Do­nald Trump ist ein ge­fähr­li­cher Mann

Leit­ar­ti­kel Der neue US-Prä­si­dent ver­ach­tet die In­sti­tu­tio­nen der li­be­ra­len De­mo­kra­tie und pre­digt den Na­tio­na­lis­mus. Was Eu­ro­pa da­ge­gen un­ter­neh­men kann

Donauwoerther Zeitung - - Meinung & Dialog - VON WAL­TER ROL­LER ro@augs­bur­ger all­ge­mei­ne.de

Vor drei Wo­chen hat Do­nald Trump die Füh­rung der Su­per­macht USA über­nom­men. Nie­mand weiß, was der irr­lich­tern­de Prä­si­dent ge­nau im Schil­de führt und ob er über­haupt se­ri­ös re­gie­ren kann. Si­cher hin­ge­gen ist: Nichts mehr wird so sein, wie es vor dem Auf­stieg die­ses selbst­ver­lieb­ten Nar­ziss­ten zum mäch­tigs­ten Mann der Welt war. Die Hoff­nung, Trump wer­de sich im Amt ei­ner ge­mä­ßig­te­ren Gan­gart be­flei­ßi­gen, ist zer­sto­ben. Er führt nicht zu­sam­men, son­dern treibt die Spal­tung des Lan­des vor­an. Er pö­belt und lügt, wie er es im Wahl­kampf ge­tan hat. Er er­lässt De­kret um De­kret und macht Ernst mit sei­nem Plan, sein Land und die in­ter­na­tio­na­le Ord­nung um­zu­krem­peln. Noch ist nichts pas­siert, was die maß­lo­sen, hys­te­ri­schen Ver­glei­che Trumps mit Hit­ler oder den Ter­ro­ris­ten des „Is­la­mi­schen Staa­tes“auch nur an­nä­hernd recht­fer­ti­gen könn­te. Kein Kri­ti­ker ist ver­haf­tet, kei­ne Zei­tung ge­schlos­sen, kein Rich­ter ent­las­sen, kein Ab­ge­ord­ne­ter ver­jagt, wie es in den Re­gi­men Pu­tins und Er­do­gans üb­lich ist. Wer jetzt schon we­gen ei­ner ge­feu­er­ten Jus­tiz­mi­nis­te­rin oder ei­nes – von der funk­tio­nie­ren­den Jus­tiz aus­ge­setz­ten – Ein­rei­sestopps für Men­schen aus sie­ben is­la­mi­schen Län­dern den Un­ter­gang der De­mo­kra­tie an die Wand malt, lässt je­des Au­gen­maß ver­mis­sen.

Trotz­dem wä­re es fa­tal, die ge­ra­de­zu re­vo­lu­tio­nä­re Stoß­rich­tung der na­tio­na­lis­ti­schen, pro­tek­tio­nis­ti­schen Be­we­gung Trumps zu un­ter­schät­zen. Denn die­ser Mann ist tat­säch­lich ge­fähr­lich. Dass er ei­ne Mau­er an der me­xi­ka­ni­schen Gren­ze bau­en, In­dus­trie­jobs zu­rück­ho­len oder nicht mehr den Welt­po­li­zis­ten spie­len will – das hat er an­ge­kün­digt, da­für wur­de er ge­wählt, und dar­an ist nichts per se Ver­werf­li­ches. Das Ge­fähr­li­che an die­sem Mann ist, dass er sich als Voll­stre­cker des an­geb­lich wah­ren Volks­wil­lens ge­bär­det, den glo­ba­len Wett­be­werb als Wirt­schafts­krieg zwi­schen Na­tio­nen ver­steht und al­les ver­ach­tet, was ei­ne li­be­ra­le De­mo­kra­tie aus­macht: die In­sti­tu­tio­nen der Ge­wal­ten­tei­lung, die Jus­tiz, das Par­la­ment, ei­ne freie Pres­se. Und kein US-Prä­si­dent vor ihm hat je­mals so ab­fäl­lig über je­ne in­ter­na­tio­na­len Bünd­nis­se und Or­ga­ni­sa­tio­nen ge­re­det, die den Wes­ten zu­sam­men­hal­ten und die Wel­t­ord­nung ver­kör­pern. Die Na­to? „Ob­so­let“, über­holt! Die EU? Dem Zer­fall preis­ge­ge­ben, weg da­mit!

Trump pre­digt nicht nur den Rück­zug der USA aus den Hän­deln der Welt und das En­de des Frei­han­dels. Er wirft auch je­ne uni­ver­sa­len Wer­te über Bord, die Ame­ri­kas au­ßen­po­li­ti­sches Han­deln – bei al­len schwe­ren Feh­lern – meist ge­lei­tet und die USA zu ei­nem „Leucht­turm der Frei­heit“(Joa­chim Gauck) ge­macht ha­ben.

So ir­ri­tie­rend und alar­mie­rend Trumps von Eu­ro­pas Rechts­po­pu­lis­ten ge­fei­er­ter Feld­zug ist: Es gilt, trotz al­lem küh­len Kopf zu be­wah­ren. Ame­ri­kas al­te, sta­bi­le De­mo­kra­tie ist ge­fes­tigt ge­nug, um die­sem Au­to­ri­ta­ris­mus die Stirn bie­ten zu kön­nen. Un­ru­hi­ger und un­si­che­rer wer­den die Zei­ten al­le­mal – ge­ra­de auch für die Eu­ro­pä­er, de­ren Si­cher­heit auf dem trans­at­lan­ti­schen Bünd­nis mit den USA be­ruht. Mit Em­pö­rung und Pro­test al­lein ist nichts zu er­rei­chen. Mehr denn je kommt es jetzt dar­auf an, dass die zwi­schen Trump und Pu­tin ein­ge­klemm­te EU in­ter­na­tio­nal hand­lungs­fä­hig wird, ih­re Auf­ga­ben er­le­digt, die ei­ge­nen Ver­tei­di­gungs­an­stren­gun­gen er­höht und ihr (Wirt­schafts-)Ge­wicht selbst­be­wusst in die Waag­scha­le wirft. Das ist die Vor­aus­set­zung, um sich im Clinch mit Trump (und Russ­land) be­haup­ten zu kön­nen. Ein zer­strit­te­nes, zur Lö­sung von Pro­ble­men wie der Flücht­lings­kri­se un­fä­hi­ges Eu­ro­pa ist we­der der neu­en Her­aus­for­de­rung durch Trump ge­wach­sen noch im­stan­de, die eu­ro­päi­schen Trum­pis­ten zu stop­pen.

Wir ge­hen noch un­ru­hi­ge­ren Zei­ten ent­ge­gen

Zeich­nung: Cal­le­ri

Der Schulz Ef­fekt

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.