Donau Zeitung

Von Kat­zen, Brän­den und Par­tys

Drei Ur­tei­le zei­gen bei­spiel­haft, wor­auf Mie­ter und Ver­mie­ter al­les ach­ten müs­sen. Manch­mal ist das gar nicht so ein­fach

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● Ur­teil 1: Kat­zen­netz am Bal­kon

Kat­zen le­ben in Groß­städ­ten ge­fähr­lich. Vor al­lem der Stra­ßen­ver­kehr ist für Haus­kat­zen ris­kant. Gut, wenn sie we­nigs­tens auf dem Bal­kon fri­sche Luft schnap­pen kön­nen. Man­chem Tier­hal­ter ist das aber zu ris­kant. Schließ­lich reicht ein Sprung und die Kat­ze ist auf der Stra­ße. Die Lö­sung: Kat­zen­net­ze am Bal­kon.

Ei­ne sol­che Si­che­rungs­maß­nah­me dür­fen Ver­mie­ter auch nicht ein­fach ver­bie­ten, be­fand das Amts­ge­richt Ber­lin Tem­pel­hof-Schö­ne­berg (Az.: 18 C 336/19), wie die Zeit­schrift „Das Grund­ei­gen­tum“(Nr. 20/2020) des Ei­gen­tü­mer­ver­ban­des Haus & Grund Ber­lin be­rich­tet. Zu­min­dest nicht, wenn das Hal­ten von Kat­zen laut Miet­ver­trag er­laubt ist.

In dem ver­han­del­ten Fall hat­te ei­ne Mie­te­rin ein ent­spre­chen­des Netz an ih­rem Bal­kon für ih­re Kat­ze an­ge­bracht. Die Hal­tung von Kat­zen war laut Miet­ver­trag er­laubt. Die Ver­mie­te­rin woll­te aber, dass der Schutz am Bal­kon wie­der ab­mon­tiert wird, weil sie die ent­spre­chen­de Zu­stim­mung nicht er­teilt ha­be. Vor Ge­richt konn­te die Ver­mie­te­rin sich nicht durch­set­zen: Das Amts­ge­richt gab der Kla­ge auf Zu­stim­mung zur An­brin­gung statt.

Be­grün­dung: Das Hal­ten von Kat­zen sei laut Miet­ver­trag ge­ne­rell ge­stat­tet. Da­her ge­hö­re auch ein Kat­zen­netz, das es dem Tier er­mög­li­che, an die fri­sche Luft zu ge­lan­gen, oh­ne Nach­barn zu stö­ren und Sing­vö­gel zu ja­gen, zum be­stim­mungs­ge­mä­ßen Ge­brauch.

Das gel­te hier auch des­halb, weil das Netz oh­ne Ein­griff in die Bau­sub­stanz an­ge­bracht wer­den soll. Au­ßer­dem sei­en Kat­zen­net­ze an elf wei­te­ren Balkonen des Hau­ses vor­han­den. Dass die­se Net­ze oh­ne Zu­stim­mung an­ge­bracht wur­den, än­de­re dar­an nichts, denn die Ver­mie­te­rin ha­be die Net­ze über ei­nen län­ge­ren Zei­t­raum ge­dul­det. tmn

● Ur­teil 2: Kün­di­gung we­gen Brand­scha­den

Wird ei­ne Woh­nung durch ei­nen Brand zer­stört, be­en­det das un­ter Um­stän­den auch das Miet­ver­hält­nis. Denn ei­nem Ver­mie­ter ist nicht oh­ne Wei­te­res zu­zu­mu­ten, ei­ne voll­stän­dig zer­stör­te Miet­sa­che wie­der auf­zu­bau­en, be­fand das Land­ge­richt Ber­lin (Az.: 63 S 189/18). Das sei nur bei ei­ner er­heb­li­chen Be­schä­di­gung der Fall. Durch die Zer­stö­rung kann der Ver­mie­ter viel­mehr frei wer­den von sei­ner Pflicht zur Über­las­sung der Woh­nung, wie die Zeit­schrift „Das Grund­ei­gen­tum“(Nr. 21/2020) des Ei­gen­tü­mer­ver­ban­des Haus & Grund Ber­lin be­rich­tet. Für den Mie­ter ent­fällt gleich­zei­tig auch die Pflicht, Mie­te zu zah­len.

In dem ver­han­del­ten Fall war die Woh­nung im 3. Stock ei­nes Mehr­fa­mi­li­en­hau­ses in­fol­ge ei­nes Dach­stuhl­bran­des un­be­wohn­bar ge­wor­den. Sämt­li­che nicht tra­gen­den Wän­de im Haus mit Aus­nah­me der Au­ßen­wän­de und Tei­le der De­cken muss­ten nach dem Brand ent­fernt wer­den. Das Haus wur­de dann sa­niert und Woh­nun­gen mit ei­nem an­de­ren Grund­riss wie­der auf­ge­baut und an Drit­te ver­mie­tet.

Die ehe­ma­li­gen Mie­ter klag­ten auf Fort­be­stand des Miet­ver­hält­nis­ses. Oh­ne Er­folg: Das Miet­ver­häl­tDie nis sei durch den Brand be­en­det wor­den, oh­ne dass es da­für ei­ner be­son­de­ren Kün­di­gung be­dür­fe, ent­schie­den die Rich­ter. Denn die Leis­tung sei in die­sem Fall we­gen Un­mög­lich­keit aus­ge­schlos­sen. Da­her tref­fe den Ver­mie­ter auch kei­ne Pflicht zum Wie­der­auf­bau, denn er sei von sei­ner Pflicht der Ge­brauchs­über­las­sung frei. Maß­geb­lich für die Be­wer­tung ist die Fra­ge, ob die Be­schä­di­gung der Miet­sa­che wirt­schaft­lich ei­ner voll­stän­di­gen Zer­stö­rung gleich­kom­me, was hier der Fall sei. tmn

● Ur­teil 3: Ei­ne wil­de Par­ty zu viel

Die Co­ro­na-Pan­de­mie macht aus­ge­las­se­ne Par­tys zwar ge­ra­de schwie­rig. Aber das wird ver­mut­lich nicht im­mer so blei­ben. Wer al­so dem­nächst mit Freun­den zu Hau­se fei­ern will, soll­te da­bei auch an sei­ne Nach­barn den­ken. Denn zu vie­le zu wil­de Par­tys kön­nen am En­de zur Kün­di­gung füh­ren, wie ein Ur­teil des Amts­ge­richts Ham­bur­gWands­bek zeigt (Az.: 713 C 1270/18), auf das die Ar­beits­ge­mein­schaft Miet­recht und Im­mo­bi­li­en vom Deut­schen An­walts­ver­ein(DAV) hin­weist.

Der Fall: Der Mie­ter fei­er­te re­gel­mä­ßig in sei­ner Woh­nung, wo­bei die Par­tys nicht nur durch er­heb­li­chen Lärm und lau­te Mu­sik auf­fie­len, es kam auch wie­der­holt zu Po­li­zei­ein­sät­zen. Zu­letzt wur­den Ge­gen­stän­de vom Bal­kon ge­schmis­sen, hier­un­ter ein Wä­sche­stän­der und meh­re­re Stüh­le. Der Ver­mie­ter kün­dig­te das Miet­ver­hält­nis mehr­mals frist­los, hilfs­wei­se aber auch frist­ge­recht. Er war der An­sicht, dass das Ver­hal­ten des Mie­ters zu weit ge­he und die Ge­fähr­dung Drit­ter ei­nen er­heb­li­chen Ver­stoß ge­gen die Mie­ter­pflich­ten dar­stel­le. Das Ur­teil: Das Ge­richt ver­ur­teil­te den Mie­ter, die Woh­nung zu räu­men. Auch wenn die Ver­stö­ße dem Mie­ter nicht ein­deu­tig zu­ge­ord­net wer­den konn­ten, da er sich im Kran­ken­haus be­fand und ei­nem Be­kann­ten sei­nen Schlüs­sel über­las­sen hat­te, füh­re die Viel­zahl der Ver­stö­ße da­zu, dass die Kün­di­gung wirk­sam sei. Grund­sätz­lich ste­he es zwar je­dem Mie­ter frei, in sei­ner Woh­nung zu fei­ern und Gäs­te zu emp­fan­gen. Die­ses Recht en­de aber, wenn er sei­ne Mit­be­woh­ner über die Ge­bühr stra­pa­ziert. Das Ver­hal­ten des Mie­ters ha­be ge­zeigt, dass, wenn er in Fei­er­lau­ne ist, er auch zu­künf­tig nicht das Recht der üb­ri­gen Haus­be­woh­ner, in Ru­he ge­las­sen zu wer­den, re­spek­tie­ren wird. tmn

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Fo­to: Ju­li­an Stra­ten­schul­te, tmn Zer­stört ein Feu­er ei­ne Woh­nung kom‰ plett, kann das Fol­gen für den Miet­ver‰ trag ha­ben.
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Fo­to: Fran­zis­ka Gab­bert, tmn Net­ze be­wah­ren Kat­zen vor dem Sprung vom Bal­kon. Ver­mie­ter dür­fen die­se nicht ein­fach ver­bie­ten.
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Fo­to: Da­ni­el Mau­rer, tmn Fei­ern nach Co­ro­na? Ja, aber in Ma­ßen – sonst ris­kiert man den Miet­ver­trag.

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