An­kla­ge: Stu­dent soll sei­ne Mut­ter tot­ge­prü­gelt ha­ben

Jus­tiz Tod ei­ner 42-Jäh­ri­gen in Do­nau­wörth: Staats­an­walt­schaft schließt Er­mitt­lun­gen ab

Donauwoerther Zeitung - - Donauwörth - VON WOLF­GANG WIDEMANN

Do­nau­wörth/Augs­burg Die Staats­an­walt­schaft Augs­burg ist nach rund sie­ben­mo­na­ti­gen Er­mitt­lun­gen der An­sicht, dass ein 21-Jäh­ri­ger im Au­gust 2016 in Do­nau­wörth wohl sei­ne Mut­ter um­ge­bracht hat. Die Kon­se­quenz: ei­ne An­kla­ge we­gen Tot­schlags. Der Pro­zess fin­det mög­li­cher­wei­se im Mai vor dem Schwur­ge­richt in Augs­burg statt.

Der Fall sorg­te im ver­gan­ge­nen Som­mer für Auf­se­hen in der Re­gi­on. Der jun­ge Mann setz­te am 3. Au­gust am frü­hen Nach­mit­tag ei­nen No­t­ruf ab und sag­te, er ha­be sei­ne Mut­ter in der ge­mein­sa­men Woh­nung leb­los auf­ge­fun­den. Die Ret­tungs­kräf­te fan­den die 42-Jäh­ri­ge in der Toi­let­te. Für die Frau kam je­de Hil­fe zu spät.

Die nä­he­ren Um­stän­de rie­fen die Po­li­zei auf den Plan. Die Lei­che wies mas­si­ve Ver­let­zun­gen auf, in dem WC be­fan­den sich zahl­rei­che Blut­spu­ren. Weil sich der Sohn bei den Ver­neh­mun­gen in Wi­der­sprü­che ver­wi­ckel­te, ge­riet er ins Vi­sier der Er­mitt­ler. Ein Rich­ter er­ließ tags dar­auf Haft­be­fehl ge­gen den Stu­den­ten – und zwar we­gen des Ver­dachts des Tot­schlags. Der 21-Jäh­ri­ge be­stritt von An­fang an, et­was mit dem Tod sei­ner Mut­ter zu tun zu ha­ben.

In den fol­gen­den bei­den Wo­chen nah­men Spe­zia­lis­ten des Lan­des­und des Bun­des­kri­mi­nal­amts die Woh­nung un­ter die Lu­pe. Dies ge­schah in ei­nem Um­fang, der laut Kri­po in Nord­schwa­ben bis­lang ein­ma­lig ist. Es wur­den nicht nur Spu­ren ge­sucht und ge­si­chert. Gut­ach­ter be­schäf­tig­ten sich auch mit der Fra­ge, wel­che Spur wie ent­stan­den sein könn­te. Dar­aus er­hoff­ten sich die Er­mitt­ler Rück­schlüs­se, was sich im Lau­fe des Vor­mit­tags oder Mit­tags am 3. Au­gust in den Räu­men der Miet­woh­nung ab­ge­spielt hat.

Be­am­te der Ope­ra­ti­ven Fal­l­ana­ly­se (die­se wer­den auch Pro­fi­ler ge­nannt) aus Mün­chen nah­men die Räu­me im ers­ten Stock des äl­te­ren, klei­nen Hau­ses eben­falls in Au­gen­schein – und be­schäf­tig­ten sich auch mit den Per­so­nen – so­wohl dem Op­fer als auch dem mög­li­chen Tä­ter. Zu­letzt stand noch ein Gut­ach­ten aus, das sich spe­zi­ell mit den Blut­spu­ren be­fass­te.

Der­weil un­ter­nahm Flo­ri­an En­gert, Ver­tei­di­ger des 21-Jäh­ri­gen, um den Jah­res­wech­sel meh­re­re Ver­su­che, sei­nen Man­dan­ten vor­erst aus der Un­ter­su­chungs­haft zu be­kom­men. Die je­weils zu­stän­di­gen Ge­rich­te ver­war­fen je­doch so­wohl ei­ne Haft­be­schwer­de (beim Land­ge­richt) als auch ei­ne wei­te­re Be­schwer­de (beim Ober­lan­des­ge­richt).

An­walt: Kein Be­weis, nur In­di­zi­en

Be­züg­lich der To­des­ur­sa­che war von­sei­ten der Er­mitt­ler zu­nächst all­ge­mein von „mas­si­ver Ge­walt­ein­wir­kung“die Re­de. In ei­ner Pres­se­er­klä­rung kon­kre­ti­siert die Staats­an­walt­schaft nun die Vor­wür­fe. Dem­nach sei der Sohn „drin­gend ver­däch­tig“, die 42-Jäh­ri­ge in der Toi­let­te re­gel­recht tot­ge­prü­gelt zu ha­ben. Er soll die Frau „mit Schlä­gen, Trit­ten oder Stö­ßen so mas­siv miss­han­delt und dann hilf­los lie­gen ge­las­sen ha­ben, dass sie in­fol­ge der Ver­let­zun­gen starb“.

Nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Zei­tung kommt die Staats­an­walt­schaft an­schei­nend durch das Be­trach­ten al­ler Um­stän­de zu die­sem Er­geb­nis. Soll hei­ßen: Die Be­hör­de geht da­von aus, dass sich in der Woh­nung aus­schließ­lich die Mut­ter und ihr Sohn be­fan­den – und dass die Frau sich die Ver­let­zun­gen nicht selbst bei­ge­bracht ha­ben kann.

An­walt En­gert bleibt in­des bei sei­ner Ein­schät­zung, wo­nach „es nach wie vor kei­nen Be­weis, son­dern nur In­di­zi­en gibt“, wo­nach der 21-Jäh­ri­ge sei­ne Mut­ter um­ge­bracht hat. Der Ver­tei­di­ger hält wei­ter da­ge­gen, dass über­haupt kein Mo­tiv er­kenn­bar sei.

Mo­men­tan sitzt der An­ge­schul­dig­te in der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt Ga­b­lin­gen ein. Laut En­gert be­ab­sich­tigt die zu­stän­di­ge Kam­mer des Land­ge­richts, den Pro­zess auf Mai zu ter­mi­nie­ren. Soll­te der jun­ge Mann we­gen Tot­schlags ver­ur­teilt wer­den, droht ihm ei­ne Ge­fäng­nis­stra­fe zwi­schen 5 und 15 Jah­ren.

Fo­to: W. Widemann

Bei der Spu­ren­su­che setz­te die Po­li­zei im Au­gust 2016 in Do­nau­wörth auch Spür hun­de ein.

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