Donau Zeitung

Ein Mann der kla­ren Wor­te

Chris­ti­an Streich war ent­setzt über die ers­te Halb­zeit sei­nes SC Frei­burg ge­gen Mainz. In Augs­burg for­dert er ei­ne deut­li­che Stei­ge­rung. Ei­nen gro­ßen Feh­ler gibt er un­um­wun­den zu

- VON MAR­CO SCHEINHOF Sports · Fribourg · SC Freiburg · South Carolina · FC Schalke 04 · FC Schalke 04 II · Schalke · FC Augsburg · 1. FSV Mainz 05 · Stainz · M.J.van Wissen · Sweden · Mainz · Fiat Chrysler Automobiles · Joachim Löw

Augs­burg/Frei­burg Chris­ti­an Streich zö­gert. Er denkt nach. „Soll ich das nun öf­fent­lich sa­gen“, fragt er mehr sich selbst. In ihm reift die Ent­schei­dung, dass die Öf­fent­lich­keit die­se Aus­sa­ge durch­aus ver­kraf­ten kann. Er und der SC Frei­burg oh­ne­hin. Al­so sagt der Trai­ner des Fuß­bal­lBun­des­li­gis­ten: „Ich ha­be ei­nen rich­ti­gen Feh­ler ge­macht“. Der An­fang ver­spricht Gro­ßes. Und Streich führt wei­ter aus: „Es war ein gro­ßer Feh­ler, dass ich nicht mit al­lem, was mir zur Ver­fü­gung steht, ver­sucht ha­be, Da­ni­el Ca­li­gi­uri nach Frei­burg zu ho­len.“

Streich wuss­te of­fen­bar be­reits län­ger von Ca­li­gi­uris Ge­dan­ken, den FC Schal­ke 04 im Som­mer zu ver­las­sen. Frei­burg stand zu die­sem Zeit­punkt im Früh­jahr ge­ra­de aber recht gut da in der Bun­des­li­ga, zu­dem dröhn­te in sei­nem Hin­ter­kopf die For­de­rung, mehr auf jun­ge Spie­ler zu set­zen. Das ist Ca­li­gi­uri mit sei­nen 32 Jah­ren nun nicht mehr. Ein sehr gu­ter Bun­des­li­ga­pro­fi aber sehr wohl. Streich weiß das aus den ge­mein­sa­men Jah­ren beim SC Frei­burg, bei dem Ca­li­gi­uri von 2009 bis 2013 spiel­te. Schon in der U19 der Breis­gau­er trai­nier­te Ca­li­gi­uri un­ter Streich. In die­sem Früh­jahr aber mel­de­te sich eben nicht der Sport­club bei ihm, son­dern der FC Augs­burg. Und der mach­te schließ­lich das Ren­nen. „Ich är­ge­re mich sehr über die­sen Feh­ler“, sag­te Streich noch, „nicht nur des­we­gen, weil er jetzt so gut spielt.“

Es ehrt Streich, dass er so ehr­lich mit die­ser Per­so­na­lie um­geht. Über­haupt ist der 55-Jäh­ri­ge ein Mann der kla­ren Wor­te. Die wa­ren vor al­lem nach Frei­burgs 1:3-Nie­der­la­ge ge­gen den FSV Mainz am ver­gan­ge­nen Sonn­tag nö­tig. „Die Au­f­ar­bei­tung war nicht schön“, er­klärt Streich in ei­ner Vi­deo-Pres­se­kon­fe­renz. „Es war vor al­lem de­pri­mie­rend, die ers­te Halb­zeit an­schau­en zu müs­sen“, meint der SC-Coach, „so ei­ne Halb­zeit darf nicht mehr vor­kom­men“. Er spricht da­bei von Hal­tung, was er schon zu­vor häu­fi­ger ge­tan hat­te. Meist aber in ei­nem po­si­ti­ven Kon­text. Nun aber ist es als Kri­tik an sei­ner Mann­schaft ge­meint. Das Auf­tre­ten in Hälf­te eins ge­gen Mainz hat ihn scho­ckiert. Zu­letzt sei­en „ei­ni­ge Spie­ler nicht mit al­lem, was sie ha­ben, in die Zwei­kämp­fe ge­gan­gen“, kri­ti­siert Streich. Er weiß: Ge­gen ei­ne kör­per­lich star­ke Mann­schaft wie den FCA am Sams­tag (15.30 Uhr/Sky) wird es dar­um ge­hen, da­ge­gen­zu­hal­ten. „Sonst kön­nen wir Augs­burg nicht weh­tun und sie nicht be­sie­gen“, sagt der 55-Jäh­ri­ge. Selbst­ver­trau­en fehlt dem SC, na­tür­lich. Aber „Selbst­be­wusst­sein ho­le ich mir durch Hal­tung im Zwei­kampf und tak­ti­sche Dis­zi­plin“, so der SCTrai­ner. „Es wird dar­auf an­kom­men, wie je­der ein­zel­ne Spie­ler die Auf­ga­be an­nimmt“, sagt Streich. Er for­dert Mut und Über­zeu­gung. Streich will al­so ei­ne Re­ak­ti­on se­hen. Das hat er deut­lich for­mu­liert.

An an­de­ren Stand­or­ten wä­re schon ei­ne Dis­kus­si­on um den Trai­ner be­gon­nen wor­den. Streich weiß das. Er sagt aber auch: „In Frei­burg ist es im­mer et­was ru­hi­ger.“Vor al­lem auch, weil al­le in Frei­burg wis­sen, was sie an ih­rem Trai­ner ha­ben. An ihm, der ger­ne mit dem Fahr­rad zum Trai­ning fährt und sich mit vie­len The­men au­ßer­halb des Fuß­balls be­schäf­tigt. Streich ist mei­nungs­stark und ein ger­ne ge­se­he­ner Ge­sprächs­part­ner. So hat er am Don­ners­tag auch über die Co­ro­na-Pan­de­mie und ih­re Fol­gen ge­spro­chen. „Ich wä­re ger­ne am Sonn­tag ins Kin­der­thea­ter ge­gan­gen“, er­zählt er, „das ist aber al­les ab­ge­sagt. Jetzt bleibt man halt da­heim oder geht in den Wald spa­zie­ren. Es ist aber sehr scha­de, dass man sich nicht mehr tref­fen kann.“Er weiß aber na­tür­lich um die Wich­tig­keit der Maß­nah­men.

Zu­rück­hal­ten­der ist er beim The­ma Bun­des­trai­ner. Die Dis­kus­sio­nen um die Zu­kunft von Joa­chim Löw ver­folgt er kaum. Er hat sich an­ge­wöhnt, mög­li­che Ent­las­sun­gen von Kol­le­gen nicht in sei­ne Ge­dan­ken­welt zu las­sen. Als er schließ­lich noch ge­fragt wird, ob er für sich selbst ir­gend­wann ein­mal das Amt als Bun­des­trai­ner vor­stel­len kann, stutzt er. „Ich? Als deut­scher Na­tio­nal­trai­ner? Wis­sen Sie, wie vie­le Punk­te wir ge­ra­de ha­ben in Frei­burg? Da gibt es ein paar Hun­dert an­de­re, die deut­scher Na­tio­nal­trai­ner wer­den kön­nen oder wer­den soll­ten“, sagt Streich, „Das ist, glau­be ich, der Eh­re zu viel.“Aber viel­leicht in ei­nem an­de­ren Land? In ei­nem, in dem das gan­ze Jahr über Som­mer ist? „Das brau­che ich nicht. Ich brau­che ein Früh­jahr, ei­nen hei­ßen Som­mer, ei­nen Herbst mit viel Re­gen und ei­nen Win­ter mit Schnee und Käl­te“, sagt Streich. Dann viel­leicht al­so Schwe­den? „Dort ist es auch schon zu warm, die ha­ben ja auch schon den Bor­ken­kä­fer“, sagt Streich und geht. Selbst als Bio­lo­ge hat er al­so sei­ne Qua­li­tä­ten.

 ?? Fo­to: Se­bas­ti­an Goll­now, dpa ?? Chris­ti­an Streich gibt beim SC Frei­burg schon seit vie­len Jah­ren die Rich­tung vor. Zu­letzt är­ger­te er sich je­doch mäch­tig über die 1:3‰Nie­der­la­ge ge­gen Mainz. Nun hofft er auf ei­ne Wie­der­gut­ma­chung am Sams­tag beim FC Augs­burg.
Fo­to: Se­bas­ti­an Goll­now, dpa Chris­ti­an Streich gibt beim SC Frei­burg schon seit vie­len Jah­ren die Rich­tung vor. Zu­letzt är­ger­te er sich je­doch mäch­tig über die 1:3‰Nie­der­la­ge ge­gen Mainz. Nun hofft er auf ei­ne Wie­der­gut­ma­chung am Sams­tag beim FC Augs­burg.

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