Die Leich­tig­keit des Seins

Ski­flie­gen Andre­as Wel­lin­ger will beim Welt­cup in Oberst­dorf sei­ne gu­te Form be­stä­ti­gen

Donauwoerther Zeitung - - Sport - VON STE­PHAN SCHÖTTL

Oberst­dorf Da war er wie­der, der strah­len­de, der läs­si­ge Andre­as Wel­lin­ger. Nach dem zwei­ten Welt­cup-Sieg sei­ner Kar­rie­re vor ei­ner Wo­che in Wil­lin­gen stand der 21-Jäh­ri­ge im Ziel­raum, reck­te die Hän­de nach oben und hat­te die­ses ju­gend­lich-fre­che Grin­sen im Ge­sicht, mit dem er vor vier Jah­ren bei sei­ner Pre­mie­re im Kreis der Bes­ten als Te­enager die Her­zen der (meist weib­li­chen) Ski­sprung­fans er­ober­te.

Wel­lin­ger war ge­ra­de ein­mal 17, als er zu sei­nem ers­ten Welt­cup­Ein­satz kam, im glei­chen Jahr folg­ten die ers­ten Po­dest­plät­ze, 2014 in Wisła/Po­len der ers­te ganz gro­ße Sieg und Olym­pia-Gold mit dem Team in Sot­schi. Wel­lin­ger wur­de als rie­si­ges Ta­lent ge­fei­ert. Als ei­ner, der recht bald in die Fuß­stap­fen ei­nes Aus­nah­me­sprin­gers wie Mar­tin Sch­mitt tre­ten wür­de. Die Ski­sprung­welt lag ihm zu Fü­ßen. Auch we­gen sei­nes son­ni­gen Ge­müts. Es schien, als wür­de Wel­lin­ger die Leich­tig­keit des Seins rei­chen, um weit zu sprin­gen. Bis zum 29. No­vem­ber 2014. Dem Tag, an dem die­se Leich­tig­keit von ei­ner Se­kun­de auf die an­de­re ab­han­den­ge­kom­men war.

Er stürz­te im fin­ni­schen Kuu­sa­mo schwer, über­schlug sich in der Luft und knall­te mit dem Rü­cken auf den Bo­den. Die Schul­ter war arg lä­diert. Es folg­ten Ope­ra­ti­on, Re­ha und ei­ne lan­ge sport­li­che Durst­stre­cke. Drei Jah­re muss­te Wel­lin­ger um je­den Me­ter hart kämp­fen, drei Jah­re sprang er zum Teil weit hin­ter­her. In den ver­gan­ge­nen Wo­chen ist der 21-Jäh­ri­ge im­mer bes­ser in Schuss ge­kom­men und springt mitt­ler­wei­le wie­der auf ei­nem ho­hen Ni­veau. Sei­ne Welt­cup-Er­geb­nis­se im Ja­nu­ar un­ter­mau­ern das: Vier Wett­be­wer­be hat Wel­lin­ger be­strit­ten, drei­mal stand er auf dem Po­dest. „Ich ha­be auf der Schan­ze ein ex­trem gu­tes Ge­fühl. Man merkt, dass es kon­stant nach vor­ne geht“, meint Wel­lin­ger. Das Selbst­ver­trau­en könn­te der­zeit nicht grö­ßer sein.

Und eben ge­nau sol­ches Selbst­ver­trau­en braucht es auch, um am Wo­che­n­en­de beim Ski­flie­gen in Oberst­dorf (Sams­tag ab 16 Uhr, Sonn­tag ab 15 Uhr) die gu­te Form be­stä­ti­gen zu kön­nen. Auch wenn Wel­lin­ger ei­gent­lich nicht zu den Über­flie­gern un­ter den Sprin­gern zählt. Sei­ne per­sön­li­che Best­wei­te lag bis ges­tern Abend bei 218 Me­tern, weit ent­fernt von den 251,5 Me­tern, die der Nor­we­ger An­ders Fan­ne­mel bei sei­nem Welt­re­kord ge­flo­gen ist. Wel­lin­ger hat­te sich vor­ge­nom­men, sei­ne Best­mar­ke in Oberst­dorf un­be­dingt zu ver­bes­sern. „In der ak­tu­el­len Form und mit dem Flug­sys­tem, das ich ge­ra­de ha­be, kann ich auch beim Ski­flie­gen ei­nen Ent­wick­lungs­schritt ma­chen. Ich freue mich drauf“, sagt der Ober­bay­er.

Er hat es auf der um­ge­bau­ten Schan­ze im All­gäu schon mit ei­nem der ers­ten Ver­su­che ge­schafft: In der Qua­li­fi­ka­ti­on kam er auf 219 Me­ter. Per­sön­li­cher Re­kord! Und es war zu­dem die zweit­größ­te Wei­te des Ta­ges – nur zwei Me­ter we­ni­ger als Qua­li-Sie­ger Peter Pre­vc.

Fo­to: afp

Andre­as Wel­lin­ger Welt­spit­ze. ist zu­rück in der

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