Die Bi­schö­fe ma­chen ei­nen klei­nen Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung

Leit­ar­ti­kel Wie­der­ver­hei­ra­te­te Ge­schie­de­ne dür­fen im Ein­zel­fall zu Kom­mu­ni­on und Beich­te. War­um das kei­ne Re­vo­lu­ti­on ist. Aber ei­ne Öff­nung, die hof­fen lässt

Donauwoerther Zeitung - - Meinung & Dialog - VON DA­NI­EL WIR­SCHING wi­da@augs­bur­ger all­ge­mei­ne.de

Mehr als neun Mo­na­te ha­ben die deut­schen Bi­schö­fe ge­braucht, um sich hin­ter den Papst zu stel­len. Der hat ih­nen im April in sei­nem Schrei­ben „Amo­ris lae­ti­tia“den Weg ge­wie­sen. In in­ter­pre­ta­ti­ons­be­dürf­ti­gen An­deu­tun­gen zwar, aber im­mer­hin. Was folg­te, war ein er­bit­ter­tes in­ner­kirch­li­ches Rin­gen um den Um­gang mit ge­schie­de­nen und wie­der­ver­hei­ra­te­ten Ka­tho­li­ken. Kar­di­nä­le grif­fen Fran­zis­kus öf­fent­lich scharf an, kon­ser­va­ti­ve Bi­schö­fe ha­der­ten mit dem Stell­ver­tre­ter Chris­ti auf Er­den.

Die ka­tho­li­sche Kir­che kreis­te wie­der ein­mal um sich – und hin­ter­ließ wie­der ein­mal ein fa­ta­les Bild in der Öf­fent­lich­keit. Sie wirk­te zer­strit­ten und un­barm­her­zig. War Fran­zis­kus nicht an­ge­tre­ten, das zu än­dern? Ver­wen­det er nicht fast täg­lich das Wort „Barm­her­zig­keit“? Be­tont er nicht, wie wich­tig die Seel­sor­ge sei, ge­ra­de mit Blick auf die Zu­kunft der kri­sen­ge­schüt­tel­ten In­sti­tu­ti­on Kir­che? So dach­ten un­ge­zähl­te Gläu­bi­ge mit zu­neh­men­der Ent­täu­schung. Sie setz­ten, und vie­le tun es noch, gro­ße Hoff­nun­gen in ihn. Wer, wenn nicht er, kön­ne die Kir­che re­for­mie­ren?

Nun al­so ist in Deutsch­land et­was von Fran­zis­kus’ Re­form­geist an­ge­kom­men. Auch die deut­schen Bi­schö­fe öff­nen sich Wie­der­ver­hei­ra­te­ten. Ein biss­chen zu­min­dest.

Wie­der­ver­hei­ra­te­te wer­den nicht mehr grund­sätz­lich vom Sa­kra­men­ten-Emp­fang aus­ge­schlos­sen, sie dür­fen im Ein­zel­fall und nach ei­nem „Pro­zess der Ent­schei­dungs­fin­dung“, den ein Seel­sor­ger be­glei­ten soll, Kom­mu­ni­on und Beich­te emp­fan­gen.

Es ist ein über­fäl­li­ger Re­form­schritt, ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung. Kei­ne Re­vo­lu­ti­on, eher ein Re­vo­lu­ti­ön­chen. Denn das muss man schon an­er­ken­nen: Vor we­ni­gen Jah­ren wä­re er un­denk­bar ge­we­sen. Dass sich et­was be­wegt, ist gut. Es zeugt von der in­zwi­schen of­fen­sicht­lich auch un­ter ho­hen kirch­li­chen Amts- und Wür­den­trä­gern vor­han­de­nen Ein­sicht, dass die Kir­che nicht aus­gren­zen darf. Dass sie die Nö­te der Men­schen ernst neh­men und sie be­glei­ten muss, an­statt über sie zu ur­tei­len.

Das Pro­blem ist: Selbst die­ser zag­haf­te Ver­such ei­ner Re­form, ver­liert sich noch im Un­ge­fäh­ren und bleibt da­mit bis auf Wei­te­res ein fra­gi­les Ge­bil­de. Das hat sei­nen Grund in dem vie­les of­fen­las­sen­den Schrei­ben Fran­zis­kus’, das die deut­schen Bi­schö­fe in ih­rer Stel­lung­nah­me eben­so va­ge auf­grei­fen.

Dass kon­kre­te Aus­sa­gen zum Um­gang mit wie­der­ver­hei­ra­te­ten Ge­schie­de­nen in ihr feh­len, ist ent­täu­schend. Vie­les, heißt es, wer­de „in den kon­kre­ten pas­to­ra­len Si­tua­tio­nen ent­wi­ckelt wer­den müs­sen“. Das schafft nicht ge­ra­de Zu­trau­en in die Re­form­fä­hig­keit der ka­tho­li­schen Kir­che, die sich oh­ne­hin schwer­tut, mit ei­ner Stim­me zu spre­chen. Es lässt aber hof­fen.

So­wohl im Papst-Schrei­ben als auch in der Stel­lung­nah­me der deut­schen Bi­schö­fe geht es ja um wei­t­aus mehr als um Wie­der­ver­hei­ra­te­te. Es geht um die „Stär­kung der Fa­mi­lie“, um die in­ten­si­ve­re Be­glei­tung von Ehe­leu­ten und sol­chen, die es wer­den wol­len. Letzt­lich geht es um ei­ne bes­se­re Be­zie­hung zwi­schen Kir­che und Kir­chen­mit­glie­dern.

Der Um­gang der Kir­che mit Wie­der­ver­hei­ra­te­ten je­doch ist zum Grad­mes­ser ih­rer Re­form­fä­hig­keit ge­wor­den. Weil es hier um Grund­sätz­li­ches geht: Wie lässt sich die Leh­re von der Un­auf­lös­lich­keit der Ehe mit ei­ner den Men­schen zu­ge­wandt(er)en Kir­che in Ein­klang brin­gen? Das ei­ne ge­gen das an­de­re aus­zu­spie­len, führt nicht wei­ter.

Die Kir­che öff­net sich Wie­der­ver­hei­ra­te­ten – was dar­aus wird, ent­schei­det sich jetzt in der Pra­xis. Es liegt nun an den Orts­kir­chen, den Bi­schö­fen, den Pfar­rern. Fran­zis­kus will ih­nen mehr Ent­schei­dungs­spiel­räu­me ein­räu­men. Sie ha­ben sie nun in die­sem Fal­le.

Was dar­aus wird, ent­schei­det sich jetzt in der Pra­xis

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