir­gend­wie selt­sam. Ha­ben Sie den Käu­fer ken­nen­ge­lernt?

Ur­ba­nek: Ja, der ist hier her­um­ge­lau­fen.

Sah er krank aus?

Ur­ba­nek: Nein, über­haupt nicht. Das wa­ren üb­ri­gens zwei Leu­te. In den Me­di­en war im­mer von ei­nem Käu­fer die Re­de. Das sind wohl zwei. Aber der zwei­te sah auch nicht krank aus.

In Al­wi­ne woh­nen 15 Men­schen zur Mie­te. An­fang De­zem­ber ha­be ich Sie schon ein­mal ge­fragt, ob Sie sich nicht zu­sam­men­tun kön­nen und Al­wi­ne selbst kau­fen. Cir­ca 10000 Eu­ro für je­den. Den­ken Sie im Dorf jetzt in­zwi­schen dar­über nach?

Ur­ba­nek: Nein. Da geht nichts zu- sam­men. Au­ßer­dem ist das zu viel Geld. Schließ­lich wä­re es ja mit ei­nem Kauf nicht ge­tan. Man müss­te ja noch rich­tig viel zum Sa­nie­ren rein­ste­cken. Das geht nicht. Das will si­cher auch kei­ner hier.

Wie geht es nun wei­ter?

Ur­ba­nek: Wir hof­fen, dass end­lich je­mand Al­wi­ne kauft und sa­niert. An­sons­ten las­sen wir uns auch so den Tag nicht ver­mie­sen. Ich je­den­falls ha­be mei­nen Hu­mor bis­lang nicht ver­lo­ren.

Fo­to: Patrick Pleul, dpa

Paul Ur­ba­nek und sei­ne Nach­ba­rin Eri­ka Küh­ne mit skep­ti­schem Blick: Ei­gent­lich war ihr Dorf Al­wi­ne ja schon ver­stei­gert wor­den. Nun aber trat der Bie­ter vom Kauf zu­rück. Die Sa­nie­rung des Or­tes lässt so wei­ter auf sich war­ten.

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