Zeit des Über­gangs in Schloss Bel­le­vue

Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter St­ein­mei­er wird erst am 22. März ver­ei­digt. Aber schon trifft er Ent­schei­dun­gen über sei­nen künf­ti­gen Mit­ar­bei­ter­stab und die ers­ten Aus­lands­rei­sen. Was er ver­dient und wo er vor­aus­sicht­lich woh­nen wird

Donauwoerther Zeitung - - Politik -

Ber­lin Der neue Bun­des­prä­si­dent ist ge­wählt, aber der al­te bleibt noch ei­ne Wei­le im Amt. Frank-Wal­ter St­ein­mei­er wird die Zeit nut­zen, sei­ne neue Mann­schaft zu­sam­men­zu­stel­len. Für Joa­chim Gauck heißt es Ab­schied neh­men.

Wie geht es nach der Wahl vom Sonn­tag wei­ter?

Fest steht, dass Gaucks Amts­zeit am 18. März um Mit­ter­nacht en­det, die sei­nes Nach­fol­gers am 19. März um 0.00 Uhr be­ginnt. Am 17. März wird der schei­den­de Bun­des­prä­si­dent mit ei­nem fei­er­li­chen Gro­ßen Zap­fen­streich ver­ab­schie­det. Die Ve­rei­di­gung des Neu­en vor Bun­des­tag und Bun­des­rat fin­det ver­mut­lich am 22. März statt.

Was pas­siert bis zur Amts­über­nah­me in fünf Wo­chen?

Für Joa­chim Gauck geht es erst ein­mal wei­ter wie bis­her. Er hat zwar kei­ne Aus­lands­rei­sen mehr ge­plant – die letz­te führ­te ihn am 9. Fe­bru­ar nach Ri­ga –, aber es gibt noch Rei­sen et­wa nach Meck­len­burg-Vor­pom­mern und nach Bonn. Er emp­fängt Staats­gäs­te wie den ka­na­di­schen Re­gie­rungs­chef und wird wei­ter Or­den ver­lei­hen, die Berlinale be­su­chen und auf der Münch­ner Si­cher­heits­kon­fe­renz ei­nen Preis ent­ge­gen­neh­men. Ak­tu­ell kämpft der Bun­des­prä­si­dent aber mit ei­ner Er­käl­tung, so­dass er bei­spiels­wei­se ges­tern nicht den tu­ne­si­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Yous­sef Cha­hed im Schloss Bel­le­vue emp­fan­gen konn­te. St­ein­mei­er hat nach sei­nem Rück­tritt als Au­ßen­mi­nis­ter be­reits En­de Ja­nu­ar ein klei­nes Bü­ro im Bun­des­tag be­zo­gen – denn Ab­ge­ord­ne­ter ist er bis jetzt ja noch. Dort be­rei­tet er sich mit sei­nen Ver­trau- ten und Rat­ge­bern auf die Zeit als Staats­ober­haupt vor. Die ers­te kur­ze Re­de hielt er am Sonn­tag di­rekt nach sei­ner Wahl. Nach sei­ner Ve­rei­di­gung wird er Schwer­punk­te sei­nes Pro­gramms vor­stel­len.

Wel­che Mit­ar­bei­ter nimmt St­ein­mei­er mit ins Prä­si­di­al­amt?

Bis­her sind nur we­ni­ge Na­men be­kannt, am Mon­tag wur­de der ers­te be­stä­tigt: Die 47-jäh­ri­ge NDR-Hör­funk­jour­na­lis­tin An­na En­gel­ke wird neue Spre­che­rin des Bun­des­prä­si- den­ten. Als si­cher gilt, dass ihm Staats­se­kre­tär Ste­phan St­ein­lein aus dem Aus­wär­ti­gen Amt ins Schloss Bel­le­vue folgt. Er soll neu­er Chef des Prä­si­di­al­amts wer­den. Auch St­ein­mei­ers Bü­ro­lei­te­rin Dör­te Din­ger wird ihn wohl wei­ter be­glei­ten.

Sind schon die ers­ten Rei­sen ge­plant?

Noch wird dar­an ge­ar­bei­tet. Üb­li­cher­wei­se gibt es zü­gig An­tritts­be­su­che in Pa­ris und War­schau, bei der Eu­ro­päi­schen Uni­on in Brüs­sel und bei an­de­ren Nach­barn. St­ein­mei­er wird aber vor­aus­sicht­lich auch ver­su­chen, schnell in­nen­po­li­ti­sche Prä­senz zu zei­gen. Ei­ne Fra­ge lau­tet schon jetzt: Wird er in sei­ner Amts­zeit das tun, was Gauck in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren nicht ge­tan hat, näm­lich den rus­si­schen Prä­si­den­ten Wla­di­mir Pu­tin be­su­chen? Ei­ne Ein­la­dung aus Mos­kau liegt seit Sonn­tag je­den­falls schon vor.

Ver­dient der Bun­des­prä­si­dent mehr als der Au­ßen­mi­nis­ter?

Groß ist der Un­ter­schied nicht: Das Ein­kom­men des Staats­ober­haupts wird im Bun­des­haus­halt fest­ge­legt und liegt bei 227000 Eu­ro. Bun­des­mi­nis­ter er­hal­ten das 1,3-Fa­che der Be­sol­dungs­grup­pe B11. Da kom­men der­zeit rund 210000 Eu­ro zu­sam­men.

Wird St­ein­mei­er im Schloss Bel­le­vue woh­nen?

Ganz klar nein. Seit Ro­man Her­zog hat kein Bun­des­prä­si­dent mehr im Schloss ge­wohnt. Der­zeit wird ge­klärt, ob St­ein­mei­er in sei­nem Haus in Ber­lin-Zeh­len­dorf blei­ben kann. Das ist si­cher­heits­tech­nisch auf die An­for­de­run­gen ei­nes Au­ßen­mi­nis­ters ein­ge­rich­tet, ob es auch ei­nem Bun­des­prä­si­den­ten ge­nügt, wird noch ge­prüft. Gauck je­den­falls bleibt erst ein­mal in der Di­enst­vil­la im Stadt­teil Dah­lem. Dass sie in Ber­lin blei­ben wol­len, ha­ben Gauck und sei­ne Le­bens­ge­fähr­tin Da­nie­la Schadt schon an­ge­kün­digt.

Und wie geht es für die Frau­en an der Sei­te des bis­he­ri­gen und des künf­ti­gen Bun­des­prä­si­den­ten wei­ter?

St­ein­mei­ers Frau El­ke Bü­den­be­n­der hät­te wohl ger­ne als Rich­te­rin wei­ter­ge­ar­bei­tet. Da gibt es aber Ein­wän­de we­gen mög­li­cher Kon­flik­te. Ob sie aber wie Da­nie­la Schadt auf fast al­len Rei­sen ih­res Part­ners da­bei sein wird oder et­wa Schirm­herr­schaf­ten für Unicef und an­de­re Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen über­nimmt, steht noch nicht fest. Und was die ehe­ma­li­ge Jour­na­lis­tin Da­nie­la Schadt in Zu­kunft macht, ist auch noch nicht be­kannt. Sie hat aber schon an­ge­kün­digt, auf al­le Fäl­le wie­der in die Be­rufs­welt zu­rück­keh­ren zu wol­len.

Archivfoto: Wolf­gang Kumm, dpa

Wenn sich der Bun­des­prä­si­dent nicht im Aus­land, in sei­nem Bon­ner Amts­sitz oder ei­nem Gäste­haus der Bun­des­län­der auf­hält, weht die Di­enst­flag­ge über Schloss Bel­le­vue. Die Sand­stein­fi­gur sym­bo­li­siert üb­ri­gens den Acker­bau und er­in­nert an die länd­li­che Ver­gan­gen­heit des spät­ba­ro­cken Ge­bäu­des.

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