Kampf der Su­per­kü­he

Land­wirt­schaft Seit Jahr­zehn­ten do­mi­niert das nord­deut­sche Hol­stein-Rind den Welt­markt für Milch­kü­he. Doch es gibt Kon­kur­renz: Im schar­fen Wett­be­werb um den Ex­port holt das süd­deut­sche Fleck­vieh auf

Donauwoerther Zeitung - - Wirtschaft -

Mün­chen In Deutsch­lands Kuh­stäl­len tobt ein ver­bor­ge­ner Kon­kur­renz­kampf: Seit Jahr­zehn­ten be­herrscht das in Nord­deutsch­land ver­brei­te­te Hol­stein-Rind den Welt­markt für Milch­kü­he. Doch die Züch­ter in Süd­deutsch­land und Ös­ter­reich ho­len auf: Das im Sü­den ver­brei­te­te Fleck­vieh hat sich zum in­ter­na­tio­na­len Wett­be­wer­ber der Hol­steins ent­wi­ckelt.

Die Haupt­for­men der zwei Rin­der­ras­sen sind leicht zu un­ter­schei­den: Die schwarz-wei­ße Hol­steinKuh – im Fach­jar­gon schwarz-bunt – kennt je­des Kind. Es gibt aber auch ei­ne rot-bun­te Au­s­prä­gung. „Auf je­den Fall ist die Hol­stein­ras­se die häu­figst vor­kom­men­de Milch­viehras­se der Welt und wird in prak­tisch al­len Län­dern zur Milch­pro­duk­ti­on ge­nutzt“, sagt Jür­gen Moh­ren­s­te­cher vom Deut­schen Hol­stein-Ver­band. Kei­ne an­de­re Rin­der­ras­se gibt mehr Milch. Der Durch­schnitt liegt der­zeit bei knapp 9000 Li­tern im Jahr.

Die in der Re­gel hell­braun ge­fleck­te Fleck­vieh­kuh gibt im Schnitt über 1000 Li­ter we­ni­ger Milch im Jahr als ei­ne Hol­stein. Doch an­ders als die für die Milch­pro­duk­ti­on ge- züch­te­ten Hol­steins ist das Fleck­vieh ei­ne „Zwei­nut­zungs­ras­se“für Milch und Fleisch. „Der Schlacht­er­lös für Fleck­vieh­fleisch ist we­sent­lich hö­her“, sagt Franz Ga­s­tei­ger, Zucht­lei­ter beim Zucht­ver­band für ober­baye­ri­sches Al­pen­fleck­vieh in Mies­bach.

2015 wur­den nach Zah­len des Deut­schen Hol­steins-Ver­bands in Bonn über 80 000 Hol­stein-Rin­der aus Deutsch­land ex­por­tiert. Vom Fleck­vieh da­ge­gen gin­gen nur knapp 14 000 Tie­re ins Aus­land. Doch der ech­te Ex­port­schla­ger sind die Rin­der­sa­men – und da liegt in­zwi­schen das Fleck­vieh in Füh­rung. Chi­na et­wa er­laubt nur Sper­ma-Im­por­te, kei­ne Le­bend­ein­fuhr. So wur­den 2015 nach den Zah­len der Ar­beits­ge­mein­schaft deut­scher Rin­der­züch­ter (ADR) 4,8 Mil­lio­nen Por­tio­nen Rin­der­sa­men ins Aus­land ver­kauft, der Fleck­vieh-An­teil lag mit 48 Pro­zent vor den Hol­steinRin­dern mit 42 Pro­zent.

Die süd­deut­schen Fleck­viehFach­leu­te hal­ten ih­re Tie­re für über­le­gen, was die Nord­deut­schen be­strei­ten. „Ins Ex­trem ge­züch­te­te Hol­stein-Rin­der be­ste­hen ei­gent­lich nur noch aus Haut und Kno­chen, im Krank­heits­fall feh­len den Tie­ren die Re­ser­ven“, sagt Putz.

Die Fleck­vieh-Züch­ter ha­ben in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten den Rück­stand in der Milch­leis­tung stark ver­klei­nert und sind da­mit kon­kur­renz­fä­hig ge­wor­den. Im Jahr 1952 gab ei­ne baye­ri­sche Milch­kuh im Schnitt 1800 Li­ter Milch im Jahr, ei­ne schles­wig-hol­stei­ni­sche mit 3600 Li­ter fast dop­pelt so viel, wie dem Sta­tis­ti­schen Jahr­buch 1953 zu ent­neh­men ist.

Die jähr­li­che Er­hö­hung der Milch­pro­duk­ti­on pro Kuh ist ei­ne eher we­nig be­ach­te­te Spit­zen­leis­tung der deut­schen Wirt­schaft. Al­lein in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren ist die „Le­bens­leis­tung“– die Men­ge Milch, die ei­ne Kuh bis zur Schlach­tung gibt – so­wohl bei Hol­steins als auch bei Fleck­vieh um et­wa 4000 Li­ter ge­stie­gen. Bei den schwä­bi­schen Schwarz- und Rot­bunt­züch­tern klet­tert die Leis­tung pro Jahr und Kuh um rund 250 Ki­lo­gramm Milch nach oben. 10000 Li­ter sind dem­nach – zu­min­dest in Schwa­ben – mitt­ler­wei­le Stan­dard.

Un­ge­ach­tet der Ex­port­er­fol­ge ist die Zucht auf im­mer hö­he­re Leis­tung um­strit­ten. Ein wis­sen­schaft­li­ches Gut­ach­ten für die EU-Be­hör­de für Nah­rungs­mit­tel­si­cher­heit emp­fahl 2009 ei­ne Än­de­rung der Zucht­kri­te­ri­en: „Lang­fris­ti­ge ge­ne­ti­sche Se­lek­ti­on für ho­he Milch­leis­tung ist der Haupt­fak­tor für nied­ri­ges Tier­wohl bei Milch­kü­hen“, hieß es da­rin. Die Züch­ter aber er­war­ten, dass die Milch­leis­tung auch künf­tig steigt – „viel­leicht nicht mehr ganz so schnell wie in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten“, wie Zucht­lei­ter Ga­s­tei­ger sagt.

Fo­tos: Fri­so Gentsch, Ralf Hirsch­ber­ger, dpa

Das schwarz wei­ße Hol­stein Rind (links) kennt je­des Kind. Lan­ge Zeit be­herrsch­ten die Tie­re aus Nord­deutsch­land auch den Welt markt für Milch­kü­he. Aber das Fleck­vieh aus Süd­deutsch­land hat auf­ge­holt.

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