Donau Zeitung

Ar­ri­ve­der­ci Ver­bren­ner

Der Fi­at 500 hat­te schon im­mer die Ex­tra­por­ti­on Charme. Im neu­en Mo­dell fin­det man sie vor al­lem un­ter der Mo­tor­hau­be: Dort säu­selt ein Elek­tro­mo­tor. So­gar in der Reich­wei­te ist der Klei­ne ganz groß

- VON RU­DOLF BÖGEL Cars · Auch · Fiat 500 · Fiat · Giacomo Casanova · Turin · Italy · Dwarf · Star Wars · Nino Rota

Que bel­lo! Wie schön! Auch die neue Ge­ne­ra­ti­on des Fi­at 500 hat Ero­be­rer-Qua­li­tä­ten. Der klei­ne Ca­s­a­no­va aus Tu­rin wur­de zwar äu­ßer­lich nur mit leich­ten Fe­der­stri­chen über­ar­bei­tet. Der ei­gent­li­che Charme steckt un­ter der Mo­tor­hau­be: Ar­ri­ve­der­ci Ver­bren­ner, ciao Elek­tro­mo­tor! Nach der Test­fahrt sind wir hin­ge­ris­sen: Das flot­te 118-PS-Flüs­ter-Trieb­werk ist an sich schon über­zeu­gend. Die mehr als 300 Ki­lo­me­ter gro­ße Reich­wei­te rückt den Klein­wa­gen je­doch ganz nah an die All­tags­taug­lich­keit.

Aus­se­hen ist in Ita­li­en min­des­tens so wich­tig wie die in­ne­ren Wer­te. Der neue Cin­que­cen­to sieht aus wie der al­te. Nur fei­ner. So wur­den die Front­schein­wer­fer ge­teilt, der obe­re Licht­bo­gen sitzt jetzt wie ei­ne Au­gen­braue auf der Mo­tor­hau­be. Der 500er-Schrift­zug prangt mit­ten im Küh­ler­grill und die hin­te­ren Heck­leuch­ten for­men ein E für Elek­tro. Im In­ne­ren hat der Zwerg aus Tu­rin zu­ge­legt: In der Län­ge und Brei­te um rund sechs, in der Hö­he um drei Zen­ti­me­ter. Das In­te­ri­eur ist sty­lisch und in­di­vi­du­ell ge­stalt­bar. Hie und da fin­den sich op­ti­sche Gim­micks. Zum Bei­spiel die im Han­dy­fach ein­ge­stanz­te Sil­hou­et­te von

Man könn­te ihn auf ei­nem Ti­ra­mi­su‰Tel­ler wen­den

Tu­rin – der Ge­burts­stadt des Cin­que­cen­to.

Und so fährt sich der schi­cke Li­fe­sty­ler: Der 500er ist so wen­dig – der könn­te fast auf ei­nem Ti­ra­mi­suTel­ler um­dre­hen. 9,7 Me­ter sind es tat­säch­lich. Da­mit ist der Wa­gen gut ge­rüs­tet für die Ci­ty. Das Fahr­werk ist kom­for­ta­bel – aber ei­nen Tick zu schwam­mig. Bei schlech­ten We­gen fühlt man sich wie auf ho­her See bei star­kem Wel­len­gang. Mun­ter re­agiert hin­ge­gen die E-Ma­schi­ne, die in drei Se­kun­den Tem­po 50 er­reicht und da­mit den Fah­rer in der Stadt zum Am­pel­kö­nig macht.

Den for­schen Druck aufs Strom­pe­dal muss man im Ge­gen­satz zum Ver­bren­ner nicht beim Ver­brauch bü­ßen. Denn beim Brem­sen holt sich der 500er Ener­gie zu­rück. Vor al­lem beim One-Pe­dal-Dri­ving. Auf der höchs­ten Re­ku­pe­ra­ti­ons­stu­fe ver­zö­gert der Mo­tor so stark, dass man kaum mehr brem­sen muss. Da­mit öff­nen sich neue Fahr­spaß-Di­men­sio­nen, die bis­lang nur Haus­meis­tern auf Auf­sitz-Ra­sen­mä­hern vor­be­hal­ten wa­ren. Das Bes­te: Dank Ener­gie­rück­ge­win­nung er­höht sich die städ­ti­sche Reich­wei­te von 300 auf 400 Ki­lo­me­ter. Da­mit dürf­ten die meis­ten Men­schen ei­ne Wo­che oh­ne Steck­do­se schaf­fen.

Kaum all­tags­taug­lich ist das La­den. Über den Haus­halts­an­schluss dau­ert es bei lee­rem Ak­ku über 15 St­un­den. An ei­ner Wall­box geht es schnel­ler. Mit bis zu 11 kW ist die Bat­te­rie in rund vier St­un­den wie­der voll. Aber Vor­sicht! We­gen der Schief­last-Ver­ord­nung ste­hen im trau­ten Heim kaum mehr als 4,6 kW zur Ver­fü­gung. Das heißt, der 42-kW-Ak­ku mel­det erst in knapp über 10 St­un­den vol­le Zel­len. Mit ei­nem 85-kW-Schnell­la­der ist der Fi­at in 35 Mi­nu­ten bis zu 80 Pro­zent ge­füllt. An­ders ge­sagt: Der 500er „tankt“in fünf Mi­nu­ten 50 Ki­lo­me­ter Reich­wei­te. So lan­ge, wie man an der Bar für ei­nen gu­ten Es­pres­so braucht.

Bei den Ka­ros­se­rie­va­ri­an­ten kann der Kun­de das neue 3+1-Mo­dell wäh­len. Auf der Bei­fah­rer­sei­te gibt es ei­ne Zu­satz­tür, die sich wie beim Ur-500er an­no 1957 nach hin­ten öff­net. Durch die feh­len­de Trenn­säu­le lässt sich die hin­te­re Sitz­rei­he leich­ter nüt­zen. Mit der Mon­ta­ge ei­deut­schen nes Kin­der­sit­zes et­wa oder zum Ver­stau­en der Wo­che­n­end­ein­käu­fe. Die­ses Ex­tra kos­tet ex­tra – ge­nau 2000 Eu­ro.

Die Ent­de­ckung der Stil­le ist bei ei­nem Elek­tro­au­to ei­ne ver­blüf­fen­de Er­fah­rung. Nur Wind- und Roll­ge­räu­sche. Mit ei­ner Aus­nah­me. Bis Tem­po 20 lässt der Fi­at 500 von sich hö­ren. Muss er auch, da­mit Fuß­gän­ger den klei­nen Ita­lie­ner nicht über­se­hen. Wäh­rend bei an­de­ren der künst­li­che Elek­tro-Sound zwi­schen Star Wars und Aven­gers an­ge­sie­delt ist, heißt es bei den Tu­ri­nern: Spiel mir das Lied vom Os­car-Preis­trä­ger. Die Me­lo­die stammt näm­lich vom Film-Kom­po­nis­ten Ni­no Ro­ta („Der Pa­te“) und klingt wie das Hap­py-End ei­nes Lie­bes­films. Das passt zum neu­en Fi­at 500 – der soll ein Au­to zum Ver­lie­ben sein.

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Fo­tos: FCA Sty­lisch, wen­dig, sau­ber: So ist man heu­te in der Ci­ty un­ter­wegs. In ei­nem Au­to wie dem Fi­at 500 kann der Elek­tro­mo­tor sei­ne Stär­ken aus­spie­len. Und auf das Aus­se­hen kommt es na­tür­lich auch an.
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Raf­fi­niert: ei­ne drit­te ge­gen­läu­fig öff‰ nen­de Tü­re – aber nur ei­ne.
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Am Schnell­la­der ist der Fi­at 500 in nur 35 Mi­nu­ten wie­der voll.
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Das In­te­ri­eur des neu­en Fi­at 500 bie­tet mehr Platz und mehr Schick.

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